Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 37 (21.9.1917)
- Date
- 1917-09-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Dr . Blocht bMuch HMe keinen Mund uM keine Wirkung; ganz ähnlich' Hai bpr Rachschon. Amraut G-aon (869/81 in Sura) imiit in seiner Gebetordnung (Seher Rab ÄrnraMGaon) Mol Nidre" als .-von in-anchen" gesagt. Das alles sind MiMnckn von Antoren aus Ländern des Kalifats- Berichte aus Gemeinden, die nicht unter christlicher Herrschaft standen. Dort war inan Mer Sinn, Bedeutung und Geschichte dieser Liturgie int Unklaren, wie auch in späteren Zeiten: die Erinnerung an die Entstehungsgeschichte sich verwischte. Die Gewaltherrschaft der Westgöthen in Spanien dauerte wenige Jahrhunderte, dann wurden sie plötzliche aus der Völkerfamilie gestrichen. ^^^«nLvdWckheft,- MWandÄten Juden begrüßten den siegreich vordringenden mUhaiNedanischen Eroberer Tarif, der ein kampffreudiges Heer von Afrika nach Andalusien führte, wie einen Mlöser. In der heißen Schlacht an den Ufern des G-uadakate wurde das Schicksal des Gothenvolkes besiegelt und es begannen die acht Jahrhunderte arabischer Herrschaft, während welcher Spanien es 'Zu einer Kulturhöhe gebracht, dieses seitdem nie erreicht hat. Bald sähen wir die Juden in Hohem! Ansehen, in hervorragenden StelluiMN, Staatsmänner, Gelehrte und die Mischen Gemeinden entwickelten sich zur höchsten Blüte. GxheiMjuden giab es in diesem! glücklichen Zeitabschnat nicht mehr. Dre Liturgie „Köl Nid re" vor Beginn Ms ^Versöhnungsfestes! blieb aber unangetastet, geheiligt durchs eiw Mter vieler Jahrhunderte. Wie und wodurch'"fie^entstanden sein rn!ag, darDier spintisierte nran nicht viel in einer Leit, in der hervorragende Dichter das Machsor mit Poesien immerwährend bereicherten. „Kol' Nidre" und! JoM-Kippur waren züsamMengewachsen, gehörten zueinander. Und wieder wandelten sich die Völkergeschicke. . Es kam dann die Zeit, da das stütze Kalisenreich auf spanischem Böden Zugrunde ging.^^Anfänglich chatten auch die christlichen Könige romanischer AbstaMmüng' den Juden alle Hechte "Nnd Freiheiten zugesichertderen sie sich unter arabischer 'Herrschaft zu erfreuen hatten. Mit der Mnsnhruntz Wr --Inquisition' begann die Periode der. Fwangstaüfen '/und! des sogenannten „Marranentunrs". Für die .Ausbreitung ^der Religion arbeiteten lvrederum Rad, Galgen und der slaminende Holzstoß» Bor dem Grauen und Schirecken der Autodafes flüchtete nmn sich wieder in den Schutz eines Scheinchristentunts. Wiederum mißtraute man den „Neubekehrten" und ließ sie dre ^schauerlichsten?Eide schwören, daß sie es ernst weinen mit der Ausgabe der „Mischen Ketzerei". Nun kam der Vorabend! des Versöhnungsfefles,von Angst und Gewissenspein.ergriffen, schlichen sie sich in verMurmnten Gewändern 'in . das Betlokal ehemaliger Glaubensgenossen, um dort den JoM-Kippür zu feiern. Mer diese wehrten den Abtrünnigen'- die Teilnahmeam Gottesdienst. ' \' Die Inquisition hatte die Scheinchristen gezwungen, tzweimal jährlich in der Kirche den neuen Glauben zu beschwören. Zu geloben. ckMe Mi'chen Bräuche zu Men, und zwar gerade vor JonEiPpur und vor Erew Pessach —- gleichzeitig zu beichten und das Abendmahl zu empfangen^ : Das waren Ünmörälische' Zwangseide, welche aber!ms Gewissen der sGenwinde schwer belasteten. Daß „Kol Nidre" eigentlich von 'solchen Märchrern herrührt und ihnen gehört, hatte man längst vergessen. Wenn diese Zwstngschristen inmitten.der betenden Juden erschienest,, weigerte man', sich anfäirglich, ihnen die Teilnahme am Gottesdienst zu gestattest' - ■' ~ Damals wurde es Mlich, daß vor Beginn des t.Kvl Mbre" ein dreigliedrMs Bes' Din bei entsgehobenen Möwrvllen Mt der bekannten/ auch in unserem Mach- .sorÄns beigedruckten Formel erlaubte/^ Mt - den Ueber- MkerM zu' beteM Wochenschrift Sr. 37 . rrcsö raw iihyfc bv ris^s ^npn njn njn.vbj? : tDax ^snnV pTnö'ux 1 ' - ’ - -u . Das gehört einer .zweiten, historischen Schicht -11/ die Zeugnis ablegt von der ewigen Wiederkehr^hes Gleichen. Im Zeitalter der Westgöthen wären es ganze Gemeinden der Anussim!, die in ihrer Gewissensnot, -nur ihren Gottesdienst am Jom-Kippür abhalten, zu dürfen, die Liturgie des „Kol Nidre" vor Beginn des Gottesdienstes schufen undeinrichteten. Später galt es, einzelnen Marranen die Teilnahme am Mischen Gottesdienste gegen den Widerspruch und die Bedenken der Gemeinde tzu gestatten. Das ist das große Mysterium: Kol Nidre — ein jahrtausend altes, tränenreiches Dokument jüdischen Seelenleides und Mischen Märtyrertums/ ein ehrfurchtgebietendes Denkmal Mischer Gottestreue aus Zeiten des Leides und der Drangsale. Und so begreifen wir jenes Rätsel der Rätsetz daß dieser uns 'ganz bedeutungslos scheinende Text, der nur Formel, weder Gebet noch Erhebung ausdrückt, von einem schauerlich-erhabenen Zeremoniell begleitet, mit seinen altMischen Klängen an Me . Tiefen der Seele rührt, jung! und alt ergreift und selbst auf jene-die Anziehungiskraft bewahrt hat, die sich längst dem Mischen Heim entzogen haben. Wie oft hat er abtrünnige Söhne unseres Volkes gelockt, an diesen: Abend in die Synagoge sich zu schleichen, um jenen alten Weisen zu lauschen, dieser traurigen. Melodie von dem Zwiespalt des Herzens, der Zerrissenheit der Seele, der großen Lebenslüge, die bei aller Traurigkeit schließlich 'in Versöhnung! und Hiebe, in Vergebung und Erlösung ausklingt -— in die siegreiche Zuversicht der allverzeihenden Gottesliebe! Knegsdekoralionen jüdischer Hffiziere und Soldaten. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: das Osfizierskreuz des Franz Josef- O.rdens init der Kriegsdekoration in Anerkennung vor- ' züglicher und aüsopferungsvoller Dienstleistung vor dem, Feinde dem Oberstabsarzt 1. Klasse Dr. Maximilian H e rz 0 g, Korpsaxzt; dem Ldst.-RegsinentsarzL Doktor Einil G r 0 szMan n, Div.-San.-Kolonne; . das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens mit der Kriegsdekoration in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung vor dem Feinde deMHptM.-Rechnungsführer Moses B o deck, J.-R.; dem Oberarzt d. R. Dr, Hugo Adcker, J.-R.; / das Militärverdien st kreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern für tapferes Verhalten dem Oberleutnant d. R. Artur W i n t e r n i tz, bosn. J.-^R.; denr Leutnant d. R. Paul Adler, Fest.!- Art.-Bat.; dem vor dem! Feinde gefallenen Leutnant d. R. Walter H i r sch, Feldhaüb.-Reg.; den Oberleutnants d. R. Siegfried L u st ig,- Fest.--Art.-Reg., Simon K o f s l e r, J.-'R., Isaak Barbar Jägerbat-, Karl Weiß/Schützenregiment; dem Leutnant d. R.. Max H ilfr eich, .Jäger- Bat.; dem Oberleutnant d. R. SaloMon. Le b e n s a r,t, J.-R.; dem Ldst.-Oberleutnanr Hugo Me i s e l, Brigade- Kdo..; dem Leutnant d. R. Hermann R 0 s e n z w ei g, GMr-Urt.-Reg.; den Oberleutnants d.. R:. FerdinaM P er lb e r g, J.-R., EdMund Jona s ch, Geb.-Art.-Reg,'; .Otto Lö wenthal, Sappeurbat.; den Leutnant d. R Josef Beer S p iege l, Feldkanonenreg.; Leo Eh bl i ch, FeldhaM.-Reg., Alexander S zecke l y (Schlesinger), Geb>- Art.-'Reg., Friedrich H i r s ch, Geb.-Art.-Reg.; dem Ober? leutnant d. R. 'Eugen Mn nHrnng. Ldwreg. '