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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-09-14 · 36 (14.9.1917) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
36 (14.9.1917)
Date
1917-09-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite Ü9L Dr. BLoH's vorgewachsen. Er hat die Mauern des Ghetto mit einerherrischen Wucht durchstoßen und er steht jetzt aus der Weltmacht man-hört das,Echo seiner Stimme über das Leid der Gegenwart, in dem sich! das alte Jüdenvolk befindet. ... : 1. Die Geburt. Am ersten Sedembend (wörtlich .Tafelabend, die Wende des Pesfachfestes am 14. und 15. Nissan), des Jahres 5273 (1513) wurde dem wegen seiner Frömmigkeit hochgeachteten Rabbi Bezalel in der alten. Stadt Worms in Deutschland ein . Sohn geboren. Schon die Geburt dieses Wunderkindes brachte seiner Gemeinde, ja dem Gesamtjudentum die wunderbare Rettung von einem großen Unglück. . Es ist sattsam 'bekannt, welchen Feindseligkeiten und Verfolgungen die Juden in Europa, insbesondere in Deutschland wegen der alten und immer neu ausftackernden Lüge, daß, sie für das Pessachj-(Oster-)Fest Ahristenblut Zeitigen, ausgesetzt waren. Diese Beschnldigung.gegenüber dem „auserwählten Volke" breitete sich« wie eine Pest in vielen Läirdern und' Städten aus, und es verging - Mn Pessachsest, daß man nicht in einen Judentempelhos oder in den Keller eines Gemeindevorstehers eine christliche Leiche eingeschmuggelt hatte, um euren Vorwand zu erlangen, Gott.zum Lobe und dem chrijAicher: Glauben zu Ehren gegen die Juden loszustumnen. ■" So geschah es auch an jenem Pessachabend, als Rabbi Löw das Licht der Welt erblickt hatte. Die Juden im Ghetto. Merten das Besreiungssest, das uralte Fest, das an eine Zeit die Erinnerung wachjhält, in der ein versklavter Stamm seiner adligen Herkunft eingedenk wurde und zum Volke erwachte. 7-Mn^MHMey^Me'MrWfW ÄMMLkiMSlen Feste eine solche Bedeutung wie für das Mische; keinem Volke sind seine Feste eine solche Q,uelle der Stärkung Mnd der Tröstung Wie l den Juden. Derm ihnen müssen die Feste einen großen Teil dessen geben, -was' anderen Böllern ihr alltägliches, ihr normales Dasein gewährt. Und so kommt ech daß jedes Mische Fest für den Juden eine Art von Oase in der oft so öden und qualvollen Wüste seiner Golusexistenz darMlt, die ihn stärkt und erfrischt und neue Kraft zur Ertragung seiner Leiden Wendet. Und darum siird dem Juden seine Feste nie willkommener, nie. beglückender, als gerade in Zeiten besonders großer Not und doppelt schwerer -Qual. Rem jüdische Fest ist, voU''diesem Gesichtspunkte geseheir, reichhaltiger und bedeutsamer als das Pessachsest. Nicht nur die Tatsache der Befreiung selbst ist der charakteristische Gründung der Mischen Geschichte geblieben; auch! die Art der Befreiung, ist typisch geblieben. Immer vollzog sich die Mische Errettung, wie in Aegypten, im Augenblicke der höchsten Not und immer in der Art eines Wunders. ' ' Es war eine herrliche Nacht. . Still schwamm der Mond am Aaren Himmel und die Sternchen lächelten und grüßten mit ihren sanften Strahlen. Draußen wÄ es stlll, die Judengasse wie ausgestorben; aus den Fenstern aber schlug ein reiches Licht in die menschenleere Gasse. Mit ergriffener Inbrunst und tiefer Andacht las jeder " Jude die Hagada, die Geschichte des Auszuges aus Aegypten, und ergötzte sich an die Plagen, die) der Ewige Aber den Aegypter, den Tyrannen, den Jüdenbedrücker, gebracht chatte. Der Hausvater nahm das Bitterkraut, .den Morer, zeigte .es seinem Hausgesinde, Indem-Mr^mit lauter^Stimme--spWch.:.. ,,Mes BitteMant essen wir weshalb? Weil uNsdie ^Aegypter unser Leben Wochenschrift Nr.; 36 verbitte t haben." Mit verrückender Stimme wurde das HaLLelf.eikt (Psalm, Kap. 113 bis 118) angestimmt und die. Töne drangen Lrimnphierend hinaus. Besonders.schön verlies die SederMr im Hause des Rabbi Bezalel, des in seiner Gemeinde..hochangesehenen -Gottesgelehrten, wo, treu dem Worte der Hagada: „Wer .hungrig ist, komme und esse" 'auch viele arme familienlose Glaubensgenossen als Gäste zur Tafel geladen -waren, was die freudige Stimmung des Festes - steigerte. . Mit Begeisterung wurden die für diesen Abend sinnvoll zusammengefaßten Psalme)r und heiligen Lieder angestimmt.-Besonders rührend erklang, das Dankgebet: „Darum müssen wir Ihm danken, Ihn loben und preisen. Ihn, der an unseren Vätern und an uns Wunder getan hat. Er führte uns aus der -Knechtschaft!zur Freiheit, aus Kummer zur Freude, aus der Trauer zum Feste,, aus dem. Dunkel ins Licht, aus Sklaverei zur Erlösung. — So laßt uns vor Ihm singen Hallelujah!" Und als es . zum Empfang (Nach einer alten Annahme erscheint an den Sederabettdender Prophet.Elias, zu /dessen Ehren die Tstr geösftret und ein Becher mit Wein gefüllt wird.) des Propheten Elias kam, sprach Rabbi Bezalel in flammender Andacht laut- und kräftig, fast gebieterische: 1 „Gieße. deinen Grimm -auf die Völker, die .dich nicht kennen, und auf die Gewaltreiche, die deinen Namen nicht anrufen, denn sie haben Jakob ausgesresseir und sein Prachthaus verwüstet; schütte 'über sie deinen Zorn und. dem Grimm erreiche sie, verfolge sie mit Glut und tilge sie aus unter den Gotteshimmeln", ein Gebet, das die Juden von Jahr zu Jahr an hen WcherMenden.,Mtragen^ womitt„sie, die,, Gottlosen, dje Menschelchäfter und' finsteren'MHte MrwPschen.)', ' Und als die melodische Litanei: „Und nun war es Mitternacht",' ertönte, — da wurde ein Aechzen ein erbärmliches Stöhnen vernehmbar'. Die biedere, fromme Gattin Rabbi Bezalels, die der Cmtbindung entgegensah, wurde von Geburtswehen ergriffen. Da liefen einige Leute hastig in die Gasse hinaus, um die Hebamme zu holen. In demselben Augenblick nahte dem Hause Rabbi .Bezalels ein Mann, bis Mer den Kopf in einem iGe-. wand ettrgehMtt; er trug .ein Bündel Mer die Schul!- tern. Trotz der Hellen Nacht, schritt er mit der Sicherheit eines Mannes vorwärts^, der seiner Wege sicher ist. Als er Mer die aus dem Hause Rabbi Bezalels herauskommenden Leute sah; schwenkte er in eine Nebengasse ein und begann die Flucht. Die Nachtwächter, die den Mann mit dem -Bündel .und die ans dem Hanse Rabbi Bezalels laufenden Leute erblickten, vermuteten, daß esrsich, um einen verfolgten Dieb handle, daher wurde er ergriffen und zur Stadtbehörde gebracht. Dort wurde sestgestellt, daß ber Mann eine Kindesleiche um Bündel verborgen hielt. Um nicht dem Verdacht, eines Mordes anheimzufallen, machte der Mann gar kein Hehl daraus;"daß er von einigen -christlichen Bür- ' gerrr, die er mit Namen nannte, - gedungen wurde, die Leiche eines tags vorher .gestorbenen §Rndes an den HauNeller. des Rabbi Bezalel unterzuschmnggeln. Da wurde Die'mette Sippe nochlim Laufe derseMnsRacht in das - Gefängnis gebracht. . Ditz Kunde der auf so wmcherbarer Weise erftlgten Erlösung der Jüden von einem schirecklichen-Unglück und gesährdrohenden Verdächtigung durcheilte blitzschnell die ganze Stadt. ,vn. - '.' Beim MorgengottLsdienst am . ersten Pessachtage wurden' Dmfkgebtzte verrichtet. 'Rabbi Bezaw'l tt)ielt Dinen

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