Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 36 (14.9.1917)
- Date
- 1917-09-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 36 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 593 Umgebung, erworben, so daß wir auch in Zukulrft die HLlD'ber-eLtschaft dieser Familien erhoffen dürfen. .^Innigen Dank schulden wir. dem dortigen Spitalsarzt Hern: Pr. Sieg-srisd Diamant, welcher die Aufmerksamkeit der dortigen Familien auf unseren Verein lenkte und der unsere Schützlinge ärztlich behütete, so daß der Gesundheitszustand ein ganz vorzüglicher war. Die Gewichtszunahmen der Schillinge gingen bis' zu acht Kilogramm. Dankbar erwähnen wir auch die Interventionen des Herrn Rabbiners Diamant in Vukovar. Diese Kinder sowohl wie die Kinder aus Diosjenö wurden bei ihrer Abreise von ihren Pflegern mit Lebensmitteln .bis zu 25 Kilogramm reichlich beschenkt, welche sie ihren armen Eltern miMachten. Auf der Heimreise haben sich die Frauenvereine von Zsolna, Preß,bürg und Neuhäusl der rnckkehrenden Kinder angenommen, indem sie sie reichlichst bewirteten. BikdungMnstat Mr Kindergärtnerinnen, II., Schiffamtsgasse 15. Die Einschreibungen in den 1. Jahrgang dieser seit dem Jahre 1868 bestehenden, mit der isr. Kinderbewahranstalt verbundenen Anstalt finden täglich vormittags bei der Direktion statt. Wie». Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Berisch Winter wird am kommenden ro^D ben 22. I. M.. um' 3 Uhr nachmittags, im Bethausverein „B'nai B'rith", 20. Bezirk, Karagangaffe 20, eine 77°^: abhalten. Wien. Samstag (Schabbos Schuwoh), 22. September, nach deni Minchagebet (4 Uhr nachmittags), hält Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Salonwn Funk eine Derafchah, verbunden init einem halachifchen .Vortrag über „Die Unzulässigkeit der Erfüllung von Geboten durch unerlaubte - Handlungen", Mizwoh habbooh boaweroh, Sukkah 30 a. Tempel- und SchnlMrein, Wien, VI. Stumpergasse 42. Die Einschreibung der Schüler und Schülerinnen für das Schuljahr 1917/18' find ei im Schulraunie statt: Donnerstag, den 20. Septenlbcr, abends von 7—9 Uhr; Sonntag, den 23. September, abends von 7—9 Uhr; Montag, den 24. September, von 7—9 Uhr. — Der Unterricht beginnt Mittwoch, den 10. Oktober 1917, 6 Uhr abends. Wien, im September 1917. Die Schulleitung. Ans dem Kedrn des hohen Kabbi Low. Nene GioLein-S,agen, gesammelt und bearbeitet von Ehaim Bloch, Delatyn. Du warst das Gold, vergraben im dunklen Gange des Blutgerichts, Und wie das Gold das Feuer von Schlacken reinigt, - - So sollst du im Feuer geläutert werden. . * Du warst der Phönix der sein Leben erneut Und dem Tode nicht Untertan bleibt. David Je schüren (lebte anfangs des. 17. Jahrhunderts). Unter den vielen. jüdischen Sagen und Legenden, . die von verschiedenen Künstlern verewigt und an die auch die neuere Dichtung mehrfach' anknüpft, sind die über den Golem unstreitbar als die schönsten anzusehen. -Keine - jüdische Sage hat mehr archaischen Reiz, keine mehr Kraft, den Leser tief zu berühren. v.; Und doch 'blieb eine beträchtliche Anzahl dieser Legenden dem deutschen Lesepublikum verschlossen, von den vielen um die Golemsörderung verdienten Männern übersehen. -< Bor mir liegt ein in hebräischer Sprache und Schrift gedrucktes, schmuckloses Büchlein, das sich „Wunder des Rabbi Löw" nennt, vor etwa dreihundert Jahren versaßt wurde und mit tragischen Episoden und entzückenden Legenden vollgefüllt ist. Ein Rausch lote von einem Narkotikum entströmt diesen Wnndergeschichten: Ringen. Wehmut, Triumph. Prag, die alte, ehrwürdigste Fudengemeinde Europas, die Heimat von Weisen, Gelehrten, ^Heiligen und Mystikern, die Stätte der tausend Wunder, unzähliger Schirecknisse und des erheoensten Schönheitsgeistes, dessen kulturvoller Charakter selbst in unserer Zeit in ri'chrender Weife unangetastet blieb, ist der Schauplatz dieser Legendenhandlungen. Und da erklingt ein Name: der des Rabbi Löw, eines der größten Säulen des Golus, um den die Legende einen üppigen Sagenkranz gewoben und viel Märchen gesponnen hat, von dessen wirklichem Leben aber dem deutschen Lesepübliknm herzlich wenig, so gut als, nichtsbekannt ist. Diese legendär strahlende Lichtgestalt des siebzehnten Jahrhunderts leuchtet dem .jüdischen Volke noch heute rnit all ihrer Wärme, Güte und' Barmherzigkeit, Schönheit und Treue voran. Der Mann, dem das Volk den Beinamen ..Hoher" gegeben hatte, war eine durchaus lyrisch veranlagte Natur: Er hatte eilt Herz, das von Liebe überströmte, eine Seele, die nach Gerechtigkeit dürstete, ein Gemüt, das' auf den Grundakkord des jüdischen Prinzipesj Schamhaftigkeir, Barmherzigkeit und Wohltätigkeit gestimmt war. Ein Zeitgenosse Rabbi Löws erzählt in Prunklosen Worten, in packender Natürlichkeit von der Geburt und den Jugendjahren des Rabbi, von seinem Dispute mit der Geistlichkeit und von den Gründen, bie_ ihn zum Erschaffen des Golem bewegten. Mittels mystischer Satzdeutungen, die ihn im Traume vom Himmel öekanntgegeben wurden, deren Struktur und Ordnung zu ergreifen nur er, einer der bedeutendsten Kabbalakenner, berufen war, und vielleicht auch Ihn bei der Lösung wirr machten, schaffte er den Golem, er formte ihn aus Lehm, gab ihm geistigen Odem und machte ihn zum Künstler — zu einem Sherlock Holmes. Reine Menschenliebe erwächst hier aus dem Grauen und heiligt das Schreckliche. . . . lind schon aus dieser schmucklosen Bearbeitung, die ich verdeutscht übergebe, schlägt die wüirgige Luft Rabbi Löws hervor wie vollends werden diese aber aussehen, wenn erst die Poesie einer unserer Dichter diesen Legenden moderne Gewänder geben wird? In seinem bekannten Roman „Der Golem" schreibt Meyrink: „Ich kann freilich nicht wissen, worauf sich die Golemlegende zurückführen läßt. Daß aber^ein irgend Etwas, was nicht sterben kann, in diesem Stadtviertel sein Wesen treibt und damit zusammenhängt, dessen bin ich sicher." Meyrink hat recht behalten.. Auch aus den hier wiedergegebenen Denkwürdigkeiten geht dies ja klar und deutlich hervor. Rabbi Löw bediente sich des Golem als Spitzel, Um Blutbeschuldigungen gegen die Inden aufzuktären und der Anstifter habhaft zu werden. Diese Blutbefchnldignng taucht seither von Zeit zu Zeit wieder auf; aber auch der Golem tritt mit all seiner Gewalt und gespensterischen Macht in verschiedenen Gestalten ans, nun gegen die größte Lüge der Jahrhunderte zu protestieren. Wir hörten vom Golem noch in unseren Kinderjähren, und er hat sich seither unauslöschlich in/unserer aller Erinnerungen eingegraoen. In den letzten Jahren ist er zu einer europäischen Persönlichkeit, mit der sich die modernen Schriftsteller und Künstler befassen,*) em- *) Artur Höllischer: „Der Golem", Ghetto-Legende, 1909. Gustav Meyrink: „Der Golem", Roman. 1916. > Hugo Steiner: „Der Golem", 25 Lithographien, 1916.