Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-09-14 · 36 (14.9.1917) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
36 (14.9.1917)
Date
1917-09-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3022248-3022285--26288-3051639
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 588 Nr. 36 Dr. Bloch's Wochenschrift Kerrnski — ein Jude ans .Riga. Die durchallerlei Vorkommnisse und Umstände, sowie durch das ganze Gehaben und die Physiognomie Kerenskis hervorgerufene Vermutung, daß der Diktator Rußlands, der rote Zar, der den gewesenen Zaren nach Sibirien schickte, ein Sprosse-jenes Stammes sei, der durch den Weltkrieg überallherrliche Karriere gemacht hat und als eine Art triumphierender Phönir aus dem Blutmeere der gegeneinander gehetzten christlichen Völker emporstieg,. findet in folgender Mitteilung des „Vollstem" in Pretoria ihre Bestätigung: Es dürste wohl nicht allgemein bekannt sein, daß der - russische Diktator Kerenski zwei Brüder hat, die in Johannesburg leben. Der eine dieser Brüder ist Hufschmied. Die Kerenskis sind aus Riga gebürtig und — israelitischen ' Glaubens. Der Minister Kerenski hat sich seinerzeit, als in Rußland die Judenverfolgungen begannen, taufen lassen und' „nahm" den griechisch-orthodoren Glauben „an", seine beiden Brüder dagegen haben den Glauben ihrer Väter be> halten und leben in Südastika als schlichte Bürger. Kerenski, der Umsturzmann, der Advokat und „große Redner", der auf denr Rücken des betrogenen Volkes von Stufe zu Stufe bis . zur Diktatur emporkletternde Demagog, zuerst „Pazifist" und nunmehr Friedensfeind und Offensive-Prediger, Gefolgsmann der Rothschild-Lity ist also gleichfalls vom Stamme Nicolsons, Reuters, Northcliffes, Sonninos e tutti quami. Ein russischer Eambetta! Ein Stammesgenosse der Charles Schwab, Kuhn, Loeb und aller Großverdiener des Krieges. Ein Stammesgenosse des Wilson-Botschafters Morgenthau, der den Amerikanern die Gründung eines Judenreiches (Palästina) als unerläßliches Kriegsziel empfiehlt. Nun ist nicht Mehr so unklar, warum Kermski den von den christlichen Völkern Rußlands so heiß ersehnten und vom früheren Zaren gewollten Frieden hintertreibt. SeWverständlich ist' das eine Lüge. K e r e n s k i, der angMich Ermordete, ist ebensowenig Jude, wie Schwab, Nicolsons oder Northcliffe; Kerenski ist in Wahrheit der Sohn eines russischen Geistlichen. Wein auch der Gegner Kerenskis', der Friedensfanatiker'Lenin, wird nicht minder als „Jude" denunziert. . lieber ihn weist die „Reichspost" zu melden (28. Aug. und"6^ Sept. 1917), "er sei „jüdischer Abstammung", hieß früher Zederman. „Mit einzelnen Führern der österreichischen Sozialdemokratie ist er eng befreundet, insbesondere als Jude mit Dr.^Adle x, - Vater und Sohn. Als Lenin bei Kriegs,auMruch auf österreichischem Moden als russischer Staatsbürger aufgegrifferr wurde, rief er Dr. Adlers Vermittlung an,, der denn auch bei dem später vom jungem Dir. Adler ermordeten Grafen Stürgkh Lenins Freilassung, erwirkte." Vermutlich ist dieser Bericht über Lenins Herkunft nicht besser ftmdiert, als jener über die Abstammung Kerenskis. Hat aber die biedere „Reichspost" vergessen, daß Dr. Lueger und Dr. Porz er, die Wiener Obergötter der christlichsozialen Antisemiten, Judenstämrnlinge waren, und die Familie derer „von" Schönerer nicht minder. - 1 Nichts hat den deutschen Namen im Ausland so schwergeschädigt, als dieseheuchlerische und verlogene Rassenschnj'üffelei. * * * Aus Amsterdam wird berichtet, daß der englische Arbeiterführer Thone der Zeitschrift „Justice" telegraphiert hat,, daß die Juden in Petersburg einstimmig erklärt hcchen, nran könne von ihnen weiterhin nicht verlangen, daß sie gegen Me österreichischen und deutschen Brüder kämpfen. Sie verlangen infolgedessen, daß die Interventionen bei der englischen und französischen Regierung für einen, schnellen Friedensschluß dringlich * wiederholt' werden? - * * Jacob H. Schiss hat im Vereine mit anderen jw- . disch-amerikanischen Persönlichkeiten an die englisch-ftanzösisM Kommission, in der sich bekanntlich Balsour. Biviani u. a. befinden, einen Brief gerichtet, der sich gegen den Wirtschaftskrieg nach dem Kriege wendet. * . * -i- Zum ersten Polizeikommissär von Newyork wurde dieser Tage der Anwalt Frank Moß ernannt. Moß wurde 1867 in Putnanr, Newyork. als Sohn jüdischer Eltern geboren und war als Advokat sehr bekannt. Ein Telegramm aus Petrograd meldet, daß die russische Regierung festgesetzt hat, jeder Volljährige könne seine Religion beliebig ohne Zustimmung und ohne nachteilige Rechtsfolge wechseln. Diese Bestimmung hat zur Folge, daß sich Massen getaufter Juden in den Kanzleien der Petersburger und Moskauer Rabbiner drängen, die zu ihrer .angestammten Religion zurückkehren wollen. Es kamen einzelne Personen und ganze Familien, die unter der alten Ordnung der Dinge gezwungen ivaren, zum orthodoxen Glauben überzutreten. Unter ihnen befanden sich sehr viele Akademiker, zwei Professoren der Moskauer Universität und einige hohe Regiernngsbeamte. Die Zahl der in den Schoß des Judentums Zurückkehrenden soll einige Tausend betragen. Durch die Presse des gewesenen Zarenreiches macht jetzt, so schreibt die „Krenzzeitung". die, wie ausdrücklich betont wird, aus sicherer Quelle stammende Nachricht die Runde, daß allein im Juni d. I. dort annähernd zweitausendsechshundert Juden zu Offizieren ernannt wurden. Wie das. Jüdische Korrespondenzbureau im Haag von authentischer Seite vernimmt, hat der gewesene italienische Minister und gegenwärtige Präsident der französisch-italienischen interparlamentarischen Union, Luigi Lüz z a t t i, von Baron Edmund R o t h s ch i k d in Paris eine Anfrage erhalten, wie er sich zur Idee, eines Judenstaates in Palästina verhalte, bezw. wie er sich dessen Gründung vorstelle. Der italienische Diplomat erwiderte, daß er wohl mit Rücksicht ans seine Stellung keine bestimmte Zusicherungen oder Meinungen geben könne, er sei aber entschieden für ein jüdisches Zentrum in Palästina, das unter der Garantie der Alliierten stehen solle. Er habe auch Grund zur Annahme, daß eine solche Lösung der Judensrage dem Wohlwollen der Mächte begegnen werde. Des weiteren erfährt das Bureau, daß Luzzatti einem angesehenen Leiter des rumänischen Judentums er- Mrt hat: Die rumänische Judensrage sei das Schmerzenskind des jüdischen Problems. Die rumänische Regierung verharrt noch immer mit verbissener Zähigkeit darauf, sich einer vollständigen und loyalen Lösung der Judenftage zu entziehen und treibt zu diesem Zwecke eine eigentliche TäuschungsPolitik. Es sei bisher nicht gelungen, maßgebende rumänische Kreise dazu zu bewegen, ein bindendes Versprechen abzugeben, und es wird wahrscheinlich nötig sein, daß die Frage von seiten der ^Alliierten Rumäniens mit allem Nachdruck aufgeworfen werde, um deren Lösung zu bewerkstelligen. Kriegsdekoratronen jüdischer KMiere und Soldaten. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: den Orden-der eisernen Krone 3: Klasse mit der Kriegsdeftnation und den Schwertern in Anerkennung tapferen Verhaltens und aufopferungsvoller Dienstleistung vor dem Feinde dem Major Eduard Pokorny, J.-R.; dem Oberleutnant d. R. Dr. jur. Moritz Epstein, J.-R.;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.