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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-09-14 · 36 (14.9.1917) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
36 (14.9.1917)
Date
1917-09-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 582 Dr. Vloch's deren Eltern als Wische Märtyrer für die Heimat den Heldentod erlitten haben, anzunehmen, .sie z-u erhalten nnd ihre Zukunft sicherznstellen. Die Kultusgemeinden, die Wischen Vereine und Organisationen haben durch Förderung dieser Aktion Gelegenheit ihrer glorreichen Geschichte ein neues Ruhmesblatt zuzufügen; jeder einzelne. soll dauernd dazu beitragen, .dieses Werk der Nächstenliebe zu vollenden: Der Reiche durch Widmung großer Spenden, jeder andere durch Beitritt zum Vereine und Zahlung eines jährlichen Beitrages. Die traditionelle jüdische Wohltätigkeit hat sich so oft glänzend bewährt; sie wird auch hier nicht versagen, wo es gilt, namenloses' Unglück zu verhüten. Wenn jeder Kul- Lussteuerträger der Monarchie, seiner Pflicht eingedenk, in großherziger Weise dazu beisteuern wird, dann wird die Durchführung dieser dringendsten und wichtigsten Hilfsaktion, die mehrere Jahre beanspruchen wird, gesichert sein und mehr als zehntausend jüdische Kriegswaisen, die sonst der Verelendung anheimsallen müßten, werden der . Menschheit wiedergegeben und zu treuen Bürgern und guten Juden erzogen werden, zu ihrem Wöhle und zum Heile des Vaterlandes und zur Ehre des jüdischen Namens. Es nahen die Neujahrslage und der Versöhnungstag, da wir zurückblicken auf das abgelaufene Jahr, auf die Leiderr und Trünen, die es gebracht, aber auch auf die Wohltaten, die wir aus Gottes! Hand empfangen haben. Und wir werden hintreten vor unseren Gott im Gebete: fspbz p'sn ny) n'nrn rmj n^'n «rrri „Unser Vater, unser König, laß diese Stunde eine Stunde des Erbarmens und eine Zeit des Wohlgefallens sein vor dir." Dann werden auch wir gedenken der Armen und Elenden, der Mühseligen und Beladenen und werden Barmherzigkeit Men au den Waisen unserer Brüder und Schwestern, den Kriegswaisen Galiziens und -der Bukowina. Ans der Woche. Die Flüchtlingshetze. — Kerenski nnd Lenin. — Juden für den Weltfrieden. — Tie amerikanischen Juden gegen einen Wirtschaftskrieg. — Der erste jüdische Polizeipräsident. — Zurück Mn Mdentüm. — 2ÜVÜ . jüdisch« Ossiziere. — LvMtti für ein jüdisches Zentrum' in .Palästina. Das Verhalten a^eu Wehrlose ist der untrüglichste Gradmesser für die Kulturhöhe jeder Volksgruppe, jeder polnischen Partei. In dem Zwange mit, dem die Gewalt sich seLst gegenüber dem Leid der Wehrlosigkeit zügele, offenbart sich die Macht der sittlichen Idee. Kein Leid ist so ergreifend wie das: der unglücklichen Flüchtlinge, der tragischesten Opfer dieses unMichlichen Weltkrieges; die ihr Bestes hergegeben, um sich an das Vaterland aüzuschließen, und nun, ihres Vermögens! .beraubt, der Heimatslosigkeit und in Krankheit und Elend verfielen. Die belgischen Flüchtlinge haben in England und Holland, also in fremden Staaten, gaslliche Aufnahme gestruden. Wie aber verhall sich das österreichische Deutschtum gegenMer den unglücklichen Landsleuten, die Not und Elend auf sich! genommen, nur um keiner Gewalt des Feindes sich zu unterwerfen? ' In der bekannten- Sitzung des Wgeordnetenhauses vom 12. IM vernahm" Man Reden der verschiedensten nationalen Gruppen Mer das Flüch.tlingsÄend. Die Abgeordneten Dr. Reizes und S trauch e r sprachen in ergreifenden Worten Mer das traurige Los der Flüchtlinge. Was hat selbst der Minister des Innern Graf T 0 ggenb u r g, der freimütig gesprochen hat, nicht alles Kugestanden! Er sprach davon, daß die Flüchtlinge sich Wochenschrift Nr. W mit einer Verpflegung, die im extremsten Sinne des .Wortes bescheiden ist, begnügen müssen. Er sprach von der betrüblichen, katastrophalen Sterblichkeit, besonders unter den Kindern. Er schilderte die Überhasteten Räumungen, denen die Behörden nicht gewachsen waren. Aus einen Zwischenruf des Abgeordneten R ei ze s antwortete er, „es sei wirklich herzzerreißend gewesen, das Elend dieser Familien anzusehen," die im offenen Viehwagen unter sirrchtbaren Leiden befördert wurden. Zugunsten der armen Flüchtlinge ergriffen damals das Wort die Wgig. Dr. K r e k (Slowene), Dr. K 0 l e s s a (Ukrainer), Mg. Gr igo r 0 v i c i (Rumäne) und Abg. Pittoni (Italiener). - . . Mg. Dr. K r ek sprach von der „Tragik ber Verzweiflung und der Verlassenheit der Flüchtlinge, deren durch drei Jahre erduldetes Leid sich mit nichts vergleichen läßt". ■ , ■ . Mg. Pittoni bemerkte, „er Hütte gewünscht, daß auch, von deutscher Seite ein Wort des tiefen Mitempfindens ohne jeden Beigeschmack gekommen wäre. Daß man zum Ausdrucke bringen kann, daß es den Flüchtlingen besser gehe als der heimischen BevöKerung, beweist, daß man . nicht versteht, was die Flüchtlinge zu leiden gehabt haben und noch zu leiden haben. Die Härten, welche in der Kriegszeit unvermeidlich sind, hätte, jeder Bürger unter dem Zwange der Verhältnisse ertragen. Aber was den Staatsbürger empört, das ist das Böse und Schlimme, was aus Mutwillen und aus Unverständnis über ihn' kommt. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das bringt die Bevölkerung zur Verzweiflung und erweckt in ihr Empfindungen des Hasses. Redner könne es nicht fassen, daß Staatsfunktionäre solche Taten gegen die Flüchtlinge üben konnten." Von deutscher Seite jedoch vernahm man kein Wort des Mitleids sondern nur die-Stimme des Hasses, des grundlosen Grolls, der AnAiage und. Verleumdung. Die Hetze gegen die gasizischen Flüchtlinge hat sich allmählich zu einem nationalen Sport entwickelt. ' In der Sitzung! des Wiener Gemeinderates vom 4. September veranstaltete der kerndeutsche- Gemeinderat S p >a l 0 w sky eine Nüchtlingshetze in der' Form. einer' Interpellation an den Bürgermeister. Wobei besagter. Herr Spalowsky sich folgenden Satz leistete: „Die jüdischen Flüchtlinge widmeten sich fast -nie einer ehrlich, erwerbenden Tätigkeit, sondern verlegten sich vielfach daraus, alle nur erdenklichen Lebensmittel und Bedarfsartikel auszukaufen, die Maren ausßuspeichern und deren Preise in die Höhe zu treiben." .Demgegenüber genügt es^ an die Rede des Abg. Gregor ovici in der zitierten Sitzung des Abgeordnetenhauses zu erinnern, der die jüdischen Flüchtlinge, unter denen 'sich viele Handwerker und Arbeiter befanden, gegen diese Verleumdung , mit Nachdruck in Schutz nahm: - „Diese Leute haben sich nicht nur nicht geweigert, zu arbeiten es wurden ihnen vielmehr vom Handelsministerium bis zum Wiener Magistrat alle möglichen Schwieri gkeiten bereitet,^ wenn sie einer Arbeit oder einem Erwerb -nach geh en wollten. Sie bekamen keinen Gewerbeschein, kein Arbeitsbuch unter Hinweis darauf, daß sie" keine Dokumente hätten, obzwar jeder der Flüchtlinge sich auf einen, militärischen Meldenachweis, viele aber auch auf Bescheinigungen von Handels- und Gewerbekammern berufen konnten. Auch, das Arsenal hat diese jüdischen Handwerker ~ und Arbeiter mit der Motivierung von einer Aufnahme zurück- ~ gewiesen, daß sie keine Dokumente hätten!. Dagegen sei es dem Redner niemals vorgekommen, daß ein christlicher Arbeiter ohne Do'umente nickt ausgenommenworden. wäre. - Er. stelle dies als Nicht, jude ausdrücklich fest, und weise den erhaltenen Vorwurf, als ob diese Flüchtlinge sich gewährt hätten, zu arbeiten, m it'aller Entschiedenheit zurück." ' Wessen Heiz gegen das Leid der Menschen verhärtet ist, des Geist hat mit der Lüge ein ewig Bündnis' geschlossen, die Wahrheit zu verhöhnen. . Die Wiener Geistes-- und Gesinnungsgenossen' des' obersten Romanow haben es nun endlich, herausgefunden, daß der arme Zar Nikolaus' II. ein Opfer der Inden war. Die „Reichspost" vom 6. September 1917 meldet unter dem Schlagwort:

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