Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 33 (24.8.1917)
- Date
- 1917-08-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Serie 540 Nr. 33 T!r. Bloch's Wochenschrift stxativ Verschickten aus dem Narinier Bezirks welche aus Grund der erwähnten Regierungsverordnung gehofft1 hatten, bald befreit zu werden und in den ersten Tagen des Monats Mai mit der Bitte nach! Tomsk gekommen waren, daß Man sie' zu ihren Familien nach! Galizien zurückbefördere, erhielten die brüske Antwort: „Spione können nicht nach Rußland geschickt werden." Dies bezog sich auf jene Gebiete in Galizien, die damals, noch von den Russen besetzt waren. Das Moskauer Hilfskomitee erhielt folgende Depesche aus Irkutsk: „Das Ministerium des Innern hat in einer Depesche vom 6. April a. St. den Polen sowie allen slawischen Untertanen der Staaten, welche mit uns Krieg führen, gestattet, sich! in Sibirien frei zu bewegen und Beschäftigungen nachzugehen. Juden sind' von dieser Begünstrgung ausgeschlossen. Wir erachten diese Verordn nung als ungerecht und unverständlich. Wir bitten unt Ihre Hilfe, damit die erwähnte Begünstigung auch! den Juden gegeben werde." Das jüdische „Petrograder Tagblatt" vom 17. Juni meldet: Die Herren Sliosberg und Kreinin besuchten als Vertreter des Verbandes' der Hilfskomitees den. dänischen Gesandteil und baten ihn, behufs Verbesserung der Lage der Juden, welche als Zivilgesang ene aus Galizien nach Rußland verschleppt wurden, an maßgebender Stelle zu intervenieren. Es handle sich! um niehr als zehntausend solcher Juden, unter ihnen viele Advokaten, Techniker, Priester usw. Der größte Teil dieser Verschleppten befindet sich in den entlegensten Ortschaften von Sibirien. Es wird erwartet, daß die angesprochene Intervention ausgeführt und ein gutes Ergebnis haben wird. Me Kriegs-Ieschiba. Der Krieg zerstört nicht nur, er hat nicht nur nicht die seit Jahrhunderten bestehenden ungarischen Jeschiboth zerstört, weil ihre Zöglinge an der Front sind, sondern er baut auch! auf. So hat der Krieg die „Kriegs- Ieschiba" in Pomaz in Ungarn geschaffen. In der Pomazer Offiziersschule absolvieren die Einjährig-Fr eiw illigen mehrerer Regimenter den Offizierskurs. Auch! die Einjährigen des Budapester Infanterieregiments Nr. , unter ihnen Mehrere Seminaristen und Budapester junge Leute, die dem TalMUdstudium obliegen, machen gegenwärtig die Offiziersschule in Ponlaz durch. Diese versmniueln sich! nun, wie dem „Egyenlöseg" berichtet wird, allabendlich nach des Tages mühseliger geistiger und körperlicher Anstrengungen in der Studierstube des Rabbiners der Pomazer orthodoxen Kultusgemeurde Samuel Roth, der ihnen den „Schiur". das tägliche talutudische Pensums vorträgt. Und die feldigrauen Talmüdfüuger nehmen Anteil an dem Schiur und an dem „Pilsuch", den geistschärfenden Debatten, die aus der einen oder anderen „harten" Stelle des Talmud entspringen. Unter den Teilnehmern ragt ganz besonders ein Seminarist namens Weisz hervor, der fick) eines' bedeutenden talMUdischen Wissens rühmen darf. Gar oft .kommen die Kriegsbochurim des Rabbi Samuel Roth müde und matt vom Exerzierplätze direkt zum Vortrag, „denn," sagen sie. „es ist für uns' eine Erholung, ein Aufatmen der Beruhigung, wenn wir vor der „Gamore" sitzen und lernen«. . ." So entstand die Po--- mazer Kriegs-Ieschiba. Ireigaöe der heörärschm Aruckschnsten im österreichischen KkkupaLionsgeöiete. Der Warschauer „Moment" vom 12. August berichtet: Das österreichisch-ungarische Generalgouvernement in Lublin erließ am! 18. Juli 1917 unter Zahl 129,287 eine Verordnung, wonach jüdische Bücher und Zeitungen, welche in Oesterreich mit hebräischen Buchstaben gedruckt und von der österreichischen Zensur überprüft wurden, in das ganze Gebiet des okkupierten Polen, welches unter der Aufsicht der k. u. k. Armee steht,- überführt, bezw. versandt werden dürfen. Hinsichtlich des Warschauer Generalgouvernement wird betreffend der Versendung oder UeberfÜhruug von solchen hebräischen. Drucksachen, selbst wenn dieselben von - der. österreich ischen Zensur überprüft worden sind, eine allgemeine Erlaubnis nicht herausgegeben. Vielmehr hat der Absender, bezw. derjenige, welcher solche Druckschriften in das Warschauer Gouvernement einzuführen beabsichtigt, ein Verzeichnis derselben an'das' kaiserlich deutsche Generalgouvernement in Warschau . einzusenden und erst eine Erledigung darüber abzuwarten, ob und welche der fraglichen hebräischen Druckschriften in das Gebiet des Warschauer Generalgouvernements eingeführt werden dürfen. Am 17. August, dem Geburtslage des Kaisers, fanden in sämtlichen Synagogen und Bethausern Wiens Festg'ottesdienste mit Predigt statt. Der Hauptgottesdienst wurde im Seitenstettentempel in Anwesenheit überaus zahlreicher Gemeindemitglieder abgehalten. An demFestigottesdienste nahmen das Präsidium und der Vorstand der Kultusgemeinde, der. Bethausvorstand, das Präsidium und die Vorstandsmitglieder der Chewra-Kadischa, die Rabbiner und die Lehrerschaft, Stadtrat. Dr. .Oskar Hein, die Gemeinderäte Medizinalrat Dr. Löwenstein und Neustadtl, Bezirksrat Alexander Pollak, die Beamtenschaft der Kultusgemeinde, Abordnungen verschiedener Vereine, u. a., m..keil. Dia Festpredigt hielt Rabbiner Dr. Tagsich l, die käntoralen Funktionen versah Erster Kantor Math a s mit Assistenz des unter Leitung des Chordirektors Pwf. Josef Sulz er und des Chordirigenten Zellnik stehenden, verstärkten Tempelchores. Mit dem Absingen der VolkshyMne fand« die Feier ihren Wschluß. Aus Anlaß des Allerhöchsten Geburtsfestes fand iM Bethausverein „Wafz Jeschjurun" im Anschluß an den Freitag ab endgo ttesdienst ein Festgottesd ienst statt. D er Obnrann des Vereines, Hof- und Gerichtsadvokat D!r. Siegfried Halber st a nh hielt an die Versammelten eine feierliche, patriotische Ansprache, in welcher er die Bedeutung des Tages würdigte, der Wiedereroberung der östlichen Provinzen durch den Kaiser dankbar gedachte. Im Bethausvereine ~ „Wahrheit und Friede", II., Große Schiffgasse 24, wurde aM 16. August. UM 8 Uhr abends, ein feierlicher Gottesdienst abgehalten. Es spracheir die Herren Rabbiner P. Horowitz aus Bohorodozany und Rabbiner Katz aus Borszezow (Galizien). - Nach Absingen des Gebetes für den Landesvater durch Herrn Samuel Gartenberg! wurde die Feier geschlossen. Auch in den Vereinslokalitäten der „Agudas! Jisroel", 2. Bezirk, Große Pfarrgaffe 23, fand'im Beisein zahlreicher Rabbiner aus Galizien und der Bukowina eine Andacht und Loyalitätskundgebung Patt. Das Fest nahm einen sehr solennen Verlaust Der ersten Festrede des Senior-Rabbiners Steinberg-Brody folgte eine wirkungsvolle Ansprache des Rabbiners Acäk-Buczacz und zum Schlüsse begeisterte der Vereinsvorsitzende Herr Jsak I. Thumim mit flammenden, von Patriotismus durchglühten Worten die andächtige Gemeinde; die Begeisterung fand in einem dreimaligen Hoch auf Se. Majestät lebhaften Ausdruck. Der bekannte Kantor Spector'aus Bujan trug die Psalmen 21 und 45 sowie das Kaisergebet meisterhaft vor. -