Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 32 (17.8.1917)
- Date
- 1917-08-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. SS Ö|*. BlOeh’S Llchrgang XXXIV Zentraloroart für die gesamten Interessen des Judentums. otr- ■ - —~~do? K. k. Postsparksssenamt Llearlug-Verkebr Nr. SlO.976. Redaktton und Administration: wir« © H/1, Praterstraße 9. l, Telephon 45.859. o O . ■■ — - -O o Wien. 17. August 1917 Brscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift. Wien. Qü— - -- .— 0 Vrrugsxrri» für 4>e{frrrritf|:. Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Dis 2mal gespal» tene Pctikze.le 48 Heller. OQ- - - O Inhalt: Leitartikel: Kaiser Karl I — Tie Buko.vina im Kriege. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Helden von der italienischen Front. — Die große Silberne nach dem Tode. — Ehrentafel für Gefallene. — Zwei jüdische Opfer des Krakauer Explosionsunglücks. — Die russische Konstituante und die Juden. Pogromgesetze in Rußland. — Rußland als Beschützer der Juden — Die Judenfrage im finnländischen Seim. — Rach altrussischem -Muster. — Ausgestaltung des Schulwesens ini okkupierten Gebiet. — Die russischen Juden in England. - Das Elend unter den russischen Juden. — Die Aufhebung des Grundbesitzerwerbsverbotes in Russisch-Polen. — In der Dunkelkammer der Bolschewik!. — Sie können 's nickt lassen. — Die spanischen Juden in Serbien. — Das moderne Spanien und die Juden. — Korrespondenzen: Ethraugim ans Palästina. — Die Evaluationen der Juden in Palästina. — Henry Morgenthau für die evakuieren Juden in Palästina. — Behandlung der rumänischen Flüchtlinge in Rußland. — Die jüdische Kongreßbewegung in Holland. — Ein Geistlicher, der Getreid^ versteckt — Grusinische Juden. — Vermischtes. — Feuille ton: — Ein Buch der Versöhnung. —Literatur.— Briefkasten." — Inserate. ' Kaiser Karl I. Zum! Allerhöchsten WlArtstiaM. Von Oberrabbiner W. Reich, Baden b. Wien. ' .Der Meistersänger der „Göttlichen Komödie" erhebt sich in.seiner von Philosophie, Geschichtskenntnis und Weltivissenschaft durchtränkten Darstellung des Paradieses aus die Höhe fast prophetischer Begabung. Seine Geistesfunken sprühen gleich, den Sternen des Himmels, die er in phantastischem Fluge durcheilt. - " In 33 Gesängen, die er dem „Paradies" gewidmet, erhebt er sich immer höher steigend mit seinen Flammenworten, um sich darin bis in das höchste, von seiner Konfession wohl beengte Mysterium gleichsam stufenweise hinaufzuschraüben. Von diesen Gesängen sind es besonders zwei, die ein auch in der Gegenwart svon den konfessionellen Schranken losgelöstes Interesse beanspruchen und für die Bedeutung der ö st e r r e i ch i s ch e n Kaiserkrone und des kaiserlichen Adlers von eminenter historischer Bedeutung sind. Er 'schildert in seinem sechsten Gesänge, ausgehend von den geschichtlichen.Ereignissen, wie der Adler von der grauesten Urzeit des/'Altertumes her bestimmt lvar, das Wahrzeichen der Weltherrschaft zu sein. Der Flüchtling aus dem Trojanischen Kriege — 2teit eas — brachte ihn nach Rom, wo der Keim des künftigen Weltreiches durch Jahrhunderte heranreifte. Von Konstantin wurde derAar in die entgegengesetzte Richtung, von West nach Ost, siegreich! getragen, um Hann seinen Flug wieder nach dem Okzident zu nehmen, wo er mit der Kaiserkrone Karls d e s G roste n als deutscher Reichsadler wieder über Rom seine Fittige ausbreitete und so zum Doppeladler wurde. . Die Persönlichkeit Karl der Groste bleibt seine Jdealgestalt, zu der er immer wieder sich hingezogen fühlt, und im achtzehnten Gesänge, in welchem er hie Heldengestalten des I o s u a, des M a c c a b ä u s, als iin Paradiese weilend vorführt, schließt er ihnen die Heroen ans dem Sagenkreise Karls des G rosten an, um als strahlendes Lichtbild den Wahlspruch in märchenhaft wundersamen Flammenzeichen aufsteigen zu lassen: „Dili- *riie jn^tlrjnjlxi-atis . rerrain!" — „Befleißiget euch der" Gerechtigkeit, ihr, die ihr auf Erden'richtet!" Es ist dies der erste Einleitungss.atz aus dem apokryphischen Buche „Die Weisheit Salomonis", den Dante in lateinifcher Uebertragung aus dem Hebräischen entnommen. Oesterreich-Ungarn steht jetzt an der Seite Deut s ch l a n d s in einem viel gewaltigeren Weltringen, als zur Zeit Karls des Großen, in einem .größeren Riesenkamps e, als ihn je die Welt erlebte. Der dvppeMpsige Aar breitet siegreich seine Schwingen aus und kämpft erfolgreich gegen tückische Feinde, die sich aus allen Erdteilen räuberisch, zusammengerottet — der Adler hält stand und erhält sich auf nie zuvor geahnter Höhe. * Wie in dem Motto der „Weisheit Salomonis", welches der unsterbliche Dichter zu den Sternen im Paradiese versetzte, hat auch das österreichische Kaiserhaus auf seinem Burgtor die leuchtende Inschrift: „Jnstitia tunilameutum regnorum!“ — „Die Gerechtigkeit ist die Grundlaae aller Herrschaft!" Wir sehen gegeirwärtig einen Karl in dieser Burg residieren, und dieser Name unseres jugendlichen Kaisers leuchtet uns wie ein Programm! entgegen. Der. Name ist da kein wesenloses Schemen, er repräsentiert ein Ideal. Denn Namen der Herrscher werden gewählt aus der Reihe zahlreicher anderer!, die ihnen als Prinzen nach der Geburt beigelegt wurden. Daß ein Name ein Programm beinhaltet, das haben uns unsere Feinde, die diesen schauerlichen .Krieg entfesselt haben, gezeigt. Der Zar, der durch den Panslawismus die Mittelmächte zertrümmern wollte, hat sofort nach Ausbruch dieses Krieges seine Hauptstadt Petersburg in das slaw i sch e P e t r o gr a d umgetauft. Der König Eduard VII. von England, der seine Lebensaufgabe daranfetzte, die Einkreisung Deutsch-