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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-08-03 · 30 (3.8.1917) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
30 (3.8.1917)
Date
1917-08-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 30 Wir wollen und können uns auch nicht mit den Einzelheiten der Medizin und Hygiene in bezug Fuf das unmoralische Leben beschäftigen. Wir überlassen das vielmehr den Berufenen und Kompetenten, d. i. dev Helehrte der Medizin und Hygiene. Aus unseren Pastorierungsreisen, d. i. beim Besuchen der 'Spitäler, haben wir traurige Erfahrungen gemacht, indem wir fast in jeder Garnifonsstadt, wo Spitäler und Krankenhäuser sich befinden, immler einige Abteilungen von venerischen Krankheiten vorfanden, wo junge Leute, die am Schlachrfelde Don der feindlichen Kugel glücklich verschont wurden, sich im Hinterlande selbst dem Tode Preisgaben, indem sie hier in Oualen, Leiden, in einem Siechen darniederliegen. Und welche noch traurigeren Erfahrungen haben wir beim Pastorieren und Besuchen der Spitäler und Krankenhäuser gemacht? Mit einer gewissen Schamröte schreiben wir das nieder, und wir können es nicht unterlassen, da es das ganze Judentum, resp. die Moral, das Familienleben desselben betrifft. Ja, die Moral, das jüdische Familienleben des jüdischen Volkes! Jahrhunderte, Jahrtausende haben sich diese zwei Tugenden beim jüdischen Volke erhalten, dasselbe geziert und geschmückt, und jetzt beginnen auch diese mit der Abnahme der Religion zu schwinden. Nationen, Völker haben stets das jüdische Familienleben, die jüdische Moral gelobt, gepriesen und das Judentum quasi darum' beneidet, als Beispiele immer einer dem anderen gegeben. Heute Machidcher Feldrabbiner traurige Erfahrungen. Wir empfinden und spüren wiederum am Gesichte eine Schamröte und wir Müssen es doch pro dolor, über pro domo Israel« niederschreiben. So fanden wir Diele und auch! sehr viele <Glaubensgenossen auf den venerischen Abteilungen. Und nicht vom Westen, nicht Modernisierte, reformierte Juden, sondern vom Dstett,^aüs -Galizien," von den 'orthodoxischen und frommen Kreisen, nicht ledige, nicht 18- bis 20 jährige, sondern Leute in den dreißiger Jahren, verheiratet, Väter von Kindern. Wie tief ist das fromme und moralische Israel gesunken! Wie verraten hat es öffentlich Ehebruch und Treulosigkeit gegen Frau und Gattin. Das sollen die Nachkommen Jakobs sein? Das sollen die Träger der heiligen Thora fein? Und was lehrt uns dieselbe? ‘2 ♦3n in bm möttw by rane aurn. „Wenn du ins Feldlager gegen'deinen Feind ausrückst, so hüte dich viorjeder schlechten Tat." Dazu bemerkt der bekannte hervorragende und „kurzsprechende" Exeget: pN nprT 1Q2 fflib'l- VSüb „Hüte dich vor jeder schlechten Tat, die der Seele und dem Körper schädlich ist, wie die Unkeuschheit." Hier haben wir vor uns keinen großen Aufsatz, keine große Abhandlung über die Folgen und Konsequenzen der Unkeuschheit, des nichtmoralischen Lebens eines Mediziners oder Hygienikers. Vier Worte bloß, und welche lakonische und involvierende Belehrung! Wie verstellt und verschleiert, aber auch wie warnend und belehrend lauten diese kurzen vier Wörter! Sie wollen auf eine prägnante Art und Weise alles uns sagen, nämlich: Führe ein rein sittliches. Moralisches Leben. Meide jede Unkeuschheit, du rettest dir dein Leben, du rettest dir deinen Körper und deine Seele. Habe und hege keinen schlechten Gedanken, du kommst zu keinen schlechten, un'moralif ch e n T a t en. Denke an Gott, an deine Religion, an ihre heiligen Vorschriften; denke, wenn du daheim ein Werb zurückgelassen hast, stets an dasselbe und bleibe ihm treu, bis du nachs Hause, bis du in das' gemeinsam mit deinem Weibe gegründete Heim zurückkehrst. Dann wird Gott mit dir in den Krieg ziehen, dich! begleiten. Seite 499 behüten und beschützen, wie die Thora im selben Kapitel, S. 15, weiter aussührt: „Denn Gott, dein Gott, wandelt in der Mirre deines Lagers, dich zu retten und deme Feinde vor dich! hinzugeben; so sei dein Lager heilig, daß an dir keiner Blöße schaue, nichts Unanständiges wahrnehme und sich zurückhalte, dich zu begleiten." Siehe S. R. Hirsch zur Stelle und Talmud Kesubauth 40 a und Awode Zara 2Ob: :~"n rTKciu '~rb 82"! M'2 DiK ’m.T sw (Fortsetzung folgt) Wleratur Neue jüdische Zeitungen in Rußland. Das in Moskau erscheinende hebräische Wochenblatt ,„Haam" erscheint seit dem 1. Juli als tägliche Zeitung. In die Redaktion des Blattes sind Erünberg, Dr. Elücksohn. M. Klein mann und S. T i ch e r n o w i tz gewählt worden. Demnächst beginnt in Moskau das Wochenblatt „H a d o r" unter der Redaktion des bekannten hebräischen Schriftstellers David F r i s ch >m a n n zu erscheinen. Der „Hador". der ursprünglich in Odessa erschien, hatte vor einigen Jahren sein Erscheinen eingestellt. Das Wiedererscheinen des bedeutenden Wochenblattes ist ermöglicht lworden durch die Subvention von 100.000 Rubeln, die ein Freund der hebräischen Literatur, Herr S t i e b e l» zur Verfügung gestellt hat. Das bekannte hebräische Journal „Haschiloach" erscheint seit dem 1. Juli in Odessa unter der Redaktion von Doktor Klausner. Von Juli ab erscheint in Moskau eine hebräisch-pädagogische Monatsschrift „Durkenn" (Unser Weg) und ein hebräisches Wochenblatt für Kinder unter dem Namen „S ch e t i - lim" (Wege). Ein neuer hebräischer Verlag „Techia" (Renaissance) ist von der russischen Regierung bestätigt worden: Das Grundkapital von 300.000 Rubel ist voll eingezahlt. Im Laufe des Monats Juni sollen weitere Beträge entrichtet werden und zur Organisierung des Unternehmens geschritten werden. Das Kapital des Verlages soll bis auf eine Million Rubel erhöht werden. In Kiew erscheint feit Juni eine jüdische Tageszeitung „Dos V o l k". An der Spitze des redaktionellen Kollegiums, steht der bekannte Schriftsteller und Zionist N. Syrkin. Seit 1. Juni erscheint in Petrograd eine große jüdische Tageszeitung ,„V v lks b la tt" unter der Beteiligung von S. Dubnow, S. Niger und I. Zinneberg. In Tiflis begann seit dem 1. Juli ein Wochenblatt in russischer Sprache für die jüdische Jugend zu erscheinen, und zwar unter dem Namen „Junny Js'raN" unter der Redaftion von L. T a n d i t. In Odessa erscheint ebenfalls seit 1. Juli ein zionistisches Wochenblatt in russischer Sprache ,.J e w r e i s k a j a M y s l" (Jüdischer Gedanke). Die Ziere Zion in Witebsk geben eine Monatsschrift unter dem Titel „A der W a ch e" in russischer Sprache heraus. Das Blatt vertritt den Standpunkt der zionistischen demokratischen Jugend. .? Die zionistischen Studenten in Odessa geben eine Monatsschrift mit der Ueberschrist „I u n g - I u d a" heraus. Ehrentafel für Grjallene. Der diesjährige Hickl's Kriegskalender enthält als Anhang eine Ehrentafel für Gefallene. — Es wird um Angabe der Namen, Adresse, Beruf, Charge. Tag des Todes sowie die Adressen der Angehörigen an Herrn Redakteur Mar H i ck l, Wien, 8. Bezirk, Lerchengasse 6 a, gebeten. Briefkasten Dr. F. R Unser Herausgeber Herr Dr. Bloch ist dernialen von Wien abwesend, sobald er wieder in Wien eintrifft, wird er Ihre Zuschrift persönlich erledigen I. H. in G. Es gilt jetzt weniger, sich mit einzelnen Parteien oder führenden. Persönlichkeiten wegen etwa in der Vergangenheit begangener Fehler auseinanderzusetzen, als vielmehr alle brauchbaren Elemente innerhalb des Judentums zu gemeinsamer nutzbringender Arbeit zu vereinigen. Diesem wichtigsten Ziele dient die „Oesterr. Wochenschrift" und diesen Zweck verfolgen auch die von Ihnen besprochenen Artikel. Sie können sicher sem, daß wir nicht aufhören werden, diesen Ruf nach Zusammenschluß aller Schichten innerhalb des Judentums in Oesterreich ertönen zu lassen, vis das Ziel erreicht ist. Denn wahrlich wir werden alle unsere Kräfte brauchen, um gegen die Uebermacht unserer Feinde bestehen zu können. . Kongreß. Der amerikanisch-jüdische Kongreß ist auf den 18. November verschoben worden.

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