Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 30 (3.8.1917)
- Date
- 1917-08-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite- 498 Dir. Bloch's Moor. (Rabbiner Pinchas Büchler.) Der jüngst im 77. Lebensjahre verstorbene Rabbiner in Moor (Ungarn) war eine durchs talmudisches Wissen, seltene Bescheidenheit, innige Frömmigkeit ausgezeichnete Persönlichkeit. -Großes Ansehen genoß er in rabbinischen Kreisen als vorzüglicher SchAer der großen ungarischen talmudischen Kapazitäten, des R. Jehuda Asod (Dnnaszerdahely) und des „Kesaw Sofer" (Preßburg), sein Name kommt in" der zeitgenössischen rabbinischen Literatur oft vor und er hinterließ auch! handschriftliche wissenschaftlichc Werke. Aus Anlaß seines 50 jährigen Ämtsjübiläums erhielt er das goldene Verdienstkreuz. In ihm betrauern Rabbiner und Privatdozent Dr. Alexander B üchfl e r (Keszthely) undder Wiener Kauftnann Heinrich B üchle r ihren Vater, der FiuMer Rabbiner Dr. Frank und-der Sektionsches-der Pester isr. Gemeinde ^Joseph Blücher ihren Schwiegervater. Die Ethik im Kriege u»d die Heilige Schrift. Zugleich Erfahrungen aus nueiner aAUqvn Tiienstleistung. Von I. u. f. Feldrabbiner Dr. Leo Vertttsch, Przemysl. 1. Kapitel. , Tie Behandlung der Einwohner des besetzten Landes. Es ist allzu bekannt, was urrd wieviel unsere Glaubensgenossen miterlebt, milgemacht und mitgelitten haben in diesem großen europäischen Kriege, in diesem einzig und allein dastehenden Weltbrande. Raub, Mord, Plünderung/ Schändung und Vergewaltigung, das alles war in den galizischen Städtchen ber jedem Einbruch der Russen oder bei einem Rückzug derselben auf der Tagesordnung. Und auf dies alles eben will uns die heilige Schrift aufmerksam machen, und zwar: „Wenn du -in den Krieg ziehst" — der schon auf dem Schlachtfelde nach den Vorschriften und Gesetzen des- Krieges seine Opfer verlangt — „hüte dich, aber vor jeder schlechten Tat." Das heißt: Hüte dich!, den unschuldigen Einwohnern des besetzten Gebietes oder Landes etwas Schlechtes oder Schädliches anzutun oder zu verüben. Umgekehrt: Du sollst ihr Leben schonen, ihr Hab und Gut nicht plündern, nicht rauben, ihre Frauen und Töchter nicht schänden, nicht vergewaltigen. •pöririD'] 3n “gt b-c rnü'c':' bn'-ny. p jjw dipn -id'" 2) i) c:rG feö ASDT das heißt: Hüte dich vor jeder schlechten Tat im Kriege, nämlich 1. vor fremden Kult (worüber wir in einem der nächsten Kapitel sprechen werden), 2. vor jeder Eutblößjvng, vor jedem Unanständigen, und 3. vor Vergießen reinen Blutes. .Ganz analog sagä der '"1L2 und zwar Siehe auch Talmud Avante Zara 20 b zu obigem Satze: nrn? 'bibry mzrb Kümmere dich nich um die Weiber (wenn du in den Krieg, ziehst). ' ■':/ ■ 2. Kapitel. -Die Religiosität im Kxiege. / . / .Was die Religion, respektive die Religiosität im Kriege deutet, und was die 'Gottesverehrung, die Gottesfurcht, die Frömmigkeit und der Gottesdienst für den Krieger ist, sowohl im Felde, irrt Schützengraben als Wochenschrift Nr. 30 auch im Hinterlande, im Spital, im Rekortvaleszenlenheim und überall, wo er sich nur befindet, das haben wir im Laufe der drei Kriegsjahre in Hülle und Fülle aus der täglichen Presse, aus den Zeitschriften und Privatschreiben erfahren. Davon konnten wir' uns; sehr Ht in den Bethausern im Laufe der ganzen KrMszeit überzeugen, wo viele so oft inbrünstig im Gebete'vor Gört daniederstehen.; ihnsp rechen, ihn attrufen und sich mit chm nach! längerer, Zeit versöhnen .wollen, da manche vielleicht vor dem Kriege schon lange, an Gott und an ein Gotteshaus nicht dachtenft jetzt wollen sie auch selber Zuflucht, Sühne und- Buße im.Hause Gottes suchen. Am richtigsten und. am besten aber kann hier nur der Feldkürat, respektive der Feldrabbiner urteilen. Welchen Trost, weichest Balsam-, welche Stärk? und welche seelische Erfrischung! findet er bei jedem Mann nicht nur bei einem Gottesdienste, sondern auch! und' sogar viel mehr bei einem gewöhnlichen Besuche irrt Schützengraben, im Spital usw. . -Wie springen sie von ihren Betten auf, wie strahlen ihre Äugen vor Freude, wenn der Feldrabbiner ins Krankenzimmer hereintritt, Wie froh und lustig sind sie, wenn sie vom Feldrabbiner ein hebräisches Wort, wie selig und glücklich sind sie, wenn sie noch ein Zitat aus Midrasch! und TalMüd' hören. Und wie oft hat der Feldrabbiner selbst eine Freude, von den jüdischen Soldaten „Thora zu hören". Und womit sind die meisten jüdischen Soldatenden ganzen Tag in den Spitälern, in den Rekortvaleszentenheimen beschäftigt? Fast den ganzen Vormittag trifft sie der Feldrabbiner beim Verrichten - des Morgengebetes; nachmittags betet der eine die Psalmen, der andere studiert den Pentateuch mit den. Kommentaren, manche wiederum haben vor. sich -einen ausgeschlagenen Midrasch oder Talmud. Kürz, der Feldrabbiner--gewinnt^hier'die 'Ueberzeugungftdäß teben dieser Glaube, der dem Manne, inn-ewohnt, der ihm in den jungen Jahren inspiriert und eingeprägt wurde, ihm heute im Kriege ein Trost, eine Hoffnung, eine Stärkung, ein Mittel ist, den Geist zu erfrischen und zu kräftigen, die Wunden des Körpers zu heilen, die Tage und Nächte auf seinem Lager zu verkürze und daß, endlich derselbe ihm das beste Medikament ist. Darum soll jeder Krieger mit Gott, mit feinem Glauben, Mit seinem religiösen Denken und Empfinden in den 'Krieg ziehen, diesem Glauben im Felde, iM Schützengraben, im Hinterlande treu bleiben und nie ihm den Rücken kehren. Siehe, was-wir schon vom btfi'Y)}! p . jr.j'P Dinn . in bezug aus den Glauben erwähnt haben, nämlich: mötSfal i). 'trpi sana. bzz jn&nb‘i =■: jn .... X--G" Siehe auch: : "2" -mBD . .2^2212 mnj; nmb 3 Kapitel. Die Moral im Kriege, a) Das Moralische Leben. Zu den vielen Tugenden, wie militärische Disziplin, Mut, Tapferkeit, Unerschrockenheit, Todesverachtung, Liebe, Ergebenheit zu - Vaterlands Staat und Dynastie, gehört auch die Moral, resp. das moralische Leben im Heere sowohl in Friedensals.auch urrd um so mehr in Kriegszeiten. .. --. V . . ,;i. - Vom wissenschaftlichen, resp. vom medizinisch-hhgienfi schen Standpunkt aus haben wir oft genug noch vor dem Kviege und viel häufiger -während des- Krieges in der täglichen' Presse, in Fachzeitschriftettj narnentlich in Artikeln, Auffätzest und.-Mbhändlüngen über dietraürrgen Folgen und Konsequenzendes unmoralischen Lebens im Heer gelesen und erfahren.