Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 30 (3.8.1917)
- Date
- 1917-08-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 30 O V BlOCh’S Jahrgang XXXIV Zentralorgan für bie gesamten Unteressen des Judentums. OCr - --o o p N. kr. PofisxsrKastsnamt Hlearing-Verkebr Mr. S10.S76. Red aktton und Administration:" wir« s Il/i, Praterstraße 9. Telephon 45.359. o O ~On Wien, 3. August 1917 Br scheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie«, H/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adreffe: Bloches Wocheuschrist, Wie«. oo - -- -.=öo p Bezugspreis für Oesterreich: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für dss Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespal» l) tene Pctitze.le 48 Heller. £ Q O— ■ --Q O Inhalt: Leitartikel: Der Antisemitismus in England während des Krieges. — Zur Lage der Juden in Galizien. — Kriegsdekorationen Indischer Offiziere und Soldaten. — Ritterkreuz des Leopoldordens. — Kronenorden dritter Klaffe. — Der ausgezeichnete Invalide. . — Vierfach ausgezeichnet. — Nachträgliche Verleihung der Schwerter. — Weitere Auszeichnungen. — Jüdische Familien im Felde. — Ernennung von Feldrabbinern. — Liste der vom 1. Mai bis 1. Juli in Wien beerdigten Offiziere und Mannschaften. — Nach dem Tode ausgezeichnet. —> Brief aus der Gefangenschaft. — Zwei Zeugen jüd. Tapferkeit aus dem Mittelalter. — Die russischen Inden für die Revolution. -7-, Korrespondenzen: Kaufet nur Ethrogim aus Erez-Jsroel. — Spaziergänge durch die Kriegsaktionen der Vereine der „Weiblichen Fürsorge". — Der Landespräsident der Bukowina in Marienbad. — Gemeinschaftsküche für , Kriegsflüchtlinge. — Gründung des italienischen Rabbinerverbandes. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Ethik im Kriege und die Heilige Schrift. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Her Antisemitismus in England mahrend des Krieges. . r-;: \ II. '; Die.Juden, mit denen ich in London während des Krieges in Berührung kam, waren durchwegs englaitbloyal. Wer es ist begreiflich!, daß die größtenteils aus Rußland Eingewanderten ihr grenzenloses Elend nicht vergessen konnten. Ihren Abscheu vor dem unnatürlichen .Bündnis Londons Mit dem damals noch zaristischen Petrograd dursten sie freilich! nicht, offen und unverhohlen äußern. Dias Mer Machte ihre Stimmung um so peinlicher und erregter. Naturgemäß wollten sie den damaligen russischen Versprechungen nicht trauen. Auch die Zionisten waren innerlich zerrissen. Dazu gesellte sich eül weiteres schwerwiegendes Moment: schon seit Beginn des Krieges Wersen die Rasfenbriten den Juden immer und immer 'wieder vor,, daß sie keinen genügenden Patriotismus aufböten, was den Tatsachen freilich durchaus widerspricht. Viele englische Juden haben sich im Kriege durch ganz besondere Tapferkeit und Todesverachtung hervorgetan und die höchste Auszeichnung, das Victoria-Croß^ erhalten. Wer für den nationalistischen Engländer bleiben sie trotzdem geächtet. So sind schmeichelhafte Bezeichnungen, wie „alien Jew" (fremder eingewanderter Jude) und sogar „dirty Jew" (schmutziger Jude) während des Krieges in Schwung gekommen, und das SchMähwort „alien Jew" wird fortwährend keinem Geringeren als Israel Zangwill an den Kops geworfen. Diese Bezeichnung ist übrigens gänzliche ungerechtfertigt, da Israel Zangwill in England geboren und erzogen wurde und nach dem Gesetz britischer Staatsbürger ist. Für den objektiven Beurteiler hat der in. der ganzen Welt gefeierte Autor diesen Schimpf wahrlich nicht verdient. Bei Kriegsausbruch hielt nämlich Zangwill die denkbar patriotischesten Ansprachen, wobei er leider nur zu oft Mit in den Schimpfchor gegen Deutschland und alles Deutsche einstiMmte und nicht nur weit über das Ziel hinausschjoß, sondern sich auch unrichtiger Behauptungen und mancher Geschmacklosigkeiten schuldig machte. Es war mir van diesem hochbegabten Manne, den ich seit vielen Jahren kenne, unbegreiflich, wie er nach der Aufführung seines Dramas „DerSchmetztiegel" in Birmingham, für denk' Beifall dankend mit den Worten vor den Vorhang treten konnte: „Hätte ich dieses Stück jetzt geschrieben, so würde ich den russischen Schurken darin in einen Deutschen verwandelt haben." Und kurze Zeit darauf hielt er im Mansion House eine häßlich-polternde 'Rede gegen Deutschland. Dessenungeachtet sollte es nicht lange dauern, bis auch für Zangwill das Erwachen kam. Wenn wir von einigen hochdenkenden Politikern,' wie Lord Morley, Snowden, Trevely.au - und Ramsey Mac Donald absehen, so sind es eigentlich nur Iren und Juden in England, die während des Krieges nicht zuM fanatischen John Bull geworden, was ihnen die Regierung jedoch nicht verzeihen kann. Als Zangwill sah, daß trotz der Versprechungen des Zarentums die Lage (der (russischen und; (besonders der polnischen Juden mit jeder Stunde ärger ward, als er fand, daß man seine unmutigen Musterungen hierüber im freien Albion knebeln wollte, da kam! ihm die Erkenntnis. Knapp vor Meiner Abreise von England zeigte er mir während einer langen Unterredung ein ganzes Bündel von Artikeln, die ihm, dem sonst alles nachlief, kein einziges englisches Blatt, keine einzige englische Zeitschrift abdrucken wollte. So sah er sich genötigt, mit seinen Artikeln in Amerika Zuflucht zu suchen. Gerade zu dieser Zeit lag ZanKvill in erbitterter Fehde mit dem bekannten rusfophilen Wichtigtuer und Marktschreier Stephen Graham'. Dieser Mann spielt sich schon seit vielen Jahren als „gründlicher Kenner russischer Verhältnisse" und als Anwalt des' Zarismus auf. Als solcher gebärdet sich Graham durch und durch judenfeindlich und hat den Antisemitismus während des Krieges ganz besonders wirksam gefördert. Er erklärt immer wieder — und ein führendes Presto