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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-07-27 · 29 (27.7.1917) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
29 (27.7.1917)
Date
1917-07-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 473 Nr. 29 Tir. Blüch's Wochenschrift TavferkeitsnöedMlen 1. .Klasse, 34 silberne Tapferkeitsmedaillen 2. Klasse, 90 bronzene Tapferkeitsmedaillen, 1 belobende Anerkennung des Armeeoberkommandos, zusammen 233 Auszeichnungen; hievon -87 an Offiziere und Kadetten des Soldatenstandes, 233 an Seelsorger, Militärärzte und Militäröeamte, 110 an Mannschaftspersonen.. - Wieder etwas für die „Weichspost". (Zu-m Auftreten der Ablgg. Zerzapek, Banas u. Genossen.) ' Für tapferes Verhalten während der zehnten Jsonzoschlacht sind bloß bei einem galizischen Infanterieregiment 156 jüdische Soldaten ausgezeichnet worden, hievon 1 mit der goldenen Tapferkeitsmedaille, 13 mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse, 1 mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 2. Klasse znm drittenMal, 4 mit der silbernen TapferkeitsMledaille 2. Klasse zum zweitenmal, 46' mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 2. Klasse, 86 Mit der bronzenen Tapferkeitsmedaille, 5 mit dem eiser-' nem Verdienstkreuz. Wenn soviel Juden dekoriert wurfceu, wieviel mögen sonst an der Front gekämpft haben, die nicht dekoriert wurden, wieviel weilen bereits nicht Mehr unter den Lebenden? Die Daten können jederzeit ans ihre Richtigkeit hin nachgeprüft werden, sie stammen aus authentischer Quelle. Die Merteidiger von Matkow. Tie zwei Helden: LMnamt. Emil Popper aus dem Wicfelhurger Kelmiftat und Leutnant Alexander Schlesinger; WS Steinanlanxer. . r:r.: Die ,.Reichspost", Abendausgabe vom 18. Juli 1917, bringt folgenden. Bericht aus dem Kriegspressequartier: Tie VeMeidiger von Battow. 'Vchsi d e M K r ie g s b e r i ch t e r st a t t e r der ,.R eichspo st". (Dom Kriegspressequartier genehmigt.) ' / Ostgalizien, im Juli. .Gute Führung, gute Offiziere und gute Mannschaften, das ist die Dreieinigkeit, die im Kriege Wunder wirkt. Der Zusammenklang dieser Eigenschaften zeugt die schönsten Erfolge, die Viktoria zu'vergeben hat. Und so war es beim Regiment 83, als drei Kompagnien Westungarn bei Batkow den unzerreißlichen Damm? gegen die stets frisch genährten Anstürme dreier russischer Elitebataillone bildeten. Ein wissenschaftlich geschulter tapferer Oberst Tür b ä, ein in schwierigen Lagen unerschütterlicher Bataillonskommandant Hauptmann Bauer, die Schar pflichtfeuriger Frontoffiziere, intelligente und kernfeste Unteroffiziere und Mannschaften, dazu das Paar armeebekannter Partei-, ganger der Leutnants Popper und Schlesinger 'mit ihren vom Feinde gefürchteten Sturmtrupps, sind Kopf und Arm dieses prächtigen Kriegswertzeuges, genannt k. u. k. Infanterieregiment 83. ' -Die .Dreiundachtziger halten einen Abschnitt, der in der Tiefe liegt und nur deshalb verteidigt wird, weil durch ihn für den Feind d e r b e q u e m st e Weg nach Z l o c z o w führt. Die Russen schauen aus. ihren Höhen und Waldungen dem Regiment zutft Fenster hinein, feuern von drei Seiten nach dieser Mausefälle; und schießen zum Ueberdruß noch von oben darauf. Durch die' armseligen Trümmerstätten des einstigen Dorfes Batkow laufen die' Deckungen von Feind und Freund, mühselig dem zerrinnenden Sandboden abgerungen. Der Russe löst seine Kampftruppen häufig a&* die unseren müssen wochenlang in Stellung ausharren. Dann aber wollen sie erst recht nicht in Reserve. Denn so wenig bez neidenchoert das Los der Abteilungen vorderster Linie ist, das der; Reserven ist zuweilen nicht besser. Don Ruhe ist dort nur wenig zu spüren, an Arbeit gebricht es nie. Dazu ständig Ausbildung. Ich sah ein Reservebataillon des Regiments am Tage vür' dem Kampfe noch in den Abendstunden üben. Alles klirrte und klappte wie auf 'dem Ererzierfelde. Etliche Kilometer da- hinter hatte ich Hebungen von Sturmtruppen beigewohnt. Auch dort treffliche Stimmung. Die - Leute arbeiteten trotz stechender Hitzeunermüdlich, sangen aus vollen Lungen und trugen ihren Stahlhelm keck, als wär's ein Federhut. Geht aber einmal der Kampf an, dann ist es nach schwerer Beschießung des zerfließenden Erdreiches hier kaum zu vermeiden, daß der Feind einbricht. Kleine Abteilungen sind in ihren Höhlenkellern verschüttet, andere werden abgeschnitten; 'man muß froh sein, gelingt es. den Feind noch innerhalb der eigenen Gräben auf- und festzuhalten. Sogleich wird er unter das Feuer bereitgestellter Maschinengewehre genommen, aus Front und Flanken beschossen, ehe es ihm noch möglich ist, sich zurechtzufinden und sich zur Verteidigung einzurichten. Er wird „abgeriegelt". Nun aber müssen die Sturmtrupps oder, wenn die Gefahr größer ist. auch die Reserven heran. Der -Feind hat längst Sperrfeuer vorgelegt und die Abteilungen müssen nun durch diese Hölle hindurch zum Gegenstoß schreiten. Das ist das Aergste. Darum verbleiben die Leute lieber dauernd im Schützengraben, wenn kritische Zeiten da sind. Gegen das Trommelfeuer schützt sie schlecht und recht die Kaverne und das Durcheilen des Sperrfeuers fällt dem Angreifer zu Lasten. Die beiden Sturmtruppsführer Leutnants Popper und Schlesinger sind der Stolz des Regiments. Was mir vom General bis zum Oberoffizier fremder Truppenteils über diese, beiden erzählt wurde, kennzeichnet am besten den Geist, der in den Dreiundachtzigern steckt. Leutnant Emil Popper stammt aus dem Wieselburger K o m i tp t und 'i)t ein junger, blonder Mann von geradezu schüchterner Bescheidenheit, der ständig das Wort ,äch bitte gehorsamst" im Munde führt- Außer der Rangtour vom Fähnrich zum Offizier befördert, nennt er die große Goldene, zweimal die große Silberne und die bronzene Tapferkeitsmedaille fein eigen. Als Offizier erhielt er das Militärverdienstkreuz und kürzlich das eiferne Kreuz. Er ist einer der wenigen Ritter vom Goldenen Sporen. Er führt den Beinamen „der Mann ohne Artillerie", sweil er feine Unternehmungen ohne Mithilfe anderen Waffen bestreitet. Er gilt als ungewöhnlich kaltblütig, hat die verwegensten Stücke ausgeführt, fteht aber im . Rufe, niemals blindlings dem Glück zu vertrauen oder gar leichtfertig Menschenleben aufs Spiel zu setzen. Sobald ihm eine Aufgabe wird, begibt er sich allein auf Erkundung, die er oft mehrere Nächte hindurch aus das Gewissenhafteste betreibt. Er lauert in den Drahtverhauen, orientiert sich in den russischen Gräben und zögert nicht, seine Forschungen im Rücken des Feindesfortzusetzen. Ist er völlig im Reinen, nimmt er seine Auserwählten, die an ihn glauben wie an den leibhaften Gottseibeiuns, und geht ans Werk. Treten unerwartete Störungen ein, sieht er vom Unternehmen ab und verschiebt es. Mit Gewaltarbeitet er nur im äußersten Fall, sonst stets mit List. Dem schreibt man auch seine verblüffenden Erfolge zu. 1 Ein Beispiel: Leutnant Popper will Gefangene machen. Er hat sich eine russische Feldwache ausersehen, die zwischen den Stellungen eingegraben und durch Draht gesichert ist. Er birscht sich bei Nacht mit ein paar Mann an, durchschneidet behutsam die Drähte, und lauscht nun hart vor der Grube. Die Russen haben nichts bemerkt. Plötzlich streckt er zwei Russen mit seiner Pistole nieder, springt mit einem Satz in den Graben, verwundet zwei andere Russen, packt den letzten Ueberlebenden am Kragen und zicht ihn aus der Deckung neben sich. Dann wirft er sich nieder und läßt einen Hagel von Geschossen niederprasseln. Noch vor Anbruch des Morgens berichtet er beim Kommando: „Ich melde gehorsamst, ich habe einen Gefangenen gebracht!" Ein anderes: Er schleicht sich mit einer Handvoll Leuten durch die Hindernisse, dann durch den ersten, zweiten und dritten russischen ^Graben, alarmiert den Feind, macht auf die zu den Scharten eilenden Russen von rückwärts einen Feuerüberfall und kehrt unangefochten auf den ihm nicht mehr ungewöhnlichen Wege heim. Und in den jüngsten Tagen: Die Russen bereiten sich zum Angriff vor, unterhalten aber noch Trommelfeuer. Leutnant P o pper erspäht im .Feuervorhang eine Spalte, windet sich mit 18 Mann durchs Vorfeld, sprengt, an den Drahthindernissen angelangt, drei Reihen Verhaue und dringt unter Bombenwürfen überraschend in den vordersten ausgesüllten russischen Graben ein. Der Feind flieht an der Einbruchsstelle, aber viele Russen fallen den Handgranaten der Sturmtruppe zum Opfer. Der Leutnant nimmt noch ein russisches Maschinengewehr unter den Arm, seine Mannschaft führt fünf Gefangene ab. Während ringsum das Trommelfeuer weiter rast und russische Maschinengewehre die Gegend abstreuen, führt Leutnant Popper die ganze Schar heil nach den eigenen .Gräben zurück. Am 6. Juli war Popper zu Gast bei den deutschen Kameraden eines höheren Kommandos. Man feierte den jungen' tapferen Offizier, dem eben das eiserne Kreuz verliehen worden war. Beim Mittagstisch kommt die Kunde, dev Russe sei beim Regiment 83 eiugebrochen. Leutnant Popper erbittet sich einen Kraftwagen, saust zur Division und jagt von dort mit dem Wagen nach der Front- Diesmal kam er zu spät. Die Offiziere beim Stäbe freuten sich, daß Popper einmal nicht dabei sein mußte. Sein Doppelgänger ist Leutnant Alexander Schlesinger aus Steina manger. Ein kleiner, schmächtiger Mann t in dem aber die Seele eines Helden steckt. Gr genießt bei Offizieren und Mannschaften außergewöhnliche Verehrung. Untauglich zu jedem Dienste, drohte er, seinem Leben ein Ende zu bereiten, falls er nicht an die Front entsandt werde. So ließ man ihn ziehen. Seine zarte Körperbeschaffenheit gestattete ihm nur, die warme Jahreszeit über im Felde zu sein. Dann nach reichlich getaner Pflicht beansprucht ihn das Krankenlager. Es gibt keine

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