Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 29 (27.7.1917)
- Date
- 1917-07-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 470 Dl'. BLoch's Wochenschrift - Nr. 29 den, Mit großem Mißtrauen Mich Unbehagen entgegentrllt, Mo auch? den Juden. Djas aber - hat die Engländer nicht. Haraygehiichertz .dic.-Indeit".rh'rcMZw-ecken d i eusA MAha cheM: j ja mmr muH sagen-;daß sie sich- °;HarmPttzy^xgMR% ander e s-Gi-e sHLL ch r kwa rden, was Em-nN zmchem Trirgfchlnßchühxte, sie.wären JgdenföLberer uns ^reinvhMMnllaren Gründen.- Der jü- '! dischen Jntelligeitz.aus der bereits? in Eltgländ erzogenen Generatwn erössneten sie bereitwillig! die.^ Beamten-' und Lehrerlauföahn, wohl wissend, daß diese ganz unter brllischem Einftuß ausgewachsene Jugend-schon aus Motiven der Dankbarkeit (kannten sie. doch nur zu gut die Leidensgeschichte chrer zumeist, aus Rußland eingewanderten Ellern!) überaus loyale Diener des Staates abgeben wurde. Zudem wurden, z. B. jmrge jüdische Lehrer mit Vorliebe in Proletarierschulen des Ostend verwendet, wo sie die denkbar schwierigste Arbeit zu. leisten hatten, - während ihnen . die Schulen - besserer Stadttellenur, selten zugänglich! sind. Juden, die es als Kaufleute und Industrielle zu großem Wohlstand gebracht hatten, wurden' in bat Adelsstand erhoben Und von den höchsten aristokratischen Kreisen ausgeironrmen. (Man denke nur .an Lord Reading, den früheren Mr. Rufus Jsaacs.) Ich - wlll hier nicht die bekannte Geschichte von' einem jüdischen Minister^Don einem jüdischen Lord Mayor usw. neu auftischen. Auch die militärische Laufbahn blieb, den Juden nicht -verschlossen (z. - B; sder bekannte Zionist Colonel' Goldsmid).?' "So - lange diese ^Hnden- Mn als L bi n d e Patrioten auftraten, war alles' schön und gut. In dem Augenblick aber, wo. sie es! wagten, Kritik an den bestehenden Verhältnissen zu Men, oder gegen die Majorität der öffentlichen Meütung anzukämpfen, - .w a r f man ihnen so gleich in. r st ck sich ts l o fest e r Wei s e ihr &. Her kUn ft v p, r. Ich? erinnere diesbezüglich nur mndMHeKiNlMr^WlMdes sMrstDothMiliWder es wagte, gegen Lloyd Georges Budget zu.sprechen und deshalb von diesem in flegelhaftester Weise als Jud e.angegriffen wurde. Lloyd George ging damals so weit, geradezu die ganze englischjeMdenschaft ffür Lord Uoth- - schllds Opposition verantwortlich zu machen. Man wird sich auch noch der Mareoni-Äffäre kurze Zeit vor. Kriegsausbruch erinnern. Weil ein Jude (der; bereits genannte Sir'Rufus Jsaacs) in nicht, ganz einwandfreier Weise an der Börse spekulierthatte, ward ein übergewaltiges - Geschrei erhoben, uneMlich.- viel StaM aufgewirbelt, die antisemitischen Hetzer, die bis dahin weniger hervorge? treten, waren, stießen ins Horn und warfen die Maske ab, Schriftsteller zweiten Ranges, wie Hilair Belloc mrd Gllöert. C h e st e r t p n, doch! sogar. auch ein. H- G. Wells, schrien. Zeter und iMyrdio und machten das . ganze Judentum für den Fehltritt- .eines einzelnen verantwortlich?. Bellpc Und Chesterton ^gefallen sich seit Jahren den. Juden' -gegenüber in einer pöbelhaften Sprache, Wells drückt sÄ)! allerdings' vorsichtiger - aus) rät ihnen aber schon, lange allen Ernstes, England zu verlassen und sstch, in -Palästina.-anzusiedeln — , nicht ktvä, weil Wells ei|t; Interesse an der ilVerwirklühung der zionistischen Ideen; hat, sondern er erklärt ganz offen, die - Engländer würden - froh, sein, die Juden .loszuwerden. Dieser humane Wunsch gilt jedoch keineswegs den armen einkgewanderten allein,,sondern der'ganzen Judenschaft ches Jnsetdeiches. Die drei genannten Mtoren hätten ß^reits'eMtzH'Jlchte;8o,r,:deM, Kriege einen ganzen Klüngel von Hetzern hinter' sich?. , ' 1 ..'.oSSkäut auch wie gesagt-, viele eingewanderte< Juden im England eine Existenz savLeuunb sich emporarbeiteten, wie . viele. Dausende und. Wertauserrde sind jedoch? untergegüngen-' oder.-FrouskLaKen'-.der^Llerchmt ,>SchwitzQrbeit" gMiebeu?; Wer das Londoner Ostendsund seine Verhältnisse aus eigener Anschauung kennt, kann sich kaum etwas Düsteres und. Traurigeres vorstellen. Was hatten diese Inden von der Rede-, und Versammlungsfreiheit im,-sree eountry", wenn chnen durchs das : berüchtigte Schwitzsystan. geistig und materiell das letzte Mark ausg esogm. würde l: Sie. waren voist- Regen in;die! Traufe gekomMat.:Sosah es Nrit.dem „gelobten Land" in-Wirklichkeik auch Un-dsdpA- Mnge 'Lonho'M welches das Ostend als. eine Eiterbeule ansah,.. mochte von ihrem Elend nichts - hören. Ihre Vorzüge, besonders aber ihre Mäßigkeit im Trinkmt, machte, man ihnen ^geradezu zum Vorwurf, weil sie dadurchj zu wenig, konsumierten. Man würdigtees .ganz und gar Nickst, daß der jüdische Teil des Ostend vollkommen fichjer war, Mord und Totschlag dort Nie .vorkamen, während u. a. das italienische und chinesische Viertel zu den anrüchigsten und gefährlichsten ganz Londons gehören. : Wie es aber den Juden Englands geht, wenn sie nicht bedingungslos nach? der Regierungspfeife Lanzen wollen, hat ganz besonders die Entwicklung des Antisemitismus im gegenwärtigen Krieg gezeigt. .'' .. .. Die „Mormng Post". Ans London wird? utttevM 10. Juli drahtlich gemeldet, daß die „Morning Post" sich gegery die Ernennung des Lord? Montag?u wendet, weil er .Jude sei.. Neben seiner Liebe zuM Geburtslande sei der Jude seiner Natioit treu ergeben. Es Wäre daher nicht ratsam; in die Regierung so viele Juden auMnehMen, Zur NerfaffurrSsandlernnK.; Die Umrisse eines neuen Oesterreich?, in welchem die Völker in. glüMichssr Gemeinschaft miteinander in einem aus soliden Grundlagen -aufgebauten Gemeinwesen leben könnten, zeichnen sichp ab. - Noch ist nur . vermutnngs!- weise die Richtung, nüchj welcher die Verfässüngsändernng sich bewegen dürfte, zu bestimmen, aber wie immer dem sei, Jungf-Oesterreich?, - zn . dessen >ficher.eM., Bestände die unter der Fahne .des. Doppeladlers? kämpfenden Heere dauernde Fundamente, geworfen - haben, wlll? die Bande der allen, .aus den SchMerzen. und Leiden per Feldzüge von 1859 und 1866 geborenen Verfassung sprengen, um einer neuen Staatsordnung Platz, zu machen. Diese Neuordnung kapn für keim das^ österreichisch^ Vaterland, bewohnende Volk gleichgültig sein, aber nicht , nur vom Standpunkte des Volkes als solchen), auch vom Stande punkte des Staates' ist es! wichtig,, keine 'Unzufriedenen zu. schaffen. Slowenen und Rumänen, somit Gruppen, welche weder, numerisch' noch kulturell, uns Juden in der. öster-reichischeU Reichshälste MertreffeN) - werden zur Berätmrg hercutgezogen. Ihre Stimme soll, gehört werden. llnid;'so ist es auch recht. Was' verwunderlich, ist, bleibt der' Umstand?,' daß bis .setzt . kein Vertreterder .Juden genannt ' wurde. ' Soll? Werhaupt kein Vertreter Wrer vineinhaK Millivneu ' starken Revölkerungsschjicht, wo es sichj. um Verfassungsänderungen, handelt, welche sicherlich: auch sie tärigii^en- .dDMn>,- gehörtwerden? Das wäre unerhört, vom Standpunkt des Staates direkt ein LeichtWn. Man mag über Juden in noch so. verletzenden, der Wahrheit hohnsprech>enden und den Tatsachen widersprechenden - Äeußerungen sich! anslassen, es bleibt ein^ unumstößliches Faktum!,? daß.kein Volksstamm von , Oesterreich!: so;viel? infolge des Krieges' gelitten hat, wie die Juden. Drechunderttaüsend FlüchtlinbH?.voü Heim uüd. Haus Vertrieben^ Hunderte! von Hinschlachtungeit unschuldiger Bürger, deren' Schuld'. nur äm^Hesthalten zu Oesterreich! g?elegen wgr, sind: Wohl Beweis? genüg, wie! die Juden'czn Oesterreichj.halteU. Doch das wären!pass-ive5.;Bdweise.-- - Kriegsanleihe hat! in den