Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 29 (27.7.1917)
- Date
- 1917-07-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Mr. 29 ÖP« BIOCOS AaHrgims XXXI Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. ou- ■ ^Do p K. k. Postlxirrkasserrsrrrt 2learlng--Verkebr Nr. S10.S76. Redccktton und Administration: w krn c H/i, Praterstraße 9. | j Xelepb.on 45.859> nO -On Wien. 27. Juli 1917 Lrscbetnr zeden ffreitag. Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie«. OO-— ■ -oo p De;ugsprris für Vrstrrrrich: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 56 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzetg.en: Dis 2mal gefpaltene Petitzeile 48 Heller. o O- ■ -QÖ Inhalt: Leitartikel: Der Antisemitismus nt England während des Krieges. — Zur Verfassungsänderung. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Wieder etwas für die „Reichspost". — Die Verteidiger von Batko. — Weitere Auszeichnungen. — „Die schönste Auszeichnung, die einem Soldaten zuteil werden kann." — K. u. k. Baukompagnie 2/85. — Auszeichnung zweier Feldrabbiner für tapferes Verhalten. — Auszeichnung eines Lebensretters. — Tapferkeitsauszeichnung einer Postbeamtin. — Elf Familienmitglieder im Felde. — Nach dem Tode ausgezeichnet. — Die Heldentat am Jsonzo. — Die Idee eines jüdischen Soldatenrates in Rußland. — Die Autonomie der ungarischen Juden — ein Programmpunkt der Regierung. — Juden in der Borbereitungskommission für die Konstituante. — Ausweisung österreichischer Juden. — Zum Andenken des unvergeßlichen Feldrabbiners Dr. Kelemen. — Korrespondenzen: 8i äuo kaeueut iäsm, non est idem. — Was geht in der Alliance Jsraelite vor? — Wien. — Preisausschreiben für jüdische Jugenderzählungen. — Lord Sheffield und Israel Zangwill über das englische Asylrecht. — Russische politische Flüchtlinge in England. — Vermischtes. — Feuilleton: Jüdische Treue. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Wer Antisemitismus in England mährend des Kriege-.! Der Verfasser, der viele Jahre in England literarisch und journalitisch tätig war, konnte erst acht Monate nach Kriegsausbruch zurückkehren. Er war nicht interniert. ■' . I. Ungeachtet der gegen die Mische Einwanderung gerichteten AlieuMBill galt das Jnselreich lange vor Kriegsausbruch als eine Art gelobtes Land für die Juden. Als Beschützer der kleinen Nationen scheint sich England jetzt auch in der Gönnerrolle den Juden gegenüber, besonders den national und zionistisch gesinnten, zu gefallen, indem es sich mehr oder weniger bereit erklärt, deren Bestrebungen zu unterstützen, die auf Errichtung einer Mischen Heimstätte in Palästina hinauslausen. Diese würde dann selbstredend unter der Oberhoheit Großfbritanniens oder einer anderen Ententemacht stehen, das heißt, die englische Regierung hätte nicht aus humanitären, sondern aus durchaus selbstischen Gründen gehandelt, da ein solcher „Judenstaat" ganz einfach eine Machterweiterung Englands bedeuten würde. Nichtsdestoweniger verstehen es England und die übrigen Entente-- staaten, die Sachte so darzustellen, als ob sie aus rein judenfreundlichen Motiven Förderer des zionistischen Gedankens wären. während sie gleichzeitig die Zentralmächte, beschuldigen, den ZukuNftsplänen der Juden in realtronärer Weise entgegenzuarbeiten. Diese Ueberzeugung mochten sie auch unter den Juden hier neukt r a l e n S t a a t e n verbreiten. Da vornehmlich England als Judenbeschützer austritt, ist es von Interesse, festzustellen, wie es den Juden am Jnselreiche, besonders jetzt während des Krieges eigentlich geht. Allgemein war in den letzten Jahrzehnten bei uns die Ansicht verbreitet, in England gäbe es überhaupt keinen Antisemitismus. Doch, als ich mich vor mehr als zehn Jahren zuM erstenmal in London aushielt, erlebte fch gleich in den ersten Dagen eine Ueberraschung. Ich, besuchte das „Monument", den schlanken, sehr hohen Aussichtsturm inmitten der City, um! von dort den gramdwsen Ausblick auf das Londoner HäuserMeer zu genießen. Der TurMwart erklärte mir Straßen und Gebäude, wobei er gleich! auf das nahe gelegene Ostend wies und unvermittelt sagte: „Wissen Sie, wer unser Land in das größte Unglück stürzt? Erstens diejenigen, welche verlangen, daß wir uns -impfen lassen sollen, und zweitens die Inden." Die Jmpffrage interessierte mich weniger, dagegen war es mir von Wert, die Ansichten dieses Mannes aus dem Volke über die Juden Londons zu erfahren. Weitschweifig setzte er auseinander, wie die eingewanderten polnischen und russischen Juden die Arbeitslöhne immer tiefer herabdrückten, eine unsagbar gefährliche Konkurrenz für' das einheimische Element bedeuteten, die ganze Lebensführung erschwerten und verteuerten und obendrein noch als Fremde gar kein Recht hätten, London und England so zu überschwemmen, wie sie es täten. Der Mann suhr fort: „Nur eine Rasse gibt es noch!, die ach ebenso hasse und verachte wie diese eingewanderten, Juden. Das sind die Deutschen. Die entsetzlichsten, von allen sind für mich die deutschen Juden." Und im Laufe vieler Jahre hörte ich manchen Londoner wirklich Mer niemand mit so gründlicher Verachtung sprechen, wie Wer die „German Jews". Diese Art von Antisemitismus, die ihre Wurzeln eigentlich in den wirtschaftlichen Verhältnissen hatte, war naturgemäß in den untersten Klassen am weitesten verbreitet. Der Engländer fühlte sich. von vornherein der rastlosen Energie und der Merlegenen Intelligenz der eingewanderten Elemente nicht gewachsen, deren Anpassungsfähigkeit sie in kurzer Zeit die Einheimischen auf allen -Gebieten überholen ließ. Auch ihre besonders bescheidene Lebenshaltung und der stark entwickelte Sparsinn erwarben Men kaum die Sympathie der Engländer, die eine weit bessere Lebensführung gewöhnt sind. Dazu kommt, daß der Dnrschnittsbrite jedem Frem-