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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-07-20 · 28 (20.7.1917) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
28 (20.7.1917)
Date
1917-07-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 454 Nr. 28 Dir. WoH's Mchjenschrist gehörigen gesehen habeir. Indessen, es' waren auch! die meisten anderen ergriffen und mitgerissen. Es' hat sich! die allseitige Bereitwilligkeit gezeigt, beizuspringen und-aufzuhelfen, und wenn es auch! nur eine karge Entschädigung ist, dir 'von Staats wegen geboten werden-soll, so wird sie doch den demütigen Charakter eines Almosens abstreifen und einen gesetzlichen Anspruch gewährleisten. Allein beklagenswerterweise gibt es''auch! da Ausnahmen; auchi da gibt es Menschen und ganze Parteien, die sich, diesem' Jammer roh verschließen, sich in dieser feierlichen Stunde nicht ihrem' Hasse erwehren können. Wer hilflose Menschen herzufallen, die Schale chrer Nachsucht über sie auszuleeren. Tief schmerzlich ist es' für uns deutsche Juden, daß es gerade ein deutscher Abgeordneter, der Schlesier Dr. Freist!er, sein müßte, der die Ouvertüre aufspielte und sichj von solchen bösen Instinkten und gehch'sigen Regungen gegen die Flüchtlinge, und in erster Linie gegen die Mischen lenken.liest. 'Dann haben sich chm tags darauf der chriWchsoziate Mgeordnete Dr. Je rzabek — seiner Parteizugehörigkeit nach! .gleichfalls ein „Deutscher" — und schließlich noch, der Abgeordnete Einspinner zugesellt, uni in das gleiche rauhe Horn zu stoßen und. der nämlichen öden Herzlosigkeit zu verfallen. Man höre undstaune! Es wird diesen ärmsten, gehetzten und unsteten Menschen Unsauberkeit und Arbeitsscheu vorgeworfen; sie hätten die für die Entlausung bestimmten Mittel losgeschlagen, aber die Läuse behalten und!, das Land, verseucht; sie hätten, statt zu arbeiten, geschachert; sie wären dem Gelbe nach g ejagt und der Arbeit ausgewichen. Es ist ein 'Ruhmesblatt der jüdischen .Abgeordneten Reizes, Ministerialrat Kuranda und Doktor St rauche r, sich diesen wilden Ausbrüchen wacher entgegengeworfen zu haben, indem sie . sich! mit empörter Entrüstung dagegen auflehnten, daß! staatstreue und verläßliche Bürger, die unverschuldet in maßloses Unglück geraten sind, gepeinigt und gehöhnt werden.. War doch, selbst der 67 jährige Hofrat Kur a n da, der einen erblühten Sohn dem Vaterlande geopfert hat, dem diabolischen Anwurf ausgesetzt, warum denn er nicht an der Front kämpfe, während, der Zwischjenruser, der Abgeordnete Teufel, ein Jjüngling gegen ihn, die Gegenfrage, wo er denn im Kriege geblieben war, nur mit einer gurkensauren, täppischen Auskrreifung parieren komrbe. In dieser gedrückten Stimmung! hat es wohlgetan, daß christliche, allerdings nichtdeutsche Mgeordnete, sondern'Rumänen, Ukrainer, Italiener, Slowenen, die Flüchtlinge und die Juden vor diesem mutwilligen Geschimpfe in Schutz genommen haben. Wie sollten, so riesen, sie aus. Mische Handwerker und Arbeiter sich' betätigen, wenn sie systematisch! daran gehindert wurden, einer Arbeit nachzugehen, da Man ihnen das Arbeitsbuch verweigerte! Wurde es doch selbst geistigen Arbeitern, wie flüchtigen Advokaten - usw.. verwehrt, in ihren neuen Wohnstätten die Praxis' auszuüben. ~ Es wurde als Verleumdung gebrandmarkt, daß die Flüchtlinge ihnen gelieferte LÄensMittel zu. höheren Preisen verkauften; es wurde nachgewiesen, daß sie selbst zünteist auf die Hälfte der Ration gesetzt waren und oft stundenlang im Schnee, Frost und Unwetter uucherirren mußten, um nur ein Stückchen Brot zu ergattern. Der Mgeordnete Pitton'i — und dies verdient als tiefster Eindruck hervorgehoben zu werden — hätte gewünscht, daß auch ein.deutscher Abgeordneter ein Wort des Mitgefühls ohne jeden Beigeschmack dam bitteren Los der F bücht l in ge gewidmet hätte, und > herzerquickend war es, als der slowenische Priester Djoktor;K re k sich zu sittlicher Höhe feines heiligen Amtes erhob, um' es laut zu verdammen, wie Flüchtlinge Verbrecher gescholten werden können,-die so vieles erlebt und geduldet haben und an der Gerechtigkeit verzweifeln mußften. Darf man den Flüchtling. — so entrang es sich seiner Brust — faul nennen, wenn er in seinem Hunger nicht der. gleichen Anschauung huldigt, wie jene, die frere Gotteslust falmen? Jene dieu.tsch.en Mgeordneteu aber, gegen die sich diese schimmernde Wehr von Mitgefühl .und Einsicht warrdte, sind ein Typus, ein krasses Symptom der geistigen Verwirrung und Verirrung eines' wütigen Rajselchasses, der Uur zerstören, aber nicht aufbauen kann. Und doch hätten gerade die Deutschen alle Ursache, die'Juden und die jüdischen Flüchtlinge wohlwollend, liebevoll und dankbar zu beh.audeln. Das wäre ehrlich-, ehrenhaft, aber auchi politisch! klug und gesund. Wissen die Deutschen nicht, vor wenf die Mi- - scheu Flüchtlinge geflohen sind und für wen sie gelitten haben? Wissen sie nicht, daß diese Flüchtlinge der Puffer waren, der die wuchtigsten Schläge aufhielt, welche gegen die Grenzen Deutschlands und des eigenen Vaterlandes gerichtet waren? Wissen die Deutschen nicht, daß diese polnischen . Juden aufopferungsvoll nritgeholfen haben, den Armeen das' Gewicht ihrer Schlagkraft zu stärken, und daß wir Juden allesamt sowohl in der Feuerlinie als Soldaten und-Offiziere die größten Heldentaten verrichtet, aber auchdaheim! durch unsere Beharrlichkeit, Tüchtigkeit, Schaffenskraft, Unternehmungslust und Wagemut für Heer und Bevölkerung unübertreffliche Leistungen vollbracht haben? Und doch hat man gerade aus der Mitte der führenden deutschen Parteien gegen'diese unglücklichen Juden Hohn und Schimpf maßlos geschlendert, ohne daß von irgend einer deutschen Seite ein Wort der Abwehr laut geworden. -Selbst die JudenstämMlinge aus dieser Region schwiegen feige;— offenbar ist der grausame un- - -erb ittliche Kampf gegen Juden und . Judentum zum nationalen Programm der großen^ deutschen Parteien in Oesterreich erhoben worden. Dje parlamentarischen Episoden in den letzten Sitzungen unseres Abgeordnetenhauses haben darum nicht bloß innerhalbdes.österreichischen Judentums!, sondern auch im neutralen Ausland stärkste Aufmerksamkeit gefunden upd peinlichste Eindrücke zurückgeläffen.! Diese verblendete' Politik kann nur mit Unfruchtbarkeit -geschlagen sein. Die Deutschen in Oesterreichs ohnehin völlig vereinsamt, stoßen treue Elemente von sich ab! und scheuen sich nicht, als die einzige unter allen änderen Nationen, Menschen, über die das Schicksal das trübste UngeMach verhängt hat, Mitgefühl und- Mitleid' zu versagen und sich! in ihrem Judenhasse gusWobien oder wenigstens dazu — zu schweigen. Und noch, eines: Dieser Mgeordnete. Je rzabe k hat mit -der Sentenz paradiert: Oesterreich! den. Oesterreichern! So schön dies klingt, war es aus ^solchem Munde natürlich, gleichfälV -gegen die Juden gemünzt. Wohlan denn, so mö!gie dieser Judenhasser es 'sich! sagen lassen, daß, die ältesten und bodenständigsten Oesterreicher eigentlich! die Juden sind. Sie waren 'schon zur Rö-merzeit im Lande, und keine 'Verfälschung der historischen Tatsachen ist imstande, ihnen ihr Oesterreichertum streitig zu Machen.. Bessere und! echtere Oesterreicher als sie gät es überhaupt nicht. \ . - Von den Trägerrr des'. NaMens Ierzäbek und ihrem -etwaigen Bemühen uM Oesterreich und' . Hin Deutschtum weiß -die Vergangenheit wenig zu vermelden, während -auf den glänzendsten Ruhmesblättern, der österreichischen Parlamlentsgeschichte länger denn ein halbes Jahrhrurdert z. B. der NaMe Kur an d a hell erstrahlt. „Oesterreich! den Oesterreichern!" Wer einmal im Aus-

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