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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-07-20 · 28 (20.7.1917) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
28 (20.7.1917)
Date
1917-07-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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»*•28 Dr. Bloch’s xxxiv Sfentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. — * ' *QOC-- Wien, 20. Juli 1917 Brscöeint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie», H/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Inhalt: Leitartikel: Flüchtlingsleid. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Zehnte Auszeichnung eines jüdischen Flieger-Oberleutnants. — Jüdische Familien im Felde. — Zwei Wiener Aerzte, Dr. Hugo Deutsch und Dr. M. M. Tauber. — Kaisererinnerung an der Front. — Jüdische Offiziere bei den 37-ern. — Nach dem Tode ausgezeichnet. — Heinrich Peiper. — Wilson für einen unabhängigen jüdischen Staat. — Nationale Autonomie für die russischen Juden. — Die Juden in Rumänien. — Zum Andenken des unvergeßlichen Feldrabbiners Dr. Kelemen. — Aenderungen im Feldseelsorgerkorps. — Die Ethik im Kriege und die Heilige Schrift. — Korrespondenzen: Aus dem österreichischen Abgeordnetenhause. — Aus der Rede des Abgeordneten Reizes. — Ein antisemitischer Antrag der polnischen Volkspartei. — Der „legitime" Handel und der - Gemüse- und Obstwucher. — Ein Abgeordneter als Preistreiber. — Die rituelle Küche der Stabsabteilung des J.-R. Nr. 24 in Freudenthal. Raffenbefangenheit bei der Rektoratswahl. — Jüdische Kriegsküchen. — Die Besetzung des Oberrabbinats von Nordholland. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Flüchtlinge der Bukowina und Ostgaliziens in Oberösterreich. — Literatur/— Briefkasten. — Inserate. 0(r---=0O p Vrrugsxreis für Drstrrrrtch: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespaltene Petttzelle 48 Heller. £ n 0~ --0 o Oü- - OQ p A. k. Postsxarkassenamt Sleartng-Verkebr > Mr. S10.97S. Redaktton und Administration: Wien e Il/i, Praterftraße 9. Jj Telephon 45.359- J oP -Qo FlLchtUuKsleid. Zu den jiijnMn MrljajWnhLriWen Vorgängen. Von Dr. Heinrich Schreiber. Ein dreijähriger, schrecklicher Krieg stumpft ab, tötet die' Entpftndung für fremdes Leid. Allein Flüchtlingslos und FlüchtlinManÄner sindzu greulich, als daß sie nicht das härteste Gefühl erlveichen Mächten. Die grellsten Farben sind %u Matt, um das' Martyrium der Flüchtlinge zu schildern, jener unglücklichen Geschöpfe, die, Von der Scholle Vertrieben, aufgescheucht und, verschüchtert, ziellos umherirren, zerstampfte Existenzen beklagen, preisgegeben sind dem! Ungefähr unberechenbarer Widrigkeiten,, '.zermürbt sind Von unsäglichem Knntmer, zerrüttet an Leib und Seele und 'gedrückt von Weh und Ach, schwach und beladen und angewiesen auf die Barmherzigkeit mildtätiger Hände. Hier ein unglücklicher Gatte und Vater, der Weib und Kinder sucht, dort eine verzweifelte Mutter, losgerissen von ihren Liebsten; Tränen, Seufzer und Schauer, dieser gräßliche Grundton des Elends^ sind die Begleitung dieser herzzerreißenden Tragik. Auch wer es nicht selbst sieht, nur davon hört und liest, den packen die Schauer des Entsetzens und unwillkürlich mag mancher Vater bange und ergriffen nach den Händen seiner Lieben greifen und die Vorsehung segnen, daß er von Gleichem ist verschont geblieben. .Der Hauptstock der Flüchtlinge und die -ersten, die zum Handküsse kamen, sind Juden: die polnischen Juden, die in ihrer Treue und Hingebung für Staat und Thron, fest und unbeirrt zuvr Vaterlande gehalten und vor den Horden des tzarischen Rußland, welche die östlichen Grenzen Deutschlands ündi Oesterreich-Ungarns überflutet hatten, nach den inneren Gebieten ab!gew ändert sind. Freilich blieben sie nicht allein. Die gleiche Heimsuchung ist auch anderen Bürgern des weiten Reiches widerfahren, Polen, Ruthenen, Ukrainern; später nach dem Treubruche Italiens auch den Bewohnern des Küstenlandes,. ' Slowenen und Angehörigen anderer Volksstämme, die sich vor dem welschen Einbrüche in das Hinterland zurückgezogen haben. Vor allem hat aber das galizische Flüchtlingselend mit seiner katastrophalen Wucht, seiner furchtbaren Plötzlichkeit das stärkste kriegssoziale Problem ausgerissen. Darauf waren Staat und Verwaltung nicht vorbereitet. Es hat an Vorkehrungen dagegen gefehlt, und mit raschem, sich fast.überstürzendem Zugriffe mußte im Verordnungswege Vorsorge und Abhilfe geschaffen werden. Es gelang denn auch schlecht und! recht und allmählich, diese Sturzwelle in ein- Bett zu leiten, dank tüchtiger Mitarbeit, die freiwillig vorgetreten war und sich vor allem auch aus unseren jüdischen Kreisen rekrutierte. Es wurden Flüchtlingslager aufgeschlagen, Asyle hergerichtet und dort die znsaMmenströMenden Massen zur Not untergebracht, gedrängt und zusammengepfercht, bis immer wieder neuer Raum geschaffen war. Ich habe gelegentlich ein solches Flüchtlingslager an einem festlichen Tage gesehen und Eindrücke gewonnen, die mir noch heute das Herz uufwÄhlen; wie muß es am grauen Alltag hergegangen sein! Wer sich aber ein plastisches Bild davon machen will, d er mag die ausführliche und ungeschminkte Schild derung aus sich wirken lassen, welche der Minister des Innern Gras Toggenburg in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 12. Juli anläßlich! der Beratung des Gesetzes über die Regelung der staatlichen Flüchtlingssürsorge entworfen hat. Da wird nichts verhüllt und nichts beschönigt. Man lernt das Gruseln kennen; man hört von Sammeltransporten, Viehwagen, von Hunger, Siechtum und Sterblichkeit und der Ohnmacht, diesem Mafsenunglück wirksam zu steuern. Das Mitleid ob so vielen Ungentachs hat denn auch im Parlament durchgeschlagen, und ein lebhaftes, teilnahmsvolles Echo geweckt, freilich bei Menschen, die selbst oder deren Volksgenossen dem gleichen Unheil, den gleichen Bedrängnissen und Fährlichkeiten aus'gesetzt waren, die sie am eigenen Leibe gespürt oder deren Wundmale sie bei ihren Zu-

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