Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 27 (13.7.1917)
- Date
- 1917-07-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3022248-3022276--26133-3051475- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
!Tr. 27 Dr. Bloch’s Fahrgang XXXfi? Zentralotoau für die gesamten Ilnteressen des Zudentums. otr-— ~DO p 1 A. kr. PofispklrKap-enamt Clearing--VerKebr Mr. S10.976. Redaktion und Administration: Wien Il/i, Praterstraße 9. Telephon 45.359. nO On Wien. 13. Juli 1917 Lrscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, II/i. Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. o o- -O o VrruKSprrrs für VrkkerreiNr: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für da» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. WanzjähNg 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespallene Petitze'.le 48 Heller. o O . Oc> Inhalt: Leitartikel: Seid wachsam! — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Der älteste aktive Militärarzt unserer Armee. — Ein Zweikampf bei Kostanjeviea. — Zum zweitenmal ausgezeichnet. — Zum drittenmal ausgezeichnet. — Jüdische Familien im Felde. — Deutsche Kriegsdekorationen. — Aus der Kriegsgefangenschaft an die Front. — Das Geldgeschenk des. Erzherzogs Friedrich. — Unsere Heldeil am Jsonzo. — Goldene Tapferkeitsmedaille — nach dem Tode. — Nach dein Tode ausgezeichnet. — Artur Sternschein. — Heldentod des Fähnrichs I. Körner auf dem südlichen Kriegsschauplätze. — Tragisches Ende des jungen Pioniers. — Gegen den Antisemitismus. — Sabbatruhe und Sonntagsruhe. — Der Ausschluß der Renegaten aus den Gemeinden. — K o r r espondenzen: Die Amnestie. — Oesterreichisches Landeskomitee vom „Roten Mögen Dovid". _— Wie es in den Internierungslagern zugeht. — Aufhebung der-jüdischen Flüchtlingslager. — Neue Kriegswaisenhäuser in Galizien. — Eröffnung eines zweiten jüdischen Kriegswaisenheimes in Sambor. — Staatssekretär a. D. Leopold Badasz. — Budapest. — Prag. — Vermischtes. — Feuilleton: 30 Jahre Religionsunterricht. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Seid wachsam! (Ein Weckruf.) Von Dr. Heinrich Schreiber. Die.Thronrede, mit welcher am letzten Mai d. I. der Reichsrat eröffnet wurde, hat eine Fülle großer und grundlegender Verheißungen für das Ltaats- und Verfassnngsleben unseres Reiches verkündet. Oesterreich, das alte,, historische Gebilde, soll sich verjüngen und regenerieren. Die staatsgrundgesetzlichen Freiheiten sollen, wie es in der feierlichen Ansprache an die Vertreter der beiden Häuser des Reichsrates heißd unverbrüchlich gehalten und den Staatsbürgern der 'öerfassungsmäßige Anteil all der Bildung -des Staatswesens unverkürzt gewahrt bleiben; es sollen aber die neuen Vorbedingungen geschaffen werden. im: der freien nationalen .und kulturellen Entwicklung. gleichberechtigter Völker Raum zu geben. Diese Erwägungen, sind es. welche die Krone bestimmt haben, die Ablegung des Verfassungsgelöb-nisses vorzubehalten, bis, wie es ebenda ausgesprochen ist, die Fundamente des neueli, starken, glücklichen Oesterreich wiederum fest ausgebaut sein werden. Die kaiserliche Botschaft faßt mithin die Erlassung einer neuen Verfassung für ein neues Oesterreich ins Auge, welche den Zeichen der Zeit entsprechend von modernem Geiste erfüllt' sein solb um nach innen den Bürgern ein neues, gekräftigtes Staatswesen zu erschließen und nach außen wen Bundesgenossen sowohl wie den Widersachern das Bild eines gesunden, vollblütigen Körpers zu bieten, der seine Vollkraft und sein ganzes Gewicht in die Wagschale der Völkerschicksale legen kann. Die Versassungssrage ist demnach ausgerolld jene Gesetzesrolle, welche das gleiche Recht aller Bürger besiegelt und verbrieft und nunmehr in. einer nationalen ' und kulturellen Gleichstellung aller Nationen und Völker dieses Reiches ansgeweitet werden soll. ... , Noch einmaG sei es gesagt: ein neues, verjüngtes Oesterreich soll erstehen aus einem- Piedestal.; welches das Land in einer festen ulid gesicherten Gliederung den modernen Kulturftaateu an die Seite stellt. Wie immer die Sache gewendet und nusgelegt wird — und jedes Volk nimmt sich aus dieser Verheißung das heraus, was ihm am bekömmlichsten dünkt —»"sicher ist. daß der Staat und seine Bürger inmitten eines gewaltigen Weltgeschehens, wie es dieser .Krieg ist, auch verfassungsrechtlich vor große Dinge gestellt werden. Das Ministerium Clam-Martinic. welches dieses neue Oesterreich verheißen ha'-, ist vom Schauvlatz abgetreten. Nur schweren Herzens hat sich der Monarch voll diesem Staatsmann getrennt. Ein Ministerium Seidler ist als bloßes Beamten-. nnd Uebergangsniinisterium an seine Stelle gerückt, welches ein enggezogenes, kleines Programm zu seiner Lebensaufgabe setzt, während jenes größere Programm oertagr wird ans. jene? ruhige und glückliche ZeG. in welcher die Wiedergeburt 'des Staates in frischer Jugendpracht zur Tat werden soll. Wo es aber die Verfassung gilt und Pläne einer neuen Konstitution geschmiedet werden, da geraten nicht allein die Nationen und Völker in Bewegung; auch das Los und Schicksal der Juden schwingt mit und vibriert an -der empfindlichsten Stelle ihrer staatsbürgerlichen Existenz. - Ist den anderen Bürgern die .Verfassung das Fundament der bürgerlichen Freiheiten, so ist sie den jüdischen Bürgern noch viel mehr; ist sie den anderen Bürgern sozial und politisch bedeutungsvoll, so ist sie für die Juden in diesem Betracht das Elixier, welcher ihrem Leben die Menschenwürde einslößt.. Mit der Dezemberversassung des Jahres 1867 sind die demütigenden Schranken der-Rechtlosigkeit und Minderwertigkeit für uns Juden gefallen. Waren wir bis dahin geächtet und mißachtet, so erklang mit den Grnndge setzen jenes Jahres für die Juden der Hochgesang der G-leichwertigkeit in Gesetz und Recht. Damit waren die schwülen und engen Mauern des Ghettos gestürzt und die Juden mit den Attributen des freien -und.voll bürtigen Bürgertums bekleidet, mag auch vielfach die