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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-07-06 · 26 (6.7.1917) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
26 (6.7.1917)
Date
1917-07-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 434 Dr. MMN WoMnWrift" Nr. 26 von Sturm und Drang, von Kaurpf und Arbeit ausgeMlten Lebenslauf die von ihm so erfolgreichgeführten Kämpfe für die Rechte und die öffentliche Stellung der ungarischen Juden einen breiten Raum einnehmen. t Man. kann es heute ruhig sagen, denn es entspricht dev historischen Wahrheit, daß, Dr. V z s o n y i seine öffentliche Laufbcihn in der Redaktion des „Egyenlöseg" begonnen hat. Wie seinerzeit die /.Oesterreichische Wochenschrift'". so hat der allzufrüh dahingeschiedene Max SKali o lei in seinem „Egyenlöseg" aufstrebende Talente zu versammeln und .großzuziehen verstanden. Manche Leuchte an dem FirMamente ungarischer Kunst und Literatur, die heute, weithin glänzend, angestaunt wird, war glücklich. unter Szabolcis väterlicher, von grenzenloser Liebe für das Judentum erMlten Leitung schüchtern die ersten Schritte in die Oeffentlichkeit tun zu dürfen. Mit der bei chm so oft bewunderten Treffsicher!- heit hat Max SzaUolci vor etwa 25 Jahren den jungen Juristen Wilhelm Weiszfeld entdeckt, seine großen Fähigkeiten, sein ehrliches Streben nach Freiheit, sein temperamentvolles Verfechten der erfaßten Wahrrheit. seine alle Schwierigkeiten und Hindernisse überwindende Energie, vor allem aber seine tiefwurzelnde, innige Liebe zu seiner Religion und seinem Stamme erkannt und in den Kreis jener ungarischen Jung-Juden gezogen, die sich in jener für Ungarn historisch jo. wichtigen Äufklärungszeit um den. „Egyenlöseg" scharten. Nahezu ein Jahrzehnt lang war Wilhelm V azso ny i '-tein glühender Patriot im Sinne der <2zabolci-Richtung — Leitartikler des ..Egyenlöseg", in welchem er hunderte Artikel voll Feuer und Ueberzeugung über die Judenfrage veröffentlichte. Diese Kampfartikel, die zum größten Teil die Forderurig nach? gesetzlicher Rezeption der jüdischen Konfession zum Gegenstände hatten, bitbeit einen hervorragenden Merkstein in der Geschichte des ungarischen Judentums, denn der in diesen Artikeln begonnene und unerbittlich! durchgeführte Kampf, harte den Erfolg, daß die Rezeption und mit ihr hie anderen kirchenpolitischen Gesetze zur Tatsache wurden. Allerdings haben diese in echiteM Liberalismus geborenen Gesetze -den Antisemitismus in Ungarn nicht vollends niederzuringen vermocht. Wehmütig, in seiner jüdischen Seele tief getroffen, aber durchaus nicht resigniert. schreibt Vazso nyi am 1. Juni 1911 unter der Ueberschrift ..Erinnerungen und Lehren" im „Egyenlöseg" : „Rezeption, glorreiche Erinnerung. Aber sind auch chre Seele, ihr Geist noch lebendig? Der frevelhafte Haß erwacht von neuem und wir sehen nicht, daß ■ ihn der energische, entschlossene Liberalismus zertreten - würde; abermals werden wir bloß, mit gnädigem Möpsen auf die Schulter abgetan: man gestattet uns zu leben. Sie zählen uns nach, wieviele Juden im öffentlichen Leben eine Rolle spielen; sie sehen in uns nicht wie Individualität, sondern nur den Juden. Und unsere „Freunde" begreifen es nicht, daß das nicht mit einigen salbungsvollen Phrasen erledigt werden kann. Sie verstehen nicht den Schmerz und das Selbstgefühl unserer Seele. Entweder seien wir rechtlos oder vollberechtigt., aber Bürger zweiten Ranges wollen wir nimmer sein.?■- . . Verzweifeln wir jedoch nicht. -Auch dieser Rückfall wird, durch das Vordringen der Demokratie abgelöst werden. Ohne Ideale wird die ungarische Nation niemals bleiben. Die Oede, die Leere, der gewissenlose Haß sindbloß, wiederkehrende Spukgeister. > Wenn nur in uns die Seele der Rezeption, der Mut, das Selbstgefühl, unsere entschlossene Anhänglichkeit an unseren Glauben fortleben! Dieser Boden ist auch unser Vaterland und haßerfüllte Halunken Mögen Mns keine Lektionen in Patriotismus erteilen. Wir sind ungarische Juden-, wir werden es WWn/ und ergreifen nicht die Flucht vor einem verwerflichen Lager, das uns. aus dem Vaterlande aussperren möchte:" UnvergeWichi ist -der tiefe Eindruck, den V azs o ny i in.. der am 11. MoveMber 1913 gegen die 'Ritualmordlüge in Budapest abgehaltenen denkwürdigen Prötestkundgebung Mit seiner Rede gemacht hat. Nach einer von glühendem Patriotismus erMlten Einleitung sprach er die zündenden Sorte: .;. Nicht Personen, sondern Ideen und Gedankenrijchjtunigen sind! wir Dank -schuldig. Wir sind! Dank schuldig jener Richtung, jener Idee, der wir unsere Befreiung, unsere Erlösungdanken. Es war die große Richtung des Liberalismusr der gleichen Rechte. Für andere mag die Freiheit ein Dienst sein, anderen mag der jedes Feilschen ausschließende Kultus der gleichen Rechte Ueberzeugung sein/ anderen wieder/Großmut, Entsagung oder 'OpferwWgkeft. Unsmeine lieben G l au b e n s ge n o s [e m sind sie d as G e - bot des Blutes und der Ehre. Denn wir denken an unsere armen, verhetzten Vorväter, denken an jene, die. so litten, wie heute noch Wiele in Rußland leiden, denken daran, haß es das System der Vorrechte, der Privilegiendes Absolutismus und der' Beschränktheit war, .das ihre Leiden verursachte, mnv dann fühlen wir uns, in Erinnerung an unsere Vorväter, gedrängt, mit der Kraft - des .Blutesder Abstammung einen heiligen, bis zum Tode währenden Schwur zu leisten und ihm unser ganzes Leben zu wechen: daß -überall,^ wo wir Bedrückung,. Leiden scheu, sei es welcher Konfession immer, dort, wo wir Knechtschaft sehen, daß dort ein Jude, der seine Vorväter ehrt, nichts. anderes tue — .und er kann nichts anderes' tun als die Tränen^ trock!-"' .nen. die Wunden heilen, die Finsternis durch das Licht I zerstreuen.^ die- KnechDhaft brechem Helsen?;auß daß Frei-- - heit, gleiches Recht werde allen, wie sie uns geworden. , . .. . Geloben wir auch daß wir jeder Unterdrückung, jeder Knechtung den. Tod schwören und daß wir mit vereinter Kraft daran arbeiten werden, um diese Nation mit allen unseren Fähigkeiten, allen unseren Bemühungen, gegen alle Gefahren. in die Reihen der geachtetsten, konstitutionellstem von Kultur und wirtschaftlichem Wohlstand am tiefsten durchdrungenen Nationen Europas zu erheben — zum Zeichen uns eres Dankes." \ Von derselben Wucht, von. gleicher Kraft sind seine zahllosen Artikel, die Vazsn-nyi über die Einigung der ungarischen Juden behufs Erlangung der einheitlichen .Autonomie veröffentlicht hat. Sein Kampf in dieser Richtung blieb ohne Erfolg. Selbst seine sprichwörtliche Energie konnte gegen den Widerstand der beiden jüdische konfessionellen Parteien, sichi auf einer Plattform zu einigen. nichts ausrichten. Die Ueberzeugungstreue hat Wilhelm Vazso n y i aus dem Geiste jenes Judentums geschöpft, in dem er in seinem Vaterhause erzogen wurde. Es war ihm. „ein Gebot des Blutes undder Ehre", seinem angestammten Glauben, dessen Geschichte ihn die Leiden der Bedrückten und Verfolgten verstehen und mitfühlen gelehrt hat, nicht nur nicht abtrünnig zu werden, sondern ihm mit Treue, Ueberzeugung und opferwilligem Mannesmut selbst vor Fürstenthronen anzugehören. für ihn zu Ampfen, zur eigenen Chre und zum Wöhle seiner Mitmenschen.^. ~ . Der Vater Wilhelm VaKsönyrs^..Mwtf:W.-e.-i-sHßvt d, lebt in Budapest',und hatidasffMeno-Wück, sich! derjFrüchft der gut jiüdffchen Drz.iHu'ng/Äe. er feinest Kistderndb. ^erfreuen zu können. Allfährlich am Sederabend '.lauscht. Wilhelm den Erzähtturgen des Vaters von dem Großvater. benjt seinerzeit in ganz Ungarn verehrten Rabbi

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