Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 25 (29.6.1917)
- Date
- 1917-06-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 25 Dir. Bloch'S Wochenschrift Seite 413 -D v Wückkehr der WaMüra-Iuden. Die. „Mnuchiter Zeitung" meldet aus Antsterdam: Mall vernimmt aus Madrid, daß die spanische Regierung in Beantwortung ihrer Vorstellttngen bei der türkischen Regierung die ofsizielle Mitteilung enthal cit habe, die türkische Regierung habe den Befehl gegeben, den wegen der kriegerischen Ereignisse ausgeiv i e s e n e n Jude lt o o lt Palä st i n a die Erlaubnis zttArteilen, in ihre H e i m a t s o r t e z u r ii ck z u k e h r e n. Italien und die Iudenfrage. Dem Jüdischett Korrefpondenzbureau, Haag, wird aus Rour berichtet, daß die jüdische Gemeinde daselbst durch die Regierung ermächtigt ist, folgenden Bericht zu - verbreiten : ' ■ * Die italienische Regierung hat durch beu Mund von Bose l l i an Nachum So ko low, Mitglied derHauPtteilnug der Zionistischen Weltorganisation, erklärt, daß sie bereit sei, jeder Initiative ihre Zustimmung zu geben und die Bestrebilugen 511 unterstützen, die die Niederlassung der Juden in Palästina beabsichtigen. Aus dem Sibirischen Gefangenenlager. Autipicha bei Tschita, 10. April 1917. Meine beste Frau! Am 7. d. M. war ich in Tschita im Tempel. Wir (15 Kameraden) gingen fünfviertel Stunden zu Fuß,' bloß Von einend russischen Offizier begleitet, nach Tschita, die Rückkehr erfolgte per Bahn. Der Spaziergang durch die schöne Hügellandschaft hat mir sehr wohlgetan. Die Tschiraer sehr reiche Gemeinde hat einen mobente.it-, innen reich ausgestatteten Tempel, dessen Aeußeres Du schon durch eine Ansichtskarte kettnst. Bon der in russisch-jüdischem Jargon gehaltenen Predigt habe ich, wiewohl ich den polnisch-jüdischen Jargon etwas verstehe, recht wenig verstanden. Nach dem würdigen Gottesdienst speisten wir als Gäste der Gemeittde (auch die Mannschaft separat)'in deren anstoßenden Schule mtd wurden hiebei von schönen Mädchen der besten Gefells ch a f t s k r e i s e bedient. Das war eine angenehme Abwechslung, aber was das Merkwürdige ist — sollte es eilt Zeichen des nahenden Alters feilt? —, den loeitaus größten Eindruck hat es auf mich gemacht, daß wir im Gotteshaus Mit kleinen herzigen Kindern von fünf bis. sechs Jahren zusammenkatnen, au deren Anblick wir nicht Mehr gewöhnt sind. — Wir sind alle gesund. GeneralvkrstimmLnnA der Jsr. Allianz zu Wien. Montag, am 25. Juni, abends 6 Uhr,- fand im Srtzuitassaale der Israelitischen Kultusgemeinde die Generatversammluttg der Wiener Israelitischen Allianz statt. In Abweseicheit des entschuldigten Präsidenten Dr. . Alfred Ster n eröffnet Vizepräsident Dr. Artur K tt - randa die Versammlung und begrüßt die erschienenen Vereinsmitglieder und Gäste. . Der Bericht ist zunächst' dem Andenken des verewigten Kaisers Franz Josef I. gewidmet: „Es ist nicht nur die traditionelle Ehrfurcht vor dem Throne, welche ups veranlaßt, in der I ah res versa mutlung der Israelitischen Allianz an der Spitze unseres Tätigkeitsberichtes dem Gefühle der Wehmut über den Heimgang eines Monarchen Ausdruck, zu geben, dem -die Gnade des Himim'els eine ohne Beispiel in der Geschichte dastehende, über drei Generationen sich erstreckende Regierungsdauer gewährt hat. Es ist zugleich eine dankbare Würdigung des Umstandes, daß erst durch die gerechte, humane und segensreiche Regierung dieses Herrschers und die große Wandlung, welche sie in der bürgerlichen Stellung unserer Glaubensgenossen itt der Monarchie hervorgerusen hat, die Vorbedingungen für die Begründung unseres Vereines itt Wien geschaffen wurden, welcher seit nahezu einem halbett Jahrhundert weit über die Reichsgrenzen hinaus, überall, wo Judett als solche zu leiden haben, Hilfe ztt bieten bestrebt ist. Noch kurz vor dem Regiernugsantritte Kaiser Franz Josefs hatte die Beschränkung der Wohnorte, der bürgerlichen Betätigung und der Religionsübung für die. Judett - in Oesterreich teilweise Aehnlichkeit mit den Zuständen itt Rußland. Erst die eigene Gleichberechtigung ermöglichte es den Begründern der Israelitischen Allianz, sich den Kampf für die Rechte uitserer Brüder int Osten mtd deren kulturelle Hebitng zur Aufgabe zu machen. Mil der dankbaren Erinnerung an den hmgeschiedeucit, gütigen und gerechten Monarchen verbindett wir in dieser erstatt Jahresversarmrrlung unter der Regierung Seiner Majestät .Kaiser Karl I. die ehrfurchtsvolle Huldigung für beit Herrscher, dem es beschieden war. in den Stürmen eines Weltkrieges den Thron seiner Ahnen zu besteigen und dem es vom Himmel gewährt sein möge, nach einem für die Monarchie ehrenvollen Friedettsschlusse das Reich einer neuen Blüte und alle seine Völker einer glücklichen Zukunft entgegenzusühren. Ein zweites weltgeschichtliches Ereignis, das in anderer Weise von hervorragender Bedeutung, ja von ganz unermeßlicher Tragiveite ebenso für unsere Religionsgemeinschaft in der ganzen Welt wie für unseren Verein erscheint, müssen wir ebenfalls schon im Eingang' unseres Tätigkeitsberichtes erwähnen, obwohl es mir unserer Tätigkeit im verflossenen Jahre in gar keinem direkten Zusammenhänge steht; ein Ereignis, das ganz neue Perspektiven für die freie Entwicklung der europäischen Völker eröffnet mtd einen ungeahnten Umschwung auch mit Bezug aus jette gemeinsamen Hilssbestrebungert und Unterstützungsaktionen, denen als Organ mit ztt dienen unser Verein die Aufgabe har, herbeizusühren bestimmt ist. Der märchenhafte Sturz des Zarentums in R ti ß l au d hat zu einer nach menschlicher Voraussicht dauerndett Zerschmetterung der eisernen Mauer geführt, welche, das russische Reich mit seinen sechs Millionen geknechteten, gehetzten und unmenschlich gequälten Juden vorn der europäischen. Kulturwelt geschieden hatte; zu einer Sprengung der ehernen Ketten, an welchen im Namen der Menschlichkeit seit Generationen von Westeuropa und Amerika aus vergebens gerüttelt wurde. Der Bericht erwähnt das unseren Lesern bekannte Edikt der provisorischen Regierung vom März l. I. über die Befreiung der bedrückten Konfessionen und Nationalitäten und wendet sich der Hilfsaktion für .die KriegMnchtlinge zu. Der überaus strenge Winter hat die Maßnahmen zttm Schutze der von den Folgen des Krieges betroffenen ärmsten jüdische tt Bevölkerung in den Flüchtlingslagern, in ganz Galizien ünd in beit von unseren Truppen okkupierten Gebieten Russisch-Polens vor Hunger mtd Kälte immer schwieriger gestaltet. Dem unernteßlicheti Jammer gegenüber war uns glücklicherweise bei unserer Hilfstätigkeit die Hochherzigkeit unserer Glaubensgenossen itt den neutralen Lände nt ein mächtiger Stützpunkt. Wetteifernd mit der Not und gleich dieser progressiv steigend, gewährten uns insbesondere die Sammlungen in Amerika bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen itt munisizenter Weise Mittel für das weitverzweigte Hilfswerk. Das „Joint Distribution Com-