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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-06-29 · 25 (29.6.1917) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
25 (29.6.1917)
Date
1917-06-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 406 Dr. jvloH'S MoMnMift" Nr. 25 Wir arbeiten mrd sorgen - uns im Dienste und in der Pflege der Verwundeten und Verstümmelten, in der Fürsorge für Witwen uno Waisen; wir steuern und smnMeür und teilen aus und oft mehr als alle anderem kurz, Hr jedem Läbedienste,; in jedem Lazarett, in jeder FürfoHeanstaltz obes sich, Mn um Leidende, umHlüchÄinge^ ümÜ'H^tenschäften, um Invalide Handel^' findet man uns^Mdckr, Männer wie Frauen, als freigebigste Helfer Und unverdrossene Samariter in erstem Miede und an erster Stelle. Wir trauern ob der Uebel, die dem Lande widerfahren,; und jubeln ob feiner Siege; wir leben und sterben für dieses Land als gute und verläßliche Bürger; gleichwohl hetzt man gegen uns. Man wirft uns vor, wir seien Kriegsverdiener, Kriegslieseranten mrd Wucherer — Kriegsschwindler. Man wirft uns vor,- wir hätten die Teuerung verschuldet, hätten maßlose Gewinne eingestrichen^ hätten Unregelmäßigkeiten begangen/ uns bereichert und am Mark des Volkes gesogen. So hat sich; ein polnischer Abgeordneter, zu einem Anträge verstiegen, es sei eine konfessionelle Statistik der Kriegsverdiener aufzustellen, und er übersieht dabei, daß die Juden einen solchen Vergleich nicht zu scheuen haben, da es sattsam bekarrnt ist, daß die Hauptverdiener und Lebensmittelwucherer die Arier und Agrarier sind. Man wirft mrs auch vor, wir seien Drückeberger und Lairdesverräter, natürliche ebenso mit Unrecht. Das sind so beiläufig die geläufigsten Vokabeln aus dem Sprachschätze der Judenfeinde. Mit dergleichen sind sie indessen noch immer gegen unslosgefahren; mit Verleumdungen im Kriege wie im Frieden, in guten wie in bösen Tagen. Daß man am Kriege verdienen -kann und daß Leute iml Kriege reich geworden sinh, ist gewiß,; allein gibt ^es nur jüdische Kettenhändler und K'riegsschwindler? Gibt es nicht Menschen solcher Sorte auch in den christlichen Kreisen? Damit ist eigentlich der Vorwurf schon von selbst gerichtet. UnzweiseHast ist es, daß einzelne Schichten aus dem Kriege Vorteil gezogen Haben; aber tatsächklich nicht ausschließlich und ausnahmslos Juden. Das übersieht man,- weil Man es übersehen will, hier werden die Inden mit Vorliebe in den Vordergrund geschoben. Daß die Inden im Handel/ im ganzen merkantilen Leben und im kommerziellen Verkehre eine Rolle sprelech ist zugegeben. Sie sind größtenteils darauf angewiesen; das ist ihre Domäne,- weil gar zu viele andere Berufe ihnen nicht oder nur sehr schwer zugänglich sind. Es darf daher nicht wundernehmen/ wenn die Juden sich auf dem Gebiete des Handels und Wandels vervollkommnet und zu einer führenden Geltung durchgearbeitet haben. Lagen Handel und Verkehr namentlich in .großzügiger Formation schpn im Frieden in ihrer Hand, so konnte es nW fehlen,; chaß auch iM Kriege, der mit seinen raschen Entschließungen und seiner gewaltig potenzierten Schlagkraft von den Händlern Routine heischt,- der Betätigung und Mitwirkung jüdischer Kaufleute nicht entraten werden konnte. So hat es denn auch in diesem Kriege wie in den früheren Kriegen, und wie einst Zu Oppenheimers Zeiten Hofjnden und Armeelieferanten, diesmal Heereslieferanten gegeben/ obfchpn die Technik des modemen Wirtschaftslebens,- das in der Assoziation seinen Gipfelpunkt erreich^ hat,. in der anonymen Wesensart dersechen eine konfessionelle Zugehörigkeit nicht aufkommen laßt. Wer immerhin/ es mag sein und es ist tatsächlich mannigfach so,; daß die leitenden und führenden Persönlichkeiten auch dieser Assoziationen und. Orga-. nisationen hüuftg Juden sinh oder es vormals waren. Dgs hängt mit der Erziehmrg/ Bildung, beruslüheu Widmung und den sich, hievon ableitenden Qualitäten zusammen,- die Leuten, die darin geschult und vorgebildet sind/ eine gewisse Superiorität sichern. Der Merkantilismus ist eben/ wenn nicht ausschließlich, ein beachtenswertes Tätigkeitsfeld der jüdischj-wirtschaftlichen Arbeit und sie hat sich auch, in dieser ernsten,, eisernen Zeit in wackerer Tat und unerschütterlicher Redlichkeit erprobt. Dieses Gebiet , ist ih!nen freigegeben ohne jene Beengungen und Behinderungen, denen sie sonst in anderen Wirkungssphären begegnen. Wieviel Berusstzweige sind den Inden überhaupt offen? Die höhere Beamtenkarriere, .die hierarchischen und kurulischen Stellungen find ihnen zumeist versagt. Lediglich die sogenannten freien Berufe - werden ihnen frei gelassen und da naturgemäß nicht alle Inden sich, gelehrten Berufen widmen können — soweit ihnen nicht auch diese iversperrt sind , so wendet sich begreiflicherweise die Masse der 'Jünglinge der , kommerziellen und gewerblichen Richtung zu. Dort sind sie ' rührig und . fleißig, dort werden sie Meister, Gebieter und Führer; ' dort wird in emsiger Unermüdlichkeit, wie es das Wirtschaftsleben bedingt, geschaffen. Wo Man aber hobelt, fliegeil Späne, die allerdings von den nrißgönnischen Widersachern zu Balken vergrößert und vergröbert werden. Daß der Krieg diese erwerbsgemäße Geschäftigkeit gesteigert und intensiviert har, ist selbstverständlich, und daß den berückenden Lockungen, welche die gewaltige Kriegskonjmcktur unvermeidlich auswirst, einzelne unterlegen sind, sichübernommen und Schranken übertreten haben, daß sie — nennen wir d,as Kind beim rechten Namen -— unterschiedlich auch die Preise getrieben und übermäßig verdient haben,- ist nicht zu leugnen. Indessen derStaiMl blieb gesund, gesündigt aber wurde intra et txtra liiuros, nicht bei uns Juden allein,; und so ist der .Krieg eine starke Versuchung für alle gewesen,; die moralisch nicht fest und gegen Auswüchse nicht immunisiert sind. Gar viele freilich hat die Not und das Elend des Flüchtlingsloses dazu verleitet, und so wie der Krieg ihre Wirtschaft in Unordnung und außer Rand und Valid gebrächt,- aus ihren Fugen geschlendert hat, so ist auch das ethische Moment ihrer. Gebarung und Lebenshaltung in Verwirrung geraten. Das Prinzips des „unicliissezvous“ wurde zu einem Schlachtruf im Kriege; aber es' muß immer wiederholt werden: nichi bei Juden allein. Das Verwerfliche solchen Gehabens zu beschönigen oder zu entschuldigen,; fällt uns natürlich,- nicht ein; was verurteilt werden soll,- w,as - verworfen ist mrd sich! gegen die Gesetze' des Staates und der Menschlichkeit vergangen hat,- soll gezüchtigt und an den Pranger gestellt werden, schwer^ Unerbittlich, und empfindlich.. Nur dürfen aus solchen Splittern nicht Pfeile geschnitzt werden, die gegen die große/ anständige und opferfreudige Masfe einer bestimmten Volks- und Gesellschaftsklasse geschnellt werdeu. Wer gefehlt und gesündigt hat/ soll dafür büßen und soll es sühnen; wer aber gelitten hat — und wir Juden haben fast ausnahmslos gelitten und geblutet,- gekärnpft und geächzt unter den Nöten und Heimsuchungen der Kriegsfurie —,/ der soll geachtet, gehoben und . geschützt werden vor dem Geifer und der Verfolgungssucht einer betörten und schrankenlosen Demagogie/ die vergiftend und zersetzend wirkt/ die Gutgesinnten verletzt und vor allem die Kräfte,; die dem Vaterlande nutzbar gemacht werden sollen/ spaltet, undseine Säfte austrocknet. Die Hetze gegen uns Juden hat aber ihren besonderen Hintergrund-. Sie ist der Deckmantel für fene Finsterlinge und engherzigen Streber, welche uns Juden um den Lorbeer und den Ruhm der Kriegstaten und Kriegsopfer bringen wollen. Weil sie besorgen, daß auch wir Juden unsere Wünsche und Hoffnungen hegen, daß auch wir uns einfinden werden, üm unsere Wünsche- und unsere Ambitionen zu präsentieren und uns an die Tafel der Völkerfreude zu setzen,; will man uns vorweg abschreckend will uns unseren Platz, an dem Tisch des

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