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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-06-22 · 24 (22.6.1917) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
24 (22.6.1917)
Date
1917-06-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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24 Sette 399 Tr. Bloch's Wochenschrift TjaB VeM'vchM der WehMsigM. . Unter dieser Spitzmarke haben Sie, hochgeehrter Herr Redakteur, im Leitartikel der vorigen Nummer darauf hingewiesen, wie man die Grundsätze der Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie, für die wir ja mm schon seit drei Jahren diesen Krieg führen, gegen die russischen und rnntäirischen Juden bei uns anwendet. Ich inächte hier nun noch, eine- Tatsache anfichren, die so recht geeignet ist, der: Geist. zu charakterisieren, von dem inan sich bei der Behandlung der österreichischen Juden und ihrer Religion leiten läßt. Alle Staatsbeamten und Lehrpersonen haben während des Krieges verschiedene Teuerungszulagen bekommen,.'die zwar im Verhältnis zu der ungeheuren Notlage lächerlich klein sind, aber immerhin den t guten Willen des armen Staates bekunden, wenigstens einen Tropfen -aus dem heißer: Stein zu geben. Selbst die Schüldiener, Heiner und Abwaschweiber in den Schulen bekommen eine solche Zulage, nur einer Kategorie von Lehrpersonen wurde sie nach längerer Auszahlung plötzlich entzogen, und das sind ganz zufällig die israelitischen Religionslehrer an Mittelschulen, soweit sie noch nicht definitiv sind.*) . Welches . Verbrechen wird mm mit dieser empfindlichen Geldbuße bestraft?. Die Wehrlosigkeit und der Umstand, daß dieisrael. Religionslehrer schon vor dem Kriege /hartes Unrecht erfahren mußten. Dies ist der kurze Sinn des langatmigen Ministerialerlasses. — Äa Religion ein obligater Gegenstand ist und für beit katholischen Religionsunterricht au allen Mittelschulen systemisierte Professuren vorhanden,sind, spllte, man imSinne. dep.MchWgleiMeit nird der verfassungsmäßigen. Staatsgrundgesetze erwarten, daß auch für den isr. Religionsunterricht an allen Schulen mit . einer bestimmten jüdischen Schüleranzahl ßysttem ist e r te S-tellen geschaffen werden. Dies geschieht aber nicht und die israel. Religionslehrer müssen jahrelang warten und petitionieren, bis sie das Definitivum ad personam erhalten. Nun gibt es aber unter den Staatslehrpersouen für obligate'Fächer nur zwei Kategorien: Definitive und Supplenten.' Letztere sind solche, die einen Definitiven vertreten. Die äsrael. Religionslehrer sind daher während ihrer langen Wartezeit auf das Definitivum weder Fisch noch Fleisch. Definitiv sinh sie nicht und Supplenten sind sie auch nichts,' da sie keine Definitiven vertreten. Wegen dieses ihnen zugefügten Unrechtes erhalten sie auch jetzt die gebührende Züchtigung, die Teuerungszulage wird ihnen entzogen. Denn der Ministerialerlaß über die: Teuerungszulage spricht nur von Definitiven oder Supplenten,; sie aber sind keines' von beiden, sie sind in keine Rangsklasse eingeschachtelt. Freilich in bezug auf Pflichten und Leistungen werden sie den Definitiven und Supplenten vollkommen gleichgestellt. Das Unrecht der Entziehung der Teuerungszulage wird «also juristisch. begründet mit dem Unrechte der mangelnden Rangsklasse und der Nichtschaffung von systemisierten Stellen. Fragt man aber nach dem Grunde, warum.denn eigentlich keine systemisierten Stellen für den israel. Religionsünterricht geschaffen werden, so sinh, dih Juristen an der zuständigen Behörde durchaus nicht *) Es mutz jedoch bemerkt werden, daß dieser Schlag scheinbar und aus dem Papier wohl , auch gegen die evangelischen Religionslehrer gerichtet ist, in der Wirklichkeit jedoch nur die israelitischen trifft. Die evangelischen werden nämlich, wenn sie nicht int Hauptberuf Pfarrer sind, sofort definitiv, während die' israelitischen auf das Definitivum lange Jahre warten müssen, selbst wenn sie nicht Rabbiner, sondern im Hauptberuf Lehrer sind. um die Antwort verlegeu. Sie haben nämlich sofort eiu drittes Unrecht zUr Hand, womit sie dieses begründen. Würde der Staat Stellen für den israel. Religionsunterricht systemisieren,. dann Müßte er auch für den Nachwuchs und für die Heranbildung von isr. Religionslehrern sorgen und gleich der katholischen und evangelischen theologischen Fakultät, die er auf seine Kosten und aus den Steuergeldern auch der Israeliten unterhält, eine israel. theologische Fakultät schaffen. Da es aber eine israel. theologische Fakultät nicht gibt, müßte ja der^ Staat befürchten, daß eines Tages wohl systemisierte stellen für israel. Religionsünterricht da sind, aber keine Bewerber: darum unterläßt er es, die Stellen zu systemisieren. - Also eiu ganzer Rattenkönig von Unbilden und Zurücksetzungen, "die einander juristisch begründen. Keine Teuerungszulage, weil keine richtige Einschachtelung in eine Raupsklasfe, keine Rangsklasse, weil keine systemisierten Stellen und keine systemisierten Stellen, weil keine israel. theologische Fakultät. Nun aber kommt das schönste an der Sache. Wenn!vir auch keine vom Staate öffentlich anerkannte und unterhaltene israel. theologische Fakultät haben» so besitzen wir doch ein Surrogat dafür an der israel. theologischen Lehranstalt, die von einem Kuratorium hochherziger Männer verwaltet und aus Privat- und Gemeindemitteln finanziert wird. Wir Juden mußten uns in diesen Dipgen schon vor dem Kriege mit Surrogaten behelfen. Seit der G-ri'mdung im Jahre 1893 wurde nun diese Lehranstalt von der Regierung schandenhalber — mit 10.000 K. jährlich subventioniert. Heuer wurde diese Subvention nicht mehr bewilligt. Der juristische Grund liegt aus der flachen Hand. Da es keine systemisierten Stellen für den israel. Religionsünterricht gibt, braucht man auch keine israel. Geologische Lehranstalt. Freilich noch einen.Grund gibt es für all diese kleinlichen Kränkungen, und dies gehört auch zu den Tragödien und Komödien dieses Krieges. Seit drei Jahren führen wir nun schon den Krieg für die höchsten Ideale der Menschheit, für die Gerechtigkeit und die Befreiung der unterdrückten Nationen und Konfessionen, und dieser Krieg kostet uns bereits über 34 Milliarden. Jetzt heißt es. mit viel Ausdauer und Disziplin sparen und den zerrütteten Staatshaushalt ordnen, wie der Finanzminister kürzlich meinte. Wo sollte man aber mit dem Sparen beginnen, wenn nicht bei den Juden? Wer soll die ungeheuren Kriegskosten zahlen? Kein Volk ist so völlig besiegt und. wehrlos^ daß man ihm die Last der gewaltigen Kriegskosten aufladen könnte, da erinnert inan sich an die Juden. „Wir Juden sind ja völlig wehrlos und Wchrlosigkeit ist für unsere. Gesellschaft offenbar ein Verbrechen" und verpflichtet zum Tragen der Kriegskosten. Warum aber sind wir wehrlos? Weil wir organisationsunfähig sind! Hillel. * Tie Flüchtlinge in Deutfch-Brod. Ein edles Hilfswerk der „Aguda", Wien. Die Verhältnisse in den Flüchtlingsbaracken in Deutsch-Brod haben wiederholt zu allerhand Beschwerden Anlaß gegeben. Besonders beklagten sich die dortigen jüdischen Flüchtlinge über unzureichende Würdigung und Berücksichtigung ihrer religiösen Wünsche und Forderungen. Um. diese Verhältnisse zu sanieren, hat das k. k. Ministerium des Innern als Vertrauensmänner der Landesorganisatioü „Agudas Jisroel" den Präsidenten I. I. Thum i m und den Rabbiner L. Leiter von T r emb o w l ä'dorthin delegiert, um an Ort und Stelle die Beschwerden zu prüfen unddas Nötige zur Beseitigung der Unzulänglichkeiten anzuordnen. Die Delegierten wur-

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