Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 23 (15.6.1917)
- Date
- 1917-06-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Würdig unseren Vätern und Brüdern im Felde zeichnen wir die 6. Kriegsanleihe. Seite 374 fmiteriftcn einzurücken. Nun. kam der Krieg, die Niedertracht der Rumänen offenbarte sich auch gegen andere als gegen die Juden und brachte das bekanirte Ergebnis. Während dieses Krieges nun weilten eine Menge rumänischer Juden in unseren Ländern, zahlten Steuern und führten eür einwarrdfreies Dasein. Niemals waren sie rumänische „StaaLsangchörige" gewesen und kein einziger Staat half «ihnen tzu ihrem BKrgerLmn. Plötzlich aber wurden sie alle zu rumänischen Bürgern ernannt; sie wurden dazu erhoben, um als solche in die Internierungslager gebracht zu werden. Man riß sie von Familien, Haus mrd Erwerb und brachte sie in weiten Gefängnissen unter — sie, die niemals Rumänen gewesen waren und denen weder unser noch ein anderer Staat zu den im Berliner Vertrags „garantierten" Bürgerrechten verholsen Ijätte. Im Jnterrrierungslager erst entdeckten sie mit Schrecken, daß sie doch endlich die rumänische Staatsbürgerschaft erhalten hatten — um als bessere Sträflinge behandelt werden zu Annen. Juden aus Rumänien, was wollt Ihr Schöneres und Besseres? Ihr seid wehrlos und Wehrlosigkeit ist in' unserer Zeit und Gesellschaft ein strafwürdiges Verbrechen.. Noch ein bißchen Trauer und Humor : Die Wiener „Reichspost" ist als . das führende Blatt der ärgsten Kriegshetzer sattsam bekannt. Man wird über" die Geschichte und Rolle dieser merkwürdigen Zeitung wohl noch eingehend sprechen rard die Bevölkerung wird ihr vernichtendes Urteil fällen. Vorderhand sei ran: festgestellt, daß die „Reichspost" fetzt, um nicht ihren letzten Abonnenten zu verlieren, für den Frieden eintritt. Da sie nun nicht sagen darf, daß sie und ihre Hintermänner den Krieg herbeiführen halfen, so müssen natürlich« das „Wische Kapital" und andere gemischte Juden für die Veranüvortlichkeit herhalten. Sie sind es, nach Behauptung der „Reichspost", die der: Krieg machten und ihn jetzt verlängern. Mährend die Leitartikel Mer die, jüdische Kriegshetze jedoch noch tintenfeucht sind, versaW nreln sich die intimen Parteifreunde der „Reichspost", der Weiskirchner und der Liechtenstein, nehmen den Mund voll von einem Eroberungskrieg! und verhöhnen emsig die Sozialdemokraten, die nach Stockholm gegangen sind. Die „Reichspost" aber schreibt gleich anschließend an diesen VersaMMlungsbericht weiter über die Kriegshetze der Juden mrd des jüdischen Großkapitals. Das Wort vom „Frieden ohne Ararexionen und Entschädigungen" ist jedoch, zuerst bei einem. Kongreß der Bundisten, der jüdischen Arbeiter Rußlands geprägt worden, jüdische Arbeiter hälfen den Zarismus stürzen. Mische Sozialisten bemühen sich, um den Frieden und die Verhandlungen in Stockholm im Sinne des Ministers Grafen C^ernin. Die „Reichspost aber kettet eifrig weiter Komödien an Tragödien, agitiert zugleich! für Liechtenstein -und darf zugleich« ganz ungestört gegen die angeblich kriegshetzerischen Juden geifern. Men, hetzen. Warum auch« nicht, Herr Staatsanwalt und hohe Regierung? Wir Juden sind ja wehrlos und Wehrlosigkeit ist für unsere Gesellschaft offenbar ein Verbrechen. Warum aber sind wir wehrlos?- Weil mir orgänisationsunsÄhig sind. Dir Dtbrt im Urteile der mo-rrne« WWeUfthag Dr. Salomon KaMwr: :,Die Juden in der Bukowina". (R. Lüw it. Verlag, Wien und Berlin, 1917.) Kr. 2.—. Zum erstenmal eine ausführliche Darstellung über die Juden der. Bukowina. Eine Schrift zur Information des Westens: Sie bietet vuch eine^ SchilderunZ det politischen,külturelleü uns» Wirtschaftlichen Zustände des ' östlichen Kronlandes. dessen große Be- Nr. 23 deutung für Oesterreich und die europäische Kultur überzeugend nachgewiesen wird. Hiebei wird auch die vorbildliche Lösung des Nationalitätenproblems im Buchenlande — Wegen seines Völkerkonglomerates Klein-Oesterreich genannt — dem Westen verständlich gemacht. Die Schrift enthält im historischen Gewände so manchen bemerkenswerten politischen Hinweis und wird daher nicht nur von Juden und Bukowinaern, sondern von jedem guten Oesterreicher, bei den Bundesgenossen, insbesondere in Deutschland, unb auch von Politikern und Diplomaten mit großem Interesse gelesen werden. Mar Maurenbrechrr: „Biblische Geschichten, Beiträge zum geschichtlichen Verständnis der Religion." (1910. . Verlag des „Vorwärts", Berlin.) S. 6. Kein anderes Volk hat sich so ausschließlich der religiösen Stimmung anheimgegeben, hat deshalb so ausschließlich religiöse Literatur geschaffen, wie die Juden. Sie haben die Worte, die Vorstellungen und Denkformen gebildet, deren sich für mehr als anderthalb Jahrtausende ein wesentlicher Teil der zivilisierten Menschheit bedient hat. Carl Heinrichl Cornills: „Geschichte des Volkes Israel von den ältesten Zeiten bis zur Zerstörung Jerusalems durch die Römer" (1889, Chicago, Verlag The Open Court Publishing Company. Leipzig, Otto H a r r ä s o - w i tz). S. 45. „Es ist einer der wunderbarsten Momente in der Geschichte der Menschheit die Geburtsstunde der Religion des Geistes. In den Gewitterschauern des Sinai steigt der Gott der Offenbarung selbst herab auf die Erde: Hier haben wir die Morgenröte des Tages, der aufgehen sollte über dem ganzen Menschengeschlecht, und unter den größten Sterblichen, welche jemals auf diese Erde gewandelt sind, wird Moses stets einer der größten bleiben." Pani Kleinert: „Die Propheten Israels in sozialer BeziehNng". (1905, Leipzig, Vertag I. C.' Heinrich.) Seite. 8—r9. " ' „Die Religion des Alten Testamentes' ist aufs Leben gerichtet. In diesem einen gehen ihr alle Güter zusammen, die des Begehrens wert sind. Für den unerbittlichen Ernst der Propheten Israels bedeutet das, daß sie alle große Fragen, die ihnen vor die Hand kommen, unter den höchsten Gesichtspunkten stellen, das Leben oder Tod des Volkes an ihnen hängt. Sie wenden dem stürmenden Geschlecht das Haupt zuruck, den Tod zu sehen, der ihm auf den Fersen sitzt. Der schäle Spott, als ob die Religion Gottes nur dazu in der Welt sei. Müheselige und Beladene durch Vorspiegelungen eines Jenseits über das Elend des Diesseits hinwegzütaüschen, als ob sie nicht auch für das Diesseits Pen Weg« des Löbens,weise, muß vor ihnen zu Boden fallen. Lic. Max Halter: „Das Judentum" (Die Schriften des Alten Testamentes). zweite Abt., III. Bd. (1914. Göttingen. Verlag Vaudenhock & Rup recht.) S. IX 7, II 4 v. u. . „Die Religion ist das allgemein menschlich wertvolle änr Judentum, seine geschichtliche Leistung. Durch die ist das Judentum zur Wiege des Christentums geworden. Durch die heiligen Schriften, die die christliche Kirche vom Judentum übernahm,- ist die ganze christliche Gedankenwelt mit jüdischem Geiste durchsetzt worden." Der Philosoph Rudolf E n ck e n, „Die geistesgeschichtliche Bedeutung der Bibel", Leipzig, Alfred Kxöner, Verlag; 1917: « „Aus dem Alten Testament haben nicht nur die' tiefen-seelischen Bewegungen, die in den Propheten und den Psalmen, wie indem Buche Hiob zum Ausdruck kommen, unzähligen Seelen Halt geboten, auch die Geschichte des. ganzen Volkes Israel, seine Kämpfe, Leiden - und Siege habendie .Gemüter da; gefesselt und gestärkt, wo harte Kämpfe -von Ganzem «zu Ganzem zu-bestehen waren mnd wo man von der Ilnbill des Menschen zum Worte Gottes feine Zuflucht nahm, im festen Vertrauen darauf, daß er die gerechte Sache nicht unterliegen lasse....." . ' Dr. Bloch'S Wochenschrift