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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-06-01 · 21 (1.6.1917) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
21 (1.6.1917)
Date
1917-06-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 21 Dr. BkoH's WoMenschrift' Seite 351 list den Frieden nugeboten^ einen schweren Hochverrat gegen das eigene Vaterland Veracht. Ter Antrag % it r B e H ebung dieser V o l k s - täuschung eventuell während der Metzeleien Friedens- Verhandlungen emzuleiten,- sichert dem Grasen C z e r n i n die Hochschlätzung aller Ctoetmenschen und aller Rechts- ' " Elias Lehr. Gin neues Kinderheim im 3. Bezirke. Der Wiener Frauenverein zum Schutze armer vorhatten sich u. >a. eingesunden: der Präsident der israel. Kultusgemeirrde Dr. Alfred Ster n, Reichsratsabgeordneter Dr. Julius Ofners Frau Baronin' Charlotte Königswarter, Gräfin Genois, Frau Kestranek, Frau 'Hofrat Rapaport, Frau Hoftat Knh- Nelt und andere. Die Präsidentin des Vereines Frau Laura Krenberger begrüßte die Erschienenen und dankte Herrn Architekten ReitManm der eine Anzahl Räume und den Hof in seinem Hause am Este-Platz 3 für das Heim zur Verfügung gestellt und den 60 Kindern,- denen es AnsnähiNe gewährt, zur Erinnerung an den Tag der feierlichen Uebergabe je ein Sparkassebuch mit einer Einlage von 10 Kronen zum Geschenk gemacht hat. Frau Anitta Müller, die ihr bei der Flüchtlingsfürsorgeaktion erprobtes werktätiges Organisationstalent auchin den Dienst dieser guten Sache gestellt hat, skizzierte die Richtlinien,, welche der Schaffung und Führung dieses Heims zugrunde gelegt wurden. Es ist ein Werk der Menschenliebe, und die Kinder, die ihrem traurigen Schicksal entrissen und hier ausgenommen wurden,. sollen auch Mit dem Bewußtsein und dem Gefühl, daß ihnen wirkliche,' teilnahmsvolle Liebe entgegengebracht wird,- heranwachsen. Nachdem noch Herr Dr. Mfted S tern und Dr. Grunw ald Ansprachen gehalten,- folgten Vorführungen vvn Spiel- und Tanzübungen, welche bewiesen,' daß die modernen Anschauungen über Körperkultur und rhythmische Hebungen in den Lehr- und Erziehungsvlan Aufnahme gesunden. Alle Einrichtungen des Heims stehen in bezug auf Hygiene und Zweckmäßigkeit vollkommen auf der Höhe der Zeit. Die Schlafräume sind groß, und luftig, ebenso der Speisesaal und der Raum in dem sich die Kinder aufhalten. Es gibt da eine Unmenge Spielzeug und für Zeitvertreib aller Art ist gesorgt. An der Wand hängt ein Stundenplan, auf dem genau vermerkt ist, wann jedes Kind an jedem einzelnen Tag der Woche wegzugehen und wann es Nach. Hause zu kommen hat. Für Reinhaltung und' Pflege der Schützlinge ist durch ein Badezimmer vorgesehen,- an das sich ein Raunt zuM Ankleiden anschließt, wo jedes Kind sein säuberlich! sein Handtuch, sein Frisierzeug und sein Mas mit Zahübürstchen' verwahrt hat. Die Gäste,- die länger blieben, hatten auch Gelegenheit, einem Mittagessen 'beizuwohnen, das auf wohlgedecktem Tische eingenommen wird und reichlich bemessen ist. Das blühende Aussehen der Kinder, die schon einige Wochen dieses Aufenthaltes genießen^ spricht wohl ant besten für die gute Nahrmch. und Pflege, die ihnen zuteil wird. Aufruf. Sehr geehrter Herr Cheftedakteur! Wie ich von vielen Seiten^ selbst als Soldat, höre, mangelt es an Tefilin,. Talliskoten, Sidurim usw., da sie der Soldat zum Teil durch das Wandern von Ort zu Ort,- von Spital zu Spital verliert. Vielen mangeln auch' die Mittel zur Beschaffung derselbem So wäre die mir von befreundeter Leite angeregte Schaffung einer L i e b e s g a b e n z e n t rate f ü r j ü - d i sch e S o l da te n ein Werk von größter Wichtigkeit für-das ganze Judentum. _> von seiten der Herren Feldrabbiner würde eure Zentralstelle, die die Mittel aufbringen könnte, sehr freudig begrüßt werden. Mit dem Wunsche,, daß es gelingen möge, dieses > schöne Werk in die Wege zu leiten, zeichnet mit alter Hochachtung Ein Jude in Feldgrau. „Paale Zion" im Kriege. Mehr als 1000 Tage währt nunmehr dieser furchtbarste aller Kriege; wenn auch — wie natürlich — der jüdische Arbeiterverein „Poale Zion" von demselben stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, so vermochte er doch anderseits nicht, die Tätigt Leit des Vereines lahm zu legen. Ganz im Gegenteil mutz konstatiert werden, datz der jüdische Arbeiterverein „Poale Zion" emsig am Werke war, was aus der nachfolgenden, knrzgefatzten Darstellung unzweifelhaft hervorgeht. Wenn auch der Verein kurz nach Kriegsbeginn einer Reihe seiner tatkräftigsten Mitglieder beraubt wurde und die weiteren Kriegsmonate und Kriegsjahre in den Mitgliederstand weitere Lücken schlugen, so haben sich doch die verbliebenen verfügbaren Kräfte allen ihrer harrenden Aufgaben vollkommen gewachsen gezeigt. Bereits im September 1914 wurde eine Hilfsaktion für jüdische Arbeitslose eingeleitet, welche dank der Emsigkeit der Mitgliederschast sowie der Mithilfe der zionistischen Organisationen (Züd. Frauen- und Mädchenklub, Iüd. Turnverein „Mattabi", Züd. Beamtenverein. Lese- und Redehalle jüd. Hochschüler) einen außerordentlichen Erfolg zeitigte. Es wurde ein großer Betrag aufgebracht, aus welchem würdige, vom Schicksal schwer heimgesuchte Familien mit größeren Beträgen unterstützt werden konnten. Hiebei wurde stets darauf Bedacht genommen, den bedürftigen Familien nach Tunlichkeit mit der zugewendeten Suigme einen Erwerb zu ermöglichen und zu sichern. Ls fei schließlich erwähnt. datz wesentliche Betrüge aus der Reihe der Mitgliedschaft selbst aufgebracht wurden. — Ueber die Gebarung wurde an v kompetenter Stelle Rechnung gelegt. Die großen Flüchtlingsscharen aus Galizien und der Bukowina brachten der ..Poale Zion" im September 1914 neue schwere Arbeit und stellte ihre Mitgliedschaft vor verantwortungsvolle Aufgaben. Die Mitgliedschaft fand sich nicht nur sofort mit Rat und Tat zur Hilft bereit, sie. begründete auch das noch heute bestehende Hilfskomitee und organisierte dasselbe in der gründlichsten Weise. Aus dem stark gelichteten Mitgliederstande widmeten mehr als zehn Personen chre freie Zeit bei Tag und erforderlichenfalls selbst Nachts, den schwierigen Aufgaben des Hilfskomitees, was — nebenbei bemerkt — seinerzeit von den Tagesblättern anerkannt worden ist. ■ Hiedurch wurde jedoch die sonstige VereinstäLigkeit keineswegs beeinflußt. Die Vereinsleituug hat es vielmehr verstanden, den Kreis ihrer Mitgliederschaft durch Entfaltung einer regen Vereinstätigteit und insbesondere durch Veranstaltung bildender Vorträge usw. nicht nur beisammen zu halten, sondern in einer erfreulichen Weise zu vergrößern. Die Hilfskommission für .jüdische Arbeitslose in Palästina ergab einen namhaften Betrag, welcher seinem Zwecke zugeführt wurde. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, datz der Verein den Verlust drei verdienstvoller Mitglieder zu beklagen hat; die Kollegen Siegfried P i ck, Emil Klein und Jzso Bergmann starben, den Heldentod. Zn Kriegsgefangenschaft gerieten: Fähnrich Zosua 'Suschitzky und Kadett Karl Kraus jun. Paul « i n g e r wird seit September 1914 vermißt. Die Tätigkeit des Vereines wird auch während der bevorstehenden Sommermonate nicht eingestellt; ein reichhaltiges Tätigt'eitsprogramm sieht vielmehr -eine Reihe wichtiger Arbeiten vor. Um der Mitgliedschaft zu ermöglichen, ihre freien Tage gemeinsam der Erholung zu widmen, wurde ein Ausslugsprogramnv ausgearbeitet, welches infolge feiner Reichhaltigkeit geeignet sein wird, der Mitgliedschaft und ihren Freunden wohltuende Zerstreuung zu bereiten und dem Verein selbst neue Mitglieder zuzu- . führen. Es ergeht jan die jüdischen Arbeiter, an die jüdischen Handelsangestellten, an die jüdischen Beamten, männlichen und weiblichen Geschlechtes, die Einladung, sich an diesen Ausflügen, deren Veröffentlichung in geeigneter Weise erfolgen wird», zu beteiligen und dem Verein beizütreten. Das Vereinshaus befindet sich Langegasse 22.

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