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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-06-01 · 21 (1.6.1917) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
21 (1.6.1917)
Date
1917-06-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 349 Nr. 21 ' > Dr. Vloch's Wochenschrift" Wekoöung des Kriegsministeriums. Dieselbe wurde ausgesprochen in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung während der Kriegszeit den -Oberleutnants Theodor P e r (7 Edmund Pick-Morin o, Julius Eisler,- dein Jng.-Lentnant Josef Stern dem Oberst Michael Hersch,-. J.-R., den Oberleutnants Dr. jur. Siegmund Strauß,- J.-R., Dr. Paul Hamburger,- Oswald Katz. In den Hod fürs Saterland. Am 14. -Mai hat Oberleutnant Robert Weiß,- Besitzer des Militärverdienstkreuzes 3. Klasse mit der Kriegsdekoration. und mit den Schwertern,- des silbernen Signum laudis und des bronzenen Signum laudis mit den Schwertern^ kommerzieller Direktor der Belgischen Grissinwerke ,in Antwerpen,-' an der Spitze seiner Kompagnie den Heldentod gefunden. Unter großer Beteiligung aller Kreise der Bevölkerung wurde in Innsbruck der am 20. Mai 1916 an der Südfroni gefallene Fähnrich Josef Schwarz, Besitzer der großen silbernen Tapserkeitsmedaille, in heimatlicher Erde bestattet. Zu der sehr würdigen Trauerfeier waren außer dem vom T. u. k. Stationswmmando beigestellten militärischen Kondukt zahlreiche Offiziere aller Truppengattungen erschienen, um dem gefallenen Kameraden das letzte Ehrengeleite zu geben. Die israel. Kultusgemeinde war offiziell durch ihren Präsidenten D a n n h a u s e r und den Vizepräsidenten Louis Bau e r, die Chewra-Kadifcha durch ihren Vorstand, den Herren Adler, D u b s k y und Bau nt, vertreten. Vor dem offenen Grabe .widmete Landesrabbiner Dr. Link dem gefallenen^ Helden einen tief empfundenen Nachruf, tröstete die schwer geprüfte Mutter, die nunmehr ihr zweites Kind auf dem Altäre des Vaterlandes geopfert, während der dritte Sohn schwer verwundet daniederliegt. Am 3. Mai wurde Feldwebel Leo Salzer unter starker Beteiligung des Militärs und der Zivilbevölkerung in Korneuburg zu Grabe getragen. Der junge Mann, mit dem großen silbernen Verdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille, mit der bronzenen Tapferkeitsmedaille sowie durch Armeebelobung ausgezeichnet, war der Sohn unseres Kantors und Religionslehrers Josua Salz e r, welcher bereits am 27. August 1915 einen Sohn, den 21 jährigen Lothar Salzer, durch den Tod am russischen Kriegsschauplätze verlor. Auch dieser hatte sich mutig hervorgetan, auch er war mit der großen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse dekoriert und fiel beim Hinaustragen feines verwundeten Kommandanten im Kugelregen. Ursprünglich hatte das greise Elternpaar sieben Söhne im Felde, weswegen der Vater von weiland Sr. Majestät Kaiser Franz Josef I. im November mit einer silbernen Uhr mit den . kaiserl. Initialen und einer Geldspende von 500 Kronen in Gold belohnt wurde. Jetzt sind nur mehr noch fünf Söhne im Felde: Leopold, 37 Jahre, Rudolf, 32 Jahre, 'Samuel, 31 Jahre, Karl, 27 Jahre und Emil, 19 Jahre alt. Das Leichenbegängnis des Feldwebels Leo Salzer gestaltete sich zu einer Sympathiekundgebung sowohl für den Toten, wie für seine schwer geprüften Eltern. Im Garten des Truppenspitals, wo sich um den schwarzgehüllten, nur mit einem Kranze der Pflegeschwestern geschmückten Sarg nebst der Ehrenkompagnie und den Familienangehörigen eine große Menschenmenge, darunter Vertreter der sisrael. Gemeinden Korneuburg und Stockerau. gruppiert hatte, wurde die Trauerzeremonie durch Kantor .Gelb aus Stockerau mit einem ergreifenden Trauerpsalm eingeleitet. Der vonr Wiener Militär kommando entsandte Seelsorger, Se. Lhrw. Herr k. u. k. Feldrabbiner Dr. Rubin Färber, hielt einen tief empfundenen Nachruf, in welchem er des Verstorbenen Tapferkeit, den Heldenmut und die Liebe zum Judentum in einem schönen Bilde beleuchtete.. Nun bewegte sich der Kondukt über den Ringplatz hinter die Stadt; nochmals sprach Herr Feldrabbiner Dr. Färber rührende Ab- . schiedsworte, worauf die Ehrensalve abgegeben und die Leiche auf den israel. Friedhof in .Stockerau überführt wurde. Hier trug neuerdings Kantor .Gelb rituelle Trauergesänge vor. während Herr Feldrabbiner Dr. Färber in einer herrlichen Rede die Frömmigkeit der Eltern, die den Kindern eine so musterhafte Erziehung gegeben, schilderte und ihren gramerfüllten Herzen religiösen Trost spendete. An Flecktyphus starb am 13. April im Spital Morila Misesei, Bezirk Braila (Rumänien). Herr Ignatz Montag aus Holleschau, -Korporal des' l m. f. Feldspitales 901, und wurde am selben Tage auf dem Ortssriedhofe in Morila Misesei in einem Einzelgrab beerdigt. __ YaH dem Tode ausgezeichnet. Der Kaiser hat den -vor denk Feinde gefallenen Leut- .nants b. R. Dir. jur. Adolf Stern,-, J.-R- und Samuel Deutsch- Ldstreg., für tavferes Verhalten das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern verliehen. „Kin Matt Kernore." (Aus dem Tagebuch eines feldgrauen Talmudisten.) -,. . . . Drei Tage schon jagen wir den rumänischen Feind 'vor uns her. Am Jomkippur morgens sprengte der Marschbefehl den Sch ach aris-T o ttesd ien st auseinander. Aufrüsten! Abmarsch,! Schweren Herzens schlugen wilden Machsor zu und versorgten ihn im Brotsack. Und Marschierten. Ueber Berg und Tal, durch endlose Waldungen und Menschenleere, stumme Dörfer drangen wir in Gewaltmärschen auf den Spuren des Feindes diesem nach. Und dieserdie Schritte hemmende Morast ist,- scheint es,- ein unausbleibliches Zugehör der Marschrouten der Heere. Am dritten Tage wurde in einem Seklerdorfe des Udv'arhelyer Komitats wegen der Menage eine kurze Rast anbefohlen. Ich aber begab mich auf der Suche nach einem' zur Verrichtung des Schacharisgebetes geeigneten Ort auf eine Entdeckungstour in das ausgestorbene Dorf. Das nette, aus einer Gasse bestehende Dörfchen wies starke Spuren der rumänischen -.-.Befreiung" auf. Türen, Fenster zerschmettert. Die Wohnungseinrichtungen lagen zerbrochen und zerfetzt vor den Häusern. Nach kurzem Suchen kam ich vor einen Greislerladen,- an dessen Eingang eine Mesusah angebracht war. Ich trat in das Gewölbe ein. Das ganze Geschäft des armen Krämers lag auf dem Boden,- zerstückelt,- zerstreut. In einem! Winkel lagen Fetzen von einem Talis und zerrissene, mit hebräischen Buchstaben bedruckte Blätter. Weiter drinnen in der Stube jedoch war eine ganze kleine hebräische Bibliothek durchwühlt,- auseinandergeworsen. Ich hob eines der Bücher auf und schlug es auf. Es war eine Ge Mo re,: eine Pesochim- Gemore. Gerührt und liebevoll betrachtete ich das so lange schon entbehrte Buch und heißhungrig sog ich den Dumpfgeruch des altertümlichen Buches in mich auf. Da hatte ich an alles vergessen. Ich vergaß auf den Grund,- weshalb ichin das verlassene Haus gekommen war und daß ich mich in einem verwüsteten Dorfe befinde. Ich hörte nicht den Kanonendonner. Sah nicht die durcheinanderaeworfene kleine Stube. Ich war wieder TalMudist.- in meinem MonatszimMer auf der Jeschiwah. Und selbstvergessen begann ich! zu lernen — nach der bekannten Melodie. Des Hungers nicht achtend,- saß ich da,- disputierte und sann. Jchmweiß nicht, wie lange es gedauert haben Mochte. Ich wurde durch eine Stimme aus Meinem Lernen anfgeschreckt. „Herr Einjähriger, die Truppe ist abmarschiert!" Ein jüdischer Soldat stand hinter mir. Mit schmerzlichen Gefühlen erhob ich mich von dem Folianten und schrieb,- bevor ich mich entfernte, folgendes auf die erste Seite des Buches: .-.Gern ani owarti baMokom Hase wK'oissi es hahafecho scheossu; al soß ani bochijo enst eni jordo Majim. Echod mib'ne hazowo." (Auch ich bin ’ durch diesen Ort gezogen (und sah die Verwüstung; deshalb weine ich und vergieße meine Tränen. Ein Soldat.) . . . Du aber, frommer Greisler, wenn du einstens in einer Ruhestunde die Pessochim- Gemore hervorholst und diese Inschrift erblickst^ so denke an einen begeisterten Talmüdistem den die Pflicht von der Preßbnrger Jeschiwah abberief und ihm an Stelle des Buches das- Gewehr in die Hand drückte. So lernte ich Talm'nd auf dem Kriegsschauplätze inmitten des Kanonendonners^ int Jahre 5667 der Erschaffung der Welt. Eugen Her sch 1o v i t s." (^ Egyenlöseg".) & Kongreß der AekdraWiner. Ans Triest wird dem ^.Egyenlöseg" telegraphurt: Am 7. und 8. Mai fand in Triest die zweite Konferenz der k. u. k. Feldrabbiner der südwestlichen Front statt. »

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