Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 21 (1.6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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'Jli. 21 Dr. Bloch's Wochenschrift" Seite 345 Zeit ausreicht,- durch bcn Weltkrieg, der leider ganz Europa in eilten Friedhof zu verwandeln droht,- gezwungen,- schon jetzt diesen neuen Friedhof zu eröffnen und einzuweihen. Was heißt denn nun eilten Friedhof einweihen, uttd woritt besteht diese Einweihung? Einett Friedhof einweihen,- heißt erkennen urtd feierlich aussprechen, was er bedeutet. So stumm die Friedhöfe sind,- ein so tiefes Schweigen sie bedeckt, so führen sie doch die lauteste und beredteste Sprache für den, der diese Sprache versteht. In "diesem Verständnis ist ihre Weihe,- ihre Heiligkeit, ihre Unverletzlichkeit begründet. Denn wo die Erde ihren ÜDhtttb öffnet — und jedes Grab ist ein!solcherEnnd —,i da vernimmt das kundige Ohr die Stimme der lauteren Wahrheit,- wie es heißt: ,,Die Wahrheit bricht aus der Epde hervor." Darum befinden wir uns .auf dem Friedhof in der ,/Welt der Wahrheit". Diese Wahrheit ist die Geschichte. Das Archiv der jüdischen Geschichte sind die jüdischen Friedhöfe. Deshalb ist für uns der Friedhof keine Stätte des Todes,- som derlt das 7,Haus des Lebens", keine Stätte der Vergänglichkeit,. foitbexit das ,,Haus der Ewigkeit", ja schon in der Tatsache/ daß der Friedhof überhaupt eilt Haus genannt wird/ ist der tiefere Sinn enthalten, daß er kein Trümmerhaufen ist,- sondern daß die Steine, die sich auf dem Gräbern befinden/ sich! zu einem Hause, zu einem Tempel anftürmen und vereinigen/ in dem, wie unsere alten Lehrer sagen, „die Lippen der Dahingeschiedenen sich bewegen",- um für die Lebenden, wenn sie in Not und Sorgen sind,- ihre ^Bitten wie einst zn ihren Lebzeiten zu Gott empörzusenden. Aus jedem? Grabe ruft die Stimme des darin Ruhenden seinen Teuereit zm 7,Ich schlafe,- aber mein Herz ist wach". Das ist die Sprache der Friedhöfe/ wie die Juden von jeher sie vernommen und verstanden haben/- und die Wirkung dieses Verständltisses bestand darin/ daß-, wahrend das Leben der Juden oft einem Friedhof glich,- der Friedhof ihnen vielmehr Leben,- Mut und Trost einflößte. Diesen Sinn, diese Bedeutung des Friedhofes verstehen und bekunden heißt ihn einweihen. Was turn den äußeren Vorgang der Einweihung betrifst/ so hat unsere Religion in ihrer hohen Weisheit einen solchen,- d. h. eine zeremonielle. Handlung dafür Überhaupt nicht borgeschrieben. Denn es ist keine zeremonielle Handlung denkbar,- die das Erdreiche des Friedhofes weihevoller und heiliger gestalten könnte,-, als es schort durch diese Bestimmung ist. Aber auch die Religion hat uns das älteste und herrlichste Weihelied geschenkt,- das auch hier seinen Zweck erfüllt. Es heißt zwar das,-,Weihelied des Hauses", nämlich! des Tempels, aber da auch! der Friedhof ein Haus,- eilt Tempel ist, so findet jener Psalm in feiltet* wunderbaren Vielseitigkeit auch lauf shU UnwendunK Denn da heißt es: /Mviger, du fühbst meine Seele aus der Gruft empor,- du belebst -mich wieder,- nachdem ich in das Grab gefunken war." Kann es etwas tröstlicheres geben, als diese Zuversicht des Lebens mitten in deM Bereich des Todes? Ist dieser . Satz nicht die erhabenste Würdigung und Weihe des Friedhofes/ gleichsam eine Aufschrift über seinen Eingang, die ganz im Gegensatz steht zu der von dem berühmten mittelalterlichen Dichter erschauten Ueberschrift über den Pforten der Hölle,- die den ewig Verdammten die Aufforderung zuruft/ alle Hoffnung fahren zu lassen! Unsere Religion weiß von keiner Hölle/ von keiner ewigen Verdammnis und von keiner Hoffttungslosigkeit. Ganz im Gegenteil heißt es. in jenem WeihepsalM: /,Wenn auch am Abend ein Tränenstrom sich! ergießt/ es kommt doch ein fröhlicher Morgen." Welche Tränenströme hat der Weltkrieg schon den Augen der Menschheit entlockt! Wieviele neue Friedhöfe hat" er geschaffen! Dennoch wird der fröhliche Morgen nicht ausbleiben. So flüstert der Wind uns zu,- der über Gräber streicht, er bringt uns den Trost des Propheten: /.Es kommt der Morgen, wenn es auch jetzt Nacht ist." Das ist die Lehre unserer Geschichte/ die freilich zuweilen andere Wege geht,- als wir vermeinen. Als vor 40 Jahren der Zentralfriedhof eröffnet wurde, da meinten manche unter uns, die Gemeinsamkett des Friedhofes bedeute den Morgenanbrnch allgemeiner Brüderlichkeit, und sie bedauerten nur die nochimmer aufrechterhaltene Trennung der Konfessionen,- während von der anderen Seite schon wegen ihrer bloßen Umfriedung durchdieselbe Ringmauer die Einweihung des Zentralfriedhofes wäre verweigert worden. Heute,- nach vierzig Jahren,- haben nun wieder alle Konfessionen ihre besonderen Friedhöfe und so weihen auch wir heute nuferen eigenen jüdischen Friedhof ein/ und das alles geschieht in allseitigem Einverständnis. Was liegt auch darart? Nicht das Unter- oder Nebeneinanderbegrabenwerden wird den Friedenstemvel aufrichten,- in dem' eine Religion, die Liebe, alle Menschen vereint und das Psalmwort verwirklicht: „Siehe, wie schön und wie lieblich ist es, wenn Brüder zusammenwohnen!'' Lassen wir denn alles,- was jetzt die Menschen mehr als je entzweit,- Haß/ Feindschaft und Krieg, uns den alten Friedhöfen für immer begraben sein,- und weihen wir diesen neuen mit dem Ausdruck der Hoffnung ein,- daß die heißerfehnte Zukunft allgemeinen Friedens bald zur Gegenwart werde,- dann werden wir mit den Schlußworten des Weihevsal'mes ansrufen können: „Du hast meine Trauer in Fröhlichkeit verwattdelt/ du hast mein härenes Gewand gelöst und mich mit Freude nmgjürtet." Amen." Kriegsdekoratisnen jüdischer Kftrzrere mth Sowalen. Seine Majestät der Kaiser Hut verliehen: das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern für tapferes Verhalten vor dem Feinde den Oberleutnants d. R. Gustav Deutsch, J.-R., Emil Reich. J.-R., Doktor jur. Wilhelm Goldlust, reit. Art.-Div., Dr. jur. Adolf Rittersporn,- J.-R., Dr. jur. Äldalbert Eisuer, Feldhaub.-Rea.; dem Leutnant b. R. Josef S ch wäre z/ J.-R.; " das silberne Signum laudis bei gleichzeitiger Verleihung der Schwerter (Neuerliche Allerhöchste belobende Anerkennung) für tapferes Verhalten' vor dem Feinde dem Oberleutnant d. R. Richard Ostermann/ Feldkanoneltreg.; dem Lentttant d. R. Gustav Spira,- J.-R.; dem Oberleutnant d. R. Desiderins Hoff m a n n; dem Leutnant d. R. Emil W e i s z/ ung. Ldwreg.; d a s 's i l b e r n e S i g n u M laudis in Anerkennung vorzüglicher Dienstleistung vor dem Feinde dem Oberleutnant d. R. Osias Schwarz,- J.-R.: dem Oberleutnant Zoltan Pinczes/ ung. Ldwereg.; das bronzene Signum laudis bei gleichzeitiger Verleihung der Schwerter (Allerhöchste belobende Anerkennung) für tapferes Verhalten vor dem Feinde dem Leutnant d. R. Martin Kalman/ ung. Ldwreg.; dem Ldst.-Oberlentnant Dr. Lftdislans Rubin, Stat.- Kdo.; für vorzügliche Dienstleistung während der Kriegszeit den Oberleutnants Dr. jur. Wilhelm Lederer/ Zeit.-Zensurkdo., Artur Nenmann, J.-R.; Josef Lax, J.-R.; Emil Landsmann, Zensurstelle; für tapferes Verhalten beit Leutnants b. R. Theodor L ö w y/ Feldkan.-- Reg.; Zoltan König/ J^-R.; Arnold Wald, J.-R.; Chaim Wasser, Fest.--Art.-Reg.; Hermann Eisenberg,- J.-R.; dem Oberarzt d. R. Dr. Salomon TennenbauM,- J.-R.; den Leutnants h. R. Elias Adler, Las 8!»»e« der Feiade vernichtet, wer die 6. Kriegsanleihe zeichnet.