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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-05-18 · 19 (18.5.1917) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
19 (18.5.1917)
Date
1917-05-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Seite 319 Nr. 19 ' Dr. Brochs Wochenschrift" . Singer Hermann, geb. 16. Juli 1884, Baden, derzeit Benischau, 18, Bez., Bäckerbrünnlgasse 7. Sirenitz Marianne, Beamtin, geb. 30. Juli 1895, Wien, 7. Bezirk, Neubaugürtel. Tschelnitz Erich, E. F., geG 7. Februar 1899, Wien, 9. Bezirk, Porzellangasse 48. ' - Ulrich Josesine,' geb. 12. Juli 1892, Chikago, 17. Bez., Lacknergasse' 22. Wautoch Eyristlna, Johirnna,'jOttilia, Nikolaia, geb. 28. Februar 1886, Laibach, Pfürre St.'Peter, 9. Bez., Sobieskigasse 22. Weiß Georgine Therese, geb. Wollmamr, Privatbeanitensgattin, geb. 23. April 1881, Wien, 2. Bez., Wolfgang Schmälzlgasse 5. Lnndenburg. Unsere Gemeinde beklagt das Ableben zweier durch gemeinnütziges ' Wirken um das Wohl ihrer Institutionell verdienstvollen Männer. Am 1. d. M. fand die Beerdigung des Herrn Sigmund Frredenfeld, langjährigen Tempelvorstehers llnd Mitgliedes des Kultusausschußes, statt. Dem Verblichenen hielt Herr Rabbiner Dr. Schwenger einen tief empfundenen Nachruf. woraus Herr Lultusvorsteher Josef Holländer herzliche Abschiedsworte sprach. — Am 2. d. M. wurde unter zahlreicher Beteiligung aller Bevölkerungsschichten unserer Stadt Herr Jonas Gold, der mehrere. Dezennien als Bürgermeister-^>teltvertre1eri Obmann des Ortsschulrates der Jsraelitiengemeinde und Vorstandsmitglied der Kultusgemeinde in ersprießlicher Weise wirkte, zu Grabe getragen. Außer dem in der Zeremonienhalte des Israel. Friedhofes gehaltenen warinen Nachrufe seiterrs des Herrn Rabbiners Dr. Schwengel, .nahmen am offenen Grabe im Namen der Jsraelitengemeinde Herr Bürgermeister Moritz H o l l ä n d e r, für die Lultusgcmeinde Herr Lultusvorsteher Josef Holländer und ilamens des L^rtsschulrates Herr Oberlehrer Isidor R o - bitschek von dem Verblichenen in tief bewegten Worten Abschied. FeuMeton. Fremde Sprachen in jüdischer Schrift. Bon Matthias Mieses. . Das Festhalten an der eigenen Schrift durch große' historische Zeiträume ist reine oft anzntressende Erscheinung. Viele bedeutende Nationen räumten ihrer Schrift eine viel kürzere Dguer .als ihrer Sprache ein und vertauschten nn Lause ihres geschichtlichecr Daseins, bei ungestörtem .Fortleben ihres. Nationalidioms, das charakteristische graphische Aenßere ihrer Literatur mit aus der. Fremde importierten Lettern. Das persische Volk gab im 7.—8, Jahrhundert mit geringen Ausnahmen das Pahlawialphabet auf, die Schrift einer mehr als tausendjährigen, mächtigen und einflußreichen Kultur, zugunsten des.iarabischen Alphabets. Firdnsi, der Sänger -der persischen- Vorzeit, schriebseine Muttersprache nicht mii den Schriftzeichen der Sassaniden oder der Achamänideu, sondern mit denen der fremden Beduinen. Aehntich verzich-- tete in den-letzten Jahrhunderten des Mittelalters eilt großer Teil der Bevölkerung Vorderindiens auf das Devan'agarialphabet, tu dein die Veden ilnd das Mahabarataepos- unddie Dramen Kalidasas niedergelegt sind, und rezipierte, gleichfalls die Lettern der. nordarabijchen Stämme. Ganz auf dieselbe Weise sagten sich gegen Ende der Antike die Aegypter von den unvordenklichen Hieroglyphen los und führten für ihre altehrwürdige Sprache die Schriftzeichen der Hellenen ein. Analog schieden auch in der ersten Hälfte des Mittelalters in langem Ringen die Germanen von' ihren Runen, in denen einst, luie Rabanus Maurus als Augenzeuge berichtet, heidnische Gesänge, eine heimatliche, nationale, poetische Literatur, niedergeschrieben war. Andere. Völker vermochten ihre Schrift über Wasser zu. halten, so lanjge ihre Sprache fortdauerte,' und nahmen trotz politischer Unterlegenheit von ihren: Nanonalalpabet erst dann, Abschied, als ihr Idiom den letzten Hauch nusröcheltel Die Schriftzeichen der Etrusker, der Pnnier, der Goten, der griechischen Kolonisten -in Westeuropa und Syrien verschwanden nicht um eine Minute früher von der Bildfläche, als die entsprechenden Sprachen vom Leben. Ein ganz anderes eigenartiges Bild bietet hinsichtlich. der Dauerhaftigkeit seiner Schrift das Judentum. .Die Zähigkeit der Schrift der Juden übertrifft alles angeführte. Das Alphabet der Hebräer verblüfft durch eine Lebensenergie, die über die Existenz des hebräischen Idioms hinansging. Frühzeitig wich vom Alltag die hebräische Sprache. Auf der eigenen Scholle wie in der Fremde unter allen möglichen Himmelsstrichen redeten die Juden und verwendeten auch sehr oft in ausgedehntem Maße, literarisch die Sprachen der verschiedensten Völker, doch ließen sie in konsolidierten, integralen Verhältnissen nie ihre Schrift im Stich und schrieben die heterogensten Zungen mit dein Buchstaben der alten, ehemaligen hebräischen Umgangssprache. Die Schriftzähigkeit der Juden zog nach sich wichtige geistesgeschichtliche Folgen. Sie ermöglichte den Zersprengten der Diaspora, trotz sprachlicher Dissimilation ein literarisches Ciaeüdasein zu wahren und ihre geschichtliche Persönlichkeit in scharf nmrisieuer. äußerlich kenntlicher Deutlichkeit zu erhalten. Die jüdische Gei-stesprodnktion in fremden Sprachen war durch ungezählte Jahrhunderte in den meisten Ländern durch ihr hebräischschriftliches Exterieur charakteristisch und bildete einen selbständigen Doppelgänger der diversesten . Nationalliteraturen. Die Sonderwege der Juden bezüglich der Schrift bedeuteten keineswegs geistige Trennung und - hermetische Abschließung. Die hebräo-frem d spr a ch lich en Zwitterliteraturen zeugen oft gerade im Gegenteil von geistiger Wechselwirkung und beweisen hiemit, wie wenig die sinnfällige Kullurivirklichkeit sich von formellen Bestimmungen einschnüren läßt. Ein ansehnlicher Teil der fremdsprachlichen Literaturelt in hebräischer Schrift entstand überhaupt in Zuständen, wo das Judentum auf der Höhe der zeitgenössischen Kultur stand und die ^chriftoerschiedenheit gar nicht die Rolle einer scheidenden Kluft in kulturellem Sinne spielen wollte. A) Aramäisch und Arabisch in jüdischer S ch> r i f t. Die älteste Sprache, die das historische Judentum nach Verlust der hebräischen Sprache als kkmgangssprache annahm, .war die aramäische. Wie selten eine wurde dieses semitische Idiom mit den: jüdischen Geistesleben eng verknüpft, so daß es für Jahrhunderte die hebräische Sprache selbst aus der lebenden Religionsliteratur verdrängte und noch heute in der Liturgie teilweise fortlebt. Im Idiom der Aramäer wurden bereits die letzten Partien des Alten Testaments, dann in der Hauptsache beide Talmude, die Targumim,- das Hauptwerk der Kabbala der Sohar usw., abgefaßt. Doch dieser gründlichen sprachlichen Assimilie'HlNg reihte sich keine Schriftgleichmacherei an. Die jüdisch-aramäischen Schriftdenkmäler erscheinen bereits im 5. vorchristlichen Jahrhundert in Elephantine, in der charakteristischen Quadratschrift, die nach nicht anzuzweiselnder Tradition des Talmud und der Kirchenväter durch Esra infolge des Gegensatzes zu den Samaritanern selbständig herausstilisiert wurde. Die gleichzeitigen juristischen Täfelchen der Aramäer heidnischer Religion, die im Euphratlande gesunden wurden, weisen einen von der Qnadratschrift verschiedenen Typus auf. Das.„Kthab Aschuri" hatte-mit den heidnischen Assyrern nichts gemein, gerade soviel wie die .-.gotische" Kunst mit den alten Goten. Ein von Heiden in Quadratlettern geschriebenes Schriftstück existiert nicht. Die an die hebräische Quadratschrift entfernt ähnelnden, in später Zeit auftretenden Schriftzeichen der Palmyrener und Nabatäer sind entstelltes jüdisches Lehn gut, das durch die

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