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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-05-11 · 18 (11.5.1917) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
18 (11.5.1917)
Date
1917-05-11
Page
– (sequence 19)
Language
German
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■Vir. 18 Seite 303 Tr. Bloch's Wochenschnft" Kelten Marianne, Opernsängerin. geb. 27. Oktober 1889. Wien, 9. Bez.,! Clusiusgasse 2. Kohner Anna, Bänkbeamtin, geb. 25. Oktober 1892. Lbersdorf, 8. Bez.. Skodagasse >15.' Kramer Leopold, Oberregisseur, geb. 29. Dezember 1869, Prag, 1. Bez., Rathausstraße 15. Lederer Maria, geb. 21. Januar 1895, Prag, 19. Bez., Cottagegasse 49. Moor Ilse, geb. 29. März 1893, Wien, 19. Bez., Reithlegasse 10. ' Reisch er Lazar Dr., Hof- und Eerichtsadvokat, geb. 24. März 1884, Odessa. 7. -Bez., Halbgasse 7. Taussig Mignon, geb. 10. Februar,1897, Wien, 9. Bez., Eisengasse 15. Tillermann Rosa, geb. 29. Juni 1883, Sadagora (Bukowina), 8. Bez., Langegasse 44. Trostler Emilie, Kontoristin, geb. 10. April 1892, Wien, 6. Bez., Gumpendorserstraße 81. llllmann Marie, geb. 21. Oktober 1888, Wien. 2. Bez., Rote Kreuzgasse 11. Weinheber Josef Dr., Arzt, geb. 1. August 1884, Chrojce (Galizien), 13. Bez., Hietzinger Hauptstraße, Hotel „Weißer Engel". Werweiß? Der in Tschita, Zabajkalsk (Süd-Sibirien) in russischer Kriegsgefangenschaft lebende Josef Hausner (Kriegsgefangener Nr. 2333) bittet nachstehende Personen um ein Lebenszeichen: Klara Singer, Volks schullehrerin aus Stanislau, Rachelli Helller aus B u c z a c z, Leutnant Adolf Singer vom 32. Wach-Bataillon in Aschach a. D., Emil Singer, Postbeamter in Russisch-Polen, sämtlich nach Wien geflüchtet'; Seinwil Krenzler, Infanterist des Jnf.-Rgts. Nr. 95, Jonas Freimann, Infanterist des Jnf.-Rgts. ’ Nr. 95; Rest S a m e t. Dorci Singer, nach Brünn geflüchtet. . Kabbatkriefe. Von Cmerich Szab6. (Autorisierte Aebersetzung, aus hem Ungarischen von R. Käcser.) 'Bor kurzem kam ich mit einem eKsfigen Schulkollegen zusammen, der als Postmeister in einem weltfremden oberungarischen Dorfe wirkt. Da er.wußte, daß ich. ein leidenschaftlicher Sammler mit dem Kriege zu-? sanMenhängender wirklicher Ereignisse bin, teilte er mir einen interessanten Fall mit. Ich! lasse die ergreifende Geschichte mit den schlichten, einfachen Worten meiues . Gewährsmannes folgen: . In unserem Dörfchen lebt ein altes Ehepaar: der Greisler, Wirt und Pächter in'einer Person Josef Weiß, der als Ratgeber in juridischen und finanziellen Angelegenheiten von den Bauern sehr geschätzt ist, und seine Gattin Therese, geborene Bergmann. Das Ehepaar hat sieben Kinder. Hatte sie bis vor einigen Wochen, denn jetzt sind ihrer nur wehr sechs. Leopold ist Holzhändler in Semlin, Alexander Arzt, Gizi ist an einen Kron- .städter Schnittw arenhändler v erehelicht, Eugen ist Kaufmann in Nagyvarad, Maria die Gattin einesPester BankkomMissärs, Vilma KaustNannsfiau in einem Dorfe. Diese find noch! alle sechs aw Leben. Der nicht mehr unter den Lebenden weilt und dessen Geschichte ich dir erzählen will, ist der jüngste, das Nesthäkchen Arpad. Er war Bankbeamter in Pest, «äußerst talentiert, sehr ambitiös und im igatzzen erst 23 Jahre alt. Arpad hatte Wnstterische Neigungen; er komponierte hübsche Lieder und forschte eifrig in der Literatur seines Spezialfaches. Auch er war Soldat wie alle seine Brüder und Schwager, erlitt aber wahrend der großen Sommeroffensive auf russischem Boden den Heldentod. Die Sphne und Schwiegersöhne der Men schrieben ihnen jede Woche, an Manchen Tagen trafen alle sieben Briese aus einmal voM'> Kriegsschauplatz ein, natürliche alle offen. Ich slas sie stets durch. Nicht aus Indiskretion/ sondern weil ich das alte Ehepaar liebte und ihnen nicht um alles ,in der Welt schlechte Nachrichten übermitteln wollte. Ich richtete es so ein, daß ich dem alten Weiß jeden Tag einen anderen Brief zustellen ließ. Am Sonntag schrieb der Gatte Gizis irgendwo aus Galizien. Der schien mir sehr ehrsüchtig; niemals schrieb er von Strapazen und Gefahren, immer nur von den Auszeichnungen, die er noch erwartete — die bronzene und die kleine silberne Tapferkeitsmedaille hatte er damals schon. Poldi war Manipulant bei der Etappe, Vater von sechs Kindern, von denen zwei auch schon .Militärtauglich" waren. „Sie werden statt Meiner an der Front arbeiten/' schrieb er zu seiner Entschuldigung in seinen Montagsbriefen. Der Arzt leistete in einem Feldspital Dienst. „Ich lerne viel" — schrieb er nach Hause —, „nicht bloß in meinem Fache, sondern auch die Menschen ohne Unterschied auf Alter, gesellschaftliche Stellung und Abstammung zu lieben." Eugen war schon zweimal vom Schlachtfeld nach Hause gekommen: das erstemal mit einer Schußwunde im Fuße, das zweiteMal Mit erfrorenen Gliedmaßen. Jetzt richtet er LandstürMer in der Kaserne ab. Der Gatte VilMas, SalaMon Klein, ist Sanitätler an der Front und er ist glücklich!, wenn er nach Hause schreiben kann, er habe so und so viele Kronen unter den Soldaten fürdie Witwen und Waisen gesammelt. Der Bankkommissär kämpfte Mit den Deutschen und träumte in seinen Briefen immer davon, daß er sich nach dem Kriege in Warschau oder Lodz niederchfsen und nach! einigen Jahren als Millionär nach! Budapest zurückkehren werde. Arpad rückte schonim ersten Monat des Krieges ein und wurde bald Oberleutnant itrtb> KompagniekomMandant. Seine Briefe waren den Eltern die wichtigsten. Wann immer sie eintrafen, ich hielt sie bis Samstag zurück und brachte sie persönlich den Alten als Sabbatgeschenk. Papa Weiß setzte dann bedächtig seine Brille auf, ergötzte sich an der Handschrift Arpadchens und las den Brief Frau Weiß vor, die ihn dffnn ihrem Manne abnahm und ihn andachtsvoll in ihr Gebetbuch legte. Ich glaube nicht, in meinem Leben je eine edlere Tat begangen zu haben, als daß ich die Briefe des Oberleutnants Arpad Weiß immer als Sabbatüberraschnng zurückhielt. In einer Woche blieb der Brief Arpads aus. Ich war besorgt, daß dem- Jungen etwas zugestoßen sei. Womit sollte ich nun die Alten trösten? Samstag ging ich zu ihnen hinüber. ,/Sie sind gewiß weitermarschiert," log ich den Alten vor, ,.zu solchen Zeiten bleiben die Briefe wochenlang aus, der Postverkehr ist dort sehr unregelmäßig." ,/Dann kann aber auch Arpad dort etwas zustoßen." meinte die Frau besorgt. ,;Zustoßen. Zustoßen!" brummte der alte Herr, „natürlich kann ihm etwas zustoßen. Der Krieg ist ja kein Hausball." Ich war froh, daß das Ausbleiben des Brieses bei chnen keine Verzweiflung hervorgerufen hatte. Als ich aber auch am nächsten Samstag keinen Brief bringen konnte, war ich schon beunruhigt. Und am selben Samstage traf später ein Brief vom Bataillonskommandanten Arpad Weiß' an dessen Eltern ein: ,/Unser Kamerad, der Stolz seines Regiments, ist nach selbstaufopfernden Heldentaten auf der Höhe des Dorfes L. neben Lublin bei einem Sturme gefallen. Ich habe den unvergeßlichen Kameraden für das Militärverdienstkreuz 3. Klasse vorgeschlagen. Mögen Sie in dem Bewußtsein Trost finden üsw." Das war rasch und unerwartet gekommen. So rasch und unvorbereitet konnte ich es unmöglich den armen Eltern mitteilen. Und so ging ich denn hinüber und wiederholte meine vorwöchige Lüge. Diesmal war auch der alte Herr schon sichtbar beunruhigt, tröstete sich aber noch selber: ,/Nun ja, die Soldaten sind jetzt in so großer Arbeit. Da haben sie natürlichweder Lust noch Zeit, Briefe zu schreiben."

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