Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 18 (11.5.1917)
- Date
- 1917-05-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Das Sinnen der Feinde vernichtet, wer die 6. Kriegsanleihe zeichnet Seite 294 Tr. Blo'H's Wochenschrift" Nr. 18 sämtliche Religionsprofessoren, die Beamten der Kultusgemeinde und andere. Rabbiner Dr. Taglicht huldigte Ln seiner eindrucksvollen Festpredigt der Kaiserin Zita als wahrer Landesmutter. Dias fünfzigjährige ^Mlmmni^des Mädchcnunterstützungs- Vereines. Donnerstag, den 28. April führte sich der Tag,- an dem ein Kreis junger Damen aus vornehmen jüdischeu Funrilien, von denen Frau Marianne Benedikt (Reumann), Jda Diamant (Stiaßny), die beiden verdienstvollen ersten Präsidentinnen des Vereines und Re- >ginc Ulmann (Kohn) noch am Leben sind, durch ihr Taschengeld nach den finanziellen Verheerungen des Kriegssahres 1866 einen Jugendbund ins Leben riefen, der südische Mädchen aus der Enge der damaligen Häuslichkeit heraus zu Erwerberinnen und berussfähig machen sollte. Aus der ursprünglichen Arbeitsschule für Kleidermachen und Weißnähenwnd den Fortbildungskursen entwickelte sich die heutige mit Oeffentlichkeits- und Meisterinnenrecht ausgestaltete Handels-, resp. Gewerbeschule, erstere unter der glänzenden Führung des Herrn Regierungsrats Krickl und Herrn Direktors S. Khuner (Erster Direktor unser berühmter kais. Rat Heller), letztere, unter der Führung von Regine Ulmann. Die feierliche Eröffnung der Schulen in dem eigener: Hein:, dem eleganten und praktischen vom Architekt Ludwig Schmiedel und Baurat Reumann errichteten Hause in der Seegasse. 16 im Jahre 1910 dürfte noch Är mllgemeiner Erinnerung stehen. Für den guten Geists, der''-seit fünfzig Jahren wie in dem heutigen rybdexnen Heim, "so-in den beschränkteren Räumen der Leopoldstadt waltete, spricht der Umstand, daß von den rund 10.000 Mädchen, die der Verein ausgebildet hat (darunter 2045 Kontoristinnen, 2532 Schneiderimren)/ viele zu den ersten Frauen in Oesterreich! gehören, denen es gelang, sich, durch eigenen Erwerb eine geachtete Stellung und ein mehr als bürgerliches Einkommen zu verschaffen, daß aber viele hunderte auch von hervorragenden Persmtlichkeiten geheiratet wurden und man in mancher eleganten Salon- und Vereinsdame nicht den ehemaligen Zögling einer Wohltätigkeitsschule vermuten würde. Außer den obgenannten zwei Prüsidentümen haben sich die Nachfolgerinnen Paula Frankl von Hochwart und Marie Schußler das größte Verdienst mn! das Aufblühen des Vereines erworben, in dessen Vorstand von jeher ein Kreis' der vornehmsten Damen unserer Genwinde wirkte,, von denen nur an Famry Brach, Pauline Bondh und Regine Frey erinnert sein möge. Dem Ernst der Zeit entsprechend, feierte der Verein seiner: GedenUag durchs eine einfachwürdige Generalversammlung, die Frau Hofrätin Bertha von FrydMann-PraVy in amutiger Weise leitete. Sie verkündete den Rücktritt der Präsidentin Frau Marie Schzüßler und deren Wahl zur Ehrerrpräsidentin, erteilte Frau Anna Feinberg das Wort zum kurzen Rückblick auf die fünfzigjährige Geschichte des Vereines. Hieraus begrüßte Herr Dr. Löw y den. Verein namens der Antralstelle für jüdisches Ärmenwesen und Frau Pacher von Teinburg aks Präsidentü: der um wenige Monate 'älteren Frauengewerbeschule des Frauenerwerbveremes. Frau Helene Kur.auda brachte, eine große Anzahl von Begrüßungen zur Verlesung, darunter .die der Frau Marianne Ha i u i s ch> die Adresse des Kaiser Franz Josef-Ferienheimes, das zu Ehre:: des Jubiläums i deM Mädchenünterstützungsverein einen Freitisch. in Tischnowitz ge?- stiftet hat, und des Verbandes „Weibliche Fürsorge", der laus Hein freudigen Anlaß und zur Ehrung feiner PrG sidentiu dem ihm angeschlossenen. Mädchenunterstützungsverein eine Jubiläumssvende von 2600 Kronen als Regin e U lm ä n n-F o n d s überwies. Frau Thedy B l o ckH verlas hierauf den Bericht Wer die Kriegsaktion des! Vereines, uM die' sich! neben der nunmehrigen Ehrenpräsidentin vor allem Frau kais. Rat Malvine Sch ütz) hervorragend verdient gemacht hat. Nicht nur wurden' durchs die Kriegsflüchtlürgskurse rund dreihundert galizisch-bükowinische > Mädchen den Gefahren der Gasse undj des Müßigganges entzogen, es ist zu hoffen, daß durch deren Ausbildung unendlicher egen im Osten verbreitet werden wird. Durch! die Führung der.,Mrickstube hat! Frau kais. Rat Schütz nicht nur Hunderten Flüchtlingssamilien Erwerb'verschafft, sie hat auch großzügiger^ Kälteschutz, für unsere Heldenarnree betrieben. Zur Erweiterung des Wirkungskreises' des nimmer rastender: MädchenunterstütznNgs'vereiues schlug Frau v. Fry dmann! hieraus eine Statutenänderung! vor, die auf Antrag des! Herrn Direktor .Pappenheim einstimmig genehmig^ wurde. Aus der Wahl des Vorstandes gingen über Vorder Frau Natalie Beran gleichfalls mit lautem! die Damen Bertha v. Fry dm an n als Präsidentin, Anna Feinberg als Schriftführerin, Thedy! Bloch, Mathilde Fl ei sch Mann, Katharina I auo A w i tz e r, Helene Kur an da, Luise Mandls Amelie! O f e r, Melanie R i e, Malvine S chü tz und Alice S t e nt,] Mathilde v. Str a s s e r -G y ö r v a r, Ly dia W i n t e r -j nitz als Vorsteherinnen hervor. Dem erfreulicher: Kassenbericht des Kassaverwalters Herrn Bankdirektor Adolf! Stern ist wohl ein Vereinsvermögen vornüber zweimalhunderttaüsend Kronen zu entnehmen, doch wäre es! bei den großer: Zielen, die sich der Bereu: gesteckt und denen, die er erreicht hat, zu wünschen^ daß der Jubiläumsfonds, den er als einzige (Festfeier sammelt und der den RaMen Marje Hchüß'ker-Fond's tragen wird, von jeder Wiener jüdischen-Frau, die den Müherrl des Erwerbes enthoben ist, von jeder, deren Erwerb! ihr Segen und Erfolg gebracht hat, nanrentlich - auch vander: gewesenen Schülerinnen gefördert und unterstützt werde. Denn dem Wiener Judentum und der Wiener Frauenwelt gereicht zur gleichen Ehre, was hier geleistet wurde, und viele Vorurteile.gegen Frauenarbeit überhaupt und gegen jüdische Frauenwelt hat dieser Verein zerstört, in -dem arme Schülerinnen und reiche Vorsteherinnen gleichzeitig erwiesen haben, wie der Arbeitseifer der jüdischen Frau, die ja-, schon , in alter Zeit oft die Ernäherin des studierenden Gattest-war, int Blute steckt. Möchte in der Schule noch lange Regine Ulmann, die anläßlich des Jubiläums zum Ehrenmitgliebe, des von ihr ins Loben gerufenen und von Frau Dr. G-r unw ald so ersprießlich! geführten Leopold.städter. Frauenvereines ernannt wurden -als guter Hausgeist in der Seegasse walten, sie, .die wie.Helene K u r a n d a in einer glänzenden Rede hervorhob, die sorgenvolle Vergangenheit, die mühevolle Gegenwart und hoffentlich noch lange erfolgreiche Zukunft des Mädchenunterstützur:gsvereines vertritt. C. Benedikt. jDjer erste jüdische Wvokät in der Marmaros. -In Marmaros-Sziget ist dieser Tage der Advokat Dr. Sigmund Grünwald :M Alter von 66 Jahren gestorben. -Vor vier iJahrAehnten ließ er sich:nMarn:aros- Sziget.nieder und er war.der erste jüdische Advokat im' Marinaroser Komitat, das bekanntlich! heute eine große jüdische Bevölkerung.aufweist. Infolge seiner reichen juristischer: Kenntnisse, seines zuvorkommenden Weserrs ..und seines guten Herzens, erwarb er sich im ganzen Komitate großes Ansehen. Die AdvokatenkamMer wählte ihn zu ihren: Vizepräsidenten.'Mehr als ein Jahrzehnt hindurch war er Präsident der sepljardischen Gemeinde. Reben seinen allgemeinen Kenntnissen verfügte er auch Mer gründliche Kenntrnsse der jüdischen wissenschaftlicher: Literatur.