Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 18 (11.5.1917)
- Date
- 1917-05-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Würdig unseren Vätern und Brüdern im Felde zeichnen wir die 6. Kriegsanleihe. Seite 286 Tr. Bloch's WMenschrifL" Nr. 18 Deutschland bereist haben, ihre Reiseeindrncke niederlegen, alle mit ganz winzigen Ausnahmen Schmähschriften, in denen alles verkehrt Msehen, ausgelegt, verzerrt, heruntergezogen wird, von Tissots Reise ins Land der Milliarden vom Jahre 1875 an> bis zu den unlängst verstorbenen Jules Hurets „En Allemagne 1912 bis 1913". Weit umfangreicher noch war die Deutschenhaßf-Provaganda in der novellistischen Literatur der Franzosen. Selbst so bedeutende Schriftsteller wie'Daudet, Coftp e, Guy de Mauftassant, M. Prev o st und Erckwtann- Chatr ian haben der Tagesmode ihlren Tribut gezollt. In den Helden- und Racheerz-ählungen treten französische Heldenkinder, Heldenfünglinge und -jungsräuen, Heldenmänner und Heldengveise auf! Die Deutschen werbeit übeftall nach^ derselben Schablone gezeichnet. Diese Schablone ist ein giehässiges Zerrbild, das Man albern finden müßte, wenn man nicht wüßte, daß es für wahr gehalten wird. . 1 * . Aeußerlich ist der Deutsche dickb-äuchig, dickwangig, tiefäugig oder bebrillt, rothaarig, struppig und borstig, schmutzig und übelriechend (l'odeur ftrussienne). In seinem Benehmen ist er' plump und ungeschliffen. Die Gennanin geht schwerfällig einher, hat steife ' Bewegungen, einen schmachtenden Ausdruck, eine vierschrötige Gestalt und stets unmögliche Anzüge und' schlechtsitzende Hute mit schreienden'■ Farben, ohNe Schnitt, ohne Schwung, und kunstlos. Innerlich! ist der Deutsche taktlos, brutal, jedes FeingefMs, jeder Großmut bar, stuinftfiinnig, nur für leibliche Genüsse empfänglich, Maßlos im Essen und besonders im' Trinken, nur fröhliche wenn er sich den Leib ordentlich! vollgeschlagen hat, dann aber auch stets von brutaler.Höflichkeit. In seinem Charakter Mischt sich Heuchelei mit Spitzbüberei. Gr ist salbungsvoll in den Worten, abgefeimt in der Tat, feige und tückisch. Jn der Novelle „Dr. Judassohn" (ebenfalls ein deutscher Spion, der sich . die Ljebe einer Französin , gewinnt) findet M ätzende Untechallung zwischen Dheim und Neffe: ... „Hast du viele Preußen niedergesäbelt, Onkel?" „Ja. viele." „Sind sie sehr häßlich?" „Häßlicher als Rauften." „Und sehr böse?" „Böser als Nattern." .; „Ist es wahr, daß sie sich niemals waschen?" „Doch einmal, alle halben Jahre." „Hast du viele Gefangene gemacht?" „Nein, niemals!" „Warum nicht?" „Well sie so schmutzig sinch daß man sie nur mit der Zange anfässen kann. Ich! hab e immer darauf verzichtet, man hat nicht immer eine Zange bei der Hand." „Was machtest du denn?" Ich tötete sie, das .gibt einen sehr guten Düng." Siebeckers Erzählung „La revanche du rabbin" (Die Rache des Rabbiners) beginnt folgendermaßen: Der Oberleutnant eines in Straßbürg stehenden Kavallerieregiments, Otto v. 'Häringshäff, hat eben in einem Bierhanse sein aus zwei Knacttvürsten, einem Maul- und Füßsalat und drei Schöpften Münchener Bier bestehendes Abendbrot verzehrt, als er einen Brief von seiner hoch-- wohledelgeborenen Frau Gräfin Mutter erhält, in dem diese ihm mittellt, daß es zu Hause schlecht steht, well der Vater sich nicht entschließen kann, alle in Frankreich gestohlenen Möbeln und Uhren zu verkaufen, die ihü an seine Siege erinnern. In Wbouts „Roman d'une brave hönttne" wird im Laufe der Erzählung die Fabrik des Helden, eines durch eigene TuchtiMit reich gewordenen Fabrikbesitzers, von Deutschen geplündert. Drei Eisenb'ahnzüge voll Kostbarkeiten gehen nach; Deutschland. Unter den Plünderern befindet sich, auch der Offizier Merkel, der früher als Sftion achtzehn Monate in .seiner Fabrikals Arbeiter tätig gewesen war. In einem Volksroman, der sogar als Prachtausgabe erschienen ist, G. Aimlavds „Le Baron Frederic" sagen schon die Ueberschriften der fünf H'anpttelle genug: 1. Eine Handvoll Schurken (natürlich Deutsche). 2. Der Verrat. 3. In der Schlinge. 4. Die Frauenft'eitscher. 5. Die Vergeltung. Der Verfasser hat wohl keinen der in der französischen Kriegsliteratur üblichen Schimpfnamen für die Deutschen ansgelassen: Lunchen, Banditen, Schwaben,, germanische Horden, Schinder, Brandstifter, Kinder- und Frauenmörder, Verräter, Ungeheuer mit Menschenantlitz, Teutonen, Barbaren, Hunnen. Aus ErckMann-Chatrians Rührroman „Le brigadiev Fritz", in dem ein Elsässer Förster durch! die Schuld der Deutschen soviel Elend erleidet, daß ein Franzose den Roman gar nicht lesen kann, ohne von Zorn gegen diese- Bösewichter gepackt Zn sein> ist für uns. interessant!die Schilderung des Einzuges der ersten deutschen Beamten usw. ins Elsaß. Im ersten Wagen, einem uralten Planwagen, sitzt eine schon asie, gelbe, 'runzlige Frau mit der Haube in der Lchere nüd' sucht den verwilderten. Haarwuchs der Kinder nach Ungeziefer ab. . In den Neunzigerjahren flaute in Frankreich das- Interesse für die Kriegsliteratur ab, und die Hetze gegen die Deutschen wurde in der schönen Llleratur in der Art weiter betrieben, daß in beliebigen Romanen, namentlich Kriminalnovellen, der Bösewicht, der Intrigant, sich, am Schluffe immer als Preuße entpuppt, der vor Jahren in Frankreichs eingewandert war. Seit dem Einbruchs des so genannten ioissensch astlich en Antisemitismus begann man /auch den Deutschenhaß!, wissenschaftlich auszurüsten und alle Argumente wurden dem deutsch!en Antisemitismus., entlehnt,, um dem Deut- ' Menhaß eme literarische und wissenschaftliche "Berechtigung nachzuweisen. VI. Der Weltkrieg hat dieser Wissenschaft des Hasses) einen ganz neuen Aufschwung gebracht. Der Deutschenhaß, ist eine heilige Nationaltugend bei allen Völkern geworden. Die Methode der Verleumdung und Anschwärzung, welche die iantisemitische Presse in Deutschland ' und Oesterreich! bis' zur Vollendung ausgebildet hat, wird' von den Feinden, des. Deutschtums mit großer Virtuosität angewendet. Es ist, als ob die Engländer, Franzosen, Italiener hei unseren Antisemiten in die Schule gegangen wlären. Presse und Staatsmänner der Entente, beschimpfen Deutschland nach denselben Rezepten. Wie weit namentlich! in England die Wissenschaftler - darin gehen, zeigt die Tatsache, daß ein Mllarbeiter dev konservativen „Morningftvst" in England kürzlich? dem Nachweise, daß die Deutschen unter den Völkern das, was die Wanzen unter dem Ungezieferseien, eine „wissen--' schüstliche" Betrachtung! widmete. Es gibt in dieser Musterkollektion von Beschimpfungen des Deutschtums nicht einen , einzigen Vorwurf, der nicht bisher stets vvn dem! deutschen Antisemitismus, der ja in mehr als -einer Hinsicht richtunggebend? und Vorbild geworden ist fü-r die antisemitischen Parteiblldungen in Rußland und Frankreich, gegen die deutschen Juden erhoben worden ist. Dias Geschäfts gebaren der. Deutschen fei im höchsten Grade nnanständige so daß eine ansstrenge Ehrlichkeit in Handel und Wandel haltende ritterliche Nation die Konkurrenz mit ihnen nicht anftrehnten Wune. Die Deutschen, insbesondere die Soldaten, seien sittenlos und lüstern, Mädchenschänder, ja der große belgische Nationaldichter Ver-