Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 17 (4.5.1917)
- Date
- 1917-05-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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©eitejjjß82 Dr. BloH'S Wochenschrift" Nr. i? Kriege die Ansicht verbreitet, die Juden wären von diatur aus mit einer größeren Dosis Furchtsamkeit belastet, die sie vom Militärdienst fernhalte. Man xxxußte nicht gerade Antisemit sein, um dieser allgemein verbreiteten nxxd von den Schriftstellern des. Judentums vergebens widerlegten Anschauung zu huldigen. Man suchte eine Erkläpuüg dieser als feststehend ycntgenoird* menen Tatsache in dem Umstande, daß die Juden durch die Jahrhunderte wWrenden Verfolgungen des Mittelalters verschüchtert worden, daß den Nachkommen der heldenmütigen Makkabäer Furcht und Vorsicht durch Jahrhunderte eingeimvst rvorden seien. Der Weltkrieg hat mit dieser Auffassung bereits gründlich aufgeräumt. Im Norden wie int Süden, in Flandern, in den Karpathen, xxx Galizien wie an dein Jsoxxzo habeix jüdische Soldaten Heldentaten ausgesührr, haben Judeix sich ixx solch großer Zahl ausgezeichnet nxxd sich nicht nur als verstärxdiges urxd intelligentes, sonderxx auchals unerschrockenes rxxxd tapferes Elexnent der verbüxxdetexx Armeen erxoiesen, daß, a.ixgesichjts dieser Tatsachen die Theorie von der Feigheit hes Judentums zusanxxnenbrechen xxxußte. . Daß auch! das ungarische Judentum in diesent Völkerrixxgen seinen Platz in der Arxrxee würdig xuxd ebenbürtig ausWlt, ist bereits zur Genüge in gläxxzexxder Weise erwiesen. Wir dürfen getrost behaupten, daß lein Tag vergeht, an dem ungarische Juden nicht Proben chrer Tapferkeit, ihrer Uxxerschrvcktxchdit, ihrer begeisterten Hixxgebuxxg für die Sache des gemeinsamen Vaterlaxxdes bietexx würden, nxxd die" zahlreicheix Auszeichxxuxxgexx jüdischer Soldatexx, die zahlreichen Heldexxgräber in jüdischen..Friedhöfexx bekuxxdexx in unwiderleglicher Weise die Uxxhaltbarköxt der eingaxxgs erwähnten, von einzeinexx antisemitischexx Hetzblättchen noch immer versochtenexr Theorie. Einen" der rüHrexxdstex.b.^M' seineps,Schlichtheit ergreisendsiexx Fälle bildet der Fall des Legioxxärs Julius Dichter, eines begeistertexx Kixxdes, der vor kurzem ixx eixxem Budavester Kriegsspital verschiedeix ist. Julius Lichter war in Fehergyarxnat geboren. Von froxnmexx, gottesfürchtigen nxxdstrengglänbigexx Elterxx erzogen,/ verlebte er feine Kinderjahre im Schoße der den kleixxen talentierten Juxxgexx mit echt jüdischer Liebe verhätschelnden Fanxilie. Die.Elterxx' schickten dexx Juxxgexx nach Szatmar, xvo er das Uxxtergyxxxnasiuxxx absolvierte. Die Ferien verbrachte der juxxge Lichter natürlich immer ixn Elterxchause, xvo er auch fein Barixxizwahsest feierte. Hier in FÄ)ergyarxxxat traf ihxx auch die Nachricht von dexxx Ausbruch des . Krieges. Und von diesexn Augenblick an zog es dexx vierzehnjährigen Jungen mit Gexvalt zum Militär. Er vergoß bittere Träxxexx darüber, daß sein kixxdliches Alter chnx die TeilxxahixXe axx dexxx Feldzuge xxicht gestattete nxxd gab feiner Begeisterung wenigstens dadurch Ausdruck, daß er ixx feinem Geburtsorte patriotische Deinonstrationen veranstaltete. So oft es Gelegenheit zu feiern gab, trug der kleine, schmächtige Junge axx der Spitze der Züge. die Mächtige Trikolore, zu der er mit seltener B^eifterung nxxd Liebe emporblickte, imnrer voxx dem GedaxxEexx beherrschit, unter dieser Fahne xxxit hinanszuziehen xxxit sexxxexx glücklichere>x Landsleuten, die das Vaterland schon mit ihreM Blute verteidigen durften. ' .. Jnztvifchen xvar der. Monat Septexxxber herangebrochen und Julius Lichter sollte seine Studien in Szatxxxar fortsetzexx. Im Faxxxiliexxrate war beschlossen xvordexx, chn in der Haxxdelsschüle eixxschreibexx zu. lassen. Der Vater zählte ihm zweihuxxdert Kronen ans, dje Mütter füllte sein Räxxzchexx Mit den Produktenihrer' Bäckkuxxst, und so. ausgerüstet, zog er xnit dexxx Segexxk seines greisen Vaters allein xxach Szatnrar, wo er sich axisder Haxxdelsschnle einschreibexx sollte. Doch Julius Lichter hatte Größeres ixn Sixxxxe. Ixx Szatxxxar axxgela.ngt, erkundigte er sich, Xvie er trotz seiixer Jugexxd Soldat Xoerdexx könne. Er erfuhr, daß die po'lxxische Legivxx es xxxit dem Alter nicht so gexxaü ixehnXe, daß dort axxch jüngere Kräfte gerxx gesehen Xvürdeix. Er kaufte sich! eine Violine (Lichter war ein ausgezeichneter und leidenschaftlicher Musiker), schrieb ein Dutzexxd Briese axx feine Eltern, die er eixxem Schulfreunde xxxit dem Auftrag ..übergab, täglich einen Brief an seine Elterxx abzusexxderx, daxnit diese xxicht beunruhigt Xvnrdexx, und begab sich xxach Marxnaros!- Sziget, xvo eben eixxe Expositur der polnischen Legion freiwillige Anmeldungen exxtgegexxxxahrn. Hier meldete sich; Julius Lichter zum Eintritt in die. Polenlegiyrx, aber selbst hier Xvollte man voxx beiix1 Kinde nichts wissen. Es bedurfte des Aufwandes seiixer ganzen Beredsamkeit nxxd der heißesten Bitten, daß er in dexx Verband der Legion ausgenommen xvnrde. . Und xxuxr begann..für den jungen Lichter die glücklichste Zeit seixres Lebexxs. Mit Feuereifer warf er sich aus die Uebnxxjgen, er war eixxer der fleißigsten uitib rührigsten Rekrutexx der Liügioü, deren Offiziere den lebhaften Juxxgen bald liebgewanxxen. Ixx wenigen Wochexx xvar Julius Lichter ein vollkommen ausgebildeter Soldat nxxd brannte vor Begierde, endlich! axx die Front zu kommen. Bis dahin aber Xvollte er für die Legion neue Mitglieder Xverben. Mit Bexvilliguixg seines Koxxxmaxxdos begab er sich xxxit seinem Kaineradexx in die nahen Hxxzulendörfer, xvo er bei dexx lockenden Klängen seiixer Violine binnen kurzem an vierzig Legioxxäre anwarb. Endlich gixxg sein heißester Wunsch in Ersülluxxg. Zu Beginxx des vorigen Winters wxxrde der Judexxjunge an die Front geschickt. Schon in den ersten Tagen nahm er xxxit zwei Kameraden eine aus zehn LgndstKrxnerxx 'bestehende seixxdliche Patröüille'gefangexx. Bei' einer anderen Gelegexxheit hexxxerkte er xvlährend eines lheftigext Kaxxxpses,. daß sein Leutxxaxrt axx der rechten Schulter Voxx eixxer Kxxgel getroffen xvorden^ fei. Der Leutnant xvollte ebexx fein Verbaxxdzeug hervvxcholexx, als eine feindlich>e Kugel auch feine linke Hand traf. Legionär Julius Lichter, der die Giesahr seixres Leutxxaxxts bexxterNe, zögerte keinen Angexxblick, er kroch axxf dexxx Bauche an den Offxzier heraxx nxxd les igelaxxg ihm, ihxx ixxx dichtesten Kngelregexx xxack)! eixxer gedeckten sicheren Stelle zu bringexx. Hier brachte' er den Leutnant, ixx eixxe Scheune, . legte sexxxexx Mantel auf den Bodexx, hüllte ihn vorsichtig ein nxxd Xvachte daxxxx die gaxxze Nacht, selber jeglichen Schutzes gegen die Kälte exxtblüßt, axx der Sexte des verwundetexx Offiziers, bis 'gm' Morgen die Saixitätler kaxxxen xxxxb die beiden txjgch dexxx Feldspitale brachtexx. Der Offizier ivurde verbuxxden, und da seixxe Verletzungen glücklicher- Xveise nur leichterer Natur warexr, konxxte er bald xvxeder zu seiner Legioxx znrückWreix. ..." Nicht so. Julius Dicht er. Sein juxxger, zarter Orgaxxismns koxxnte die fürchterliche Kälte der durchwächtexx Nacht xxicht ertragexx, seixxe rechte Haxxd und sein rechter Fuß^ xvaren ihm abgefrorexx. Moxxatelang ivurde Legionär L i ch t e r in verschiedexxeix Spitälern behaxxdelt. Mit außerordexxtlicher Gedxxld nxxd Fassuxxg ertrug er. die großen SchMerzexx. Größer aber als der Physische war der Schmerz darüber, daß seixxe Soldatenlausbahn einen so jähen Wschluß sixxden sollte. Nach, laxxger Behaxxdluxxg wurde der jugeixdlxche Legioixär xxach Budapest in ein Kriegssvital tzebÄcht, 'mp" sein' rechter . Arm amputiert werden' sollte. Es karxr xxicht.xxiehr dazu^ Der arme justge Legionär wurde voxx Tetanus befallen. Bor exxxxgen Tagexx trugen sie ihn zu Grabe. Als seixxe. Schwester dexx Tod des jungiexx Julius erfuhi, ward auch sie voxx HerzkräMpfexx besallexx nxxd folgte, ixx wenigen Tagexx dexxx heißgeliebten Brxxder. s. . . . 'Kegxoxxiär JulxM L ich t e r hat wohl teixxe. besoxxfd<erexx Heldexxtatexr vepüjbt: Er hat feinem Offizier das Leben gerettet xuxd dafür fein eigeixes junges, blühendes