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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-05-04 · 17 (4.5.1917) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
17 (4.5.1917)
Date
1917-05-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 271 . die Beförderung, der Beteiligung au den Wahlen zu den Einrichtungen der lokalen Selbstverwaltung und aller Arten anderer öffentlicher Institutionen, der Bekleidung aller Arten von Aemtern gelüäß allen staatlichen und öffentlichen Gesetzen und der Erfüllung aller mit diesen Aemtern verbundenen Verpflichtungen; 7. des Eintritts iit alle Schulen, in staatliche, ösfeutliche und -private, der Absolvierung und des Genusses von Stipendien, ebenso wie der Beschäftigung mit Unterricht und Erziehung; 8. der Ausübung der Vormundschaft, der Kuratel und des Amtes eines Geschworenen; 9. der Benutzung einer anderen, nichtrussischen Sprache, resp. eines Dialektes in der Korrespondenz der privaten Betriebe, beim Unterricht in. allen privaten Lehranstalten- und in der geschäftlichen Buchführung." Es folgt die Aufzahlung vor: etwa 365 Gesetzen, Erlässen und Verordnungen, die auf Grund des Ediktes annulliert werden.) „Die Kraft aller bis zur Veröffentlichung dieses Ediktes von zivilen oder militärischen Behörden ergangenen administrativen Erlässe, auf Grund deren, die Ausübung irgend welcher Rechte infolge der Zugehörigkeit gu einer Religion, Konfession oder Nationalät beschränkt wurde, erlischt. Die Kraft dieses Ediktes dehnt sich auf die entsprechenden Besch ränkunge:: aus, die für die Ausländer der nicht gegen Rußland kriegführenden Staaten im Zuscnnmenhang mit der Zugehörigkeit zu der einen oderanderen Religion, Konfession oder Nationalität bestehen. Dieser Erlaß tritt am Tage seiner, Veröffentlichung in -Kraft. ' :i,K : - Ministerpräsident Fürst Lwo w, Justizminister A. Kerenski." Die provisorische Regierung wollte die Verkündigung der Emanzipation der unterdrückten Nationalitäten und Konfessionen als ihr eigenes Werk vollziehen -- noch vor der Einberufung der Konstituante. Auf dem Ruhmesblatt der Befreiung sollen ihre Namen ewig glänzen. So wurden mit einem Schlage alle 365 Gesetze zusammen mit all den unzähligen Paragraphen, Bemerkungen, administrativem: Erlässen und Verordnungen aus der Welt geschafft, die sich im Verlauf von Jahrhunderten aNgehäuft hatten 'und das ganze Sein des Inder: von seinem ersten L^benstag bis zürn letzten Atemzug uinschwirrten. „Heuteist slirrvahr der Festtag der Revolution", lautet der Leitartikel im „Tijen" vom 21. März, „heute wurde eine ihrer bedeutendsten Errungenschaften formuliert und staatsrechtlich festgelegt. Zu diesem bedeutendsten Sieg der Freiheit beglückwünschen wir das revolutionäre Volk und die provisorische Regierung." „Durch dieses Edikt wurde dem alten Regime der giftigste Zahn gezogen, von heute an wird die Gleichberechtigung der Bölker Rußlands zum grundlegenden Prinzip der rveiteren Entwicklung des demokratischen Rußlands," schrieb am selben Tage die „Arbeiterzeitung" in ihrem Leitartikel. „Nicht nur das jüdische Volk," sagte darüber der Leitartikel der „Rjptfch", des Organs der Kadettenpartei, „der gesamte russische Staat atmet heute frei auf. im Bewußtsein der Befreiung von den Ueberbleibseln des Mittelalters, die auf das ganze Staatswesen Rußlands -ihren zersetzenden Einfluß ansübten. . . . Das jüdische Volk, seufzte unter dem Druck dieser unerhörten Verfolgungen, brach aber nie zusammen. An Stelle der alten, geduckten und feigen Masse steht heute eine Nation vor uns mit einem fein ausgeprägten Gefühl der Selbstachtung, mit einen: unwiderstehlichen Streben zur Befreiung und nationalen Selbstbehauptung. .. . . Mehr aber als das jüdische Volk litt unter diesen nationalen Verfolgungen der russische Staat, der durch sie der. Willkür ausgeliefert wurde. . . . Wohl soll man es nicht verhehlen. daß mit einem Federstrich all die Traditionen, die das alte Regime aufgehäuft hat, nicht aus der Welt zu schaffen sind. Aber gerade deswegen war es unbedingt nötig, diesen Schrick heute und nicht morgen zu machen. Wenn die Zeit für ein ruhiges Zusammenleben kommen ivird, wollen wir uns alle anstrengen, den Haß und das gegenseitige Mißtrauen zu vergessen, die das alte Regime gesät hat." Am Mittwoch, den 22. März veranstaltete der jüdische Klub" zu Petersburg eine BerfalHnlung zu Ehren des Emanzipationsediktes unter , dem Vorsitz von M. M. Winawer. Auch der Minister des Auswärtigen P. N. M i l j u k o w war zugegen. P. N. M i l j u k o w sagte in seiner Ansprache u. a.: „Nicht nur das Mische Molk. Rußland ist ec, das am 21. Mjärz seine Gleichberechti-7 Wng erhalten hat. ..... Als wir nach dem Ausland kainen und dort von den großen Zielen des Krieges sprachen, von den unterdrückten Nationalitäten und der zu erringenden Freiheit, da fühlten wir, daß unsere Stimme uns nicht frer folgen wollte, irgend etwas hemmte uns daran i konnten wir denn dabei die ungeheure Knechtung und Rechtlosigkeit der Millionen unserer eigenen Bürger innerhalb unseres Vaterlandes vergessen?! Besonders kraß fühlten unsere Verbündeten diesen^ Widerspruch zwischen unseren schönen Reden und unserer traurigen Wirklichkeit. Es 'wurde uns vorgeworfen: Sie Unterstützen die Regierung, die — jiix* wahrtes lohnte sich», das Leben zu opfern, um nicht de:: Schluß dieses Satzes hören zu müssen.". s:r;. Die jüdischen Sozialistenparteien sind im Arbeiter¬ und Soldatenrat vertreten. Es befinden., sich acht Juden in: . Ausrüstungskomitee des Arbeiterrmd Soldatenrates. Davon haben der „Bünd" 3 Vertreter, die . Poäle Zion" ebenfalls 3, die jüdische sozialistische . Partei (S. .S.) und die jüdischen Sozialisten (Seemowzes) je einen in das Komitee delegiert. In einer Begrüßungsversainrnlung in London war auch Israel Zangwill Redner. Er kritisierte scharf das Verhalten Englands während der Kriegszeit und sprach Faun zur Geschichte der russische:: Revolution. Er habe, so führte er aus, aus den bemerkenswerten Anteil des „Bundes" >an der Tat -Rußlands, sich^ von den' Ketten der Tyrannei zu befreien, hinzuweisen. Man habe durchaus Recht, stolz aus diese heldenhaften jungen Juden zu sein. Er bat. die Versammlung, sich zu Ehren und Gedächtnis all derer zu erheben, die für die Sache der Freiheit gestorben waren. Es sei gut, zu wissen, daß sie nicht ^vergebens starben. Die russische Revolution sei ein großartiges geschichtliches Ereignis, dessen Nachwirkung alle anderen Länder fühlen werden. Aber das jüdische Problem sei noch nicht mit der russischen Revolution gelöst. Die Juden müßten" selbst ihre Geschichte machen und jetzt sei dp Zeit für die Juden Rußlands gekommen, ein freies-Volk zu werden. Er hoffe, die russischen Inden würden nicht so werden wie die Jude:: in Westeuropa, die wegen ihrer Freiheit.chr Judentum ausgegeben haben - Ausruf der Mischen Dumü-Äbgevrdnelen. Die jüdischen Duma-Abgeordneten erließen einen -Ausruf „Andas jüdische Volk in Rußlcurd". In ihrem Ausruf appellieren die. Deputierten an die Vaterlandsliebe der russischen Juden, die sich auch in den Zeiten des unterdrückenden Zarismus bewährt. habe. Die russischen Juden hätten nun die Pflicht, wie ein Mann hinter der provisorischen Regierung zu stehen, die von. dem aufrichigen Wunsche beseelt ist, die Befreiung'der Juden-voll und ganz durchzusühren.

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