Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 16 (27.4.1917)
- Date
- 1917-04-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 250 Dr. Bloch'S W.Menschrift Nr. 16 Veit und Skrupellosigkeit int Geschiästsleben, unfaire Konkurrenz, umterialistische Gesinnung, Unfähigkeit, das Ideal zu begreifen und einem-Ideal zu leben ustv. „Diese Pu--' rallele mit den Juden wird man jetzt gar nich^L ko s." Von jüdischen Schriftstellern behandelt der feinsin-? nige Dr,Wohlgeinuth in seinem -äußerst interessanten Buche „Der Weltkrieg iE Lichte des Judentum" (Verlag des Jeschurun, Berlin) das Thenta: ,,WaruM hassen uns die Völler" und kommt begreiflicherweise ebenfalls «auf die Parallelität des Deutsch- und Judenhasses zu sprechen. Dr. Wohlgemuth, entsprechend seinem religiösen Standpunkt, erörtert die Frage vornehmlich vom religiös-ethischen Gesichtswinkel. In den „K C.^Blätterrr", Organ der im Kartell- Konvent vereinigten Kdischerr Akademiker, erschien im vorigen Jahre ein Aussatz „Eine weltgeschichtliche Parallele des Antisemitismus" von Dr. Ernst H o chs ch i l d- Kolman: . „Im letzten Grund beruht der Hatz gegen Deutschtum und Judentum auf dem peinlichsten Hasse, nämlich dem des Konkurrenzneides, Als die Juden das Ghetto verließen und infolge ihres strebsamen, in die Höhe zielenden Eifers mit den Christen auf allen Gebieten der Wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und künstlerischen Tätigkeiten wetteiferten, und als anderseits die Deutschen ihr engeres Heimatland .verließen und dank ihrer Strebsamkeit, ihrer Tätigkeit auf den Gebieten des Welthandels gefürchtete Mitbewerber um die Plätze an der überseeischen Sonne wurden, da wurden antisemitische und antideutsche Instinkte der Abneigung, der Eifersucht und des Eeschastsneides wach. Wer dem anderen unbequem wird, als Parvenü sich Platz machen will und wer dazu nicht immer die idealsten Ümgangsformen mitbringt, der wird immer gehaßt und verleumdet sein. Das ist ein Gesetz der Welt und gilt im Kleinen wie im Großen. Wären die Juden in den tiefsten gesellschaftlichen Schichten geblieben, wären die Deutschen als kleine Leute und als Dichter und Denker bescheiden zu Hause geblieben, es gäbe keinen modernen Antisemitismus und kein Geschrei über deutsche Minderwertigkeit. Juden und Deutsche aber wurden bei übelwollenden Mitmenschen zu tüchtig und zu reich und deshelb in jeder Hinsicht unbequem und verdächtig! t .. . , * Wie ähnlich Antisemitismus und Deutschenhaß in ihren Einzelheiten sind, das erkennt man, wenn man die einzelnen Vorwürfe des Auslandes gegen das Deutschtum sich wieder einmal vorhält. Was ist der englische Haß gegen die angeblichen Schundwaren „Made in germany" in feiner Art anderes, als die antisemitische Verdächtigung gegen jüdische Warenhäuser oder die „Judenflinten"? Ist es nicht erschütternd, wenn der deutschen grundehrlichen Politik Betrug, Hinterlist und Verlogenheit. angedichtet wird, wenn der deutsche Soldat - als feige, habsüchtig, unehrlich geschildert wird, wenn behauptet wird, die deutschen Offiziere seien lüstern, Mädchenschänder, brutal und. kriecherische sie haben , keine Ehrfurcht gegenüber der Würde, den . Gefühlen und Rechten anderer, die Deutschen seien Antichristen und unreinlichen Körpers, übelriechend, schmutzig und dickbäuchig, ihre Physiognomie sei einzigartig gemein, abstoßend und verrate ihre rassenmäßige Minderwertigkeit, die Frauen feien laut, putzsüchtig, protzenhaft und trügen unschöne Hüte, die Schuljugend werde schon zum Betrügen und Stehlen erzogen und was alle die Albernheiten sind, die angeblich in Deutschland den Teutonen eigentümlich sind. Klingt eine solche Anklageschrift nicht Wörtlich wie eine Sammelkarte antisemitischer Schimpfworte? Sind da nicht einmal alle Deutschen zu Menschen gestempelt, wie sonst nur wir Juden in antisemitischen Augön sind?" -Dr. Franz O p Pen he im1 er hat in den „Neuen jüdischen Monatsheften" (25. Dezemher. 1916) noch etwas tiefer geschürft, intern1 er sowohl dem sozialen wie " dem rassepolitischen Untergründe dieses gemeinsamen Hasses NÄhspürte: ' . : „Gleiche Ursachen, gleiche Wirkungen! Feindlicher Wettbewerb zwischen kapitalistischen Städtern, verkleidet als Rassengegensatz! Wenn Houston Stewart Eh a m b e r l a i n überhaupt belehrbär - wäre, würde er . jetzt an seinem berühmten „Rassegefühl im eigenen Busen" irre werden. Aber er merkt es gar nicht, daß er jetzt alles verleugnet, was er früher angebetet hat (Kapitel für sich). Und die anderen; merken natürlich noch weniger. „Den Teufel merkt das Völkchen nie, und wenn er sie am Kragen hätte." Daß jetzt in diesem Augenblick christliche Deutsche gegen jüdische. Deutsche genau die gleichen Anklagen erheben, die sie, wenn sie gegen sich selbst erhoben Werden, entrüstet von sich weisen, muß für jeden-höchst vMvunderlich. sein, der die Gesetze der Soziolpsychologie nicht kennt und nicht weM daß jede besonderenational-ökonomische. Lagerung erakt die ihr entsprechende Psychologie' hervortreibt: Die Rechtfertigung vor Vernunft und Sittlichkeit gerade derjenigen Mittel¬ und derjenigen Wege, die zu dem Ziele führen, zu dem die Gruppe: durch den Druck ihrer Umwelt Hingetrieben wird." Allein anchi Männer innerhalb des Gedankenkreises der Deutsch,nationalen, sofern Logik und . Urteil ihnen nicht völlig abgehk, der Blick für Erscheinungen der Welt , durch die Politik nicht gänzlich getrübt, stehen 1 frappiert vor der Gleichartigkeit des.Völkerschicksals. ' Z. B. Werner S.omb'art konnte in feiner wenige Monate nach- Kriegsbeginn erschienenen, freilich im allgemeinen recht anfechtbaren Schrift „Händler und Helden" an dieser überraschenden'Erscheinung nicht vorübergehen. und suchte sie historisch durch die Theorie der auserwählten Völker zu begründen: „Nun begreifen wir auch-, warum uns die anderen . Völker ntit iHveim!.Hiaß verfolgen: sie verstehen uns nicht, aber sie empfinden unsere ungeheure geistige Ueberlegenheit. So wurden die Inden im Altertum gehaßt. — Und sie gingen hocherhobenen Hauptes mit einem verächtlichen Lächeln auf den Lippen durch das.VölkergewimMel ihrer Zeit, auf das sie von ihrer - stolzen Höhe geringschätzig hirrabsahen. Sie wußten warum'. Sie schlossen sich auch ab gegen alles fremde Wesen,' aus Besorgnis, Pas Heilige, das sie mit sich trugen, könne durch die Berührung mit Ungläubigen besudelt, werden. So sollen auch die Deutschen in unserer Zeit, durch die Welt Hetzen,. stolz, erhobenen Hauptes, in dem sicheren. Gefühl, das Gottesvolk zu sein."' Ueber dasselbe Thema enthielt die „Zeitschrift für Bücherfreunde" in einem Amsterdamer Brief einen inter-- essauten Beitrag. Der Korrespondent M. D. Henkel, berichtet -Wer einen Artikel des angesehenen holländischen Schriftstellers Carel S ch a r t e n im „Telegraaf" und führt dabei folgendes aus: „ Schortens Betrachtungen bilden die Einleitung zu einem kleinen Aufsatz überdas Judentum in der niederländischen Literatur,. speziell über die ^Gedichte eines neueren jüdischen Dichters Jac. Jsr. de Haan. Mit «den Juden werden wir hier .nämlich, verglichen — und zu leicht befunden.. Rach der Stimmung in der ganzen Welt: rings um uns, scheint es fast, als ob auf uns Deutsche heute jenes ceeium gmie.ns hm a-u übergegangen sei, das seit Tacitns auf den Juden geruht hat. Sch art e n gesteht in dem Artikel, ganz offen, daß er von Jugond an immer eine instinktive Abneigung, gegen Juden und Deutsche empfunden habe, was ihn aber nicht verhindert hätte, mit einzelnen Angehörigen dieser Rassen in freundschaftlichen Verkehr zu treten; und merkwürdigerweise seien es bei. beiden Völkern dieselben Charaktereigenschaften gewesen, die ihn abgestoßen hätten, nämlich die ausdringliche Und übertriebene Liebenswürdigkeit, die nur als Deckmantel für Anmaßung und Rücksichtslosigkeit diene. Diese Antipathie geht bei ihm so weit, daß' ihn sogar die Ausdruckweisen und Redensarten der beiden Völker irritieren. „Das Schmeicheln der deutschen Spräche (Scharten ge-, braucht, hier das deutsche Wort „schmeicheln") habe ich nie ertragen können, ebensowenig wie den süßen Wortschwall (wörtlich: Wortgespucke) des jüdischen Händlers. Beide, Inden wie Deutsche: zeigen sich äußerst untertänig, aber wenn sie sich einmal die Machterschlichen haben, dann ist ihr Griff gleich mitleidlos." Doch verbirgt sich hinter einem ähnlichen Auftreten bei beiden Völkerneine völlig verschiedene Psyche. Denn mqgen sich die Deutschen, mit dem Fleiß und der Tüchtigkeit brüsten, womit sie die Erfindungen der Franzosen, Engländer und Italiener weiter ausgebaut und systematisiert haben, die Juden besitzen den viel feineren Stolz, das am wenigsten geehrte und doch das eigenste,. unter Men «Völkern jdas letzte und doch -as erste zu sein. Scharten denkt hier wie auch im übrigen in erster Linie an. den Deutschen im. Ausland, mit dem ihn fein langjähriger Aufenthalt in Paris und Italien hauptsächlich in Berührung, gebracht. Dieser Deutsche.' gibt im- Gegensatz zu dem Indem der 'sich in seiner Art und sogar seiner äußeren Erscheinung durch , die Jahrtausende hindurch. in zäher Weise immer behauptet hat,' seine nationalen Eigenschaften bald auf und verschmilzt mit dem Volke unter dem er lebt. Äeberz den Deutschen im eigenen Lande urteilt Scharten günstiger^ ' dort im eigenen Kreise öffnet sich sein -besseres Ich (das sich aberI außerhalb dex Reichsgrenzen nach seiner Meinung verschließen soll). Etwas Gutes wird -uns also noch gelassen,' und die „tlangreichen. Tiefen der deutschen Seele"-will Scharten ebensowenig leugnen, wie „das ticfc> verborgen klimmende Feuer der jüdischen"." Im Januarheft -1916 der „Tat" veröffentlicht der? schwedische- Schriftsteller Carl G. Laurin einen Aus-- satz „Die Deutschenverachtüng! in Europä",' wo ebenfalls.