Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 16 (27.4.1917)
- Date
- 1917-04-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Dr. Bloclh s dayrgang XXXi V Wie«, 27. April 1917 Brscbetnt jeden Freitag. Brief-Adreffe: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie». 30-"-. i>0 *3 Vr;irgsxrsis für Sestrrrrkrtz: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für das Ausland : Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespallene Petttze'.le 48 Heller. -OG <(? =ÖO 9 V. ft. Postsparkassen!, rnl Llearing-Verlrebr Mr. 810.976. RedaMon und Administration: wirn ^' U/1, Praterstraße 9. Telephon 45.359 _ nO O n Anhalt: Leitartikel: Judenhaß und Deutschenhaß. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. -- Ein Zeugnis Sr. Majestät über jüdische Pflichterfüllung. — Weitere Auszeichnungen. — Ausgezeichnete Offiziere bei den 61-ern. — Der Akadriniepreis für einen - . gefallenen Helden. — Auszeichnung des Feldrabbiners Dr. Hausner. — Auszeichnung von Lehrersöhnen. — Die Juden und die Revolution. — Die Mission der jüdischen Sozialisten Rußlands auf der Stockholmer Konferenz. — Die Dienstpflicht der ruffischen Juden in England. — Kriezstapserkeit und Humanität in der Bibel. — Roch immer Semigotha? — Eine bescheidene Anfrage. — Zaugwill kehrt zum Zionismus zurück. — Korrespondenzen: Salo Cohn. — Die Not in Jerusalem. — Der Nachfolger des Direktors Braun. — Der Floridsdorfer Pöbel gegen eine anständige Geschäftsfrau. — Wiener Zentralstelle der Fürsorge für Kriegsflüchtlinge. — Kaiser Franz Josefs-Ferienheim/— Verein Kinderheim. — Tod des Erfinders der Esperantosprache. — Die Judenfrage in Holland. — Volksküche für Flüchtlinge in Amsterdam. — Peffach in Gefangenschaft in Taschkent. — Dr. Max Nordau als Kanzelredner. — Louis Marshal über jüdische Emigration und amerikanische Juden. — Vermischtes. — Feuilletork: Martyrium jüdischer Religiosität. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Judenhaß und Deutschrrchaß. in. Im Januarheft 1917 der von Prof. Ludwig Stein '.herausgegebenen Monatsschrift „Nord und Süd" veröffentlichte der Philosoph Constantin Brunne r, der, Verfasser des großen Werkes „Die Lehre von den Geistigen und'vom Volke", eine umfangreiche Arbeit „Deutschenhaß, Judenhäß Md die Ursachen des Krieges". In diesem Aufsatz konstatiert er: „Von aller Welt wird Deutschland gehaßt; wie sehr, das kam nun an den Tag. Die ^Grenzen Deutschlands und die Umgebung jedes Deutschen im Auslande sind der Haß. „Haß nicht zu einem nur, zu zehn Kriegen gegen Deutschland haben wir," sagten die Russen und fühlten gleichrrart alle die übrigen; der Verpflichtung, mitzumachen an unserer Demütigung. Bestrafung -Vernichtung, bis kein deutsches Etwas mehr in der Welt' zu ^finden fein würde." „Wenn 20 Jahre nach dem Friedensschluß ein Sohn dieser . Deutschen uns, den Engländern. Italienern, Russen die Hand .hinstreckte," -schrieb der Franzose Bergerat, „müßte unsere Haltung chm sagen: Weg! Weiche auf ewig von uns! Was eure Väter taten, ist unaustilgbar.... Weder Versöhnung auf denr 'Streitplatz, wie nach redlichem Zweikampf, noch Milderung des Hasses ini Laufe der Zeit. Ilm die Menschheit wäre mir bang, wenn der Friede, der diesem Vernichtungskriege folgt, nicht -auch Vernichtung brächte." Sie hassen und sehen steif nur Häßliches; nichts so Tollböses von Deutschen, daß es nicht geglaubt wurde. Satanische Scheußlichkeiten verüben sie, „denen die Bosheit tierähnlicher Wesen eignet", vergiften Brunnen, schlachten Kinder, -üben Verrat, Treubruch. Hintertücke jeder Art bis zu den fürchter- -lichsten Graden — ein italienischer Professor, Aristide S a r t o r ich. 'hat geschrieben, da sei nichts. verwundersam für einen wie er, der jahrelang in Deutschland gelebt habe und das deutsche Gesetz ".kenne : dieses Gesetz erlaube den Deutschen z. 23. Diebstahl im Auslände auch in Frieden^eiten. Eine andere Erklärung gab ein anderer Professor, der Russe Menschikow, indem er wissenschaftlich dartat, daß die Deutschen zu den minderwertigsten Rassen gehören und ihr Schädeltyp dem des Neandertalmenschen nahei komme." - „Die Deutschen sind „die gierigsten, von - Gewissensbedenken freiesten Räuber, die je ein Auge sah"; und bei Betrachtung, der Gefangenen findet man sich, immer von neuem unsäglich abgehoben von der „Häßlichkeit und Widerwärtigkeit der Rasse". „Wir kämpfen gegen den Feind, der uns ekelt", , „die Welt trägt Abscheu.? sich von einem Volke beherrschen zu lassen, das sie durch feinen Hochmut und seine blöde Verachtung beleidigt", „wir kämpfen, um die Welt von der Schmach und Feigheit der deutschen Barbaren zu befreien", „gegen den Urfeind des Menschengeschlechtes", „für die Rettung der Zivilisation, des Rechtes und der Freiheit des- Geistes gegen die Macht der, Finsternis und des Todes." ,;Die Deutschen ermangeln der (Originalität und sind — auch wissenschaftlich — nur Nachahmer und Ausbeuter der Gedanken und Erfindungen anderer." Bon den deutschen Geistern spricht Man nach Kräften verkleinerlich, lästerlich und kindisch, sie müssen herhallen zur Illustration für „die deutsche Moral" und die deutsche Gemütlosigkeit — die in der Welt zerstreut lebenden Deutschen mit ihrer Moral wären Schuld an jeglichem Unglück und wären das Universalunglück der Welt. „Ueberatt muh der Deutsche alles ausbaden," schrieb einmal früher Karl Spitteler; in der Hetzpresse draußen war. schon seit langes „der Bösewicht und die lächerliche Figur allemal ein Deutscher". Die Versuche, zu erklären und uns zu rechtfertigen, gaben nur neues Wasser auf die Verleumdungsmühle, wurden mit Hohn beantwortet und machten, daß man nur um so , unflätiger uns beschimpfte — und wie und was beschimpfte: in Amerika wurden Nachahmungen unseres Eisernen 'Kreuzes verfertigt und Hunden um den Hals gehängt! — auf alles von uns Vorgebrachte lautet die Antwort: „Tut nichts, der Deutsche wird verbrannt!" — kurz und treffend hat man das Wort Odium generis hnmani übersetzt mit: die"' Deutschen. Wir sind eingekreist vom . Haß, die ganze Welt haßt uns und setzt sich aus den Richtstuhl; alle sind sittlicher als wir — und wir setzen uns auf den Richtstuhl und sind sittlicher als alle." Professor Brunner schließt: „Was klingt uns «damit in die Ohren? "Haben wir recht gehört: über die Deutschen wird das alles gesagt, über die Deutschen? Uns will aber doch bedünken, als hätten just die Deutschen, wie keine anderen, das gleiche gesagt über.... Wurden die Deutschen in Juden verdreht? Sind ihre Seelen in die Leiber der Deutschen gefahren? Wer die deutsche Judenhaßliteratnr kennt, greift sich an den Kopf vor dieser Deutschenhaßliterator. Da ist ja kein Unterschied; kein überhängendes Wort weder dort noch hier." Konstantin Brunner ist aber nicht der einzige und nicht der erste, dem! diese Wahrnehmung sich ausdrängt. Dem bekannten Heidelberger Philosophen Alfred Weber war es bereits vor langer Zeit ausgefallen, daß die Feinhe -gegen die Deutschen genau die gleichen nätionalistischi-rassemaßig betonten Anüagen erheben, wie nationalistische Deutsche gegen die Juden: Vordringlich-