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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-04-20 · 15 (20.4.1917) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
15 (20.4.1917)
Date
1917-04-20
Page
– (sequence 19)
Language
German
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i»ir. 15 Seite 247 Tr. Bloch'S Wochenschrift nett Stolz durch-schimnrern zn lassen. Er erlaubt sich kein überflüssiges Wort oder übliche Gestenbegleitung, korrigiert nicht kritiklos den Verfasser mit eigenen Einfällen und schasst eine echte, lebensstrotzende Gestalt, deren Niederbruch erschütternd wirkt. Mein all die Kunst dieses Schauspielers verschwindet im zuchtlosen Wirbel der Mitspielenden. Aus den Reihen verschlagener Nichtstuer und verkrachter Bettelexistenzen stammen zumeist die -Schauspieler der jiddischen Bühnen. Was Wunder also, daß die Vornehmheit der Primadonnen. in allzu drastischen Gesten sich kündgibt, daß, die tonangebenden Helden gar oft an Vorstadtgesellen gemahnen und gefeierte Heroinen zeitlebens ihren Ursprung nicht verleugnen können. Könige sprechen in einer Weise, die eher der Dienerschaft abgelauscht zu sein scheint, und die dienenden Geister brechen gewaltsam alle Regeln der Stilkunst. Armselige Histrionen, die irr erbärmlichen Rollen ihre eigentliche Lebensstellung sortzusetzen scheinen. Im Leben führen sie einen von echter Tragik getragenen Daseinskampf, und kaum sind sie auf der Bühne, da möchten sie am liebsteil nur Komödie spielen. Im Saale wird es unterdessen schwül und ängstlich zum Ersticken. Das Publikum lebt mit der Bühne uild von der Bühne dringt ein starker Lebensstrom in die Zuhörer. Jeder Laut von oben weckt ein tausendfaches Echo. So oft lauf der Bühne ein Bösewicht den Sieg davonträgt, ertönen vom Auditorium warnende Ruse: „Twek Mörder — awek!" und so oft ein Wohltäter den Vorrang erringt, wird ihm laut zugerufen: „Git azoj! A myzwe ouf ihm!" Und als zrr Ende eines Mies der halberblindete Greis unter der Wucht allmenschlicher Tragik zusammenbricht, und eine Totenstille auf eine Weile emtritt, da ruft plötzlich ein Schankbürsch von den hintersten Reihen: „Lemoniade, bitte! Kalte Lemvniade. . .!" * * Betrübt und niedergeschlagen verläßt mau diese eigenartige Erheiterungsstätte. Daß doch uns europakrankell Judenkünstler diese jüdische Kunst anekelt und zu Tode betrübt! Daß doch Troubadoure von Vorstadtgossen die Rollen von Erziehern jüdischer Volksmassen übernehmen müssen! Wo bleibt denn auf diesen jüdischen Bretterbuden die aufstrebende Kunst, die das Leben zu veredeln versteht und Millionen aus beit Niederungen des Lebens in .Höhen von Begeisterung und Entzücken emporzureißen vermag?! Allabendliche füllt die Menge diesen Saal. Aus eine Weile wenigstens soll der Lebenskümmer verschwinden. Aus der Blchne weht jedoch ein beklemmender Odem jauchiger Trivialität. ... Unter Lachen und Gemurmel verläßt das Publikum das Theater.. Die einen loben die Künstler, andere summen unlängst aufgegriffene Melodien, der Rest verschwindet bald in den finsteren Gassen des Städtchens. Nach einer Weile wird es totenstill ringsum. Eiu leiser Windhauch weht heran und zerstiebt weiße Schneeflocken, die gespensterhaft im Finstern umherflattern.... Von der Ferne dringt noch der letzte Klang des Kuplets, den ein Heimkehrender in die klare Winternacht hinausschmettert: „Az Humen yz gewejn a Zojre Jehude .... hot ihm getrosen a schwarze Hagude . . . ojwaj! ojwaj! oj..." Es wird einem so traurig und weh. , . Meratur. Universitäts-Professor Dr. E. Heinrich Kisch, k. k. Regierungsrat. Die seruelle Untreue der Frau. Eine sozial-medizinische Studie. A. M a r c u s & E. Wehrs- Verlag (Dr. jur. Albert A h n), Bonn. Preis geheftet Mk. 4.50, gebunden Mk. 5.50. Die Weltliteratur besitzt keine ähnliche Monographie über das Thema der weiblichen Eeschlechtsuntreue, den Ehebruch der Frau, vom physiologischen und psychologischen Standpunkte betrachtet, wie das vorliegende Buch. Der bekannte Verfasser gibt aus Grundlage seiner reichen eigenen fachärztlichen Beobachtungen, wie aus der Basis der neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse eine scharfe und eindringliche Analyse der seruellen Untreue des Weibes, erforscht die Motive und den Werdegang seines Ehebruches, den Zusammenhang des letzteren mit der angeborenen Keimanlage, wie mit der Umwelt der Ehefrau und mit der Schuld des eigenen Mannes. Naturwahr und vom ikritifchen Geist durchweht, werden die verschiedenen Typen der ehebrecherischen Frauen gezeichnet: Die Treue des echten Mutterweibes, die Versuchung der kinderlosen Frau, der Ehebruch der Degenerierten, die Verführung aus Wahlverwandtschaftsmotiven, die Verirrungen der Mammonfürstinnen, der Fehltritt der modernen Emanzipierten. Neue jüdische Monatsschrift. Mit dem letzten (12.) Heft der „Neuen Jüdischen Monatshefte'' schließt das erste Halbjahr der neuen Zeitschrift, der es gelungen ist, eine Reihe von hervorragenden Beiträgen über allo jüdischen Probleme zu bringen. Die erste jüdisch-politische Halbmonatsschrift, in der alle jüdischen Richtungen vertreten sind, hat die auf dies kulturelle Unternehmen gesetzten Hoffnungen vollauf erfüllt. Das letzte (12.) Heft bringt u. a. einen aktuellen Beitrag von Dr. Franz Oppenheimer über „Die Revolution und die Judenfrage". In den: Aussatz werden allgemein politische und jüdische Zusammenhänge ausgedeckt. Rachum Goldmann berichtet auf Grund feiner Erfahrungen, die er in Warschau gesammelt hat, über die innere Lage des polnischen Judentums. Prof. Dr. Hirsch setzt seine überaus feinen und scharfsinnigen Ausführungen über „Die neuesten Veränderungen der jüdischen Wirtschaftslage in West- und Osteuropa" fort. Der literarische Teil besteht aus dem Fragment eines von Stephan Zweig im Manuskript vollendeten Dramas „Jeremias": „Gespräch aus Zions Walle". Dr. Franz Oppenheimer setzt seine „Soziologischen Tagebuchblätter" fort. Eeheimrat Fuchs widmet einige warme Worte dem verstorbenen Philanthropen Moritz Mannheimer. — Der Abonnementspreis beträgt für Deutschland und Oesterreich-Ungarn vierteljährlich Mk. 2.30, halbjährlich Mk. 4.60, ganzjährlich Mk. 9.20, für das übrige Ausland vierteljährlich Mk. 3.—. Einzelheft Mk. —.40. Redaktion und Verlag: Berlin W. 8, Französische Straße 49. Jüdische Feiertagsbücher. Der „Jüdische Buch- und Kunstverlag" gibt am 1. Mai l. I. ein literarischwissenschaftliches Sammebbuch unter dem Titel „Jomtoo-Bücher" als Schewuos-Ausgabe heraus. Das Schewuos-Buch wird enthalten Beiträge von: Dr. N. Birnbauch, Dr. M. Gajer, Dr. I. Fränkel, D. Siberbufch, Jak. Mestler, P. Witkower, A. Z. Grünberg, A. Weinstock, L. Schußheim. A. König. /I. Lövit, B. Jehudiä, N. Sternheim, I. Holder u. a.. Preis Kr. 2.— bei Voreinsendung des Betrages. Wiederverkäufer gesucht. Bestellungen sind zu richten an Redakteur Mar Hickl, Wien. 8. Bez., Lerchengasse 6. „Jeschurun". Monatsschrift für Lehre und Leben im Judentum. 4. Jahrgang. Heft 3/4. Inhalt: Erziehungsstagen in Ost und West (dritter Aufsatz). — I. Möller: Ahron Markus. — F. Kanter: Blicke in die Peffach-Hagada. — I. Friedländer : Die Juden in Polen und Rußland. — D. Hoffm ann: Probleme der Pentateuchergese XII (Erodus 1, 1—6, 1). — A. Blau: Ein Roman über Krieg und Gotteserkenntnis. — S. Klein: Professor Kittels Obergutachten. — E. Metis: Mar Stirner zur „Judenstage". — A. Sulzbach: Die drei Worte des Sederabends. — Bilder aus Litauen. — A. Stern: Aphorismen. Im Deutschen Reich. Nr. 3. Berlin, März 1917. Inhalt: Idem: Die innere Entente. — I. L.: Umschau. — Die sechste Kriegsanleihe. — San.-Rat Dr. Alfred Goldfchmidt, Berlin: Neuorientierung in der Judenstage? — Landesrabbiner Dr. Rieger: Alphonse Leoy. — Hauptmann Dr. Georg Meyer. — Noch ein Wort zur Ostjudenstage. — Else Dormitzer-Dorn (Nürnberg): Erfahrungen aus meiner Werbetätigkeit. — Mitteilungen der Hauptstelle für Berufsberatung der Juden. Februar 1917. „Jung-Juda. Nr. 7. 7. Nisan 5677. Inhalt: Der jüngste Pharao. — Ben Jehuda: Zum Pessachfeste. — Arthur Freund: Der Sabet. — Leo G. Stein : Die letzten Sculenier. — Geschändete und zerrissene Thorarollen (Jullustration). — König Saul. Nach Dr. H. Gr ätz, Geschichte der Juden. — Der Auszug aller Juden aus Prag im Jahre 1745 (Illustration). — Grete Obernik: Was die jüdische Sage vom Auszug aus Aegypten erzählt. — Rätselauflösungen. — Ilebersetzungsaufgabe. — Rätsel.

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