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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-04-20 · 15 (20.4.1917) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
15 (20.4.1917)
Date
1917-04-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 233 Tr. Bloch's Wöchenschnjr Nr. 35 rikanische Volk sich stolz ein „christliches Volk" nennt nnd das Christentunr sich rühurt, die Lehren der Menschenliebe den Völkern zu predigen — ist es von uns anmaßend, wenn wir uns über eine Christlichkeit verwundern, die sichan der Lieferung von Mordwerkzeugen zunr Verderben der Menschheit bereichert? Aust der einen Seite beweinest sie die unschuldigen Opfer dieses grausamen unmenschliche Krieges und auf der anderen Seite bereichern sie sich, indem sie dem Moloch immer neue Menfcheiropfer darbriargen Helfen und Mordinstrumente liefern, um immer von neuem Glück , und Leben zu zerstören." So sprach! der amerikanische Rabbiner in offener Versammlung. Allein die „Ostdeutsch^ Rundschau" hat noch andere amerikanische Juden auf Lager, irrst sie von Zeit zu Zeit zu präsentieren. Am 7. April wird' gemeldet: „Auch aus Deutschland stammende Juden, wie Jakob Schiff, der Inhaber der Firma Kohn, Loeb und Komp, hüben sich! ihnen angeschlossen, ebenso wie Schwab, Rosenthal und ähnliche angenehme Zeitgenossen." Lüge mit kurzen Beinen! Indes die Adresse amerikanischer Schriststeller,Gelehrter und sonstiger Helden des Geistes und der Feder, die am Beginn des Krieges den Vierverband brüderlich, begrüßt, trägt an die zwanzig deutsche Unterschriften, unter ihnen zehn Namen deutscher Professoren, die an amerikanischen Universitäten lehren — zwei davon sogar die deutsche Sprache —, während _ Jacob Schiff wiederholt öffentlich gegen den Deutschenhaß das Wort ergriffen. Wie groß die politische Reife dieser Alldeutschen ist, geht daraus hervor, daß noch im Juli 1915 Herr Kurd v. S träntz>, Vorstandsmitglied des „Alldeutschen Verbandes", die „dreißig Millionen Deutschen" in den Vereinigten Staaten aufforderte, „mit der Faust" für Deutschland einzugreifen und sich mit Hilfe der Iren staatlich selbständig zu machen! Tatsache ist, daß die SöhNe deutscher Einwanderer in Amerika die heftigsten Deutschfeinde sind. Nicht das Interesse des deutschen Volkes, sondern der Zweck der Judenhetze steht den antisemitischen Skribenten stets voran. Ueber die arischen DeutschstäMMlinge im Kampfe gegen die Zentralmächte wird kein Wort laut. Die Goschen. Bunsen, Mond und sonstige Staatsmänner christlich-deutscher Abstamtiünrg in der englischen Regicrung werden nicht erwähnt. - Der in Rom wohnende, aus Pontmern gebürtige Ulrich Holtz wurde am römischen Gerichtshof mit einer Klage gegwr einen Geschäftsmann' kostenpflichtig abgewiesen, weil er einer Nation angehöre, mit der sich Italien im Kriege befinde und ihm daher kein Klagerecht zustche. Nun erhebt Herr Holtz in der „Tribuns" vom 26. Februar feierlichen Einspruch dagegen, daß mau ihn als Deutschen betrachte. Seit 1892 besitze er das italienische Bürgerrecht und sein Herz habe stets für Italien geschlagen. Man dürfe ihn nicht als deutschfreundlich bezeichnen. Dieser Ulrich Holtz, der jetzt so feierlich das Deutschtum abschwört, war bis in die jüngste Zeit der Vertreter des Evangelischen Bundes in Rom, der dort für den Vau der Lutherkirche eine lebhaftete Agitation entfaltete und das betreffende Grundstück, aus welchem die Lutherkirche in der Via Toscana errichtet wurde, .auf den Namen seiner Frau eintragen ließ. Später mußte dann der preußische Oberkirchenrat und die Regierung gegen Herrn Holtz einer: Prozeß austragen, um die Herausgabe des mit deutschem Gelde (durch Vermittlung des Pastors Terlinden in Duisburg) bezahlten Orrurdstückes zu bewirken. Solche Repräsentanten arischen Deutschtums im Auslände bleiben von der deutschnationalen Hetzpresse unangefochten. Nationale Treue wird von den Juden gefordert, die Felonie eigener Volksgenossen bedeckt christliche Liebe. II. Es mag einst für den Geschichtschreiber einer späteren Zeit eine merlwürdige und schwer erklärbare Erscheinung sein, -daß säst die Bevölkerung der ganzen Erde aufgestanden ist und sich! zusammengeb ällt hat, um ein Volk von siebzig Millionen niederzuwersen. Der Fall ist unerhört in der Weltgeschichte. Für. den Haß der Franzosen gegen Deutschland ist das brennende Verlangen nach Revanche eine geirügende Ursache. Bei den Engländern ist es der Neid auf die geschäftlichen Erfolge der Deutscher: und das Verlangen, den Konkurrenten loszuwerden, was den Haß erzeugt hat. In Rußland wird Deutschland gehaßt, iveil es 1905 — bei einem Handelsvertrag übervorteilt wurde. Die Tatsache, daß in Italien und selbst in rreutralen Ländern der Deutsche gehaßt wird, begründet man mit der noto-. rischen Tüchtigkeit und geschäftlichen Ueberlegeuheit des Deutschen. Das alles trifft bei dem' Amerikaner aber nicht zu. Woher also der Haß der Amerikaner gegen Deutschland? Und warum' diese Kriegs ansage der amerikanischen Staaten von Nord und- Süd? Eine aufklärende Broschüre ist soeben von Otto Baumgarten unter dem Titel: „Das Echo der alldeutschen B e w e g u n g i n Am e r i k a" veröffentlicht worden (bei Eugen Diederichs, Jena). Die kleine Schrift wirkt dadurch, daß sie ohne viel eigene Polemik die alldeutschen Schriftsteller selbst sprechen läßt. Aus der allzu reichen Fülle des Materials konnte der Verfasser nur eine kleine Blütenlese geben, aber sie genügt, um zu zeigen, welche Wirkung das offene Fordern der Eroberung, der Brutalität, der nackten Gewalt aus andere Nationen üben mußte. Das ewige Gerede von den „Führerrassen", die von der Vorsehung dazu bestimmt seien, die „Folgerassen" zu knechten,, kann denen nicht gefallendie nicht das Glück hüben, zu der führenden Rasse zu gehören; hinterher beschwert urau sich dann, daß die Völker Mißtrauen hegen. Da schreibt 1913 ein Herr K. F. Wolff: „Wo in aller Welt steht es geschrieben, daß die erobernde Führerrasse die ' Verpflichtung habe, den Besiegten nach einiger Zeit politische Rechte zu gewähren? Bildet nicht die Ausübung politischer Rechte 'einen Vorzug, der eben den Führerrassen biologisch zukommt? Nicht Vernichtung, sondern Höherentwicklung bedeutet das Hereinbrechen einer hochgesinnten Edelrasse; sie dient dem Herrn der Heerscharen, und was sie tut, ist ein Erlöserwerk!" Ein großer Apostel der Blut- und . Haßreligion ist ein Medizinalrat Dr. W. Fuchs, der 1914, aber vor dem Kriege, ein Buch! schriebt Darin heißt es: „Wer nicht wagt, gewinnt nicht! Ohne Sprengstoff in der Seele ist kein Wagnis denkbar, ist nichts politisch Großes zu erzielen! Die Familie an die Front! Der Staat muß folgen, zunächst in der Schule, dann in der äußeren Polotig Erziehung zum Haß! Eiziehung zur Liebe zum Haß! Organisation des Hasses! Fort mit der unreifen Scheu, mit der falschen Scham vor Brutalität und Fanatismus! Auch politisch gelte das Wort Marinettis: Mehr Backpfeifen, weniger üüssel. Wir dürfen nicht zögern, blasphemisch zu verkündigen : Uns ist gegeben Glaube, Hoffnung und Haß! Aber der Haß ist der größte unter ihnen." Dies ist die neue „Deutschireligion"! Der Engländer H. St. ChgMberlain, der — was umgekehrt in England für einen Deutschen undenkbar wäre — in der anmaßendsten Weise die geborenen Deutschen über die Natur und Aufgaben des Deutschtums zu belehren unternimmt, und kürzlich an die Spitze einer neuen, über ein Kapital von Millionen verfügenden Verlagsgesellschaft zur Verbreitung der alldeutschen Ansichten gestellt wurde, spricht aus:

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