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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-04-06 · 14 (6.4.1917) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
14 (6.4.1917)
Date
1917-04-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 226 Tr. Blvch's Wochenschrift" Nr/1-1 J Austritte aus dem Drventmn' . vom- 25. bis 31. Mätz 19177 Boskowitz Alfred Julius, Kaufmann, geb 1. Februar 1862, Wien, 2. Bez., Praterstratze 58. Forst Flora, geb. Crünwald, geb. 6. Januar 1882, Wr.- Reuftadt, 18. Bez.,. Martmstraße 6. Reiter Emma, geb. 1. März 1895, Wien. 1. Bez., Seilergasse 11. Berger Louise, Fabrikantensgattin, geb. 8. Dezember 1871, Myslibosic, 1. Bez., Lobkowitzplatz 1. Jaray Mar, Möbelfabrikant, geb. 20. Juli 1366, Teinesvar, 4. Bez., Prinz Eugenstratze 70. Gttrmvald Karl, Kaufmann, geb. 16. November 1887, Wien, 13. Bez., Dommayergasse 3. Kolber Julius, geb. 1. Juli 1856. Wien, 14. Bez., Braunhirschengasse 41. Wahringer Sigmund, geb. 21. August 1864, Wien (laut Zuschrift der k. t Bezirkshauptmannschaft Trebitsch). LevcherK. (Jjüdisches Hilfskomitee.) Sämtliche jüdischen Atatrikelämter aus den evakuierten Ortschaften Ostgaliziens und der Bukowina werden höflich st ersilcht, gefl. anzugeben, wo sie sich gegenwärtig aufhalten 'und ob ihre Matrikelbücher in Ordnung^ eventuell welche Jahrgänge ihnen abhanden gekommen sind. Mitteilungen sind an die Adresse: „Indisches Hilfskomitee", Lemberg,- Bernsteinagasse 12, zu richten. Wer weiß? Frau Frride Vogel aus Olejöw-Kornow, derzeit in Böhm.- Neulrmd, Post Molschen, sucht ihren Schwager Israel Reiner, ihre 11 Jahre alte Tochter Lids Vogel, welche im Juni 1916 «us Lipkontz, Bez. Zablotow, geflüchtet sind. Oeffentliche TMtsaonng. Die jüdischen Kranken des k. u. k. Epidemiespitales in Brsadin bei Dukovar, in welchem seit Mitte 1915 immer viele Tausende gepflegt werden, fühlen sich verpflichtet, ihren höflichsten Dank auch öffentlich abzustatten Sr. Ehrwürden, den: Oberrabbmer von Syrmien in Bukovar-Kerru Dr. Julius Diamant, der «ls Substdiarfeelsorger dieses größten Spitales der Monarchie die Kranken nicht nur mit seinen gehaltvollen Predigten erfreut, jedem bereitwillig mit Rat zur Seite steht, sondern die Unbemittelten auch mit schönen Liebesgaben beglückt. Am Chanukka erhielten alle Zigarren und Zigaretten, am Purim verteilte er 50 Päckchen Backwerk und teilte mit, daß von nun an jeder Mittellose nach der -vor jedem Feiertage und jedem zweiten Sonntagnachmittag stattfindenden Predigt 4 Kronen beheben kann. Dankerfüllten Herzens rufen sich die Beschenkten, vornehmlich Ealiziäner und Bukowinaer, die von der Südfront kamen, zu: „Kilo «lnwn Jisftoel". Das edle, segensreiche Wirken, des allgemein hochgeschätzten Oderrabbiners werden wir in allen Ländern der Monarchie" laut verkünden und preisen. Brsadin, am 28. März 1917. Zwei Flüchtlingswimsche. Bon Heinrich PorL-Steiner. Wer euren Teil seines Lebens nick) seiner literarischen Prodnttion der Judenfrage widmete, muß seine Empfindung zügeln, wemr von Judenleid die Rede geht. Und das LeG der WüchMjrge triM wie alles 2^he; den armen Juden tiefer als die anderen Schicksalsgenossen. Er ist elende, heimatloser als sie, wenn cmchmateriell nicht verlassener. Meine Nächstftehenden betätigten sich, wie soviele andere wackere Frauen Wiens, im Anfang der Flüchtlingswanderungen, als nochkeine behördliche Hilfe das -unsägliche Leid zu mildern versuchte, in der Pflege dieser ÜnglüMchen. Biel warme Genugtuung strahlte aus dieser - Arbeit, aber auchmancher tiefe Kummer, manches Wehe icher Widerborstigkeit mrd -Unverständnis' kam an uns heran, kurz was man so Undank nennt. Man darf nicht ver^effen, daß eine ganze Nation aus ihrem Heim auf die Mraße geworfen war. Gute und. Schlechte, Feme und Gemeine, lvie mm einmal ein Volk ist.-) Und weil ich offen bekenne, was ohnehin nicht unbekannt ist, darf id> in voller Sicherheit als typisch darstellen, was ich in emem Einzelfalle erlebte. Es war im Anfangs im Jahre 1914. Damals lvar uns all dieser Jammer, die Aufregung, der Todesschreck neu, der bald darauf als /Flüchtlingslos ganz' -.Europa erfüllte. Einige unserer Schutzbefohlenen kamen zermürbt, seelisch. gebrochen, körperlich verwahrlost, andere wild und erregt; Mütter mit 6—8 Kindern mußten zu Fuß lange Bergstrecken zurücklegen, bis ihnen. die Sohlen von deu Schuhen gefallen waren; umuche hatten in langsamhinrollenden Bahnwagen, die oft stecken blieben,. den Russenschreck erlebt. Alle aber sahen, ihr Leben aus den Kopf! gestellt, ihre Habe zerstört, de» Zusammenhang mit Heim und Heimat, mit Freunden und Lebensgenossen zerschnitten, zerrissen.!Es war schwer, ihnen den Todesschreck aus den Gliedern zu lösen, fast unmöglich, sie mit neuerwachten Sinnen ins Leben zu stellen. Ein altes, morsches' 'Haus wurde in derElle notdürftig zusaminengeflickt, damit es doch wenigstens ein sicheres Dach biete, und Hunderte darin untergebracht. Ein größerer WohnranM sollte gemeinsames Gut sein, um die Abende gesellig zu gestalten. Wir schmückten diese große saalartige Stube mit Gaben, die reichlich gespendet wurden, so daß Vorhänge und sogar Bilder den Raun: verschönten. Und als wir ganz stolz unser Werk besahen, meinte ein halbwüchsiger Jüngling, er hätte noch eine Bitte. j . . . - , j Es fehlte ihm etwas in diesem „Fefisaale". Die Worte stockten ihm eine Weile, er mochte nichts verlangen. Endlich kam es unter Erröten und Stammeln doch zutage, was nach seiner Meinung mangelte: ein Kaiserb i l d. Nach einigen Tagen kam ein Flüchtling, ein ernster Mensch, ein modern gebildeter Mann, der einem Staatsamte vorsteht, dankte für das schöne Bild, das wir bald« beschafft hatten, und bat nun im Mmen der andern um eine Thora, um eine rituelle, auf Pergament geschriebene Thorarolle. Sie wollten den Raum auch als Betsaal benützen. Ihr Wunsch konnte nicht erfüllt werden, weil auch einige christliche Flüchtlinge im Hause waren, die jnctit nicht entfremden wollte. Diese.zwei Wünsche, so .seltsam gepaart und doch im Innersten, in ihrer symbolischen, Bedeutung znsarnmengehörig, sie prägten sich Meinem! Gedächtnisse ein und blieben mit dein Wesen unserer Flüchtlinge vereinigt. Ich weiß nicht, ob je wieder dasselbe von ihnen verlangt, ob gerade dieses Begehren ihnen oft erfüllt wurde, *) Die Flüchtlinge in ganz 'Europa leiden unter gewissen Anschuldigungen: In Holland, wo die Belgier brüderliche Aufnahme fanden, wurden sie Kus den Häusern -entfernt und in Baracken interniert, was damit begründet wurde, daß sie „alle denkbaren Laster verbreiten". In London verurteilte ein. Polizeirichter nielfach - Flüchtlinge aus Belgien, wobei er sich folgenden Äusspruch leistete: „Es scheint, als ob uns aus Belgien der Auswurf der Menschheit hergekommen wäre." Eine hochinteressante Studie im Amtszimmer unseres wackeren Dr. Schw arz-Hiller belehrte mich, daß alle Sünden, die den Flüchtlingen aus -Galizien vorgeworfen werden, bei unseren Schützlingen aus dem- Süden mit demselben Rechte zu rügen sind. Ich habe jedoch inr Süden unseres Reiches vielfach gelebt, roo dieselben Leute im allgemeinen charaktervoll und zuverlässig sind. Woher kommt diese scheinbare Depravierung der Flüchtlinge? Es scheint, daß die WohHabenden und feiner Kultivierten sich überall bald ab sondern und unauffällig in der Masse verschwinden. Was unter den Zurückbleibenden Kraft und Fähigkeiten besitzt, sucht auch alsbald der Unterstützung auszuweichen. bleiben demnach die Schwachen an' Körper, Geist oder Charakter, die keinen Ausweg Missen oder suchen. Und diese sind" nirgends eine Zierde der Menschheit. Dazu kommt, daß der Verlust an Gut und- Habe selbst feste Charaktere ins Wanken zu bringenvermag. Ferner/ daß bei uns im Osten viele — viel zu viele. — wackelige Existenzen von jeher vegetierten, denen der Nährboden für eine 'normale Entwicklung fehlte. (Anm. des Verfassers.)

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