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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-03-30 · 13 (30.3.1917) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
13 (30.3.1917)
Date
1917-03-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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‘Jh. iS Kr. BkoH's MsWen-christ" T«'te »7 nützung der durch den Kriegszustand verursachten außerordentlichen Verhältnisse für diesen Reis. übermäßige . Preise gefordert zu haben. Der Anklageschrift ist weiter zu entnehmen: Im Oktober v. I. langte bei der. k. k. Staatsanwaltschaft in Reichenbergern namenloses Schreiben des Inhalts an, daß der Beschuldigte unverschämten Lebensmittel Wucher dadurch treibe, daß er für ein Kilo Reis Kr. 2.80 fordere. Die daraufhin vom Gerichte angeordnete Bestandsaufnahme ergab, daß der Angeklagte ein Lager von insgesamt 67,580 Kilogramm Reis besitzt. Die polizeilichen Erhebungen ergaben weiter, daß der Beschuldigte im Juli 1915 von der Firma Nathan Eisler in Kolin 13,000 Kilo spanischen Reis zum Preise von 200 Kr onen für 100 Kilo erworben und im September desselben Jahres diesen Reis um 204 Kronen für 100 Kilo der Firma rückverkaufte. Ferner hat er am 28. Juli 1915 von der Firma Anton H o f f - mann in Reichenberg 11 Ballen Bruchreis um 172 Kronen für 100 Kilo gekauft und um 180—190 . Kronen an mehrere Kaufleute weiteroerkauft. Im November 1915' langte ein zweites namenloses Schreiben bei der Staatsanwaltschaft ein, daß der'Beschuldigte 13 Waggon Reis an Jungbunzlauer Kaufleute Wiederholt verkauft und Wiedergekauft habe, um durch diese - Schiebereien den Preis.' auf eine übermäßige Höhe zu treiben. Die Erhebungen.in dieser Richtung blieben jedoch ohne Erfolg. Aus weiteren gerichtlichen Feststellungen ergab sich, daß der Beschuldigte in der Zeit, vom 15. September 1914 bis 28. Juli 1915 206,600 Kilo Reis zum Preise von 152,672 Kronen von spanischen Händlern aufgekauft und nach dem Urteil der Sachverständigen diesen Reis zu den verschiedensten Preisen an Zwischenhändler weiter abgegeben habe, wobei er Zuschläge zum Einkaufspreise von 3 85 Prozent bis 59 45 Prozent, bezw. bis 109 Prozent, ja bis 131 Prozent in den Jahren 1914 und 1915 berechnete. Der Beschuldigte rechtfertigte sein Vorgehen damit, daß es unter Kaufleuten üblich sei, den Verkaufspreis einer Ware nach dem jeweiligen Monatspreise zu bestimmen und er habe gleichfalls diesen Grundsatz befolgt. .Er gab sine ausführliche Darstellung.der Gestehungskosten des Reises, um >nachzuweiscn, daß sein Gewinn kein übermäßiger sei. Nach durchgeführtem 'Beweisverfahren erkannte der Gerichtshof den Angeklagten der P reistreiberei schuldig und verurteilte ihn zu drei Tagen Artest, verschärft durch eine Faste, und 20,000 Kronen oder 20 Tage Arreft Nebenstrafe. Der Verteidiger des Angeklagten Dr. Turnwald meldete gegen das Urteil die Nichtigkeitsbeschwerde an. JDische Aerzle in Bagdad. Budweis, 24. Mä-Z 1917. Geehrte Redaktion! Zu dem Artikel über jüdische Aerzte in Bagdad erlaube ich mir zu erwähnen, daß der zweite Gatte meiner Mutter, der im Jahre 1911 verstorbene Herr Dr. Bernhard Beck durch fünf Jahre (1872—1877) in Bagdad als Oberphysikus wirkte und sich insbesondere bei der Pestseuche besonders hervortat. Als er von Bagdad schied, wandelten die Einheimischen noch tagelang am Ufer, um Dr. Beck noch auf dem Schiff erblicken zu können, das ihn Tigrisaufwärts führte. Dr. Beck machte sich auch um den österreichisch-ungarischen Handel verdient, indem, er regelmäßig Berichte an den Generalkonsul Zwiedenek-Südenhorst nach Beirut sandte. Hiefür wurde ihm das Honorarkonsulat kn Bagdad und der Franz Josefs-Orden angeboten, was Dr. Beck bescheiden ablehnte. Herr Dr. Beck nahm .sich auch den damals gedrückten Glaubensgenossen an und gründete mir Unterstützung Cremiaur und Baron Hirsch eine Schule. Den bezüglichen Briefwechsel habe ich vor drei Jahren in der „Jüd. Volksstimme" veröffentlicht. Von der „All. Jsr." erhielt Dr. Beck ein von Cremiaur gezeichnetes Diplom. Hochachtungsvoll ' / Dr. Hans Fischl. Mein Besnch m der Kriegs», aisenanstatt in Ernsdorf. Von Ignatz Danziger, Bureauleiter der Landeszentrale für Rettung der Israel. Kriegswaisen in Galizien. Das Zentrum der Israel. Kriegswaisensürsorge ist Ernsdorf bei Bielitz. Es befindet sich dort eine Kriegswaisenanstalt und einige Kriegswaisenkolonien, in denen zusammen zirka 200 israel. Kriegswaisen untergebracht sind. Ich hatte einige .Kriegswaisen aus West-Galizien in die Ernsdorfer Erziehungsanstalt zu bringen. Um 3 Uhr nachmittags kamich in . Bielitz an. Am Perron erwartete die Kinder die Präsidentin des Bielitzer israel. Frauenvereines ' Frau R i e feu feld und führte die Kleinen in die schönen Räume des Frauenvereines, wo uns Rabbiner Dr. Steiner samt Gemahlin erwartete. Butterbrot und heißer Tee mit Milch, an dem!sich'die Kinder erwärmten, wurden mit ersichtlichem Appetit gleich verzehrt. Wir hatten seine Verbindung mit Ernsdorf erst um! 9 >Uhr abends und da die Kinder schläfrig und von den Reisestrapazen ermüdet waren, stellte uns der Bielitzer Philanthrop Herr Sim achowicz zwei schön« Schlitten zur Verfügung, um die Kinder auf diese Art schnellstens nach Ernsdorf 31t verbringen. Herr Simachowicz. Rabbiner Dr. Steiner und ich begleiteten die Kinder. Wir hatten eine herrliche Fahrt. Die Kinder waren in warme Tücher gehüllt, da die Temperatur IO" C. unter Null war. Ich bin zwar kein Dichter, aber der Anblick der mit Schnee bedeckten Berge und Wälder, die Ernsdorf umgeben, versetzte mich in eine schwärmerische Stimmung. Meine Gedanken weilten bei der Waisenanstalt, deren Konturen schon sichtbar waren. Wie glücklich, dachte ich mir, sind die armen verlassenen Kinder, die aus den dunkelsten galizischen Nestern herausgerissen, eine ozonreiche Gebirgsluft hier einatmen können, uni ihren von Schmer und Elend geschwächten Körper zu erquicken. Stach einer dreiviertelstündigen Fahrt gelangten wir vor das Waisenhaus. Ein großes einstöckiges Haus, mit einem schönen Garten, einem Joch Feld und einem dazu gehörenden großen Nebenhaus, bilden die Simachowicz- Waisenstiftung, die nach den modernsten Grundsätzen der Hygiene und Pädagogik gebaut und eingerichtet ist. Im Parterre befinden sich drei große Säle, und zwar ein Unterrichts!aal, em Spielfaal, welcher zugleich, als Betsaal eingerichtet ist, ein Speisesaal und außerdem eine große Küche. Im ersten Stock sind zwei riesige sonnige Schlafsüle, deren Fenster auf die Berge hinausgehen, ein Zimmer für den Präfekten, ein Waschraum, Earderobennraum Md ein Putzraum. Für den Anstaltsleiter stehen drei schöne Zimmer und Küche zur Verfügung. Oben und unten sind englische Klosetts eingeführt. Im Nebengebäude befinden sich Stallungen, ein schönes, modern eingerichtetes Dadehaus, eine Waschküche, ein Dienstbotenzimmer und ein Jsolierraum. Die Entstehungsgeschichte dieser Waisenanstalt ist folgende: Herr Bertold Simachowicz, der Besitzer einer Dampfbäckerei in Bielitz, schenkte dem verdienstvollen Bielitzer Frauenverein anläßlich dessen 50 jährigen Jubiläums das Gasthausgebäude in Ernsdorf. Dem durch den Frauenverein gegründeten Waisenfonds flössen reichliche Spenden zu, so daß an die Realisierung des langgehegten Wunsches betreffs die Gründung eines Waisenhauses gedacht werden konnte. Diese Stiftung konnte jedoch erst bann zustande kommen, als der Verein zur Rettung der verlassenen Kinder Galiziens und der Bukowina seine Kassa opferwillig öffnete und den Umbau des ganzen Hauses und dessen ganze Einrichtung, wie auch die Erhaltung der darin zu unterbringenden Waisenkinder auf sich nahm. Also der Herr Simachowicz und der Wiener Verein, der sich in Galizien unsterblich gemacht hat, indem er. hierzulande einige zweckentsprechende Waisenhäuser gründete, Unterstützungsbeiträge den durch den Krieg verunglückten Eltern gewährt und zirka 200,000 Kronen an Kleidungsstücken für arme Kinder verausgabte, haben dieses schöne Werk, dessen Wirkung sich noch nach Jahrzehnten gellend machen wird, zustande gebracht. Dem Kuratorium der Simachowicz-Stiftung gehören an: Vom israel. Frauenverein: Frau Sophie Riesenseld als Präsidentin, Berta Goldschmied, Hedwig P 0latschek, Vizepräsidentin Frau Dr. Berta Steiner und der Sekretär des Vereines Dr. O. Schanzer; von der israel. Kultusgemeinde: kaiserl. Rat Sal. P 0 l l a k als Präsident, Heinrich H e i l p e r n, Ludwig Langfelder,. Dr. Julius Schmetterling und als Sekrekooptiert Philipp Feiler; vom israel. Humanitätsverein „B'nai- B'rith": kaiserl. Rat Prof. Dr. F e u e r st e i n als Präsident Jakob S ch a n z e r, Sigmund -Wachtel und JaL>b Werber. In das engere Komitee des Kuratoriums wurden einstimmig gewählt: als Obmann Se. Ehrwürden Dr. Markus Steiner, Stellvertreterin Frau Sophie Riesenseld, ökonomischer Verwalter Herr Berthold Simachowicz, Kassiererin Frau Rosalia Tisch und Sekretär Herr Philipp Feiler. Besondere Fürsorge widmen der Waisenanstalt der edle Gründer Herr Simachowicz und Rabbiner Dr. Steiner, der nicht nur für die geistige Pflege der Zöglinge, sondern auch für die Approvisionierung der Anstalt sorgt. Ferner erwarben sich besondere Verdienste um die Anstalt: Frau Rabbiner Dr. Steiner und Frau R i e s e n f e l d. Zum Leiter des Waisenhauses wurde der Karlsbader Religionslehrer Herr Simon Thieberger ernannt. Die Zöglinge besuchen die Ernsdorfer öffentliche Volksschule. Die Waisenkolonien, die unter der Leitung der Frau Gol d - färb stehen, umfassen fünf Villen. In jeder Villa befinden sich einige 20 Waisen. Die Einteilung wurde auf Grund des Mters und der intellektuellen Entwicklung der Kinder durchgeführt. Jede Abteilung hat ihren Lehrer oder Lehrerin. An dem Handfertigkeitsunterrichte nehmen fast aUe älteren Kinder teil.. Die Fachlehrerin Frau Wiesen hat hier außergewöhnliche Resultate erzielt. Die Kinder verfertigen aus Holz und Pappendeckel wahre Kunstsachen. Eine aus Holz geschnitzte Landschaft wurde für 100 Kronen verkauft. Die Kinder schnitzen,'klopfen und sägen mit wahrer Freude und hängen mit zärtlicher Liebe an ihrer Lehrerin. Sie lernen polnisch und . deutsch laut dem Plane der pierklassigen Volksschule, auch wird ihnen'der Unterricht in der hebräischen Sprache erteilt. Da einige Knaben m der Heimat Talmud gelernt haben, erteilt ihnen der Religionslehrer am Bielitzer Gymnasium, Herr Dr. B «r k 0 w i c z. »inmal in der Woche auch den Talmuduntorricht.

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