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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-03-16 · 11 (16.3.1917) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
11 (16.3.1917)
Date
1917-03-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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! <Sette m Nr. 11 Gr. MMettWrift' Mm.. Die vornf. JE. n.-ö, LandesschiulraL konzessionierte Schule für Kinder ausländischer Staatsangehöriger - wird, im - Laufe der nächsten Woche eröffnet. Die Mn- "Mreibungen finden Sonntag, den 18: März 1917. von 9—llUhr vormittngs> 2. Bezirk, Malzgasse 16, statt.. Mitzubringen sind: Geburtsschein, Paß, Jmpszeugnis,> Schulzeugnisse. Die Schulleitung. Marienberg. (Lebensrettungstaglie.) Der Landespräsident in Schlesien hat dem Schüler der Handelsschule in Marienberg bei Mähr.-Ostrau Donath Grün da um für die am! 16. August 1916 mit eigener Lebensgefahr bewirkte Rettung eines Knaben vom Tode des Ertrinkens die gesetzliche Lebensrettungstaglie zuerkannt. . i Entlehnungen aus dem Jiddische« i« fremde« Sprache«. Don Matthias Mieses. Gewöhnlich wird nur die sprachliche Passivität der Juden ins Augenmerk gefaßt und nur von linguistischen Bestandteilen gesprochen, die die Juden bei anderen Völkern erborgt haben. An das Umgekehrte denken die wenigsten. Der Tatsache, daß auch die Juden -eine gewisse sprachliche Aktivität - entfalteten und fremde große Nationen von ihnen Vokabel entlehnten, ist sich selten jemgnd bewußt- . In erster Reihe kommt das deutsche Volk in Betracht. Zur Zeit der BWe der jiddischen Sprache auf ethnographisch-deutschem Sebiet führte dieselbe kein hermetisch abgesperrtes, isoliertes Dasein. 'Jüdisch-deutsche Literaturwerke wurden von Christen oft gelesen und ins Hochdeutsche übertragen, Lehrbücher der jüdischen Sprech- und Schreibweise fanden in jener Zeit starken Absatz. . Cs sind solche vom! 16.—18. Jahrhundert nicht weniger als fünfundvierzig Publikationen erschienen?) Für Jüdischdeutsch interessierte sich kein geringerer als der Dichterfürst, von Weimar, Johann Wolsgang v. Goethe, er verwendete sogar Jiddisch! selber literarisch. Nicht umsonst stand seine Wiege in Frankfurt am Main. Goethe schrieb in seiner Jugend eine Judenpredigt in jüdischfdeutscher Sprache und in seinem siebensprachigen Jugendroman, in welchem sieben Brüder in sieben Sprachen korrespondierten, erwählte sich! der jüngste Bruder die jüdischdeutsche Sprache zu Korrespondenzzwecken. Um den jüdischen Dialekt der damaligen deutschen Juden richtig und gründlich! zu verstehen, wandte sich Goethe sogar dem Studium der hebräischen Sprache, zu.-) Sprachen, die miteinander in -Berührung kommen, können nicht umhin, ohne einander zu beeinflussen. Die jüdischdeutsche Mundart verfehlte nicht, nach Analogie so manches anderen fremden, sogar landessernen Idioms, Vokabel dem deutschen Wortschätze beizusteuern. Lehnworte aus dem Jiddischen sind bei den verschiedensten deutschen Autoren anzutreffen. Gottfried August Bürger, einer aus der Phalanx der großen deutschen Dichter der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, dichtet an einer Stelle „die Pastores schreien ... wir . 'gehen kapores"?) F. Ch. Laukhard, ein tüchtiger, 9 B. Borochow: Jüdisch-philologische Bibliothek in Pinkas. Wilna 1912. 2) ,Ludwig ^Geiger: Goethe und die- Juden. In der Zeitschrift für jüdische Geschichte in Deutschland. I, 32. 3)!©. A. Bürger: Die Weiber Uön Weinsberg. Sämtliche Gedichte. Verlag Hempel, Berlin, 66. 7eigenartiger Memvirenschreiber aus derselben Zeit,, hält so manches für „schpfel" uUd erzählt von. solchen, die nach dem hohen Glücke schnappen. . . W Warrlchen zu ganfen (— ein Bnfferl zu stehlen)?)s-»Dex^beliebte Pastor-Lyriker Mörike sang im-.19, Jahrhundert von einem, der „kam von der Synagoge warm,- hätte Buch und Täfle in (— Tefilin)- irnterm Arm"?) Der »moderne Bernhard Kellevmann spricht von „Bauernkaff ern" (Kafri Bauer)?) Otto Julius Bierbaum berichtet von einem, „der wollte michutze n"?) Die Baronin Handel-Mazetti läßt „flöten (= pleite) gehen"?) In einer deutschen llebersetzung eines Strindbergschen Buches lesen wir von einem Studenten, „der hatte Moos (Maoth — Geld) bekommen"?) In einer vor ein paar Jahren erschienenen Geschichte Napoleons hören wir von einer Person, „aus dem Dalles ist sie .nicht herausgekommen"?o) Neulich erschien ein Roman von Meyring mit dem jüdischchebräischen Titel: „Der Golem". Dieser Ausdruck wurde literaturfähig noch im Zeitalter der Romantik. Gegen „Miesmacher", die mit ihrem Pessimismus die Stimmung verderben, wurde in den letzten Jahren, speziell im Reiche, oft in den Journalen gewettert. Jüdischsprachliche Ingredienzien sind auch bei Heinriche Heine wiederholt zu finden, aber ausschließlich dort, wo es sich ihm absichtlich um jüdischen Lokalkolorit handelte, so in den hebräischen Melodien" wie auch im „Rabbi von Bacharach". Heine wiedergibt zuweilen für die jüdische Mundart charakteristische Worte in falscher, mißverstandener Form'. Heine schreibt im „Rabbi von Bacharach" „Glimmgold". Gold kann, aber nicht glimmen, nur höchstens glänzen. Heines Glimmgold geht auf das jüdische „Gimgold" zurück,- das wieder mittelhochdeutschen Ursprungs ist. „GimMe" bedeutet im Mittelhochdeutschen Edelstein, Juwel (aus dem lateinischen Worte gewitia und wurde auch kombiniert „gyld gimme"?i) Heine war sonst, wo es ihm auf bewußte Tendenz nicht ankam, jeder jüdischen Sprachtradition bar, ein richtiger deutscher- Dichter mit ethnisch-rheinländischem Anllang. Der nationalistische, den Juden nichts weniger als gewogene deutsche Historiker Heinrich Treitschke schreibt über Heine: „. . . . Heine ist in feiner Sprache, wie alle unsere großen Schriftsteller, nicht ohne einen landschaftlichen Anklang. Wie Goethe den Franken, Schiller den Schwaben nicht verleugnen kann, wie Lessing und Fichte, so grundverschieden unter sich, doch beide unverkennbare Obersachsen sind, so zeigt sich Heine, wo seine Kraft rejn zutage tritt, als Sohn des Rheinlandes."i2) __(Fortsetzung folgt.)? Kriefkaste«. XVIII/3. lleber das Buch von Meyrink „Der Golem" ist ein Artikel im Feuilleton der „Oesterreichischen Wochenschrift" Nr. 10, 1917, erschienen. Amerika. Die Ausstreuung deutschnational-antisemitischer Skribenten, - wonach der amerikanische Präsident Wilson sowie der englische Minister Lord George Judenstämmlinge wären, ist natürlich aus der Luft gegriffen. t»ie brauchen sich darüber nicht.zu ’4 5 6 7 * 9 * * 12) F- CH. Laukhard: Leben und Schicksale, I, 205, 124. 5) Mörike: Erzengel Michaels Feder, II. Gedichte, Verlag Helios, I, 172. . > 6) B. Kellermann: Jngeborg, 149. Verlag Fischer, Berlin. 7) Otto Julius Bierbaum: Mil der Kraft-Antomobilia> 247. Berlin 1906. 7 9 E. *>. Handel-Mazettir Jesse und Marie, 11^ 118. Kempten und München 1907. ■ - 9) August Strindberg: Aus dem lateinischen Viertel, 27, übersetzt von Siegfried Robert Nagel. Breslau 1901. P. Fritz: Das Zeitalter Napoleons, 326. u) M. Lerer: Mittelhochdeutsches Wörterbuch, I, 1017. Leipzig 1672. 12) H. Treitschke: Ein Wort über unser - Judentum. 23. Berlin 1880. . / ' - .

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