Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-03-09 · 10 (9.3.1917) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
10 (9.3.1917)
Date
1917-03-09
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022248-3022259--25839-3051164
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 160 Blüch'S hast» eine schwarze Binde lim die Stillt, die Augen ohne Wels; und ohne - Pupillen. — fast wie Schlünde". — „Die schwarze Binde um die Stint gilt im Oriente als sicheres Kennzeichen des „Ewigen Juden".. Angeblich , soll er damit ein flammendes Kreuz. verhüllen, dessen Licht immer Wieder sein Gehirn verzehrt» wenn dieses bis zu.. einem gewissen Grade der Vollkommenheit nachgewachsen ist." In dieser unserer Zeit, in der soviel über Juden und Judentum, fast allzuviel und natürlich auch nicht ganz richtiges, weil gehässiges Zeug geschrieben und geredet wird, interessiert es uns auch, .in dem Gespräche zwischen Hauberisser und Baron Pfeill zu hören, wie' Meyrink von der Krankheit unserer »Zeit nicht ganz verschont geblieben ist, wenn er Pfeill aus die Frage, was »er von den -Juden -überhaupt halte, antworten läßt: „Durchschnittlich sind sie wie Raben ohne Federn. Unglaublich listig, schwarz, krummer Schnabel, und können nicht fliegen. Aber zuweilen kommen Adler unter ihnen vor, das ist keine Frage. Zum Beispiel Spinoza." Hauberisser fragt: „Du bist also nicht Antisemit?" Darauf Pfeill: „Fällt mir nicht im Schlafe ein. Schon deshalb nicht, weil ich die Christen für zu wenig wertvoll halte. Man wirft den Juden -vor, sie hätten keine Ideale. Jedenfalls haben die Christen nur falsche.... In Glaubenssachen sind mir die Juden zuviel Talmud, die Christen zu sehr Talmi." Kein übles Wortspiel mit einem Körnchen, nein,. Korne Wahrheit. — „Glaubst Du", fragt Hauberisser, „die Juden haben eine Mission?" Darauf erwidert Pfeill: „Freilich! Die Mission, sich selbst zu überwinden. Alles hat die Mission, sich selbst zu überwinden." . Mögen wir nun auch nicht mit allen diesen allgemeinen Bemerkungen einverstanden sein, eines können wir nicht leugnen, vieles können die Kinder unserer Zeit aus diesem vom hohen sittlichen, weil allgemein menschlichen Standpunkte, geschriebenen Buche lernen und wir raten es ihnen, es mit dem Ernste zu lesen, mit dem es geschrieben ist. Es wird auf viele Entgegnungen von unserer Seite stoßen, wenn wir etwa lesen: Dr. Sephardi sagt: „Ich kann als Jude von dem -Gott Meiner Väter, nicht weg." Diesen Satz wird jeder Jude billigen und unterschreiben. Wenn er aber dieses Wort damit begründet, daß er ausführt: „Die Religion der Juden ist in ihrer Wurzel eine Religion selbst gewählter und absichtlicher. .Schwäche, ist ein Hoffen auf Gott und das Kommen des Messias", so möchten wir darauf erwidern: Gerade darin.sehen wir unsere Stärke und sahen sie immer, sei, es zu Moses: Zeiten, sei. es im 11. . Jahrhundert, da Sephardis Wne, wie er ihn nennt, Salomon Eebirol fein Buch „Mekor Chajjim" (Meyrink schreibt „Megür Hayyim") verfaßte, . sei es heute. .. Doch genug. Wir wollten Meyrinks Werk nicht abschreiben. Es hatuns mit Freude,-mit Genugtuung erfüllt. Als wir es zu Ende gelesen hatten, - lasen wir es wieder. Und es hat uns jetzt erst tief ergriffen. Menschen, wie Dr. Sephardi und der Chassid Eidotter,- lassen uns am Judentum nicht verzweifeln. „Ein Quell' des Lebens" ist das Judentum, ein unerschöpflicher, das haben wir aus diesem 'Buche wieder gelernt. All«; haben sie aus ihm geschöpft, nur wollen sie es nicht zugestehen. Es ist ein vorurteilsloser Betrachter der-Dinge der Ewigkeit, der dieses Buch geschrieben hat, ein großer Dichter, das ist ein wahrer Mensch. Dr.M. Grün seid, Brünn. Auszeichnung des Dichters der „Könige". Kaiser Wilhelm hat dem Dichter des Schauspiels „Könige", Dr. Hans Müller, den -.er während seines letzten Wiener Besuches zu sich in die Hofburg kommen ließ, sein Bildnis gewidmet, dem eine Zuschrift des Generaladjutänten mit folgendem Inhalt beiläg: Seine Majestät lassen Ihnen beifolgendes kleines Bild zugehen mit der besonders für Sie vollzogenen Aufschrift. Es istein Bild von Adam, im Dezember 1915 nach dem Leben gezeichnet. Seine Majestät hofft, hiermit dem Dichter der „Könige" eine kleine Freude zu bereiten." — Die an dem Bilde angebrachte Aufschrift, die Kaiser Wilhelm an seinem diesjährigen Geburtstage niederschrieb, .lautet: »„Ein Reich, ein Volk, ein Gott! 1915/17." Kaiser Wilhelm hat, wie man erfährt, „Könige" im Bühnenmanuskript gelesen. Inzwischen war das Stück wegen der Gestalt hes Grasen von Zollern in einigen deutschen Bühnen verboten worden.. Generaladjutant von H Ll sen, - der „Könige-".- aüffüh- Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Dr. Jose Wochenschrift" Nr. io reu wollte, wandte sich wegen, dieses. Verbotes mit'-cimyii .Immediatgesuche an den Kaiser und ersah dann aus dein Briefe des Monarchen, daß der Kaiser das Stück schon längst gelesen habe und der Berliner Aufführung das - wärmste Interesse entgegenbringe. Der Kaiser hatte auch in seinem Briefe praktische Ideen zur Inszenierung.im Königlichen Schaüspielhause skizziert. Der Dichter erhielt kürzlich die Mitteilung, daß deutsche Soldaten in einem englischen Gefangenenlager das Stück mit selbstangefertigten Dekorationen und Kostümen aüfführten. Hans Müller, von dem im Frühjahr ein Prosabuch „Die Kunst, sich zu.freuen", erscheint, ist' gegenwärtig mit einem in Klinikerkreisen spielenden Schauspiel „Arbeit" und einem Drama „Die, Sterne" beschäftigt, das in einer historischen Persönlichkeit die Weltanschauungskämpfe einer weit zurückliegenden großen Epoche widerspiegelt. Das soeben erschienene Februarheft der „Moriah", Monatsschrift der jüdischen.Jugend in polnischer Sprache, ist zum größten Teil Achad Haam gewidmet und enthält folgende Artikel: „Ein Gruß an Achad Haam" von Dr. Osias Th an „Die Bedeutung Achad Haams für die hebräische Literatur" von Dr. Ehaim Tartakower, „Achad Haam und der. heutige Zionismus" von Dr. Wilhelm B e r k e l h a m m e r, „Lo seh haderech" vor; Dr. Josef Tennen bäum, eine genaue Besprechung des Achad Haam-Heftes des Juden und eine Uebersetzung des bisher nicht übertragenen Aufsatzes von Achad Haam: „Hahinuch hal'umi" (Die nationale Erziehung). Daneben bringt das Heft den Anfang eines größeren Aufsatzes von N. M. Gelber: „Heber die neue Organisation der Judengemeinden in Polen" und die Fortsetzung der sehr interessanten Abhandlung von Dr. Ignaz Schipper: „Das polnisch-literarische Judentum und Palästina". Ein Beitrag zur Geschichte der roniantischen Epoche im Zionismus. Die Rundschau . enthält eine kritische Besprechung der deutschen Zionistenkonferenz und ein Referat über die bisherige Tätigkeit ,der „Jüdischen Toynbee-Hallc" in Krakau. Kriefkafterr S. Der 3. Juni 1820 war Samstag, den 21. Siwan 5580. „Raitz", Der Umfang -des Blattes gestattet nicht den weiteren Abdruck sämtlicher Auszeichnungen jüdischer Soldaten im deutschen Heere. Eine »Ausdehnung des Umfanges verbietet der Mangel an Papier während dieser Kriegszeit. Wir müssen uns deswegen auf die Notierung der Kriegsauszeichnungen im österreichischen Heere beschränken. M. B. N. K. k. Genie-Direktion ist die Direktion der technischen Truppen. — Transenen (Durchzug). — Transenen-Abteilung — Durchzugsabteilung, in welcher jeder einrückende Soldat und jeder von der Front heimkehrende notiert und registriert wird. K. F. Die Schiffgasse soll also ihren historischen Namen verlieren und nach dem christlichsozialen „Hochedlinger" benannt werden. Der verstorbene. Hochedlinger hat sein. Haus Untere Augartenstraße 9 der 'Stadtgemeinde Wien überlassen unter der Bedingung: „Das Haus dürfe nur an einen Christen verkauft werden." Notiz. Jüdische Bühne. Direktion S. P o d z a m c z e, 2. Bez., Taborstraße 12 (Hotel Stefanie). Woche n-Progr am m : Freitag, den 9. .März, abends 7 Uhr: „Der II. Haman", Lebensbild in vier Aufzügen. Samstag, den 10. März, nachmittags 3 Uhr: „Königin Esther", Operette in vier Auszügen; abends halb 7 Uhr, Neu, zum erftenmale: „Der Traum des Reservisten", Lebensbild in vier Aufzügen von A. Meisels. Sonntag, den 11. März, nachmittags 3 Uhr: „Der Tate hot die Mame genemcn", Lebensbild in vier AuMgen; ahends halb 7 Uhr: „Der Traum des Reservisten", Lebensbild in vier Aufzügen von A. Meisels. Montag, den 12. März, abends 7 Uhr: „Die Jüdin". Drama in vier Aufzügen. Dienstag, den 13. März, abends 7 Uhr: „Abele Aschkenase", Lebensbild in vier Auszügen. Mittwoch. den 14. März, abends 7 Uhr: Eordin-Abend: „Der jüdische König Lear" von Gordiu. Donnerstag, den 15. März, abends 7 Uhr: Ehrenabend des Herrn A. Meisels: „Der Traum des Reservisten". mnrd pb'fcn. nws - rrh'zz nrnn .'■bo - nuw- C’-iSD fs-HK-r JTTS - DTT^B - Kriegshagadah p|D£ 2.50 Jüdischer Buch- und Kunstverlag Wien, Vlil., LercHengasse 6 a. S. Bloch — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VII.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.