Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 10 (9.3.1917)
- Date
- 1917-03-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. io Dr. Bloch's Prüfmlgssval begrüßte Rabbiner Dr. Diamant als Leiter der Schule die Gäste. Oberlehrer Theodor Landau nahm eine Prüfung der Zöglinge vor, die sich aus deutsche Sprache, Rechtschreiben, Mathematik, Geographie. Geschichte und Literaturgeschichte erstreckte. Die Antworten der Flüchtlingskinder zeigten, daß dieselben seit der kurzen Zeit des Bestandes dieser Schule geradezu großartige Fortschritte erzielt haben. Den Beschluß bildete die Aufführung des echt patriotischen Einakters „Oesterreichs Fahnen" der mit Absingung der Volkshymne schloß. Herr Obmann B u r - bäum dankte den Erschienenen für das an den Tag gelegte Interesse, insbesondere Herrn Bezirkshauptmann Dr. Ritter v. B r e ch l e r, an den er die Bitte richtete, den Anstalten und Bestrebungen des Hilfskomitees »auch weiterhin das bisher in so reichem Maße bewiesene Wohlwollen bewähren zu wollen. Herr Bezirkshauptmann Dr. Ritter v. B r e ch l e r sprach Herrn B u r - bäum seine Anerkennung aus über das Gesehene und bewunderte besonders die Lernerfolge der Kinder, die umso höher einzuschätzen seien, als es sich um Flüchtlingskinder handle, die hier .in einer ihnen zumeist noch unbekannten Sprache unterrichtet wurden. Er dankte auch Herrn Rabbiner Dr. Diamant und dem Herrn Oberlehrer Landau (einem bekannten tüchtigen Schulleiter der Baron Hirsch-Stiftung) für ihre erfolgreiche Mühewaltung sowie auch den übrigen Mitgliedern des Hilfskomitees, den Herren: Apotheker Leon Brauner, Semi Hirsch, Berthold Springer und Josef F i e r. für ihre segensreiche Tätigkeit im Dienste der Humanität und sprach insbesondere Frau Frieda Bvrbaum seine .herzlichsten Glückwünsche aus zu dem schönen Erfolge, den sie mit der .Flüchtlingsschule und den anderen Anstalten im „Emilienhof" zu verzeichnen habe. R. R. Jose sine Mendl-Wohlsah rtshans. Die Purimseier für Mehr als 300 arme Kinder der Brigittenau, die weder die .Kinderhorte noch die Baron Hirsch-Stiftungsschule besuchen können, findet Sonntag, den 11. März 1917, statt. Die Ansprache hält Herr Professor .Kühner. Beginn 3 Uhr. Wien, den 6. März 1917. Für das .Komitee: Karl Freu n d. Austritte aus dem Judentum. vom 2b. Februar bis 3. März 1917. '■ Fischel Melanie, geb. 12. November '1887, Wien, 13. Bez., Lainzerstraße 2. Hahn Johanna, Schneiderin, geb. 24. April 1895, Wien, 16. Bez., Heindlgasse 6. Herzig Julius, Bäckerlehrling, geb. 22. Februar 1902, Wien, 16. Bez., Effingergasse 38. Ornstein Sidome, Beamtin, geb. 14. November 1878, Wien, 3. Bez., Untere .Viaduktgasse 41. Nager Friedrich Dr., Reserveleutnant, geb. 26. März 1890, Wien, 1. Bez., Gonzagagasse 1. Sonnenthal Paul Ritter >v., k. u. k. Oberleutnant i. d. R., geb. 15. März 1891, Wien (laut Zuschrift der?. u. k. politischen Erpositur Dorna-Watra). Suschitzki Rudolf, Kaufmann, geb. 18. Januar 1887, Wien, 3. Bez., Hyegasse 4. _ Nationale Union für Jüdische Rechte. Die Londoner „National Union for Jewish Rights" hat in ihrer Generalversammlung Anfang Januar Herrn Oberrabbiner Dr. Ga st er zu ihrem Präsidenten gewählt. Wer weiß? Chajem Faß aus Janvrv bei Lemberg (Galizien). Kriegsgefangener in Rußland, sucht seine Frau Schwindel Faß; Moses Feierstein aus Podyajce bei Brzezany, Kriegsgefangener, sucht seinen Vater Aron Hersch, Feierstein; Jone Goltz aus Bojanezick, Bezirk Zastawna (Bukowina), derzeit beim Militär, sucht seine Frau Razy oder Regina Goltz, soll im Juni 1916 geflüchtet jsein. Zuschriften an Jone, Goltz, bei Hersch Elaubach, Flüchtling, in Kratenau bei Königgrätz (Böhmen). Der schwarte Fuchs. Von Emerich <^abo. Autorisierte Uebersetzung aus dem Ungarischen von Romulus Kaeser. Am vergangenen Purimseste hatte ich sonderbare .quälvolle Visionen. Im Rauche Meiner Zigarette, in Wochenschrift" Scftc 157 dem sich am Fuße der Ofner Berge hinziehenden liebet sah ich meinen Bnkowinaer Freund, den Reserve-Landsturmer Jehuda Tobak. Ich flüchtete in den Tempel, um die lehrreiche, moralische Geschichte Esthers und Mordechais anzuhören. Doch das war bloß ein Vorwand, die eigentliche Ursache war, daß ich vor dem vorwurfs!- vollen Blicke Jehuda Tobaks flüchten wollte. Vergebens, er begleitet mich auch hierher. Ich sehe ihn in den Blicken eines anderen Landstürmers, der neben mir steht und andächtig die melancholisch akzentuierten Gesänge verfolgt. Ich fühle, als näherte er sich mir. Und doch steht er dort unbeweglich ans feinem Platze, das Kinn in die Hand gestützt und voller-Andacht-den'Vorgängen des ersten Purim folgend. Wohin, wohin sollte ich vor chm flüchten? Er folgt mir auf die Straße, bleibt mit mir vor der Auslage stehen, die ich traumverloren betrachte, sein Auge starrt Mir aus dem Spiegel entgegen: das Auge Jehuda.Tobaks, meines Freundes, den ich in der Bukowina kennen gelernt. Und dieses Auge ist voll Vorwürfen, voller Kummer. Wohin soll ich flüchten, wo die heitere närrische Faschingsstimmnng suchen? ... * * * Es war noch in der ersten Phase des Krieges, zur Zeit des ersten Karpatheneinbrnch.es der Russen. Der Feind war ohne Widerstand in die Maramaroser Berge eingedrungen; die Bevölkerung nahm erst in den letzten Minuten wahr, daß die Katastrophe herannähe, und konnte nur mit Mühe, unvorbereitet, flüchten. Die Gattin und das dreijährige Töchterchen des Landstürmers Je- - huda Tobak konnte in Bilin noch mit Mühe auf den letzten von Körösmezö abgegangenen Zug enchorklettern. Auch etwas Gepäck konnten sie mitnehmen, ganz wenig, nur soviel als sie auf der Fahrt benötigten. Die Frau wollte nach Nagykaroly sichren, um in einem nahen Dorfe ihre Eltern aufznsuchen. Diesem letzten Zug widerstieß aber das Unglücks daß der Feind ihn zwischen Räho und Jamaba unter Kanonenfeuer nahm. Der Lokomotivführer trachtete, mit vollem Dampf aus der feindlichen Zone hinanszukommen und stieß vor Bisovölgy mit einem mit müßiger Geschwindigkeit dampfenden Lastzüge zusammen. Der Zusammenstoß führte zu einer fürchterlichen Katastrophe: die Reisenden von vier Personenwagen kamen dabei um und ihre Beerdigung konnte nicht vorgenommen werden, da der Feind in diese Abteilung eingedrimgen war und erst rmch einigen Tagen von ungarischen Truppen vertrieben werden konnte. Als diese Künde bei uns eintraf, fuhr ich! nach dem Obertande, wo es damals häufige Zusammenstöße zwischen den Unsrigen und den Russen gab. Es gelang mir, mit dem ersten Zuge auf den Schauplatz der Katastrophe zu gelangen. Die Leichen lagen noch genau so neben den Trümmern, wie die Katastrophe sie betroffen hatte. Ruthenische Bauern Arm in ArM mit bärtigen Juden, Kinder mit ihren Fingernägeln an den Hals von Frauen geklammert, mit dem angefrorenen Schirecken in ihren Gesichtchen, mit weit geöffneten Augen, die um Hilfe zu flehen schienen. Die Kälte hatte die Verwesung der Leichname hintangehalten; bloß die blauen Flecke verrieten, daß es nicht frische Leichen waren. Und in diesem Chaos zwei ganz frische Leichen: Mutter und Kind am Rande der Böschung. Nicht die geringste BlutnnLerlaufung war wahrnehmbar; um die Lippen der Frau spielte ein melancholisches Lächeln, das krausköpfige Mädchen hatte sein Köpfchen auf den Busen der Mutter gelehnt; nur in ihrer festen Umarmung fand