Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 9 (2.3.1917)
- Date
- 1917-03-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette M ' Kr. Bloch'S Kliniken jahrelang nur jüdische Assistenten ängestellt wurden, wie bewahrheitete sich in manchen Fakultäten die Prophezeiung, daß der erste.jüdische Ordinarius in zehn Jahren fünf und mehr andere Juden nach sich ziehe! Die Benachteiligung der Juden im preußeschen Staatsleben ist heute fast schon dem Verschwinden nahe und macht bereits dem Gegenteil da und dort Platz.". Uird sm einer etwas späteren Stelle heißt es: »/Wir sind für Rechtsgleichheit, wie Preuß; aber wir verzweifeln nicht, wenn irgend ein großes politisches Talent jüdischer Rasse heute noch nicht so rasch, wie seine Freunde es wünschen, den für ihn passenden Ministersessel findet. Jedes Jahr verkündet Walther Rathen au wenigstens einmal in der „Neuen Freien Presse", es werde in Deutschland nicht besser, ehe nicht die Leute, wie sie Preuß empfiehlt, mehr in die höchsten Stellen kommen. Ich hätte gar nichts dagegen, wenn Rathenau dieses Ziel selbst erreichte. Ich glaube aber, er hat jetzt dem Staate durch seine Tätigkeit ebensoviel genützt, als wenn er auf einem Ministerstuhle sähe." D-as Aussehen, das diese Ausführungen — weniger durch ihre Originalität als vielmehr natürlich der Persönlichkeit ihres Urhebers wegen — in der Presse machten, veranlaßte Herrn v. Schm oller, ihnen in der Berliner. „Täglichen Rundschau" ein Nachwort zu geben, dessen Betrachtungen mit den charakteristischen Sätzen eingeleitet werden:. „Ich habe zeitlebens mich weder als Philonoch als Antisemit gefühlt. 3% hatte mit meine besten Freunde unter Juden und Aubjuden. Ich suchte immer, mir ein objektives historisches Urteil über die einschlägigen Fragen zu bilden und zu bewahren." Und am Schlüsse stehen die nicht minoer bezeichnenden Sätze: „Die christlichen' Md die jüdischen Nathan-Naturen müssen sich die Hand rechen, um die jüoischen Shylock-Naturen. und den christlichen germanischen Rassenstolz und die althergebrachten Vorurreite, die Säten, die zur Unsitte geworden sind, zu bekämpfen. Dazu wird sicher der Krieg wesentlich beilragen. All derartiges aber braucht Zeit. Ich bin sicher, daß in hundert Jahren das meiste, was die besten Männer auf beiden Serien heure beklagen, beseitigt oder so gemildert ist, wie wir es wünschen müssen. Aber von heute aus morgen lassen sich bestehende Massenüberzeugungen und die entsprechenoen Sitten ncht ändern." v-— - - SelosrversMnolich, daß. er sich nicht versagt, auf „die geschäftliche tteoerlegenhett" des Judentumes, „uno die es oft noch^ und zwar mannigfach durch zweifelhafte Mittel, ausrrützt," ooer auf dem „Wucher auf dem Lande" als Argument Hinzuwei,en, um die wiffenschaftlichen Thesen P reu ff zu widerlegen. Als Kuriosum muß erwähnt werden, daß die Wiener „Arbeiter-Zeitung" die Auslassungen Schmollers von der Beherrschung Berlins durch „semitische Millionäre" ohne jegliche Kritik den Lesern weiterzugeben sich bemüßigt fand. Die Renegaten der „ArbeäeÄZeitung". hätten sich aber erinnern sollen, ^wie S chm oller vor Jahren die Patriarchen des . Sozialismus mit den gleichen Hep-Hep-Argtlmenten abgeurteilt hat. , In seinem „Grundriß der - allgemeinen Volkswirtschaftslehre" hat er Marx und L a s s a l l e, nur. well er der Ansicht ist, daß ohne sie die Arbeiterbewegung in sehr viel weniger extremen Bahnen verlausen wäre§ — „echt jüdische, zersetzende Geister" ^ehrgeizige De-, magogen", „talmudistisch, spintisierende Sozialphilosophen" genannt, «obwohl er selber zugeben mußte, daß sie Leide „zwei wirllich, große Männer" waren. Und von diesen beiden wußte er nichts Besseres und Treffenderes zu sagen, als daß sie ,,beide nationalökonomisch nur aus dem Juden Ricardo fußen". „Nur auf dem Juden Ricardo", damit waren sie für ihn schon erledigt. Daß ein Mann von wissenschaftlichem Range eines Schmoller mit solchen Argumenten arbeitet, ist wohl tief beschämend, jedoch nicht für das Judentum. Daß die Vertreter des Straßenantisemitismus diesen SuKurs des Kathederajntisenritismus sich nutzbar machen, ist wohl begreiflich. Seine offenkundigen Unwahrheiten, wie die „von den fünf und Mehr anderen Juden", die ein jüdischer Ordinarius in einer Fakultät nach sich' zieht, hat natürlich bei der «antisemitischen Preßmeute Jubel erweckt.. Als aber H. v. Ger lach an ihn direkt die Frage richtete: „Wir bitten dringend um eine Statistik der preußischen Universitäten, aus der hervorgeht, wieviel ordentliche Professoren israelitischen Glaubens an ihnen vorhanden sind" — da blieb er die Antwort schuldiig. Herr Sanitätsrat Pros. Dr. Schwalb rückt Herrn v. Schmoller in dem „Offenen Briests hart an den Leib: „Vielleicht haben «Sie, hochgeehrte Erzellenz, davon gehört, daß in den gesamten deutschen medizinischen Fakultäten sich heutzutage kein einziger Jude als Ordinarius befindet (selbst von getauften nur «sehr wenige), was doch wohl weder dem geistigen Anteil der Juden an der medizinischen Wissenschaft, noch dem Prozentsatz der jüdischen Dozenten, noch demjenigen der jüdischen Studierenden, noch «demjenigen der jüdischen Bevölkerung Deutschlands entspricht. Sie äußern «im letzten Satz Ihres Antwortschreibens, die Meinung, man müsse gewisse statistische Tatsachen aussprechen, „damit die Ehristen und Germanen nicht ganz unter den Splitten konrmen." ,Ein eigenes Wort möchte ich in dieser Beziehung hinzusügen. Wir Deutschen erheben mit Recht gegen die Engländer den Vorwurf, daß einer der Beweggründe, die zum Kriege geführt haben, in dem wirtschaftlichen Konkurrenzkämpfe beruht, in welchem die Deutschen ihnen vorangekommen sind. Anstatt ihre Kräfte zu regen und mit gleichen Mitteln den Versuch zu wagen, das verlorene Gebiet wieder zu erobern, auf friedlichem Wege dieselbe Stellung im wirtschaftlichen Wettbewerb wie die regsamen Deutschen zu erringen, hätten die Engländer es vorgezogen, mit Hilfe ihrer Bundesgenossen durch brutale Gewalt ihre Konkurrenten zu Boden zu werfen. Aber in Deutschland selbst tragen Vertreter der kompakten Majorität kein Bedenken, dasselbe Mittel und aus demselben Grunde gegen eine konfessionelle Minderheit anzuwenden und den Juden den Ausstieg in Stellungen zu verwehren, auf die sie nach ihren Leistungen ein Anrecht haben. Jeden wahren Baterlandssreund muß es auf das schmerzlichste berühren, wenn er sich eingestehen muß, daß auf diesem Gebiete der Kultur Deutschland noch nicht auf. der, Höhe feiner westlichen-Feindestehl/Mnd" daß in 'Deutschland däs'Mort dchMers,'' es sollte der Mensch nur als Mensch gewertet werden, mich heute noch nicht erfüllt wird. Man lege bei der Prüfung der Qualifikation an die Inden , den schärfsten Maßstab und scheide diejenigen aus, die nach ihren beruflichen und menschlichen Eigenschaften für die Stellen, um die sie sich bewerben, nicht in Betracht kommen. Sie aber;i i min. von Stellen der . Regierung; von den medizinischen Fakultäten und wo sonst noch immer abzuwehren, bloß weil sie Juden sind, ist der Kulturhöhe, deren wir Deutschen uns sonst rühmen ' dürfen, unwürdig und kann durch noch soviel zusammengeholte Beispiele für die Unzulänglichkeit deutscher Juden nicht gerechtfertigt werden." Mit Hinweis «auf. vorgeführte Daten sind' Fakten ruft er ihm zum Schluffe zu: „Umsomehr mutz ich Wert daraus legen, daß Sie Ihre Behauptung hinsichtlich der jüdischen Assistenten an Kliniken, von deren vollständiger Unrichtigkeit Sie sich nach meinen obigen Bemerkungen hoffentlich überzeugt haben, an derselben Stelle, an der Ihr Aufsatz erschienen ist, sobald wie es die Drucklegung ermöglicht, berichtigen." Auch Herr Geheimrat Kahl, ordentlicher Professor an der .Berliner Universität, hat in einen größeren Artikel „Religion und Staatsbürgertum" zu den Aeußerungen des Herrn Professors v. Schmoller wie folgt Stellung genommen: ^Ebenso grundsätzlich «ist die Einmischung der Rassenfrage in das Problem der staatsrechtlichen Parität abzuwehren. .... Unterstelle ich die Richtigkeit einer aufgestellten Rechnung, daß jüdische Privatdozenten ,und Professoren in auffallend rascher Weise zugenommen hätten, so ist die aufsteigende Zahlenreihe doch im wesentlichen der folgerichtige äußere Ausdruck innerlich wirksamer Faktoren Md Kräfte, d. h. der Ausdruck einer gesteigerten Beteiligung des Judentums an den gerade den Universitäten eigentümlichen Aufgaben und Erfolgen der Wissenschaft. Wäre die Zunahme aus anderen Gründen zu erklären, so träfe dafür die Deranwortlichkeit die Universitäten selbst und die Unterrichtsverwaltung, jedenfalls nicht das Judentum. Ist aber die Tatsache einer regen und erfolgreichen wissenschaftlichen Betätigung von Juden richtig und unbestreitbarso haben Universitäten und Unlerrichtsverwaltung ihre Pflicht und Schuldigkeit getan, wenn sie dem Aufstieg tüchtiger Kräfte nicht um der Religion willen ein' Hindernis bereitet «haben." ,