Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 7 (16.2.1917)
- Date
- 1917-02-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Vr. Blockes Wochenschrift" Sette 99 Gtetlüngen wohl in -er Lage ivarerr, die Naturalisierung durchzufetzen, aus prinzipiellerr Gründen es verschmäht, solcherart die Heimatsberechtigung zu erreicheu, und es vorzieht, rechtlos das Schicksal ihrer weniger begünstigten Glaubensgenossen zu teilen. Eben diese Männer sind es Mt. durchivegs, die an der Spitze der Zentralleitung der jüdischerr Organisationen Rrrmänierrs stehen, und die es sich zu ihrem Lebens-zweck genracht haben, für die Menschenrechte ihrer jüdischen Mitbürger zu känrpfen ohne Anspruch auf äußere Ehrungerr, nur darauf bedacht, das Los btx_ rumänischen Jrrden zrr bessern. Allerdings ist ihre Aufgabe eine äußerst mühsame, handelt es sich doch darum, für viele Hunderttausende bessere Lebensbedingungen in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht zu schaffen,. Probleme, deren Lösung rricht nur — wie dies ja auch noch in anderen Staaterr heutzutage rroch vorkomürt — konfessionelle und wirtschaftliche Vorurteile entgegenstehetl, dievielvtehr von der staatlicheil Gesetzgebung in ausdrücklicher Weise bekämpft wird. Die rumänische Regierung hat nie ein Hehl daraus gern acht, daß sie die. Niederhättung der Juden nicht llur aus konfessionellen, sondern namentlich aus wirtschaftlichen Rücksichten wuinscht, und von diesem Geiste sind auch alle, die^ Juderr betreffenden AnsirahMs'bestimnrrlngen irr der Gesetzgebmrg erfüllt. Freilich schließt die rrrnränische Regierung ans EgoisNlUs die Juden nicht ganz vom wirtschaftlichen Leben, aus, aber sie beschränkt die Daseinsbedingnngen der erwerbenden jüdischen Kreise irr so nachdrücklicher Weise, daß eine förmliche Erdrosselung jedes kaufmännischen Geistes und regen Gewerbefleißes eintritt. Im Laufe der lanMährigerr Känrpfe nur die Gleichberechtignrrg der Juden sagten es mehrere Minister zu verschiedenen Zeiten offerr heraus, daß die wirtschaftliche Lage der rumänischen Bevölkerung und derer: niedriges Kultrrrniveau die Einbürgerung der Juden nicht vertrage ' und daß es die Erteilung der Gleichberechtigurlg an die Frrderr einer Einladung, sich an den reichgedeckten 'Tisch zu setzen, gleichkäme. Nichtsdestoweniger will die rumänische Regierung auf die Mitarbeit der mit einer hervorragenden wirtschaftlichen und kaufmännischen Divinatron begabten Juden nicht verzichten, und so gewährt sie ihnen jgnadenweise, ohne alle Rechtsgrisirde uud Rechtstitel, einen bescheidenen- Anteil an denk wirtschaftlichen Leben des Landes. ■-In diesem Geiste ist auch die gesamte auf das Wirtschaftsleben bezügliche, Gesetzgebung gehalten. So bestimmt z. B. das.rumänische Aktiengesetz ausdrücklich, daß die Verwaltung von Aktiengesellschaften und Banken bloß höchstens.aus einem Viertel „Ausländer" — gemeint sind natürlich! die Inden damit — bestehen dürfe, während drei Viertel des Verwaltungsrates Rumänen fein .müssen. Die rumänische Regierung läßt es sich also ruhig gefallen, daß in- und. ausländisches jüdisches Kapital im Lande placiert wird und arbeite, verlangt aber, daß drei Viertel der Verwaltnugsräte Rumänen find, die größtenteils vom Geschäftsleben keine Ahnung haben, und die' dann die Revenuen ihrer dekorativen. Stellungen im Auslande anbringen können. Die Inhaber solcher Sinekuren sind -größtenteils gewesene Minister, aktive Deputierte, Hembgekom'mene Bojaren, denen im süßen Nichtstun eine lukrative Einnahme verschafft und eine sorglose Lebensweise gesichert wird. Die natürliche Begleiterscheinung einer solchen anachronistischen Gesetzgebung ist denn guch die ungeheuerlichste Korruption, die in Rumänien bis zur höchsten Blüte entwickelt ist, und nur die Macht-des Geldes vermag dasjenige zu erreichen, was man 'anderswo durch Argumente oder im Grunde gesetzlicher Bestimmungen zu erzielen gewohnt.ist. Jeder, .auch der kleinste Dienst im öffentlichen Leben wird in Rumänien teuer bezahlt, und selbst der geringe gesellschaftliche Verkehr zwischen Juden und Rumänen wird durch klingende Münze honoriert. Natürlich kommen für diesen Verkehr doch nur die bemittelten Kreise der jüdischen Bevölkerung in Betracht, während der große Teil der rumänischen Judenschaft, die zumeist ans Proletariern besteht, nur auf den Verkehr mit den Glaübensbrndern angewiesen ist. Aus diesem Milien heraus erklärt sich die wirklich brüderliche Solidarität der rumänischen Judenschaft, die zum größten Teile in den einzelnen politischen Organisationen vereinigt ist. Bis zum Ausbruch des europäischen Krieges' war die Solidarität der Juden eine vollständig ungetrübte und ungeteilte. Leider hat der europäische Konflikt auch in dieser Bezie^lng schon lange vor Rumäniens Eintritt in den Weltkrieg seine Schatten vorausgeworfen, indem nämlich ein großer Teil der Juden mit ihrer: Sympathien auf Seite der Zentralmächte stand, während ein anderer, wenn auch der kleinere, sein Wohlwollen den Ententemächten zuwendete. Erblick: der Teil der Judenschaft seine Verheißung von erneut Siege Oesterreich-Ungarns. dessen Jrrden im Vollgenusse der staatsbürgerlichen Rechte stehen, so kann andererseits' der übrige Teil der Judenschast nicht vergessen, wie oft und mit welchem Nachdruck insbesondere von französischen, italienischen und englischen Parlamentsmitgliedern für die Sache der bedrückten rumänischen Jrrden scharfe, schneidige Rederl, wenn auch ohne eben greifbares! Resultat, gehalten wurden. Daher haben sie sich einreden lassen, daß arrch Rußland von seinen Alliierten gezwungen werderr wird, seinen Inden eine humanere Behandlung zuteil werden zu lassen. Leider ist der Mische Einfluß in Ruuränien im öffentlichen Leben viel zu gering, als daß das Gewicht der den Zentralmächten geneigten Juden zugunsten des Vierbundes sich hätte geltend machen können. Der weitaus überwiegende Teil der Juden Rumäniens wünschte bis zrr dem Augenblicke des aktiven Eingreifens Rumäniens in den Weltkrieg sehnsüchtig einen Sieg der.Zenkralmächte. In der gewiß gerechtfertigten Erwartung, daß namentlich Oesterreich-Ungarn beiin Friedensschlüsse der hart bedrängten jüdischen Bürger rricht vergessen rrnd ihre Gleichberechtigung in vollem Ausmaße kraftvoller als am Berliner Kongreß vertreten werde. Auch wir hegen die Hoffnung, daß der überwältigende Sieges zug der verbündeten Arrneen durch die rumänischen Lande denr so lange bedrückten Volke die heißersehnte Erlösung aus der schmachvollen bürgerlichen und politischen Rechtlosigkeit bringen werde. Richard Kafkes. Kriegsdekoralionen jüdischer Offiziere und Soldaten. Seine Majestät der Kaiser hat verliehen: das Militärv erd ienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoratron in Anerkerrnung tapferen Verhaltens den Oberleutnants d. R. Isaak, recte Ignaz Rosenb au m, J.-R., Maximilian Eisler, reit. Ärt.-Div.. Dr. Phil. Sigmund Bloch. J.-R., Julius Mautner, Jns.-Reg.; das srlb. Signum lau dis am Bande des Militärverdrenstkreuzes (neuerliche kaiserliche belobende Anerkennung) für vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde dem Oberleutnant d. R. Armin Spitzer, Geb.-Kan.- Div.; für tapferes Verhalten dem Oberleutnant Bernhard Tannenzapf, J.-R.; dem Leutnant d. R. Drjur. Oskar Goldmann, Feldhaub.-Reg.; für vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde dem Ldst.--Oberleutnantauditor Dr. jur. Maximilian So tat, Fnf.-Div.; für . tapferes Verhalten dem Oberleutnant d. R. Artur Weiß, Fest.-Art.-Reg.; dem Leutnant d. R. Max Fischet, J.-R.; für vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde dem Oberleutnant d. R. Wilhelm Klugmann, Traindiv.;