Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 6 (9.2.1917)
- Date
- 1917-02-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Sette ss . Dr. Blocht Wochenschrift" rade in Kreisen der antifemitischen Presse die eifrigsten Bekenner. Diese Wahrnehmung drangt sich ihm auf Schritt und Tritt auf. Begeht ein christlicher Arier irgendein Verbrechen, so ist das eine alltägliche.Erscheinung, man geht achllos darüber hinweg, kaum wert, in der Zeitung notiert zu werden. Läßt sich hingegen ein Jude irgendein Vergehen zuschulden kommen, |0 ist das wichtig genug für eine be.omere Zeitungsmeldung, und in der Art der Notierung wird die Au,merksamreit der Leser auf den be,onderen Fall gelenkt. Bei einem arischen Raubmörder, Einorecher oder Togchläger wird die Konfession nicht notiert. Das wird gleichsam st.lt,chirei^end vmausge.etzt. Allem bei dem Mischen Betrüger cmer Plleistreiöec neuß die Konfession notiert und dem Leser deutlich unter die Augen gebracht werden. Die Kon.e/sion des Angeklagten hat plötzlich eine Wichtigkeit gewonnen. Er wird nicht bloß georandmarkt wegen Zeines Vergehens, sondern auch wegen seines Jmenmms. Osienbar, weil er als Jude dazu nicht präoistiniert sein darf. Mit anderen Worten: Die Angehörigen des jüdischen Volksstammes sind „auserwählr", haben eine besondere nationale Verpflichtung, vor jeder sittlichen Verfehlung sich zu hüten. Der verbrecherische Trieb nach Reichtum nimmt unheinlliche Dimensionen an. Sehr viele Leute sehen im Klleg e ue wi l.ommene Gelegenheit zum rachen Erwerb eines großen Vernrögens, und ü.eser Ver.uchung unterliegen die Leute reihenweise. Cs vergeht säst kein Tag, ohne daß von-da und dort Unterschleife, Betrügereien uird Diebstäh.e gemeldet werden, demn Dchaiensz.fser in die Hunderttausende, sogar in die Millionen geht. Indessen leben wir Juden inmitten einer arischen Gesellschüft mid nicht alle von uns i können si'chl ' den: Beeinflussungen der geistigen Atnrosphäre, die von der erdrückenden Majorität auf sie losstürmen, entziehen. Ein altes Sprichwort lautet: „Wie es sich christelt, so jüdelt es sich." Und die Erfahrungen des Lebens entsprechen diesem Sprichwort, die Wahrnehmungen jedes Tages bestätigen es lewer immer von neuem. Auch der Jude ist also nicht immun gegen die unheilvollen Einflüsse des Krieges. Alle Macht der organisierten Kirche mit den zahlreichen hohen Kirchenfürsten, den Kardinälen, Erzbischöfen und Bischöfen vermag es nicht, den einzelnen Christen vor den Gefahren der Pro,regier und den Lockungen des Mammonkult zu schützen; wie sollte es dem Judentum gelingen, zu verhü e.c, daß einzll.e seiner Angehörigen den schweren Versuchungen unterliegen? Die biedere „Reichspost" vermeidet es streng, christliche .Wucherer und Preistreiber össeutlich zu brandmarken; sie „verdient" ja selber gern! Nur die zufälligen Juden werden aufgegrisfen und vor der Oessentlichllit zur Schau gestellt! , Die Juden könnten sehr gut eine Statistik des Kriegsverbrechens aus Gewinnsucht ertragen. In der „Oesterreichischen Wochenschrift" war. erst kürzlich die systematische Behauptung lvon der Ausbeutung durchl die „jüdischen" kamen mit Da.en uno Naacen hochadeligec Berwältungsräte und Dire toren säube'.l ch ergänzt. Aehnlich können wir jetzt an die Untersuchung des Lebensmittelschwindels in Sa.ajevo, der Eet..ehe,chiebnngen in Neusatz, der Wolleausfuhr aus Budapest schrei.en. Es waren auchJrwen dabei,aber in dec wer aus überwiegenden Mehrzahl waren die Schuldiger Christen. Es fällt uns gar nicht im Traume eur, Juden etwa verteidigen, zu wollen, die etwas begangen haben. Wir wollen nur die verteidigen, die nichts begangen : haben. Wenn man von einer Solidarität der Juden sprechen will, so kann man als wirklicher Freund der Wahrheit nur behaupten, daß anständige Juden die jüdischen Verbrecher solidarisch verurteilen und verdammen. Man sollte uns nur die Gerichtsbarkeit über die Schandtaten jüdischer Lieferanten übergeben, und man würde sehen, wie drakonisch cal„so.ioarftche" Ur.eil über diefeLeme ausfallen würde. Man übersieht ganz die jüdische Masse, die entbehrt, kämpft und alles fürs Vaterland opfert, über den Wenigen, welche sich zwischen Kerker und Reichtum bewegen. Das geschieht etwa so, wie man sich umer zwölf Müllers! einen Teitelbaum und unter zehn gewöhnlichen Gesichtern eines mit einer Mischen Na,e merkt. Bleiben wir also bei der salanwnischen Begründung eines vor kurzem gefällten Urtetls! in einem politisch wichtigen Prozeß: Man soll die Verbrechen eines jeden ihm selbst vorwersen, nicht aber seiner ganzen Gemeinschaft oder seinem ganzen Stamme. Dieses Wort sollen wir Juden unserer ganzen Abwehrpolitik voransetzen, 'in ihm unser bürgerliches Dasein verankern. Auf der Anklagebank des gerichtlichen und des öffentlichen Urteils sitzen zwischen vielen Christen auch etliche Juden. Man lasse sie persönlich für den Tatbestand büßen und nicht die anderen Juden. Denn die anderen wünschen vom Herzen, daß Juden womöglich noch moralischer und ehrlicher seien als die Christen. Das! Verbrechen eines Schiebers oder Spekülanten geht schon den Juden im nächsten Hause nicht .an, der nichts ange stellt hat, geschweige denn die Juden in einem anderen Kronland. Denn: die Liste der Verhaftungen wegen . der letzten großen Fälle zeigt, daß der verbrecherische Trieb zur Bereicherung alle Kresie erfaßt hat, und vornehmlich solche, welche sich judenrein gehalten haben. Wer trotz diesen klaren Tatsachen immer ein'ei/ '^jüdischen 1"VerbrechernMi r’vorhäkt,''befolgt das alte Rezept „hallet den Dieb!" und versucht/ die öffentliche Erregung uird Aufmerksamkeit von Kreisen abzulenken, denen man tatsächlich einen „heiligen Egoismus" mitten in den KriegDnöten nicht absprechen kann und mit denen die Juden gar nichts zu schassen haben. Eine lustige Wendung, hat übrigens die Bewegung gegen die Preistreiber und Schieber für die antisemitische Pre.se genommen. Anfänglich begrüßte sie die Ankündigung, daß die Behörden eutschlo,sen seien, diejenigen, die sich beharrlich weigern, die durch den Krieg gebotenen Verpflegungsvorschriften einzuhalten, an eure Art modernen f,Pranger" zu stellen, indem sie ihre Namen der .Allgemeinheit Merge:en. Begrüßt wurde diese Ankündigung in der Anhoffnung, neues Material für Judenhetzen zu gewinnen. Dann, kam die-Enttäuschung! Als nämlich die erste „Pranger"-Liste des Wiener Magistrats der schweren Uebertretungen gegen das Lebensmitielgesetz herauskam, stand auf der ganzen stattlichen Liste nur ein einziger Jude und dieser hat wegen einer geringen Sache die kleinste Strafe bekommen. Das' geht nun der lieben „Reichspost" gewaltig gegen den Strich. Dieses Blatt/ das sich auch das winzigste Vergehen eines Flüchtlings nicht entgehen läßt und den Unglücklichen mit saftigen Titeln und großen Lettern bespickt ihren Lesern vorsetzt, verösfenllichte die „Pran.ger"-Liste im kleinsten Druck und läßt geharnischte Ausführungen gegen diese Veröffentlichungen folgen. Man solle die „Großen" annageln! Das heißt man wohl gründlich aus! her Rolle fallen! Der . „Reichspost" ist eine versteckte Kiste Seife wichtig genug .zur 'Veröffentlichung, wenn ihr; Besitzer einen ähnlichen Namen wie Naftalr hat, und öÖOÖ Kronen Geldstrafe für einen Bäcker, der dem Konsum.Weizenmehl entzogen hat, sind ihr zu wenig. Da offenbart sich wieder einmal die wahre Volksfreundlichkeit und Ehrlichkeit. Die Juden angreifen, die Parteigenossen schützen. Denn die Entrüstung der „Reichjspost" rührt daher,- weil aus dem