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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-02-09 · 6 (9.2.1917) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
6 (9.2.1917)
Date
1917-02-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 6 Dr. Bloch’s Jahrgang XXVI Zentralorgan für die gesamten Interessen des Zudentums. Otr-. r^TT^o p A. ft. Postsparkassenknni Q Lleartng-Verkebr Mr. 810.976. Rcdaktton und Administration: Wien IT/i. Praterstraße 9. - Ij Telephon 45.359. <1 OÖ.--^ . ■— —On Wien. 9. Februar 1917 Erscheint jehen Freitag. —- Bries-Adceffe: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. oc? =DO Vrxugsprrrs für Vcfierrrich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare SO Heller. Für das Ansland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespal» tene Petilze'.le 48 Heller. O0- -..On Inhalt: Leitartikel: Boa jener Selbstgerechtigkeit, die immer nur die Sünden Anderer beichtet. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Die dritte Kriegsauszeichnung für tapferes Verhalten vor dem Feinde. — Zum dritten - male ausgezeichnet. — Sonstige Auszeichnungen. — Ernennung eines Feldrabbiners. - Die fünf Brüder Weisz. Marinefachlehrer Sigismund Stöckl. — Goldene Tapferkeitsmedaille. — Beförderung. — Jüdische Familien im Felde. — Helden der itrlimischen Front. — Oberstleutnant Feldmann sel. And. — M. L. Körner aus Czernowitz. — Der Abschiedsbrief eines sterbenden Helden. — Hauptversammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. — Korrespondenzen: An die deutschen Logen des Ordens „B'ncn-B'rith". — Das deutsche Auswärtige Amt über die neue jüdische Gemeindeordnung in Polen. — „Hilfs'ommission 1915" und Kriegsspitalshrlse für Palästina. — Die jüdische Jugend „plärrt" die Gebete. — Verbot des Films „Pogrom". — Die Rückkehr des Lemberger Stadtprasidenten Dr. Rutowski — Rzeszow. — Schwarze Juden in Indien. — Vermischtes. — Feuilleton: Der blinde Fähnrich — Die polnische Jüdin. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Uon fetter Selbstgerechtigkeit. die immer nur die Sünden Anderer deichtet. II. Inmitten des Weltensturmes mit all seinen neuen Gestaltungen, inmitten aller Spannungen des grauenvollen Krieges, der Entsetzen seiner Mittel, der erschütternden Tragweite seiner Entscheidungen, vor welchen die Völker in erschreckenden Bangnissen erzittern, verlieren die Wiener antisemitischen Patrioten die heiligste, wichtigste Aufgabe der Zeit nicht aus dem Auge. Welche Pflicht aber ist heute die wichtigste für den treuen Oesterreicher? Was bildet seine Hauptsorge derzeit? Darüber herrscht zwischen der „Reichspost" und der „Ostdeutschen Rundschau" volle Uebereinstimmung. Die letztere schrieb jüngst: „Jetzt gibt es nur eine einzige gemeinsame Front gegen das Judentum. Das hat uns der Krieg gelehrt. Jetzt werden wir nach Moltkes Prinzip handeln: „Getrennt marschieren, Vereint schlagen. In der geschlossenen deutschen Front werden wir euch an den Leib gehen, damit Wien stets deutsch und christlich bleibe." Die „Reichspost" gibt dazu ihr Prinzip bekannt: „Zwei Parteien, weil es ein Unsinn wäre, die programmatischen Unterschiede zu verdecken — aber eine einzige geschlossene Front gegen den gemeinsamen Feind und dem gemeinsamen Ziele nach." Wir vergessen nicht, was. jetzt alles für Oesterreich und Deutschland auf dem Spiel steht. Ins Ungemessene ist die Zahl der Feinde gewachsen, gegen welche alle Kräfte aufgeboten werden müssen, um ihrer Herr zu werden. Das Wichtigste aber inmitten aller Schrecknisse der Zeit bleibt jedoch der Kampf gegen das Judentum. "Ehrlich gestanden, diese Erscheinung ist nicht bloß für den Völkerpsvchologen interessant. Diese programmaüfchen Enrnziationen der beiden führenden Preßorgane unseres arischen Deutschtums offenbaren dem Juden selber seine — Wichtigkeit. In der Tat ist nichts so geeignet, dem einfachen Juden das Selbstgefühl zu steigern, als eine Lektüre der antisemitischen Hetzpresse. Schon die häufigen Klagen über die „geheime Macht" des Judentums, die unsichtbar Könige und Fürsten, Minister und Staatsmänner aller Länder in Europa und Amerika beeinflussen und lenken, muß dem Juden, der sonst nur Zurücksetzungen, Demütigungen und Beschimpfungen erfährt und sich allen Anfeindungen gegenüber wehrlos sieht, wieder das Bewußtsein eines hohen bedeutenden Faktors im großen Völkergetriebe einflößen. Freilich sieht er sich bald in Widersprüchen verstrickt und muß über seine eigentliche Rolle in der Weltpolitik irre werden. Vor wenigen Wochen hat er in der „Reichspost", die sich doch hoher Beziehungen erfreut und von den Vorgängen in der großen Welt genaue Kenntnis haben muß, die Tatsache ausführlich belegt gelesen, daß an dem Weltkrieg mit all seinen Schrecknissen eigentlich die jüdische Hochfinanz die Schuld trage. Juden sind also die wahren Urheber des Weltkrieges gewesen. Dann aber las er in einer Drahtmeldung aus Petrograd von einem Artikel der dortigen „Reichspost", d. h. der „Nowoje Wremja", daß die Friedensnote Wilsons ausschließlich ein Werk amerikanischer Juden aus den Finanzkreisen sei. Die Petrograder Genossin der „Reichspost" schrieb wörtlich: „Diese Note, welche in einzelnen Sätzen eine gewisse Sympathie für die Zentralmächte verrät, ist ohne Zustimmung und ohne Kenntnis der Minister in Washington verfaßt worden, und nur jüdischer Einfluß und Heimtücke der Juden konnten den Präsidenten Wilson dazu bringen, den traurigen Vorschlag der Welt vorzulegen, daß Rußland, England und ihre Verbündeten vor der Zerschmetterung der Zentralmächte das Schwert niederlegen und in Friedensverhandlungen eintreten sollen." Wenn sich somit der einfache Jude in solchen Widersprüchen schwer zurechtfinden kann, so sieht er sich in anderer Richtung vor einer vollen Uebereinstimmung. Sein alter Glaubenssatz von der „Auserwähltheit des jüdischen Volkes" und der nationalen Verpflichtung jedes Israeliten zur ethischen Vollkommenheit zählt ge-

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