Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 5 (2.2.1917)
- Date
- 1917-02-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 8 Dr. Bloch's Wochenschrift' Seite 71 1. Klasse, dept Signum laudis und dem! Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. San.-Fähnrich Josef Krenberger wurde int 14er Jahre, während des Rückzuges, mit einem Choleraspital zurückgelassen. 20 Monate befand er sich in russischer Kriegsgefangenschaft. In Tvmsk war er vier Wochen mit Leutnant Eisler zusammen. Groß waren seine Leiden, bis man ihn als Mediziner austauschte. Er ist Besitzer der silbernen Tapierkeitsmedaille 2. Klasse. Und zum Schluffe wollen wir des jüngsten Helden, Eins.-Are iw.-Korporal Fritz Hirsch, gedenken, dei^ als kaum Neunzehnjähriger, seine jüdische Treue mit dem Leben bezahlen mußte. Ein Kamerad blieb, leicht am Fuße verwundet, vor den österreichischen Stellungen liegen. Hirsch schleppte ihnErotzdes heutigsten femdlicken Fevers in den Schükengraben zurück. Eine Kugel durchbohrte ihm däbei die Brust. Der Kamerad war gerettet. Diese kurze Aufzählung beweist den Wert der körperlichen Erziehung eines Volkes. D'e Ha^oahner haben i^ Np^s^ecke^ erfüllt. Mit Stolz blickt heute das gesamte Judentum auf sie. F. B. ZanawiL über den Arieden. In einer Rede anläßlich einer Vereffts^eierlichkeit, die vor wenigen Wochen in London stattfand, sprach 8 Zangwill in warmen Worten die Hoffnung aus, daßE die Friedensbestrebmmen Erfolg haben werden. Sehr scharf wandte er sich gegen die Hetze, welche die ..Tinres" gegen die Friedenskundgebung von Ja^ob Schiff betrieben batten. Die Juden — und nichts anderes häüe auch Schiff geleitet — seien des Blutvergießens müde und wünschen sehnlichst den Frieden herbei. Er sprach sein tiefstes Bedauern aus, daß ein jüdisches Matt — der „Jewish Chronicle" — die böswillige HeKe gegen Schiff mitzumachen keine Bedenken gehabt hatte. Dur GntKehung des jud'scheu Hilfs- Komitees in AemKeeg Von Dr. Bernhard Hausner. Das seit zwei Jahren bestehende und unermüdlich tätige Jüdische Hilfskomitee in Lemberg, welches durch seine gründliche Fürsorgearbeit um die galizischen Opfer des Krieges rühmlichst bekannt ist, ist ein Kind des Krieges. Schon gleich zu Kriegs'beginn, im Auaust 1914, bildete sich in Lemberg über Anregung des Advokaten Dr. Michael Ringel ein Jüdisches Zentralkomitee für Galizien mit dem Sitze in Lemberg. Demselben gehörten im Sinne der Idee des Burgfriedens Vertreter aller jüdischen Parteirichtungen an. Zweck und Z'el des Komitees war: Linderung der durch den Krieg unter der jüdischen Bevölkerung entstandenen Not und Förderung aller möglichen patriotischen Unternehmungen. Doch nur kurze Dauer war diesem Komitee beschieden. Eine Woche nach seiner Konstituierung war es kein Geheimnis mehr, daß Lemberg aus strategischen Rücksichten dem Feinde werde zeitweise überlassen werden müssen. Um der Invasion zu entgehen, zogen fast sämtliche Mitglieder des Komitees nach dem Westen der Monarchie ab. So schön sich die Tätigkeit des Komitees anließ, so jäh wurde sie abgebrochen. Nach der am 3. September 1914 erfolgten Invasion setzte die israelitische Kultusgemeinde in Lemberg das' vom Zentralkomitee eingeleitete Hilfswerk, welches in der Verabreichung von Unterstützungen in natura, tote Brot, Kleider, Schuhe usw.z und der Gewährung von Unterstützungen in kleinen Geldbeträgen bestand, fort. Die Hilfsaktion erstreckte sich sowohl auf Flüchtlinge, aH guch ans Ortsarme, besonders aber auf Reservistenfamilien; sie hatte jedoch, wie in den gegebenen Verhältnissen nicht anders möglich war, nur rem lokalen Charakter, und es ist fraglich, wie lange die Kultusgemeinde — trotz der aufopfernden Hingebung ihres Repräsentanten, des Vizepräsidenten Dr. Jakob Dtarn and —. mit ihren beschränkten Mitteln, den fast zur Gänze versiegten Einnahmsquellen und den von Tag zu Tag in geometrischer Progre'sion siegenden Bedürftn'jen und Ausgaben, ausgehal en hä'te. Indes waren die Verhältnisse in dem von dem Feinde besetzten Lande um vieles ungünstiger, als die in der galiü'chen Hauptstadt. Moralisch ganz gebrochen, niedergedrückt und materiell bis auf den Grund ruiniert, war die jüdische Bevölkerung nicht imstande, ans sich selbst heraus' einen Versuch zur Behebung ihres' Notstandes zu unternehmen; die Jnvasionsbehö"den kümmerten sich blutwenig um eine Linderung der jämmerlichen Zustände, an denen sie selbst mehr oder weniger schuldig waren. Daß es so weiter nicht bleiben könne und dürfe, fühlten wohl alle, welche den Gang der Dinge während der Invasion in Ga'liz'en zu verfolgen Gelegenheit hatten; zn einer erlösenden Tat jedoch sich aufzuraffen, war mit Rücksicht auf den Alp des Druckes, den jeder persönlich empfand, und der Späheratmosphäre,. welche ringsum herrschte, direkt unmöglich. Einem jüdischen Arzt aus Petersburg!, den wir Dr. Eusejew nennen wollen, da er sich die Nennung seines wirklichen Namens verbeten ha'te, war es Vorbehalten, eine Wut düng zum Besseren in dem bedauernswerten Schicksal der galrzifchen Juden herbeizusühreu. Nach einer Re'he von Besprechungen, welche ich mit ihm hatte, begab sich Dr. Eusejew mit einem von mir ausgearbeite'en Memorandum nach Petersburg und Kijew, um die Aufmerksamkeit der jüdischen Wohltätig-' keitsinstitutionen auf die Lage ihrer galizischen Glaubensbrrtder zu lenken. Von den edelsten Intentionen eines lauteren Menfchenherzens geleitet, getragen von dem idealen Streben warnten, echt jüdischen Enrpsittdens, bis ins Mark erschüttert ob dessen, was er mit eigenen Augen gesehen, vermochte Dr. Eusejew bei dem grüen Klange seines Namens in allen jüdischen Kreisen Rußlands und der ihm eigenen beisp'e'loen Energie, bei den leitenden Männern das Interesse für die armen leidenden Juden Galiziens wachzurufen. Als unmittelbare Folge der Intervention Doktor Eusejews ist die Reise des hochedlen David Feinberg aus Petersburg nach Lemberg anzusehen. Während einer Konferenz, welche brr mir zu Hartse stattfand und an der folgende Herren teilnahmen: kaif. Rat Jakob S t r o h, Kultnsgemeindevräsident Dr. Ja'ob D i amand, David Feinberg, Dr. Eusejew und ich, wurden die Richtlinien für eine in Galizien zugunsten der Juden einzu'eilenden Hilfsa t'on schrist'ich fixiert. Zur Bedeckung und Weitersührung der Hilfsaktion der israel. Kultusgemeinde, eventuell zur Ausweitung derselben, übergab Herr David Feinberg dem Herrn Dr. Jakob Diamand den Betrag von 14.500 Rubel als Beitrag des Jüdischen Hilfskomitees in Petersburg. In der nächsten Zukunft jedoch so l en entsprechend e Mittel zur Verfügung gestellt werden, um eine größer angelegte Hilfsaktion auch in den Provinzstädten Galiziens entwickeln zu können, welche aber, um allen Unannehmlichkeitett und eventuellen Konflikten mit den Behörden vorzubeugen, von einem offiziell anerkannten Komitee geleitet werden müsse. Alle Schritte zur Erlangung der Erlaubnis der Gründung eines Komitees' wurden beim Generalgouverneur Grasen Bobrinski durch. Feine berg eingeleitet. Bis zur Konstituierung des Komitees wurde ich mit der Leitung der Hilfsaktion