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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-01-19 · 3 (19.1.1917) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
3 (19.1.1917)
Date
1917-01-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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«Sette 3ö Nr- 3 Dir. Bkoch's Wochenschrift" Reichstage zu beschweren veranlaßt sahen.Katholische Schriftsteller werden.noch! in der Jetztzeit von den protestantischen Machkhabern des! deutschen Parnaß bagatellisiert oder ignoriert.' Wilhelm Oehl, Professor an der katholischen Universität Freiburg, klagte unlängst: „Fast alle unsere Literaturgeschichten sind seit mehr als 200 Jahren in gewissen Kapiteln mehr oder minder lückenhaft, nämlich stberall da und immer da, wenn es sich um die Literatur und Kultur des Katholizismus handelt. Diese Standpunktwissenschaft (der Protestanten) hat die Kulturarbeit des Katholizismus in alter und neuer Zeit, entgegen der historischen Arbeit, in.schlechtes und schlechtestes Licht gerückt. lieber dieses betrübende Mißverhältnis ist in Zeitungen, irr Zeitschriften und Bücher:: schon sehr viel, aber lange noch nicht alles gesagt worden. Es wäre wahrlich der Mühe wert, einmal in einen: selbständigen Werke ausführlich und sachlich das! Unrecht darzustellen, das denk literarischen Schaffen der deutschen Katholiken geschah und geschieht." „Die protestantische Literaturgefchichtsschreibung hat zu Unrecht viele große . katholische Autoren des 16.—19. Jahrhunderts vernachlässigt und verkannt, hat zu. Unrecht seit Jahrzehnten die lebenden katholischen Dichter systematisch totgeschwiegen und beiseite 'geschoben."^) Katholische Autoren sprechen protestantischen Kunsthistorikern jede .Möglichkeit der Objektivität a6.13) Andererseits wieder lehnen die Katholiken Deutschlands jede Unterrichtsgemeinschaft im Volksschuhoeselt mit beit deutschen Protestanten ab und perhorresziereu noch heute. die interkonfessionelle Schule. In Oesterreich konnte bis 1868 kein Protestant Gymnasiälprofessor werden,^) selbst an der Universität wurden Protestanten int Oesterreich des 19. Jahrhunhunderts lange Schwierigkeiten bereitet. Im Jahxe 1851 wurde die Wahl eines verdienstvollen Protestanten, des Professors Bonitz, zuM Dekaw der philosophischen Fakul-. tat an der Universität Wien vom Unterrichtsministeriunr annulliert.^) Die deutschen Katholiken der Gegenwart" streben in ernsten Zeitschriften eine Losreißung von der geMeindeutschen-protestanLischen Kttratel an und steuern der Schaffung einer eigenen separatistischen deutschkatholischM Kultur zu (vgl. „Die Stimmen, aus Maria Lach", „Den Gral", „Das heilige Feuer"). Eigene katholische Literaturanzeigen berichten ausschließlich über katholische Literaturerzeugnisse (Literarischer Handweiser für alle Katholiken deutscher Zunge, 55. Jahrgang, Münster i. W.).. Die Katholiken Deutschlands besitzen-selbst eigene Lexika, für welche protestantische Autoren deutscher Nation Luft 'sind. (Joseph Kehrein: Biographisch-literarisches Lexikon der deutschen Dichter im 19. Jahrhundert, Friedr. Wienstein: Lexikon der katholisch-deutschen Dichter, Hamm i. M., 1899.) Manche katholische Schriftsteller kennzeichn tren angeführte protestantische Autoren durch ein Sternchen, so z. B. Alois Hudal in seinem Buche „Die religiösen und sittlichen jJdeen sdes 'Spruchbüches", Rom' 1914. Der im Antisemitismus modernisierte antijüdische Religionshaß hat inr deutschen Leben der jüngsten Zeit, auch bei den änderet: Konfessionen Deutschlands, seine Analoga. Das beliebte rassentheoretische Beiwerk, das dem Judenhaß angehängt wird, schafft keine wesentlichen Differenzen. " . - -7 *0 „Berliner Tageblatt" vom 25. Febr-uar 1916, Nr. 266, 27'Beiblatt. 1. Spalte. „SchWeizerische Rundschau", 16. Jahrgang, 1916, 2761. 13) ..Archiv für christliche Kunst". Organ des Rollenburger Diözefan-Kunstvereines. .1915. 871. Stuttgart. 14) C. Wolfgruber: Kirchengeschichte Oesterreich-Ungarns. Wien und Leipzig 1909. 15) .Geschichte jbet. Wiener Universität. 51, herausgegeben vom akademischen Senat der Wiener Universität. Aie Satonikier Jude» gegen^Benizetas. Die .Ententeblätter, zuletzt „Corriere della Sera", verzeichnen mit Unbehagen die Tatsache, daß der größte Teil der Inden und Rttlselnfanen in Saloniki es äblehnen, mit den Benizelisten gemeinsame Sache zu machen. Sie werden ans> diesem Grunde auch von der venizelistischen Nebenregierung in Saloniki hart bedrängt. Vielen von ihnen gelang es, zu entkommen und in ein neutrales Land zu ftüchren. Einer großen Anzahl jüdischer Familien gelang es sogar, nach Amerika zn kom-. men. In Newyork sind hchon einige Trupps' solcher jüdischer Flüchtlinge aus Saloniki gelandet. Sie erzählen, wie Newyorker Blätter berichten, von der: Verfolgungen, denen die Inden und Mohamedaner — gleich den Angehörigen der Zentralmächte — in Saloniki zur Zeit ausgefetzt waren-, als die Flüchtlinge ihre Heimat verließen. Die amerikanischen jüdischen Einrvanderer-Schutzorganisationen nehmen sich der Flüchtlinge liebevoll an, durch welche die verhältnismäßig noch junge Organisation spaniotifcher Inden in Amerika eine Stärkung erfahre. Der Verband der spaniolischen Inden in Amerika hat sich gemeinsam mit der jüdischen Gesellschaft zum Schutze und Unterstützung jüdischer Eingewanderter an die amerikanische. Regierung mit dem Ansuchen gewendet, den jüdischen Einwanoec ecn aus Saloniki gegenüber Milde walten zu lassen und von einer Deportation auch in dem Falle abzusehen, wenn sie nach dem Wortlaute der bestehenden Einwanderungsgesetze zu deportieret: wären. Die amerikanische Regierung hat in Anbetracht der obwaltenden Umstände und ganz besonders nnt Rücksicht darauf,, daß eine Rückbeförderung der für die Deportierung in Betracht kommenden Personen mit der größten Gefahr verbunden wäre, dem Ansuchen der einschreitenden jüdischen Organisationen stattgegeben und verfügt, daß Flüchtlingen aus Saloniki gegenüber bis auf weiteres die Deportierung unter keinen Umständen Anwendung zu finden habe. Are Gewinnung des Salpeter. Wie bekannt, wird Salpeter von deutschen Chemikern jetzt künstlich erzeugt, da die Möglichkeit, denselben aus Chile (Südamerika) zu bekommen, für die Zentralmächte ausgeschlossen ist. Es dürfte-die Mische Oeffentlichkeit interessieren, zu erfahren, daß ein Vorschlag. Salpeter künstlich zu erzeugen, von einem mantuanifchen.Juden namensAbrahamKolorni im Jahre 1594 dem Kaiser Rudolf II. gemacht wurde. Die Quelle hiefür findet sich im „Böhmischen Landt. VIII. 583". Wieder abgedruckt in dem Werke „Zur Geschichte der Juden in Böhmen. Mähren, Schlesien", herausgegeben von Gottlieb Bot:dy, bezw. Franz Dworsky, Prag, 19Ö6, Seite 675; da heißt es wörtlich: „Euch ist gehorfamst unverborgen, mit was für einer Kunst sich ein Mantuanischer Jud mit Name:: Abraham Colorni von wegen des Salitersiedens bei uns noch zu Prag in Unterthänigkeit angegeben, welches halber es dann auch fitr Unfern: Aufbruch von dannen auf dem verbliebet:, daß er solche seine Kunst itn Werk harthun und erweisen solle. Dieweil Wir berichtet werden, daß er der durch ihm selbst anerbotenen Prob bishero noch den wenigsten Anfang nicht gemacht und wir doch gern Wissenschaft haben wollten, was sich auf diese der Jude:: angegebene Kunst und dabei vertröste.große Nutzbarkeit eigendlich und.mit Grund zu verlassen fein möchte: als ist Unser gnädiger Beschlich hiemit an euch, ihr wollet ihm Juden zu Darthuung solcher Prob mit Ernst halten und darob sein, daß er dieselb .ferner keineswegs nicht aufziehe oder länger verschiebe, sondern im Fall es nicht allbereit beschehen, gleich unieolltieuti darzu greife, wie dann den

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