Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 2 (12.1.1917)
- Date
- 1917-01-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Yr. 2 Dr. Bloch’s ^'chrgang XXXiV Zentraloroan für die gesamten Iknteressen des Judentums. o u—. -~Do p A. ft. Po ßliMEiftaperrc.rnt Q Llearing-VerKebr IHv. S10.S76. Ncdattion unb Administration: Wien II/i, Praterstraße 9. lj Xeleplion 45.869. QP - ■——-On teil, 12. Iaimar 1917 Brscbeint jeöen Fretrag. um Brief-Adresse: Wien, Up. Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Oü =DO 2 Drrrrsszrrrrs für SLjlrrr-lrki: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplars 50 Heiler. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2rnal : tcne Petitzc'.le 13 Helier. oO— —-Q'n Inhalt Leitartikel: Germanen und Juden. — Kriegsdekoratiouen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Zum zweiten male ausgezeichnet. — Marine-Oberstabswärter Zoltau Lanczi. - Vierzehn Enkel im Kriege. — Auszeichnung eines jüdischen Publizisten. - Oberleutnant Arnold Großmann. — Helden der 23 er. — Aus dem goldenen Buche des Heeres. — Der gerettete Train. — Türkische Auszeichnungen. — Militärische Ernennungen — Ein neuer Feldrabbiner. — Auszeichnung eines Feldrabbiners. — Sonstige Auszeichnungen. — Die große Silberne nach dem Tode. — 'Aus China heimgekehrt — in den Heldentod. — Drei Söhne gefallen. — Jüdische Helden auf dem Lemberger Friedhof. — Ein mteressantes Buch für die Kriegsgefangenen. — Eintr tt jüdischer Schüler aus Palästina in die Koustantinopeler Offiziersschule. — Eine kühne Tat deutscher Pioniere. — Korrespondenzen: Konstituierende Pleuarsitzuug des Knltusvorstandes vom 7. Januar 1917. — Eine Fra z Josef-Stiftung des ungarischen Judemums. — Eine Bemerkung'zu: „Weh' dem, dessen Gewissen schläft". — Dr. Schleicher zweiter Stellvertreter des Lemberger Regierungskonunissärs. — Unterhaltsbeitrag für „rituell" getraute Gattinnen der Heeresangehörigen. — „Hilfskommission 1915" für Palästina. — Volksküche für die orthodox-jüdische Mannschaft in Krakau. — Grodek. — Eine Forderung des Tages. — Vermischt es. — Feuilleton: Das Licht im Exile. — Georg Brandes Mutter. — Literatur. — Brieflasten. — Notizen. — Inserat. Germanen und Inden. Von Matthias Mieses. " . V. (Vgl. Nr. 41, 48,”45, 48 und 50, 1018) Die seelische Affinität der Germanen und Juden zog nach sich auch tiefgehende kulturgeschichtliche Folgen. Bei keinem Volke der Erde vermochte sich die Bibel, das Me Testament, eine solche Stellung zu erringen wie bei den protestantischen Germanen. Das bei den Hebräern entstandene Religionsbuch sagte diesen besonders zu. Luther hielt sich an den hebräischen Urtext, unbekümmert um alle abendländisch-arische Uebersetzungstradition, und machte damit Epoche in der deutschen Literaturgeschichte, beeinflußte mittels dieser zum BoMbuche im weitesten Sinne gewordenen Bibelübertragung in phraseologischer und stilistischer Hinsicht aufs 'stärkste die hochdeutsche Schriftsprache. Die' Bedeutung der Bibel für die deutsche Schriftsprache behandelte ausführlich Stein von Nordenstern/) die größten deutschen Geister fühlten sich von der Macht der biblischen Poesie bis in ihr Tiefstes gebannt. Herder schrieb' in bezug aus die Theophanie (2. Moses 33, 9—23,; 34, 1—8): „Ich glaube, es Pibt in allem, was die Menschheit dichten kann, wenig so erhabene Situationen als diese einfach erzählte Gottesgeschichte."-) Herder wunderte sich sogar, „daß wir bei so manchen hebräischen Heldengeschichten in unserer Sprache noch keine Epopee Mer Moses haben"?) Goethe äußerte sich: „Ich hatte die Bibel lieb und wert, denn ihr allein war ich meine sittliche Bildung schuldig/") Er trug sich selber mit der Idee einer Uebersetz-ung des Hohenliedes. Die Sprache Goethes weist zuweilen bib- *) E. Stein von Nordenstern: lieber den Einfluß der Bibel auf die deutsche Sprache. Klattau 1855. 2) Herder: Vom Geist >der hebräischen Poesie. 2. Teil, Band III, 252. ' 3) Jb. Band III, 267. 4) Ludwig Geiger: Das Judentum und die deutsche' Literatur, 83.- . . - . tische Redensarten ans.") Der Prolog von „Faust" ist in den allgemeinen Zügen eine Nachdichtung der ersten Kapitel des biblischen Buches Hiob. Friedrich Nietzsche, der ehrsurchtslose Denker, der mit dem Hammer rücksichtslos philosophierte, findet für die Bibel, für das Alte Testament der Inden, Worte der größten Verehrung. „Im jüdischen Alten Testament, dem Buche dar göttlichen Gerechtigkeit," schreibt Nietzsche, „gibt es Menschen. Dinge und Bilder in einem so großen Stile, daß das griechische und indische Schrifttum nichts zur Seite zu stellen hat. Man steht mit Schrecken und Ehrfurcht vor diesen ungeheuren Ueberbleibseln dessen, was der Mensch einstin als war, und wird dabei über das alte Asien und sein vorgeschobenes Halbinselchen Europa, das durchaus gegen Asien den Fortschritt des Menschen bedeuten möchte, seine traurigen Gedanken haben."^) Für die Bibel in ihrem ursprünglichen, von" den Hellenen und Romanen nicht modifizierten Text interessierteil sich schon die Germaneil lange, sehr lange vor Luther. Schon zu Beginn des 5. Jahrhunderts, als kaum die erstell Germanell, die Goten, zum Christentum sich bekehrten, wendeten sich zwei gotische Brüder, Suuia und Freteta, all den Kirchellvater Hieronymus mit einer Anfrage, wie gewisse Stellen im hebräischen Original der Psalmen lauten, da die griechischen und lateinischen Uebersedullgen mit einander nicht übereinstimmen"?) Die modernen jüdischen Schriftsteller in Deutfchkand brachten es 'dazu,. wie nirgends, ins Kulturleben der Autochthonen gründlich hineinznwachsen. Ihre Schöpfungen schlossen sich der bisherigen poetischen mrd geistigeil Entwicklung als natürliche Fortsetzung an. Die Juden aus deutschem Sprachgebiete waren imstande, zu den Kuno Fischer: Goethe's ..Faust", III, 277 (549). Heidelberg 1904. ' ’ 1 2 3 4 6) Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Döse. 71. Berlin 1886. T) Hieronymus: Episloia (scripta videtur anno 4Q5) »ut yse Hebraieis ([iiaeram herum ltcorum est veritas decTararit« Opera 11 626).