Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 51 (29.12.1916)
- Date
- 1916-12-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr» 51 Tr. Bloch'S Wochenschrift Sette 851 Befreiung des Lnnberger KultuSvorstehers Dr. Di am and aus russischer Gefangenschaft. Der Vizepräsident des israelitischen Kultusgemeindevorstandes/ Landesadvokat Dr. Jakob Di am and, der während der Russenherrschast in der galizischen Landeshauptstadt ein unzweideutiges Bekenntnis zur Monarchie abgelegt und seine Pflicht gegen das Vaterland sowie gegen seine engere Heimat hingebungsvoll erfüllt hat, weshalb er gewaltsam nach Kiew und sodann nach Nishnij Nowgorod verschleppt wurde,- ist nach 16monatiger Leidenszeit aus der Gefangenschaft nach Oesterreich zurückgekehrt und in Wien eingetroffen. Wie groß die Achtung ist,- die sich Dr. Diamond durch seinen Mut erworben hat,- lassen die Zahlreichen Sympathiekundgebungen und die Ovationen,- die ihm bei der Heimkehr von seinen Landsleuten bereitet wurden^ deutlich erkennen. In einer hier abgehaltenen Versammlung Lemberger Bürger und angesehener,- noch als Flüchtlinge in Wien weilender Persönlichkeiten wurde Dr. Diamand herzlich begrüßt und als ein Mann gewissenhafter Pflichterfüllung gefeiert,- der in der Stunde höchster Gefahr trotz aller seelischen Aufregungen auf seinem Posten in Lemberg verblieben sei und -Beweise seines Patriotismus und seiner Ueberzeugungstreue geliefert habe. Nach den Mitteilungen des Herrn Dr. Diamand hat der Lemberger Stadt - Präsident Dr. Rutowski,- mit dem er in den letzten drei Monaten im Petersburger Gefängnisse vor der endgiltigeu im Austauschwege erfolgten Freilassung zurückgehalten wurde, auf dem Wege nach der Heimat die russische Grenze ebenfalls bereits überschritten. Krakau. Die schweren Zeiten,- in welchen wir gegenwärtig leben,- haben ein Damenkomitee, dessen Leitung ich übernommen habe, ins Leben gerufen behufs Beistellung unentgeltlicher ritueller jüdischer Kost an jüdische Soldaten in der Festung Krakau im allgemeinen,- daun an jüdisch-orthodoxe Häftlinge in den Feldarresten der k. u. k. Feldgerichte in Krakau. Die Notwendigkeit der Schaffung dieses Komitees war aus zwei Gründen sehr dringend. Erstens aus dem Grunde,- weil jüdische Soldaten,- welche die Menage aus religiösen Gründen nicht essen wollten,- infolge der ganztägigen Beschäftigung keine Gelegenheit hatten,- ein Lokal aufzusuchen, wo sie rituelle Kost erhalten könnten,- die meisten orthodoxen Soldaten wegen Mangels an Geld sich überhaupt um die Beschaffung der rituellen Kost nicht umseheu konnten und infolgedessen an ihren Kräften eine Einbuße erlitten und den Dienst nicht versehen konnten,- wodurch sie sich den Verdacht zuzogen,- daß sie sich dem Dienste zu entziehen trachten,- was auf das ganze Judentum ein schlechtes Licht zuwerfen geeignet war. Zweitens aus dein Grunde, weit das Leben der jüdischen Häftlinge, welche sich auf Brot und Wasser beschränkten,- ernstlich bedroht war,- und es dringend erschien, eine Aktion einzuleiten,- um diese Häftlinge beim Leben zu erhalten. Dieser dringenden Notwendigkeit haben tvir dadurch Genüge geleistet,- daß tvir auf Grund der Zustimmung des Festungskommandanten in Krakau zwei Volksküchen für orthodoxe jüdische Soldaten in Krakau errichtet habenwo tvir täglich 500—600 jüdisch-orthodoxen Soldaten die rituelle Mittagskost verabreichen. Durch die gesunde rituelle Kost gestärkt und bei Kräften erhalten,- erfüllen mm die jüdischen Soldaten ihren Dienst zur Befriedigung der Vorgesetzten. Außerdem ertvirkten wir die Bewilligung der Beistellung der rituellen Kost an die jüdischen Häftlinge der Feldgerichte in Krakau,- tvo wir täglich unentgeltlich 80—100 Mittagsportiouen an die jüdischen Häftlinge beistellten und noch beistellen. Diese humanitäre Tätigkeit des Komitees,- durch welche tvir mehrere hundert Juden geradezu beim Leben erhalten haben,- erforderte sehr bedeutende Kosten - gegen 2000 Kronen wöchentlich —,- die gesammelten Gelder sind erschöpft und droht unserer humanitären Aktion eine Katastrophe. Die Küchen bestehen seit dem Monate April 1916 und haben wir bis jetzt über 60.000 Kronen verausgabt,- welche wir im Wege wohltätiger Sammlungen aufgebracht Haben. Angesichts der großen Not in Ga lizien wird es uns schwer,- die erforderlichen Mittel weiter anfzubringeu. — Wir appellieren daher an die allgenreine Wohltat um milde Gaben für die Zwecke des -,K o m i t e e s für die A u s s p e i s u n g j ü d i f ch e r Soldaten und Häftlinge in Krakau" zu Händen der Firma S. L. Schenker,- Krakau, G-rodzkagasse Nr. 40. - Mit bestem Tanke für Ihr Wohlwollen, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Juda Peipe r. Vermiscbles. „.Hilfskommission 1915" und „Oesterreichisches Landes- Komitee" für Palästina. Wien. 5. Bez., Frankenberggasse 14. Verwaltung der israel. Kultusgemeinde Lemberg (2. Rate. Spenden der Palästinatage) Kr. 475.78; Leopold Löwinger. Wien. 6.—; Salomon WiNner. Wien. 5.--; Simon Hausner und Julius Frankl. Wien, je 2.- . Mogen-Dovid-Nagelspenden: Sammlung durch Herrn Lehrer Toch. Wien. 2. Bez., Kr. 100.—-; Hans Popper. II. b-Klasse des Mad. Gymnasiums. Wien. 1. Bez.. 42.—; Zöglinge des Jüdischen Schulvereines. 9. Bez., anläßlich der Chanukkafeier l Gesamtsumme dieser Sammlungen Kr. 536.15) 26.55. A u s D e u 1 s ch l a n d: Dr. Wertheim, Berlin. Mk. 4.—; A. Schapiro, Grunewald, 3.—. Bei der ..Österreichischen Wochenschrift" eingelaufen: Bon Lazar Eppinger. als Chanukkageschenk für Wohltätigkeitsanstalten in Palästina. Kr. 50.—; Anonym für die hungernden Kinder in Palästina Kr. 5.—; Baron. Wien. Kr. 10.--. Kriegsspitalshilfe für Palästina. B. W. Kr. 1000.—; David Hartenstein, Wien, 50.—; Julius Feldmann. Swojschitz. 25.-; Julius Leitner, Wien, Toth, Kleiner & Co.. Budapest, je 20.—; Dr. Julius Hausmann, Apotheker. Lemberg. Dr. Alfred Taussig, Advokat, Budweis, A. Bloch & Co.. Teplitz. Aler. Schück, Dr. Viktor Lang, Budapest, Leopold Wolf. Kismarton, Ignatz Hirsch, Krizevci, Adele Kottlar, Dr. Leop. Steiner, Cdm. Hacker. Firma M. Hacker's Söhne, Oberkantor Don Fuchs, sämtlich in Wien, je 10.—; Rosalie Kiesler, Wien, 7.20; Jakob Strausz, Osijek. 6.—; L. Pollak, Berdecin-Battelau, Bertha Neuniann. C. Torszyner. Krawatten-Manufaktur L. Löwit, Wilhelm Mayer, sämtlich in Wien, je 5.—; Med.-Dr. W. Samisch, Karlsbad. 4.; Siegm. Frankl. Wien, Jakob Leitner, Budapest, je 3.—; M. Schulz. Neuhaus. Dr. Cd. Arnstein, Teplitz-Schönau, Heinrich Kühl und Paula Grüner. Wien, je 2.—; Moritz Lang, Wien, Moritz und Fritz Grünwald. Floridsdorf, je 1.-. Aus Deutschland: Samson Goldschmidt. Hamburg. Mk. 100.—; Georg Heymanu, Breslau. 20.—; M. Fleschner, Hainburg, 10.—; Viktor Schäsfer, Berlin. 5.—; Jakob Prölsdorfer. Bamberg, 3.—. Adresse für Zuschriften: K. k. Hofrat Dr. Julius Schlag. Wien, 2. Bez.. Obere Donaustratze 109. Zahlstelle: für Oesterreich: Bankhaus S. M. v. Rothschild, Wien, 1. Bez., Renngasse 3; „Neue Freie Presse". Wien, 1. Bez., Fichtegasse 11; für Ungarn : Magyar Altalanos Hitelbank, Budapest; für Deutschland: Deutsche Bank, Berlin, Postscheck-Konto Nr. 1000.— (auf das Konto: „Kriegsspitalshilfe für Palästina"). Tank für Chanukka-Liebesgaben. Für die Chanukka-Liebesgaben der Zöglinge des Jüdischen Schulvereines für den 9. Bezirk durch Herrn Religionslehrer Müller und durch Herrn Rabbiner Bela Fischer dankt bestens im Namen der beieilten Soldaten Feldrabbiner Samuel L e m b e r g. Feldpost 70, 19. Dezember 1916.