Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 51 (29.12.1916)
- Date
- 1916-12-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 51 Tr. UMudj 0 fi'vHljruhlirifi Seile 849 Aucstcllnng „Tic .Munft der Nadel". lieber Frau Anikta 41! ü 11 e r, bezw. ihre Fnstitulivneii zu schreiben, ist heute wirtlich eine schwere Aufgabe. Man will sich und andere nicht wiederholen, man will nicht wieder einmal sagen, was so oft schon gesagt wurde, und doch zwingt einen diese geniale Frau angesichts ihrer Schöpfungen immer wieder zu der Erkenntnis, daß man mit allen Superlativen der Sprache ihr kaum annähernd gerecht werden kann. Wir wollen einmal versuchen, nichts von unserer ehrlichen Bewunderung zu reden, die diese Frau, die ihrer Zeit das Gepräge gibt, uns einflötzt, nichts von dem ungeheuren Staunen zu sagen, nichts von ihrem nimmermüden, einzigartigen schöpferischen Talent. Wir wollen anläßlich der Ausstellung ihrer Arbeitsschule für Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina einfach berichten, was wir von dieser Schule wissen, was wir in der Ausstellung gesehen haben. Die Schule blickt auf zwei Fahre angestrengter und erfolgreicher Arbeit zurück. Mehr als 2500 Mädchen und Frauen haben den Wert ernster und zielbewußter Arbeit kennen gelernt und viele sind aus ungeschickten Dilettantinnen zu wahren Künstlerinnen herangebildet worden, die nunmehr in der Lage sind, sich nach der Rückkehr in >ihre Heimat mit ihrer Kunstfertigkeit einen Erwerb zu schaffen, der nur geringes Material und keine kostspielige Ausrüstung erfordert. Bedeutende Sunimen, zirka 100.000 Kronen, wurden in der Schule an Arbeitslöhnen ausgezahlt, wodurch zahlreiche Familien in ihrem Flüchtlingselend Unterstützungen empfingen, die sie durch ehrliche Arbeit erworben hatten. Die Ausstellung „Die Kunst der Radel", welche vom bis 20. Dezember in den Räumen des Palais Bellegarde. 2. Boz.. Praterstraße 17, veranstaltet wurde, gab zum zweitenmale Gielegenheit, die Erzeugnisse der Arbeitsschule zu bewundern. Die Ausstellung war in sieben Räumen untergebracht. Die Anordnung und Aufstellung, die der künstlerischen Leitung des Malers Julius .9 l i n g c r übertragen war. hat mit einfachen Mitteln überraschend gute und geschmackvolle Wirkungen erzielt. Zwei Räume umfaßten eine Sonderausstellung von Bildern Wilhelm W a ch t e l s. eines jüdischen Künstlers im besten Sinne des Wortes. Ein Kosinvpolite. das zeigen seine flott gemalten Bilder aus Paris: hellerleuchtete, lockende Straßen, pikante Mädchenköpfe und stimmungsvolle Parkmotive und doch so fest int Fudentume wurzelnd. Wie könnte er sonst die jüdischen Typen von so wunderbar rührender Schönheit malen'? wie „Ruchele", „Ein Fudenknabe", „Das Hirtennrädchen". Grandios gefaßt ist das Bild, auf dem die jüdischen Bewohner einer evakuierten Stadt von russischen Soldaten vertrieben werden, und sein bedeutendes Werk, „Die Flüchtlinge", muß ' jedem, der es gesehen bat. unvergeßlich bleiben. Deutlicher und eindringlicher als alle Worte es vermöchten, erzählen diese beiden Bilder von Flüchtlingsnot und Flüchtlingsleid - vom Fudenschicksal. vom Galuth. Den Empfangsraum schmückte ein Bild Lazar K r e st i n s „Talmudstudium". Mit vollendeter Meisterschaft zeigt der Künstler hier einen Ausschnitt aus dem Leben der Ostjuden. Es waren auch Bilder vom galizischen Kriegsschauplätze des k. u. k. Kriegspressequartiers zu sehen, die Generalmajor von H o e n in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt hatte. Die Handarbeitsausstellung selbst bot die überzeugendste Fllustration dazu, daß alles Lob und alle Anerkennung, die der Schule bisher gezollt wurden, für solche Leistungen viel, viel zu wenig sind. Unter den ausgestellten Gegenständen gab es kleine Wunderwerke in Technik und Farbenwirkung. Die Arbeiten in * petils p inis« die Perlstickereien, die Filetdecken, Filetmotive. -Einsätze und -Spitzen, die Weißstickereien auf Vorhängen, Bettdecken und Tischtüchern zeugten von hoher Vollendung der Technik und einer Genauigkeit in der Ausführung, die allgemeine Bewunderung erregte und diejenigen in besonderes Erstaunen setzte, die es mitangesehen halten, aus welch wenig versprechenden Anfängen die Leistungen der einzelnen Arbeiterinnen hervorgegangen waren. Um die Ausgestaltung der Schule haben sich die beiden freiwilligen Leiterinnen der Anstalt. Fri. Stella M ü n z und Frau Martha E e r f, besondere Verdienste erworben. Richl unerwähnt sollen auch die treuen Beamtinnen. Frl. Minna und Paula S ch n e i e r und Frl. A r z t. bleiben. Ueber den Wert und die Berechtigung der Arbeitsschule, über die Kutturtat. die hier geleistet wird, ausführlich zu werden. erübrigt sich unseres Erachtens. Hunderte von Schülerinnen sind bereits in die Heimat zurückgekehrt. Sie arbeiten weiter für die Schule, die sie regelmäßig beschäftigt. Das Rönnen. da-s ihnen vermittelt wurde, verwerten sie nun auch zu Hause. Die Arbeit der Schule ist mit ihren Zielen in Wien noch nicht erschöpft. Sozialpolitische Bedeutung würde sie erst dann erlangen, wenn die Erfolge der verhältnismäßig kleinen und mit geringen Mitteln geführten Anstalt die kompetenten Behörden veranlassen würde, selbst durchgreifendere Maßnahmen in Galizien und der Bukowina zu treffen, um der Bevölkerung Lurch Erlernung von Fertigkeiten Erwerbsmöglichkeiten in die Hand zu geben, die sie aus dem furchtbaren Elende, in das der Krieg sie gebracht hat. herausführen könnten. R. L. Generalversammlung des „Kaiser Franz Zosefe-Ferienheims". Am 18. Dezember fand im Pereinsbureau,- 9. Bez., Dürkenstraße 17, die 12. ordentliche lL'eneralveriannnlnng für die Fahre 1914 und IV) 15 statt. Aus dem erstatteten Geschäftsbericht geht hervor, daß im Fahre 1915 wegen Mangel an Lebensmitteln die .Kolonie Tisch nowitz in Mähren nicht mit Schulkindern belegt kverden konnte und das Gebäude dem k. n. k. Heere zur Aufnahme voll 140 kranken Soldaten zur Verfügung gestellt wurde. Durch Vermittlung des Perbandes /.Weibliche Fürsorge" überließ uns der Ferienkolonienverein /.Gute .Derzeit" feinen Besitz in Neulengbach, wohin im Fahre 1915 237 Kinder,- darunter 147 vom Ferienheim, ent sendet wurden; 60 waren vom Bereirr /.Gute Herzen". 23 vom .-.Kaiser Franz Fosess Kinderhort", 4 vom „Oesterr. Seehospiz" und je ein Kind von drei andereil Pereinen. Eine weitere Entsendung von 85 Kindern des Ferienheims ward möglich durch die neugeschaffene Tages erholungsstärte Neustijt am Walde, da uns Frau Dr. Elfe Tischler/ Borstandsmitglied des Ellernvereines „Pestalozzi", ihre Billa ftrmt Garteil zur Verfügung stellte und die Bereitung von drei Mahlzeiten,- zu welchen wir die Lebensmittel beistellten,- übernahm. Weitere 54 Kinder wurden bei Pftegeparteien in Dedenburg nntergebracht, wovon 39 vom Ferienheim,- 6 vorn Seehospiz mit) 6 vom „Kaiser Franz Fvsess-Kinderhort" entsendet ivurden. 52 Parteien,- deren Kinder nicht in unsere Kolonien ans genommen werden konnten,- wurden durch 3 Wochen bin durch mit je 7 Paketen, bestehend ans Reis, Kaffee, Gries. Zucker,- Mehl. Salz und Erdäpfel, beteilr. Während der Kriegszeit hat der Verein „Ferienheim" folgende Aktionen iilitiert: Verteilung von Speisemarken, Znlveisnng von Freitischen,- bis zum Beginn der magistratischen Ansfveisung; ferner leitete der Verein die magistratische Aus speisung im 4. Bezirk, zu welcher Baron Heinrich K ö nigswarter ein Lokal in seinem Palais zur Verfügung stellte. Weiters gründete die Präsidentin Frau Sofie Grün seid eine Kleidersammelstelle für Flucht linge am Franz Fosefs Kai, sodann eine Ausspeisung für dieselben im 20. Bezirke,- ebenso die jetzt noch funktionierende Hilfsaktion der Schubversorgnng für die Armen Wiens. Es wurden Bettstiftungen errichkek vom Vorstände des Vereines und eingelanfeuen Kranzsvenden für die im Kriege verlorenen Beiräte Dr. Richard Grünseld und Dr. Richard Snbak im Werte von Kr. 3332.47, ferner eine Bettstistung errichtet von der Borftaudsdame Frau Caroline B r ü kl n - R o t h b e r g e r im Werte von Kr. 4000. für weiland Frau Romlie Rotbberger,