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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-12-29 · 51 (29.12.1916) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
51 (29.12.1916)
Date
1916-12-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 51 Dr. Bloch'S Wochenschrift Tüte 847 tetc; ungewöhnlich wanne Beileidsschreiben ist, wie 7,Egyenlöseg" bemerkt, gleichfalls ein Beweis für die Beliebtheit,- deren sich Forgacs — ein Enkel des verstorbenen Temesvarer Rabbiners Israel H a r t m a n n — allerorten erfreute. Die kleine silberne Tapserie'tsmedaille sowie die Bewilligung,- feinen Namen in Forgacs umzuändern,- sind nach seinem Heldentode eingelangt. _ Außergewöhnliche Auszeichnung eines gefallenen jüdischen Reserveoffiziers. Se. Majestät der Kaiser hat dem vor den: Feinde gefälleneu Oberleutnant d. R. Dr. Josef Günsberg, J.-R., in Anerkennung tapferen und erfolgreichen Verhaltens den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse mit der Kriegsdekoration verliehen. Der wegen seines sympathischen Wesens und seiner militärischen Tüchtigkeit von Vorgesetzten und Kameraden geschätzte, jungverheiratete Offizier war bereits bei Lebzeiten mir dem Militärverdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnet worden und ist im Mai dieses Jahres bei Luck gefallen. Er war früher in Jicin ansässig, hat sich, wie einer seiner jüdischen Kameraden berichtet,- treu zum Judentum bekannt rrnd ist bei verschiedenen Anlässen mit Entschiedenheit für dessen Ehre eingetreten. Sein Name verdient deshalb in der jüdischen Heldenchronik dieses Krieges mit goldenen Buchstäben verzeichnet zu werden. Episoden vom rumänischen Kriegsschauplatz. Feldrabbiner Dr. Samuel .Le mb er ge r richtet an ben 7,Egyenlöseg" vom rumänischen Kriegsschauplatz die folgenden erschütternden Zeilen: 7,. . j. Besonders groß ist jetzt die Zahl der Beerdigungen. Hier ist jeder Todesfall eine fertige Tragödie. Läßt doch jeder hier vorzeitig sein Leben,- an welches er noch soviele Rechte/ soviele Hoffnungen gehabt hätte. Hier wird niemand nach einer bis ans Ende begangenen,- ihre Mission erfüllten Laufbahn vom Tode geholt. Der Todesengel der Helden hat nur für die Jungen,- Lebensstarken, Hervorragenden Vorliebe, und dennoch erschüttert uns hie und da ein trauriger Fall in ganz besonderem Maße. .... Vorige Woche war ich z. B. im Begriffe, mich zu einem Bataillon des . Regiments zum Gottesdienste zit begeben. Unterwegs stellt sich mir ein älterer Freiw.- Zugsführer vor und fragt mich, ob ich beit in einem vor der rumänischen Grenze, am Straßenrande befindlichen Friedhofe ruhenden Fähnrich Leopold L ö w i beerdigt und persönlich gekannt habe. Es stellte sich nun heraus,- daß mein vor etwa zwei Wochen anläßlich der Erstürmung einer rumänischen Grenzhöhe im Heldentod gefallener, armer,- junger Freund Leopold L ö w i, dessen Leichnam wir diesseits der Grenze bestatteten/ damit er hier in heimatlicher Erde ruhe, der jüngere Bruder dieses Landsturm-Freiwilligen ist. Er kam mit der letzten Marschkompagnie heraus und stieß vor dem Schützengraben auf das Grab seines jüngsten Bruders. Ein anderer Fall. Tags vorher werde ich zu einer Beerdigung gerufen. Vor der Funktion schaue ich mir das Jdentitätsblatt des jungen,- verewigten Kriegskameraden an und konstatiere traurigen Herzens, daß auch der Vater des armen Jünglings bei uns dient. Noch gut/ daß dieser sich jetzt einige Kilometer weit in anderer Richtung befindet, sonst hätten wir das erschütternde Bild mitansehen können,- wie der Kriegervater bei der Beerdigung seines Kriegersohnes trauert. Die Verwundeten pflegen wir hier an der Front nicht lange zu halten. Man weiß nie, in welcher Minute marschiert wird. Nur in Ausnahmsfällen,' wenn die schwere Verwundung und der sofortige Abtransport die Heilung gefährden könnten,- pflegen wir ihn einige Wochen hier zu halten. So war es auch mit dem armen Fähnrich Friedrich Fischer. An der Spitze der . Honveds ging er zum Sturm gegen eine runiänische Höhe. Der Berg wurde glücklich besetzt,- aber er selbst erhielt eine Bauchfellwunde. Er wurde hier behandelt. Sein Zustand hatte sich durch zehn Tage fortwährend gebe'sert. Wir hatten schon sicher gehofft, daß er gene'en werde, als er mit einemmale erschlafft, immer schwächer wird und drei Tage später für immer von uns scheidet. Wir hatten den Jungen geliebt wie unser eigenes Blut. Mit seiner ewig gubn Laune erleichterte er seinen Kameraden den schweren Dienst,- mit seinem goldenen Gemüt wußte er die gefährlichsten und kritischesten Situationen seiner Umgebung heiter zu gestalten. Aus dem Pester Bankjüngling ist ein Soldat ohnegleichen geworden. Er gehörte zu den legendären Heldengestalten, die keine Kugel, keinen Tod fürchten,- sondern gegen tausend Gefahren und Stürine ankämv.end,- immer vorwärts gehen. Seine Brust schmückten bereits zwei silberne Tapferkeitsmedaillen. Für seine letzte,- die Situation rettende Heldentat erhält er die goldene Tapferkeitsmedaille. Aber er wird sich ihrer nicht mehr freuen. Er ist bereits eingekehrt — zur Ruhe. . - . Das sind hier unsere Stimniungen. Der Wahrheit getreu, bemerke ich jedoch, daß es in unserer Tätigkeit auch herzerhebende Momente gibt. Einen Rosch-haschonoh,- einen Jom-Kippur zwilchen Hunderten von Frontsoldaten zu verbringen,- mitsühlen das lebendige jüdische Empfinden,- das die Versammlung erfüllt, sehen jene wahre, eifrige Andacht,- mit welcher sie die Gebete verrichten, sehen,- mit welcher Anhänglichkeit. Treue und Liebe sie dem Glauben unserer Vä er ergeben sind: das entschädigt uns für alle Widerwärtigkeiten,- für alle harten Proben. Geradezu legendär bewunderungswürdig ist die eifrige, religiöfe Denkungsart manches innerer Kameraden. Am Kol-nidre-Abend,- nach dem Gottesdienste, spreche ich mit einem unserer Honveds. Er erzählt mir,- daß er schon fast zwei Tage nicht geschlafen habe: heute, am Erew- Jom-Kivpur,'war er auf Beobachtung, im Dienste, er hatte kaum etwas gegessen, aber trotzdem fastet er. Später, als ich meine Wohnung aufsuchte, höre ich, wie derselbe im Hofe mit einem seiner Freunde sich unterhält. An mein Ohr dringt der folgende Sah: ,-,Das wäre wirklich eine wahre Freude." Ich war nun selbst begierig, zu wissen,- was jetzt die wahre, große Freude 'wäre, da höre ich, wie er den Satz fort setzt: „Wenn auch morgen der Mond so schön scheinen würde - es war eine herrliche Mondnacht — und wir auch Kiddufch-Lewonoh ver richten könnten!" — Welch' tieseH rührendes, r.Zigiches Gefühl! . . ." IKorresvondenzen. Tie Königskrönung in Ofen. Privatnachrichten und der am 23. Dezember erschienenen jüngsten Nummer des „Egyentöseg" zufolge, sind bis zu diesem Tage keine Verfügungen getrojfen worden, nach denen die ungarische Judenschaft, als Konfession, bei den Krönungsfeierlichkeiten vertreten sein solle. Eine Anzahl angesehener Juden und jüdischer Institutionen haben jedoch besondere Einladungen zur Teilnahme erhalten. Fest steht jedoch, daß. wenn den übrigen rezipierten Konfessionen als solchen bei der Krönung König Karls IV. irgendeine Rolle zugewiesen werden sollte, auch den Juden dieselben Rechte zugebilligt werden würden. Seine Majestät verläßt nach der Krö-

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