Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 51 (29.12.1916)
- Date
- 1916-12-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 51 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 84.'! Ureinwohner gehabt habe, daß in vorhistorischer Zeit Einwanderungen aus Asien erfolgt feieit,: daß die Entgelt, änderten ben Eingeborenen nach und nach und. zit verschiedenen Zeiten ihre Sprache aufgedrängt haben. — Uns .scheint diese Ansicht die richtigere, und lvir wollert nun das anführen, was geeignet ist, sie zu sestigeir. In einer historischen Zeit, die uns nicht gar (Oiiie liegt, hat sich ein Vorgang abgespielt, den wir an der Hand zuverlässiger Belege genau verfolgen können. Die Römer habeil in allen Gebieten, die sie erobert hatten, den unterworfenen Völkern die lateinische Volkssprache aufgezwungetl. Die Einführung der lateinischen Sprache, oder — wie sie genannt wurde — der Sprache Roms, der Ungna lomami, erfolgte in der Weise, daß in jeder Ortschaft römische Kolonisten sich niederließen, oft sogar mir in ganz geringer Zahl, und die Bevölkerung zwangen, Rolnaltisch zu lernen. Um zu verhittdern, daß die Kolonisten etwa selber in der Bevölkerung ansgingen, lvurden sie nach Verlauf von fünf, sechs, höchstens zehn Jahren ausgewechselt und anr dieje Weise immer neue, frische, römische Elemente zugeführt. Da die Obrigkeit lichen Personen Römer waren und nur tu der Sprache Roms mit den Unterjochten verkehrten, waren diese genötigt, die Sprache ihrer Herren zu lernen. Schließlich lag dies ja auch in ihrem eigenen Interesse. Das nationale Bewußtsein der unterworfenen Völler urnst eilt sehr geringes gewesen sein. Sie hättelt neben der Sprache ihrer Herrell doch auch die eigeite im Verkehr mit ihren Stammesbrüdern pflegen können. Sie haben es aber nicht getan. Sie haben schließlich die Muttersprache ganz ausgegeben. Sehen wir ulls einige dieser Völker näher mn Auf deut Boden des heutigeil Frankreich mudbar über hinaus) wohnten die Kelten, auf der Pyrenäischen Halbinsel die Iberer. Diese hatten sich schon lange vorder römischen Invasion mit eingewanderten keltischeic Stämmen verntischt. Bort der Sprache der .steitiberev wissen lvir nichts. Jene wenigen fremdelt Elemente im heutigen Spanisch, welche lveder romanischen, iloch griechischen, noch seulitischen «Karthager, Araber, Iudeli) Ursprunges sind, mögen die letzten Reste der iberischen Ursprache fein, wie ja vielleicht ancl> die Bastelt ein in seiner Ursprünglichkeit erhaltener Rest der Keltiberer seilt dürften. Diese Völker Habelt also dieselbe Sprache angenommen, sie sprachen dieselbe Mundart lvie die Bewohner der Appelliltischen Halbilisel. Aber^es waren zwei verschiedene Völker, die die gleiche Sprache angenommelt hatten. Sie habelt dieselbeit Laute nicht in gleicher Weise ausgesprochen, sie habelt mit ihren verschieden gearteten Sprachwerkzeugen jene verschieden verarbeitet nnb an ders, vielfach von einander erheblich ablveichend entwickelt nnb ausgebildet. Nur so ist es zu erklären, daß ans derfelbett Sprache znttüchst Italienisch, Französisch, Spa ltisch elttstalldelt sind. Hätte Cäsar mit feinen Legionen menschenleere Gegenden betreten, wären jene Länder uubelvohnt gelvesen, dann lvärett die heutigen Bewohner dieser Länder die Nachkommen jener römischen Kolonisten, wären Römer ultd würdelt dieselbe Sprache sprechen, wie sie in Italien gesprochen wird - - mit jenen mundartlichen Abweichungen in einzelnen Gebieten, wie sie ja innerhalb desselben großen Sprachgebietes allenthalbeit voriolnnlell. Das Beispiel dieser Erscheinung rnag als Analogie gelten zur Beurteilung der in Rede stehenden Frage. Wir fragen nochmals: Wie ist die Verwandtschaft der Sprachen, die von Islaltd bis Ceylon gesprochen werden^ zu erklären? War es eiltnnb dasselbe Volk, welches diese weite Strecke belvohute und ltrsprünglich eine und dieselbe Sprache hatte, tvelche sich im Laufe von Jahrtausenden in soviele Zlveige gespalten hat? Das ist sehr unwahrscheinlich. Es müssen in vorhistorischer Zeit wiederholt Wanderuitgen stattgefunden habelt. .Wir denken uns diese ungefähr folgendermaßen: Eilt Volk lvar aus Asien herübergekolnutell und hatte die zunächst gelegenen Gebiete besetzt. Etwa die Inseln des Aegäischett Meeres und dann das Festland auf denr Balkan. Es hatte eine Bevölkerung vorgefundeu, sie unterworfen, sich mit ihr llach und nach vermischt und ihr seine höher entwickelte Sprache aufgezwungen. So bildete sich das Griechische, lvelches in den ältesten Formelt der Verba auf mi dem Sanskrit noch fehr nahe steht. Gr. es mi (eiiui), essi (ci), est-i, Skr. asnii, assi, asti. Hieralls dürslell Teile 'dieses neuen Volkes weiter nach Westelt gezogen sein, die Pyreltäische Halbinsel sich unter lvorfelt und der dortigen Bevölkerung ihre Sprache auf gedrüllgr haben, lvoraus die lateinische Sprache sich ent wickelt hat. Sehr wahrscheinlich ist es, daß wiederholt ltene Zuflüsse aus Asielt rameit nnb entlveder selbst oder im Verein mit einzelnen im Osten wohnenden Stämmen lvestwärts zogeil und so allmählich das übrige Europa mit ihrer . Sprache befruchtet habeit. Wir ntüffen mm annehmeu, daß jerie Einwande rung, weltlt sie wiederholt erfolgt tst, jedesuml voll Stämmen desselben Bolces üuleruommeu ivordell ist. Reh mell rvir ferner an, jenes Volt habe ben Namen „Arier" geführt. Hätte es in Europa menscheltleere Gegenden angerrvsieu, wäre Europa voll lebeudert Wesen entblößt gelvese.lt: dann waren alte, die heute in Europa leben (Magyaren, Türten, Finnen, Ballett ausgenommen). die Rachlommelt jelles llrvoltes, lvelches sich daselbst nieöerge lasselt hatte, sie lvären Arier mtb sprächen dieselbe Sprache, natürlich mit jenen ntundartlicheit Abweichun gen, die, wie scholl oben erwähnt, innerhalb eines so großen Sprachgebietes unvermeidlich find. Run find aber die Sprachen der Völcer Europas bei all' ihrer Verwandtschaft so verschieden, daß sie llttlnöglich im Schoße desselben Volkes sich zu )o stark voneinander abweichen den Mtlndartell hättelt eitnotcfeut köllnen. Es scheint hier derselbe Vorgang gelvesen zu feilt, lvie wir ihtt beim Eiltdringelt der Römer in fremde Gebiete kennen gelernt haben. So lvie dort die Römer, sind auch hier die „Arier" auf Eingeborene überall gestoßen, haben biefen ihre Sprache aufgezwungeu, die Eingeborellelt haben wohl eilte srentde Sprache angenommen, sind aber dadurch lein ailderes Volc getvorden. Der Franzose wird nie sagen: ,.Je suis Komaiu’4, iouöetu ..-Je suis (iaulois- Gewiß haben sich die Kellert mit den römischen Kolo nistelt vermischt, aber nicht sie sind in den Römern, sondern die Römer in ihnen aufgegailgell. Gewiß habelt sich auch die Ureinlvohlter Europas mit den eingewanderten Asiatetl vermischt. Aber so lvie die Römer nur deshalb in den Kelten, Iberern aufgegaugen finb, weil sie in der Minderzahl wareit - nur vermöge ihrer höheren Kllltur, ihrer höherer! Intelligenz founteu sie trotz ihrer Minderzahl über eine ungleich größere Mehrzahl die Oberhand gewinnen , so lind auch die Asiaten höchfuvahrscheiulich lvir tonnen beinahe sagen ge lviß an Zahl lveit geringer gelvesen als die Europäer und sind ilt ihnen ausgegangen. Sind doch auch heute die Völker Europas von einallder so verschieden, daß fie mi möglich die Nachkommelt ein und desselbett llrvoltes sein können. Der blonde, helläugige Typus im Norden, der schlvarze, dunkeläugige im Süden, der kastanienbraune « vielleicht eine Mischung beider) ilt der Mute weisen deutlich auf seit Iahrtauseudeil verschiedene Stäuline hin. Aus diesen Gründen ist klar zu ersehen, daß die Völker En ropas kein Recht haben, sich Arier zu llennen. Lächerlich klingt es also, wenn der Obmann des „Deutschelt Schulvereines" von Bewerbern um Vereinslehrerstellelt den Nachrveis ihrer „arischeit Abstammung" fordert. Mögelt innnerhin die Inder und Perser sich Arier uennen, die Völker Europas sind keine vH r i c r. Dr. Adolf K a p r a l i k.